Erneutes Jahreshoch

Notker Blechner

Stand: 16.09.2009, 20:05 Uhr

Die Klettertour des Dax geht weiter: Am Mittwoch stieg er auf 5.700 Punkten, den höchsten Stand seit Oktober 2008. Neue Konjunkturdaten aus den USA untermauerten die Hoffnung auf ein Ende der Rezession.

In der amerikanischen Industrie stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Im August stieg die Produktion im verarbeitenden Gewerbe in den USA um 0,8 Prozent und damit den zweiten Monat in Folge. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. Das sorgte an den Aktienmärkten für gute Stimmung. "Die Konjunkturdaten bestärken die Anleger in ihrer Einschätzung, dass die Wirtschaft schneller wächst als bislang gedacht", sagte ein Börsianer. Die neuesten Zahlen untermauern die gestrige Aussage von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke. Er hatte gesagt, dass die Rezession voraussichtlich vorüber sei.

Höchster Dax-Stand seit Oktober 2008
Der Dax beendete den Xetra-Handel bei einem neuerlichen Jahreshoch von 5.700 Zählern. Im späten Parketthandel baute er die Kursgewinne aus. Der L-Dax schloss bei 5.717 Punkten. Für einen zusätzlichen Schub sorgte die Wall Street. Der Dow Jones kletterte nach einem eher verhaltenen Beginn um ein Prozent nach oben. Mit 9.788 Punkten markierte er ebenfalls ein neues Jahreshoch.

Die restlichen US-Konjunkturdaten aus Übersee fielen zwar weniger gut aus als erwartet, doch das konnte den Anlegern den Optimismus nicht nehmen. Die Verbraucherpreise in den USA stiegen wegen der höheren Spritpreise um 0,4 Prozent. Analysten hatten ein Plus von 0,3 Prozent vorausgesagt. Auch das US-Leistungsbilanzdefizit fiel größer aus als erwartet. Es lag im zweiten Quartal bei 98,8 Milliarden Dollar. Volkswirte hatten mit nur 92 Milliarden gerechnet. Andererseits: Im ersten Quartal hatte das Defizit noch bei über 100 Milliarden gelegen.

Anleger springen auf fahrenden Zug
"Der Markt will einfach nach oben", meinte ein Börsianer. Angesichts des großen Verfallstag am Freitag versuchen sich Anleger noch einzudecken. Dann laufen Optionen und Futures auf Indizes und Einzelaktien aus. Viele institutionelle Anleger würden derzeit noch auf den fahrenden Zug aufspringen, glaubt Fidel Helmer, Händler von Hauck & Aufhäuser. Seiner Meinung nach sei es gut möglich, dass der Höhenflug am Aktienmarkt noch bis zu den Bundestagswahlen dauere. Dann werde die nächste Quartalsberichtssaison wieder ihre Schatten voraus werfen.

Der Euro setzte seine Rally fort und erreichte mit 1,4736 Dollar den höchsten Stand seit einem Jahr. Devisenhändler begründeten die Dollarschwäche vor allem mit dem steigenden Risikoappetit der Investoren. Die Dollar-Schwäche treibt derweil den Goldpreis nach oben. Am Mittwoch kostete die Feinunze Gold zeitweise 1020 Dollar, so viel wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Das Rekordhoch von 1032 Dollar liegt in Sichtweite.

Studie macht Adidas und Puma Beine
Besonders fit zeigten sich am Mittwoch die Aktien der deutschen Sportartikel-Hersteller. Der Adidas-Titel legte fast sieben Prozent und war Top-Gewinner im Dax. Die Puma-Aktie gewann rund drei Prozent. In einer Studie bescheinigten die Experten von Morgan Stanley den Herzogenaurachern. exzellente Noten. Adidas und auch Puma seien gut gerüstet, sich besser als die Wettbewerber zu entwickeln, glauben sie. Morgan Stanley hat beide Aktien mit "Overweight" in die Bewertung aufgenommen.

Commerzbank auf Verkaufstour
Gefragt waren ebenfalls die Bankenwerte. Die Commerzbank legte um fast fünf Prozent, die Deutsche Bank um über drei Prozent zu. Der für Privatkundengeschäft zuständige Commerzbank-Vorstand Achim Kassow hat in einem Medienbericht verkündet, dass der Verkauf von Kleinwort Benson und der Dresdner Bauspar AG auf reges Interesse stoße.

Aufs Podium schaffte es auch K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers legte über vier Prozent zu - im Sog der Kursgewinne von den Wettbewerbern Potash und Mosaic. Nach Ansicht von Händlern war K+S zuletzt der Marktentwicklung hinterhergehinkt.

