Marktbericht 20:10 Uhr

Dax gewinnt fast 250 Punkte Erholungsrally an den Börsen

Stand: 09.07.2015, 20:10 Uhr

Weltweit ging es an den Börsen am Donnerstag nach oben- und das teils kräftig. Der Dax schoss zeitweise auf über 11.000 Punkte. Die Erholung am chinesischen Aktienmarkt und Hoffnungen auf ein Happy-End im Griechen-Drama trieben die Kurse an.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.570,37
Differenz relativ
+0,24%

Ist das Schlimmste nun ausgestanden? Beim Blick auf die Börsenkurse am Donnerstag würde man das fast meinen. Dax & Co starteten eine kräftige Aufholjagd und machten einiges an Boden gut. Der EuroStoxx50 schloss fast drei Prozent höher und eroberte seine 200-Tage-Linie zurück. Der Dax kletterte um 2,3 Prozent nach oben und schaffte das größte das Tagesplus seit zweieinhalb Wochen. Zum Xetra-Ende fehlten nur vier Pünktchen zur runden Marke von 11.000 Zählern.

Wall Street rückt vor

Auch an der Wall Street ging es wieder moderat aufwärts – nach dem gestrigen Kursrücksetzer. der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss knapp 0,5 Prozent höher. Der breiter gefasste S&P 500 und die Nasdaq gewannen 0,5 Prozent. Negative Signale vom US-Arbeitsmarkt ließen die Anleger kalt. Die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg überraschend um 15.000 auf 297.000. Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet.

China-Crash gestoppt

Der vorerst gestoppte Crash an der Shanghaier Börse ließ die Anleger rund um den Globus aufatmen. Der Leitindex Shanghai Composite sauste um knapp sechs Prozent nach oben - dank der chinesischen Regierung. Sie hat drastische Schritte beschlossen, um die Talfahrt an den Märkten zu stoppen. Der stärkste Tagesgewinn seit 2009 lasse hoffen, dass Investoren nun wieder Vertrauen in chinesische Aktien fassen, meinte Andreas Paciorek, Analyst von CMC Markets.

Investoren glauben an Happy-End im Griechen-Drama

Selbst Griechenland erwies sich am Donnerstag einmal nicht als Kursbremse, sondern als Kurstreiber. Trotz skeptischer Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble setzen Anleger auf eine Last-Minute-Einigung in griechischen Schuldendrama. Die griechische Regierung will bis Mitternacht neue Reformvorschläge vorlegen. Sollte das Paket die Geldgeber zufriedenstellen, könnten sie ein neues Hilfsprogramm und eine Zwischenfinanzierung gewähren.  Andernfalls  droht Athen, keine neuen Kredite mehr zu erhalten.

Kommt Zinswende später?

Wegen Griechenland könnte die Zinswende erneut aufgeschoben werden. Wie aus dem gestern abend veröffentlichten Sitzungsprotokoll der Fed hervorgeht, ist sich die Führungsspitze der Notenbank nicht einig über den geeigneten Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung.

IWF: Weltwirtschaft würde "Grexit" überleben

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen die Turbulenzen um Griechenland momentan keine gravierende Gefahr für die Weltwirtschaft dar. "Insgesamt haben diese Entwicklungen das große Bild auf die globalen Wirtschaftsaussichten nicht verändert", heißt es in der aktualisierten Konjunkturprognose des IWF vom Donnerstag. Der IWF schätzt, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr um 3,3 Prozent zulegt- 0,2 Punkte weniger als in der April-Prognose. Im kommenden Jahr wird dann mit 3,8 Prozent gerechnet.

Rohstoffpreise steigen wieder

Im Sog der Erholung an der Shanghaier Börse zogen auch die Preise für Rohstoffe an. Kupfer verteuerte sich um 1,5 Prozent, Eisenerz sogar um fast zehn Prozent. Der Preis für die Rohölsorte Brent aus der Nordsee stieg um drei Prozent. Der Euro geriet unter Druck, behauptete sich aber bis zum Abend bei knapp über 1,10 Dollar.

T-Aktien ragen positiv heraus

Im Dax gab es nur Gewinner. Zum Spitzenreiter avancierten die T-Aktien. Sie kletterten um vier Prozent nach oben- dank der US-Mobilfunktochter. T-Mobile US gewann im zweiten Quartal gut eine Million neue Vertragskunden unter eigener Marke. Das sei das vierte Quartal hintereinander mit einem siebenstelligen Kundenzuwachs, hieß es.

Auto-Aktien drehen auf

Gut in Schwung präsentierten sich die Autoaktien. Die Titel von Conti legten über drei Prozent, die Papiere von VW und Daimlerüber zwei Prozent zu. Gestern noch waren die Auto-Titel wegen der Angst vor einem China-Crash unter die Räder gekommen. Händler verwiesen auf eine positive Branchenstudie. Nach Einschätzung des Herstellerverbands ACEA werden in Europa in diesem Jahr mehr neue Autos verkauft als bisher angenommen. Die Zahl der PKW dürfte bis Jahresende um fünf Prozent steigen. Bisher lag die Prognose nur bei zwei Prozent.

Beiersdorf und der Farbenstreit

Der Markenstreit um das Nivea-Blau des Kosmetikkonzerns Beiersdorf geht in eine neue Runde. Der Bundesgerichtshof hob eine Entscheidung des Bundespatentgerichts auf, das die Löschung der entsprechenden Farbmarke angeordnet hatte. Die Hamburger hatten sich die Marke im Jahr 2007 für Haut- und Körperpflegeprodukte schützen lassen. Die Beiersdorf-Aktien stiegen nur moderat um ein Prozent.

K+S hält sich für unterbewertet

Es gab keine Verlierer im Dax. Selbst die Aktien von K+S drehten leicht ins Plus. Finanzchef Burkhard Lohr vermisst in der Übernahmeofferte des kanadischen Düngemittelriesen Potash eine Prämie. Den Vorschlag, alle K+S-Aktien zu je 41 Euro zu übernehmen, habe man "ablehnen müssen", weil der volle Wert des Minenprojekts Legacy nicht berücksichtigt sei, sagte er in der "Börsen-Zeitung".

Süße Zahlen von Südzucker

Im MDax sorgten gute Quartalszahlen für Kauflaune. So überraschte Südzucker mit einem deutlich niedrigeren Gewinneinbruch als befürchtet. Die Aktie war mit einem Plus von fast sieben Prozent MDax-Spitzenreiter. Wegen des Verfalls der Zuckerpreise schrumpfte zwar das Betriebsergebnis im ersten Quartal 2015/16 (von März bis Ende Mai) um 43 Prozent auf 61 Millionen Euro. Analysten hatten noch schlechtere Zahlen erwartet.

Solide Bilanz von Gerresheimer

Überzeugend waren auch die Quartalszahlen von Gerresheimer. Die Aktie stieg um über drei Prozent. Im zweiten Quartal des im November endenden Geschäftsjahres legte der Umsatz um rund sechs Prozent auf 356,4 Millionen Euro zu. Das war etwas mehr als von Analysten erwartet. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 22,4 Millionen Euro - gut sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Fielmann behält den Durchblick

Die Optikerkette Fielmann hat ihren Wachstumskurs im zweiten Quartal fortgesetzt. Nach ersten Berechnungen stieg das Ergebnis vor Steuern im Quartal um acht Prozent auf mehr als 52 Millionen Euro. Börsianern zufolge fielen die Quartalszahlen wie erwartet aus. Die Fielmann-Aktien schlossen 1,6 Prozent im Plus.

Morgan Stanley mag Kion nicht mehr

Schlusslicht im MDax war Kion mit einem Minus von 1,5 Prozent. Morgan Stanley kassierte die Kaufempfehlung für Kion-Titel. Die Aktien seien verglichen mit denen der Rivalen nicht mehr günstig, begründeten sie die Herabstufung. Die Analysten von Goldman Sachs senkten ihr Kursziel leicht auf 45 von 45,50 Euro.

Analysten-Malus für Aixtron

Auch im TecDax bewegten die Analysten die Kurse. So drücken die Experten von Kepler Cheuvreux den Kurs von Aixtron. Mit einem Minus von über sieben Prozent war Aixtron Schlusslicht im TecDax. Die Experten stuften Aixtron von "Hold" auf "Reduce" ab. Das Kursziel wurde von 7 auf 5 Euro gesenkt.

SMA hebt Prognose an

Im TecDax war nachbörslich die Aktien von SMA Solar gefragt. Der Kurs zog um zehn Prozent an. Der angeschlagene Solarzulieferer hob seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr an. Als Gründe gab der Vorstand eine über den Erwartungen liegende Entwicklung des Weltmarkts für Bauteile von Solaranlagen, eine deutliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sowie einen weiterhin hohen Auftragsbestand an. Der Vorstand rechnet nun mit bis zu 850 Millionen Euro Umsatz, zuvor war er von bis zu 770 Millionen Euro ausgegangen. Beim operativen Ergebnis (Ebit) könnte der Wechselrichter-Hersteller im günstigsten Fall eine schwarze Null schaffen. Zuvor war ein Minus von bis zu 60 Millionen Euro erwartet worden.

Zalando-Papiere platziert

Holtzbrinck Ventures und Access Industries haben insgesamt rund 8,3 Millionen Zalando-Aktien im Volumen von 244 Millionen Euro losgeschlagen, teilten die beauftragten Banken Goldman Sachs und JPMorgan mit. Das entspricht 3,36 Prozent des Grundkapitals von Zalando. Die Papiere wurden zu 29,50 Euro platziert, rund fünf Prozent unter ihrem Schlusskurs von 31,12 Euro. Die Zalando-Aktien standen zeitweise unter Druck. Sie haben seit dem Börsengang im Herbst rund 45 Prozent zugelegt.

Chorus Clean Energy bläst IPO ab

Die Turbulenzen rund um Griechenland sind dem Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy zu heftig: Das Unternehmen stoppte seinen bereits angeschobenen Börsengang. Es sei "nicht in unserem Interesse und dem unserer bestehenden Aktionäre, die Chorus Clean Energy AG in diesem turbulenten Kapitalmarktumfeld unter Wert an die Börse zu bringen', sagte Vorstandschef Holger Götze. Wann ein neuer Anlauf starten könnte, ließ er offen.

Alcoa läutet Berichtssaison ein

In den USA hat Alcoa die Berichtssaison zum zweiten Quartal eröffnet. Der US-Aluriese hat seine Ergebnisse im zweiten Quartal trotz fallender Rohstoffpreise verbessern können. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf unter dem Strich 140 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um etwa ein Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Die Alcoa-Aktien zogen zur Handelseröffnung leicht an.

Pepsi verdient mehr

Der Getränkeriese Pepsi kämpft weiter mit dem starken Dollar, verdient aber dank guter Snack-Geschäfte in Nordamerika besser als erwartet. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr leicht von 1,978 auf 1,98 Milliarden Dollar. Das Ergebnis übertraf die Prognosen der Analysten. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 15,92 Milliarden Dollar zurück, fiel aber höher aus als angenommen. Die Aktie steigt vorbörslich um mehr als zwei Prozent.

P&G verkauft Wella an Reimann-Konzern

Der Shampoo-Hersteller Wella sowie zahlreiche andere Kosmetik-Marken des US-Konzerns Procter & Gamble wechseln in das Reich der Milliardärsfamilie Reimann. Der Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty, an dem die Reimanns die Mehrheit halten, wird für 12,5 Milliarden US-Dollar insgesamt 43 Pflege- und Duftmarken kaufen. Procter & Gamble verspricht sich aus dem Geschäft einen Einmalgewinn in Höhe von fünf bis sieben Milliarden Dollar. Davon sollen auch die P&G-Aktionäre etwas haben. In den nächsten vier Jahren will der Konzern bis zu 70 Milliarden Dollar hauptsächlich in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Anteilseigner ausschütten.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
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Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
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