Erholung in den Abendstunden

Stand: 06.05.2008, 20:15 Uhr

UBS, Swiss Re und Fannie Mae, die Miesepeter: Sie zogen Finanztitel allerorten abwärts und sorgten für schlechte Stimmung an den Börsen. Doch dann hellte sich die Laune der Börsianer wieder auf.

Am Ende verabschiedete sich der Dax mit einem noch moderaten Minus von 0,5 Prozent aus dem elektronischen Xetrahandel. Er schloss beim Stand von 7.017, nachdem er während der Börsensitzung zeitweise unter die Marke von 7.000 getaucht war. Der L-Dax erholte sich weiter - fast bis auf das Vortagesniveau - und schloss bei 7.050 Zählern.

Die Stimmungsumkehr wurde wie so oft von den US-Börsen ausgelöst. Doch auch dort war die Laune zunächst im Keller. Der Dow Jones war in negativen Gefilden gestartet. Anleger sorgten sich wegen des Milliarden-Verlustes des größten US-Hypothekenanbieters Fannie Mae, der zudem noch einen pessimistische Ausblick gab. Dazu drückten weitere Hiobsbotschaften von Finanzfirmen auf die Titel der Branche: So wies der US-Vermögensverwalter Legg Mason erstmals in seiner Geschichte einen Quartalsverlust aus. In Europa hatten zuvor schon UBS und Swiss Re mit ihren Quartalsberichten enttäuscht. Auch der größte US-Häuslebauer D.R. Horton musste wegen höherer Abschreibungen im zweiten Quartal einen Milliarden-Verlust melden. Belastend wirkte auch der Ölpreis, der neue Höhen erklomm. Zu allem Überfluss prognostizierte Goldman Sachs einen weiteren Anstieg: In den nächsten zwei Jahren könnte der Ölpreises auf 200 Dollar klettern.

Ein Wunder, dass die Stimmung an den Börsen dann doch drehte. Der Dow Jones schaffte es sogar in die Pluszone, wenn auch nur leicht. "Wir hatten etliche negative Meldungen heute Morgen, aber wir haben sie abgeschüttelt", sagte ein Händler. "Das ist ermutigend." Selbst die Aktien von Fannie Mae drehten ins Plus. Die Ratingagentur Moody's bewertete nämlich die Kreditwürdigkeit des Hypothekenanbieters weiter mit Bestnote. In einer Pressekonferenz äußerte sich das Management außerdem zur finanziellen Lage des größten US-Hypothekenanbieters - und offenbar gelang es dem Management, Investoren Mut zu machen.

Yahoo wartet auf Microsoft
Auch Spekulationen über weitere Übernahmegespräche zwischen Microsoft und dem Internetkonzern Yahoo gaben den Märkten Auftrieb. Man glaubt wohl, der Druck der Yahoo-Aktionäre könnte zu einer Einigung führen: "Es sieht so aus, als werden die Aktionäre tatsächlich versuchen, etwas zu erreichen", sagte ein Marktexperte. Die Aktie greife der Realität voraus. Yahoo-Chef Jerry Yang gab sich weiter offen für ein Angebot des Softwarekonzerns. Microsoft äußerte sich dagegen ablehnend. Die Geschichte mit Yahoo sei beendet, sagte der Präsident von Microsoft International, Jean-Philippe Courtois, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der weltgrößte Softwarekonzern wolle sich nun auf seine eigene Strategie konzentrieren, um zum führenden Internetdienstleister aufzusteigen.

Hypo Real Estate erleidet Gewinneinbruch
In Deutschland bleibt der Blick auf die Finanztitel gerichtet. Nach dem Desaster von UBS und Swiss Re hänge viel davon ab, ob andere große Banken mit bösen Überraschungen aufwarteten, sagte ein Marktstratege. Am Mittwoch veröffentlichen unter anderem die Commerzbank und Axa Zahlen.

Hypo Real Estate hatte bereits heute seine Zwischenbilanz veröffentlicht - und enttäuscht. Die Finanzkrise brockte dem Immobilienfinanzierer weitere hohe Abschreibungen und einen Gewinneinbruch ein. Noch viel mehr sorgen sich Anleger wegen des Ausblicks: Konzernchef Georg Funke wagte wegen des schwierigen Umfelds keine Prognose für dieses Jahr mehr. Die HRE-Aktie war heute der schwächste Wert im Dax.

Adidas macht Gewinnsprung
Am anderen Indexende thronte die Adidas-Aktie. Die guten Quartalszahlen gaben dem Papier mehr als fünf Prozent Auftrieb. Der Sportartikelhersteller hat den Gewinn im ersten Quartal um 32 Prozent auf 169 Millionen Euro gesteigert, mehr als Analysten erwartet hatten. Prall gefüllte Auftragsbücher in Europa und Asien lassen den Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach trotz des schwachen Geschäfts in Nordamerika optimistisch in die Zukunft blicken: Vorstandschef Herbert Hainer peilt bei Umsatz und Gewinn in diesem Jahr neue Rekorde an, wie er am Dienstag bekräftigte.

Dicht auf den Fersen war die Aktie von Infineon mit Kursgewinnen von zeitweise mehr als sieben Prozent. Übernahmegerüchte machten die Runde: "Angeblich sollen Samsung und Intel gemeinsam ein Übernahmeangebot planen", sagten Händler. Als Preis werde 10 Euro je Aktie genannt. Am Ende verabschiedete sich die Aktie mit einem Plus von nur noch zwei Prozent aus dem Handel.

Daimler gab Absatzzahlen für den vergangenen Monat bekannt. Die Autos verkauften sich im April sehr gut, weltweit wurden 119.000 Autos verkauft, ein Plus von 22 Prozent.

Übernahmegerüchte treiben MLP
Im MDax setzt sich die MLP-Aktie an die Indexspitze mit Zugewinnen von mehr als fünf Prozent. Gerüchte über ein Kaufinteresse der Hannover Rück am Finanzdienstleister treiben. Der norddeutsche Rückversicherer dementierte: "An den Gerüchten über ein Interesse an MLP ist nichts dran", sagte Konzernchef Wilhelm Zeller am Dienstag zu Reuters. MLP lehnte einen Kommentar ab und wies darauf hin, dass Großaktionär Manfred Lautenschläger wiederholt gesagt habe, seinen Anteil nicht zu verkaufen. MLP wird morgen seine Quartalsbilanz veröffentlichen.

Die Hannover Rück gab bereits heute Einblick in die Bücher. Zum Jahresauftakt schraubte das MDax-Mitglied sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 59 Prozent auf 245,6 Millionen Euro in die Höhe. Damit wurden die Prognosen der Marktbeobachter übertroffen. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde bekräftigt.

China kostet Beiersdorf zu viel
Titel von Beiersdorf fielen nach teils enttäuschenden Zahlen fünf Prozent Kursminus an das Ende im Index der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen. Ebit und Marge hätten leicht unter den Erwartungen gelegen. Schlecht angekommen ist zudem die teurere Werbekampagne für den jüngst übernommenen chinesischen Shampooherstellers C-Bons.

Kuka mit mehr Gewinn
Aktien von Kuka schlossen ebenfalls mit fünf Prozent Kursminus. Dabei hatte der Maschinenbau-Konzern Kuka einen Gewinnsprung im ersten Quartal gemeldet und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Vielleicht hatten Anleger auf eine Anhebung der Jahresprognose spekuliert. Dafür ist es aber noch zu früh, sagte Finanzvorstand Jürgen Koch.

Epcos leidet unter fehlender Währungssicherung
Im TecDax liegt die Epcos-Aktie mit gut vier Prozent Plus an der Indexspitze. Der
Spezialist für elektronische Bauteile meldete ein stabiles zweites Geschäftsquartal und bestätigte die Ergebnis- und Umsatzprognosen für das Gesamtjahr.

Solartitel litten laut Händlern weiter unter negativen Nachrichten vom Montag, als das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sich für eine drastische Senkung der Solarstrom-Vergütung um 30 Prozent ausgesprochen hatte. Solon gaben als größter TecDax-Verlierer mehr als sechs 6,54 Prozent nach.

