Erleichterung und Sorgen

Stand: 25.11.2008, 19:59 Uhr

Die Anleger haben am Dienstag das neue 800 Milliarden schwere US-Stützungspaket für Hypotheken und Konsumentenkredite begrüßt. Der Dax schloss leicht im Plus, die Wall Street sorgt sich weiter um die Wirtschaft.

Die US-Notenbank kündigte am Dienstag ein neues, insgesamt 800 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket an. Mit 600 Milliarden Dollar will die Regierung der Immobilienwirtschaft unter die Arme greifen, 200 Milliarden sollen der Stützung des Marktes für Konsumentenkredite dienen.

Der Dax sprang am Mittag deswegen deutlich an, notierte zwischenzeitlich drei Prozent im Plus. Angesichts nervöser Kursverläufe an der Wall Street gab der deutsche Leitindex seine Gewinne bis zum Ende des Xetra-Handels komplett wieder ab, auf dem Parkett rutsche der Dax sogar noch 53 Punkte auf 4.506 Punkte ab.

Nach den hohen Vortagesgewinnen seien Gewinnmitnahmen völlig normal, beurteilten Händler die Lage. Zumal die US-Wirtschaft am Dienstag auch positive Signale sendete.

Während das US-BIP im dritten Quartal noch wie erwartet um 0,5 Prozent sank, entwickelte sich das Verbrauchervertrauen des Conference Boards mit einem Indexstand von 44,9 Punkten deutlich besser als prognostiziert.

Doch stand den Anlegern in Amerika, zumindest während der Handelsstunden in Frankfurt, nicht der Sinn nach weiteren Kursgewinnen. Die Wall Street tendierte auch zum Ende des Parketthandels im Minus. Händler sagten, dass sich die Anleger Sorgen darum machten, dass der Wirtschaftsabschwung deutlicher als bisher erwartet ausfallen könnte.

Deutsche wollen kaufen
Die jüngste Umfrage des Marktforschungsinstitutes GfK meldet Erstaunliches. Der Konsumklimaindex stieg trotz Finanz- und Wirtschaftskrise von 1,9 auf 2,2 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 1,5 Punkte gerechnet. Konsumtitel wie Arcandor und Douglas profitierten von den Zahlen. Arcandor hat zudem neue Aktienkäufe der Großaktionärin Madeleine Schickedanz vermeldet. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Schickedanz Arcandor von der Börse nehmen wolle, sagte ein Analyst. Arcandor-Aktien stiegen am Dienstag um 3,9 Prozent.

VW-Aktie verliert, Porsche pausiert
Mit einem Minus von 22,7 Prozent rutschte die VW-Stammaktie an das Dax-Ende. Anleger hatten mit der Mitteilung des Konzerns zu kämpfen, dass man wegen der Absatzkrise die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg um Weihnachten herum für drei Wochen stoppen will. Außerdem sinkt das Gewicht der VW-Aktie im Auswahlindex MSCI.

Auch VW-Großaktionär Porsche machte von sich reden. Der Konzern verabschiedete sich von seinen Produktionszielen für dieses Geschäftsjahr. Man könne sich nicht dem aktuellen Abwärtstrend entziehen, teilte der Konzern mit. Bis Ende Januar werde es sieben Ausfalltage geben, der Absatz soll im laufenden Geschäftsjahr sinken. Die Aktie stürzte nach dieser Mitteilung um bis zu zehn Prozent.

Auch BMW kündigte weitere Produktionskürzungen an. Außerdem will der bayerische Autohersteller mehrere hundert so genannte Leiharbeiter entlassen. Die Aktie verlor 2,8 Prozent.

Gefragt: HRE, K+S, Infineon
Die in den vergangenen Wochen stark verkauften Dax-Aktien legten überdurchschnittlich zu. Die Aktie des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate beispielsweise gewann 9,2 Prozent, K+S-Titel legten um acht Prozent zu und Infineon 7,8 Prozent.

Sippenhaft für Allianz
1,3 Prozent verlor die Allianz-Aktie. Der Branchenkollege und zweitgrößte europäische Versicherer Axa erwartet statt fünf Milliarden Euro nur noch bis zu vier Milliarden Euro Gewinn in diesem Jahr. Axa-Aktien verloren mehr als fünf Prozent. Allianz-Aktionäre ließen sich von der schlechten Vorgabe nur allzu gerne anstecken, zumal die Aktie am Montag sehr kräftig gestiegen war.

MüRü zeigt Interesse an AIG
Der Versicherungskonzern Münchener Rück hat Interesse am Rückversicherungsgeschäft des amerikanischen Konkurrenten AIG gezeigt. "Wir schauen uns das Lebensversicherungsgeschäft von AIG in Asien an", sagte Vorstandsmitglied Ludger Arnoldsson. Damit könne die Versicherungstochter Ergo in China und Südkorea wachsen, ergänzte er. Die Aktie schloss 1,6 Prozent schwächer.

Stahlwerte im Plus
Aktien von ThyssenKrupp, Salzgitter und Kloecker&Co. gewannen am Dienstag überdurchschnittlich. Händler verwiesen auf die gescheiterte Fusion zwischen den Bergbaugiganten Rio Tinto und BHP Billiton. Die Befürchtung, dass der fusionierte Riese die weltweiten Erzpreise zum Nachteil der Stahlkonzerne diktieren könnte, sei damit zunächst ausgeräumt.

Salzgitter-Aktien, die um 8,9 Prozent zulegten, werden zudem als Dax-Nachrücker für Hypo Real Estate und Continental gehandelt. Auch Beiersdorf und Q-Cells werden aus Aufsteiger ausgemacht. Q-Cells-Papiere gewannen 6,8 Prozent.

Millionenauftrag für Kontron
Der Kleinstcomputerhersteller Kontron aus dem TecDax darf sich über einen Auftrag freuen. Wie das Münchener Unternehmen mitteilte, habe der Auftrag aus der Medizintechnik einen Umfang von mehr als 40 Millionen Euro, die Einnahmen aus dem Vertrag könnten ab 2010/11 zehn Millionen Euro jährlich betragen. Die Aktie stieg um 5,3 Prozent.

Morphosys erhält Patent
Das ebenfalls im TecDax notierte Biotech-Unternehmen Morphosys hat über einen australischen Kooperationspartner ein Patent für den Einsatz von Antikörpern gegen entzündliche Krankheiten erhalten. Dieses Antikörperprogramm sei eine der drei wichtigsten Säulen von Morphosys, stellte ein Biotechexperte fest. Die Morphosys-Aktie kletterte um 2,3 Prozent.

CTS Eventim recht optimistisch
Der im SDax notierte Ticketvermarkter CTS Eventim hat sich betont optimistisch für das vierte Quartal gezeigt. Trotz eines schwierigen Marktumfeldes rechnet der Konzern mit einem "profitablen Wachstum" und erwartet, dass das operative Ergebnis in diesem Jahr den Wert von 2007 (47 Millionen Euro) übertreffen werde. CTS-Eventim-Papiere schlossen 2,8 Prozent höher.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat