Marktbericht 20:02 Uhr

Ende des US-Haushaltsstreits Erleichterung an den Märkten

Stand: 16.10.2013, 20:02 Uhr

Mit Hochstimmung haben die Anleger Ausicht auf einen Durchbruch im amerikanischen Haushaltsstreit begrüßt. Binnen Minuten schoss der deutsche Leitindex Dax auf Rekordhöhe. Auch an der weltgrößten Leitbörse in New York gab es am Mittwoch deutliche Kursgewinne.

In der Spitze kletterte der Dow Jones-Index auf 15.374 Punkte, ein Plus von 1,3 Prozent. Bei Börsenschluss am Abend in Frankfurt notiert der US-Leitindex bei 15.351 Zählern. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, die Parteien hätten sich darauf geeinigt, die Schuldengrenze des Landes rechtzeitig zu erhöhen.

Auch die teilweise lahmgelegte US-Verwaltung solle durch Verabschiedung eines Übergangsbudgets wieder geöffnet werden. Der Oppositionsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, bestätigte die Vereinbarung. Wie und bis wann das Gesetz durch den Kongress gebracht werden solle, ließen die Politiker aber offen. Beide Kammern müssen dem Gesetz zustimmen, damit US-Präsident Barack Obama es unterschreiben kann. Obama begrüßte den Kompromiss.

Gestützt wurden die Aktienmärkte auch von einer Flut von Unternehmensergebnissen. "Die Bilanz-Saison hat einen guten Start hingelegt", kommentierte Jonathan Golub von RBC Capital Markets und verwies auf zahlreiche Konzerne mit überraschend guten Quartalszahlen.

Harsche Worte von Warren Buffet

Auch der Dax macht wegen der Aussicht auf eine Einigung in den USA einen Sprung auf ein neues Rekordhoch von 8.846 Punkten, knapp ein halbes Prozent oder 42 Zähler mehr als gestern. Zuvor war der Leitindex den größten Teil des Tages um seinen Vortagesstand von 8.804 Zählern gependelt.

Starinvestor Warren Buffett hatte am Nachmittag die politischen Lager in Washington aufgefordert, ihre Streitigkeiten um die Staatsfinanzen beizulegen. Das Land könne es sich nicht leisten, dass die Leute das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA verlören, sagte Buffett am Mittwoch dem US-Wirtschaftssender CNBC. "Kreditwürdigkeit ist wie Jungfräulichkeit - sie kann bewahrt, aber nicht so leicht wiederhergestellt werden. Es ist also verrückt, damit herumzuspielen."

Die Ratingagentur Fitch drohte derweil den Vereinigten Staaten wegen der Finanzstreitigkeiten mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Die Agentur setzte das begehrte "AAA" oder "Triple-A" unter Beobachtung,

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist nach den Meldungen über eine bevorstehende Einigung in Washington kurz unter Druck geraten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung aber wieder oberhalb der Marke von 1,35 Dollar bei 1,3549.

Bank of America mit weniger Rückstellungen

Dank deutlich gesunkener Rückstellungen für Kreditausfälle und dem Verkauf ihrer Beteiligung an der China Construction Bank hat die Bank of America im dritten Quartal ihr Ergebnis kräftig gesteigert auf 2,5 Milliarden Dollar, nach 340 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das ist mehr als von Analysten erwartet worden war. Im zweiten Quartal hatte die Bank allerdings noch einen Gewinn von vier Milliarden Dollar erzielt. Die Aktie legt vorbörslich zu. Der Brause- und Snackhersteller Pepsico ist dagegen im dritten Quartal auf der Stelle getreten. Das Betriebsergebnis stagnierte bei 2,78 Milliarden Dollar.

Commerzbank und Telekom vorn

In Deutschland hält sich die Aktie der Commerzbank bis zum Handelsschluss an der Dax-Spitze. Viele Anleger setzen darauf, dass die Banken weiter von den Währungshütern mit Liquidität versorgt werden. Eine Kursziel-Anhebung durch JPMorgan bescherte den Aktien der Deutschen Telekom ein Plus von 1,75 Prozent auf 11,92 Euro, womit die Titel so viel wie zuletzt im November 2008 kosteten.

Autotitel trotz Branchenerholung leichter

Autotitel können dagegen nicht von eigentlich ermutigenden Absatzzahlen der Branche in Europa im September profitieren. Dabei hat laut Equinet-Analyst Tim Schuldt der europäische Markt offenbar einen Boden gefunden. So hat die Zahl der Verkäufe im September um 5,4 Prozent zugelegt, wie der Branchenverband ACEA mittteilte.

Müller macht Druck auf Evonik

Im MDax sind die Titel von Evonik unter Druck geraten. Grund ist eine Forderung von Werner Müller, dem Chef der RAG-Stiftung, die die Mehrheit der Aktien an Evonik hält. Müller sagte dem "Manager Magazin", Evonik müsse mindestens die Dividende des Vorjahres von 0,92 Euro zahlen. Er könne sich auch "eine gerade Summe" bei der Dividende vorstellen, fügte er hinzu - und schickte damit prompt den Aktienkurs auf Talfahrt. Zu den Verlierern im MDax gehören auch die Papiere von Dürr. Dabei hat die Deutsche Bank das Kursziel für den Spezialanlagenbauer von 58 auf 63 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.

Tag Immobilien: Elgeti macht reinen Tisch

Leicht zulegen können dagegen die ebenfalls im MDax notierten Papiere von Tag Immobilien. Der in die Kritik geratene Firmenchef Rolf Elegti will seine privaten Immobilien-Investments an einen Treuhänder übertragen. Der Manager war in den letzten Tagen unter Druck geraten, weil er Privates und Geschäftliches mutmaßlich vermischte.

Yahoo und Intel ohne Fantasie

Sinkende Umsätze und ein Gewinneinbruch haben dem Internet-Konzern Yahoo das dritte Quartal verhagelt. Im Vorjahr hatte das Unternehmen allerdings einen Sonderertrag von 2,8 Milliarden Dollar eingestrichen. Beim weltgrößten Prozessorenhersteller Intel tritt das Geschäft auf der Stelle. Der Umsatz im dritten Quartal blieb weitgehend unverändert, der Gewinn rutschte um 0,7 Prozent ab.

Danone und LVMH im Rückwärtsgang

An der Pariser Börse bildeten LVMH mit einem Abschlag von 6,8 Prozent auf 135 Euro das Schlusslicht im CAC40. Der Luxusgüterhersteller hatte ein überraschend schwaches Umsatzwachstum bekanntgegeben. Danone fielen in der Spitze um 5,2 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 50,30 Euro. Wegen des Babymilch-Skandals in China kappte der französische Lebensmittelhersteller seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr.

Twitter mit Verlusten im Gepäck

Der Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter wird an der New York Stock Exchange (NYSE) erfolgen. Damit macht das Unternehmen einen Bogen um die Technologiebörse Nasdaq, offenbar weil Pannen wie beim Börsengang von Facebook vermieden werden sollen. Am 15. November soll die Aktie nach Medienberichten erstmals gehandelt werden. Wie Twitter zudem mitteilte, hat das Unternehmen im dritten Quartal einen Verlust von 64,6 Millionen Dollar verbucht, drei Mal so viel wie im Jahr zuvor.

Ubisoft-Aktie im freien Fall

Papiere des französischen Spiele-Entwicklers rauschen zeitweise um rund ein Drittel abwärts. Das Unternehmen hatte zuvor gemeldet, im laufenden Jahr operativ mit 40 bis 70 Millionen Euro in die Miesen zu rutschen. Der Verkaufsstart zweier wichtiger Spiele verzögert sich, damit ist das Weihnachtsgeschäft für die Titel laut Analysten "perdu".

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"