Dritter Anlauf der Deutsche Börse?
Bei der Deutschen Börse flammten am Nachmittag mal wieder Übernahmegerüchte auf. Den Frankfurtern wird angeblich wieder ein Interesse an der Londoner Börse nachgesagt. Dieses Gerücht komme immer wieder auf, meinte ein Börsianer. Der Markt sei derzeit einfach in Übernahmestimmung. Während die Aktie der Deutschen Börse leicht nachgab, schoss das Papier der Londoner Börse LSE um bis zu zehn Prozent bei hohen Umsätzen nach oben. In der Vergangenheit hatte es bereits zwei vergebliche Anläufe zu einer Fusion der beiden Börsenbetreiber gegeben.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,40
Differenz relativ
-0,67%

Wird Eichler neuer ThyssenKrupp-Chef?
Neues gab es von ThyssenKrupp: Laut einem Magazin-Bericht soll der Chef der kriselnden Stahl-Sparte, Edwin Eichler, die Nachfolge des 2011 scheidenden Konzernchefs Ekkehard Schulz übernehmen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme favorisiere angeblich Eichler. Die Aktie von ThyssenKrupp kletterte um rund 3,5 Prozent, auch der andere Stahltitel Salzgitter zog um zwei Prozent an. Dabei ist eine Normalisierung der Stahlkonjunktur in Europa und den USA noch nicht in Sicht. Lakshmi Mittal, Chef von ArcelorMittal, rechnet auch 2010 mit einem schleppenden Geschäft. Der Bedeutung der Schwellenländer und insbesondere von China dürfte aber zunehmen.

Keine Kurzarbeit bei BASF in Ludwigshafen bis November
Erfreuliches teilte am Abend ein BASF-Sprecher mit. Die Aussetzung der Kurzarbeit im Ludwigshafener Stammwerk werde um zwei Monate verlängert, erklärt. Seit September wird beim Chemiekonzern nicht mehr kurzgearbeitet. An anderen Standorten in Deutschland befinden sich allerdings noch 2.200 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Teilbaustopp für Eon-Kraftwerk in Datteln
Einen Rückschlag hat der Energieversorger Eon bei seinem geplanten Kraftwerksprojekt in Datteln erlitten: Die Bezirksregierung Münster hat nach Klagen von Naturschützern und eines Landwirts einen Baustopp für wichtige Teile der Anlage erlassen. Die Richter stellten zahlreiche Planungsfehler fest. Es sei ein Regionalplan genehmigt worden, der nicht den Vorgaben des Landesentwicklungsplans entspreche. Die Eon-Aktie gab leicht nach.

Plattner macht Kasse mit SAP-Aktien
Größter Verlierer im Dax war das Papier des Softwarekonzerns SAP. Es fiel um 1,4 Prozent. Mit schuld daran ist SAP-Gründungsmitglied Hasso Plattner. Er will sich von einem Teil seiner Aktien trennen und bis Ende 2010 monatlich Papiere im Wert von 15 Millionen Euro verkaufen.

Studie beflügelt Bilfinger
Eine positive Studie von Goldman Sachs hat den Aktien von Bilfinger Berger Auftrieb gegeben. Die Goldman-Experten haben denn Bausektor hochgestuft. Sie glauben, dass das Wachstum beim Wohnungsbau den erwarteten Rückgang im Nicht-Wohnungsbau 2010 kompensieren werde. Die Bilfinger-Berger-Papiere gewannen sieben Prozent.

Zockerrally bei Arcandor
Erstaunlich sind die Kursgewinne von 40 Prozent für die Arcandor-Aktie auf 56 Cents. Händler fanden keine Erklärung für das Kursplus, sie sprachen von einer "Zockerrally". Dass der Einzelhandelsverband Licht am Ende des Tunnels sieht, dürfte Arcandor kaum genutzt haben. Der befürchtete Umsatzeinbruch beim privaten Konsum sei bisher ausgeblieben, frohlockt der Einzelhandelsverband.

KlöCo macht sich hübsch für Kapitalerhöhung
Um über sechs Prozent kletterten die Aktien von KlöCo nach oben. Händler erklärten das mit dem Schub aus dem Spreadhandel mit den Bezugsrechten der laufenden Kapitalerhöhung. Der Handel endet am morgigen Donnerstag. Ein anderer Händler sprach von Kurspflege für die Kapitalerhöhung.

Millionen-Regen für Arques
Einen noch fulminanteren Kurssprung um 18 Prozent auf 2,10 Euro machte die Aktie von Arques im SDax. Händler sprachen von charttechnischen Gründen. Am Mittag teilte die verlustträchtige Beteiligungsgesellschaft mit, den Verkauf ihrer Tochter Actebis an den Finanzinvestor Droege abgeschlossen zu haben. Somit fließen fast 39 Millionen Euro in die klammen Arques-Kassen. Am Abend wurde die Nominierung von Georg Obermeier zum neuen Aufsichtsratschef bekannt gegeben.

Wirbel um Billig-Aktien-Anbieter in Großbritannien
In Großbritannien warnt die britische Finanzaufsicht vor Verkäufern von riskanten Billig-Aktien. Mehrere Finanzfirmen würden mit Drückermethoden älteren Menschen unseriöse außerbörslich gehandelte Wertpapiere verkaufen. Bereits elf Firmen sei der Handel untersagt worden. Mehr als die Hälfte von ihnen hätten den Handel nicht wieder aufgenommen.

Adobe-Übernahme zu teuer?
In den USA stand die Aktie von Adobe stark unter Druck. Der Acrobat- und Photoshop-Anbieter will für 1,8 Milliarden Dollar den Konkurrenten Omniture übernehmen. Die Aktie verlor sechs Prozent. Die Aktie von Omniture dagegen schnellte um über 20 Prozent in die Höhe.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"