Aktien von Pulsion Medical Systems gerieten nach Zahlen unter Druck geraten und gaben mehr als 13 Prozent ab. Laut einem Händler hat der auf medizinische Diagnose- und Therapiesysteme spezialisiertes Life-Science-Unternehmen "eine Gewinnwarnung" abgegeben. Pulsion habe zwar im ersten Quartal 2008 die Umsätze im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 6,8 Millionen Euro gesteigert, damit aber eigenen Aussagen zufolge die eigenen Planungen verfehlt. Für 2008 werde nun ein Umsatzwachstum von mindestens 20 Prozent angestrebt, was laut Pulsion "am unteren Ende des zunächst angenommenen Wachstumskorridors von 20 bis 30 Prozent" liegt. Die Ebit-Marge soll bei wenigstens 15 Prozent liegen.

Süss mit vollen Auftragsbüchern
Die im Prime Standard notierte Süss Microtec AG veröffentlichte nach Xetra-Schluss ihren Quartalsbericht. Das Unternehmen meldete einen Auftragseingang von 43,8 Millionen Euro - rund 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg im ersten Quartal auf 35,3 Millionen von 39,4 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank jedoch um fast 60 Prozent auf 1,6 Millionen Euro von 3,9 Millionen. Die Aktie legt auf dem Frankfurter Parkett deutlich zu.

United Internet will Freenet blockieren
Der Internet-Anbieter United Internet will die Übernahme des Mobilfunkers Debitel durch den Konkurrenten Freenet blockieren. "Wir haben einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, die die Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung des Debitel-Kaufs unterbinden soll", sagte der Vorstandschef von United Internet, Ralph Dommermuth, dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). United Internet wollte Freenet kaufen und hatte sich gemeinsam mit dem Mobilfunk-Unternehmen Drillisch bereits gut 25 Prozent der Aktien gesichert. Freenet übernahm jedoch seinerseits den Wettbewerber Debitel vom Finanzinvestor Permira und bremste Dommermuth so aus.

Playboy macht Miese
Zurück zu den US-Märkten. Die Aktien von Playboy Enterprises verloren zehn Prozent, nachdem der "Playboy"-Herausgeber ein Quartalsverlust von 3,1 Millionen Dollar bekannt gegeben hatte. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,5 Millionen Dollar verbucht. Geringere Einnahmen aus dem Verlags- und dem Fernsehgeschäft hätten nun zu einem Umsatzrückgang geführt. Lizenzgeschäfte mit Produkten wie dem "Häschen-Logo" steuerten zwar für das Gesamtjahr auf ein deutliches Wachstum zu, könnten aber die schrumpfenden Einnahmen aus dem Mediengeschäft nicht ausgleichen.

Aktien von Sara Lee verloren ebenfalls kräftig. Das Quartalsergebnis des Lebensmittelherstellers war schlechter als von Analysten erwartet ausgefallen. Außerdem rechnet Sara Lee für das Gesamtjahr nur mit einem Gewinn von 0,84 Dollar, die Schätzungen der von Thomson Financial befragten Analysten lagen bisher bei 1,00 Dollar.

Der angeschlagene US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel prüft fast drei Jahre nach seinem Zusammenschluss laut einem Zeitungsbericht die Aufspaltung der beiden Konzernteile. Es habe bereits Gespräche mit Interessenten für die Nextel-Einheit gegeben, berichtete das "Wall Street Journal" und beruft sich dabei auf Insider. Eine Transaktion stehe jedoch nicht unmittelbar bevor.

Sprint Nextel ist derzeit auch ein möglicher Übernahmekandidat der Deutschen Telekom und ihrer Tochter T-Mobile USA. Der deutsche Branchenriese prüft Kreisen zufolge den Kauf des in den USA nächstgrößeren Mobilfunkanbieters, der mit sinkenden Kundenzahlen kämpft. Eine Aufspaltung des Konzerns könnte eine Übernahme erleichtern. Die Übernahme würde T-Mobile USA mindestens auf Augenhöhe mit den beiden Branchenführern AT&T und Verizon bringen. Sprint Nextel lehnte bisher zu allen Spekulationen eine Stellungnahme ab.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr