Erholung beendet

Stand: 19.08.2010, 20:03 Uhr

An den Börsen ist triste Stimmung eingekehrt. Nach dramatisch schlechten Daten von der US-Wirtschaft sind Dow und Dax eingebrochen. Angst vor einem neuen Absacken der Konjunktur macht sich auf dem Parkett breit.

In New York geistert bereits des Rezessionsgespenst durch die Börsenhallen.
"Wachstum ist nicht in Sicht", sagte ein Händler an der Wall Street angesichts der bestürzend schlechten Signale, die am Donnerstag von der US-Wirtschaft kamen. Der wegweisende Philly Fed-Index war von plus 5,1 auf minus 7,7 Punkte im August eingebrochen. Das hatte die Volkswirte auf dem falschen Fuß erwischt - sie waren im Schnitt von einem Anstieg auf plus 7,0 Punkte ausgegangen. Werte unter Null deuten in der wichtigen Region Philadelphia auf einen Rückgang der Wirtschaftsaktivität hin.

Dazu kam ein schwächer als erwarteter Anstieg der US-Frühindikatoren und dann auch noch erschreckend schlechte Arbeitsmarktdaten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung war in der vergangenen Woche auf 500.000 gestiegen, hier hatten die Auguren mit einem Rückgang auf 476.000 gerechnet.

Staples muss tiefstapeln

Am Abend kam auch noch ein Nackenschlag von einem US-Unternehmen. Die Aktie des Büroartikelherstellers Staples rutschte ab, nachdem das Unternehmen nur stagnierende Umsätze für das zweite Quartal ausgewiesen hatte.

Nur kurze Zeit belebend hatte da die Ankündigung von Intel gewirkt, das den Anti-Virus-Spezialisten McAfee für 7,7 Milliarden Dollar kaufen will. McAfee-Aktien schossen um mehr als 50 Prozent nach oben.

Dax sieht angeschlagen aus

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Beim Großteil der Dax-Aktien zeigte der Kurse dagegen stramm abwärts. Der Dax konnte sich auch im späten Parketthandel nicht über die Marke von 6.100 Punkten bewegen. Mit dem Bruch der 38-Tage-Linie sieht der Index nun auch charttechnisch angeschlagen aus.
Lediglich die VW-Aktie schloss den Donnerstagshandel auf Vortagesniveau ab. Verluste zwischen zwei und drei Prozent mussten Schwergewichte wie Siemens, die Allianz und die Deutsche Bank einstecken.

Infineon: Spartenverkauf kommt voran

Mit vergleichsweise geringen Kursverlusten kam die Aktie des Chipkonzerns Infineon davon. Unternehmensvorstand Hermann Eul hatte der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass beim Verkauf der Mobilfunksparte Fortschritte erzielt worden seien. Außerdem macht sich Infineon Hoffnungen, deutsche Personalausweise mit Mikrochips bestücken zu können.

SAP mit mobiler Strategie

Papiere des Softwarekonzerns und der Münchener Rückversicherung hielten ihre Verluste ebenfalls in Grenzen. Während es bei der "MüRü" keine kursbewegenden Neuigkeiten gab, profitierten SAP-Titel von Nachrichten zur Integration der Tochter Sybase. Zusammen mit Sybase will SAP binnen neun Monaten eine mobile Plattform für seine Produkte aufbauen,

HeidelCement leidet unter Holcim

Minus 2,5 Prozent lautet die Tagesbilanz der Aktie des Baustoffkonzerns. Die Zement-Papiere litten unter enttäuschenden Zahlen des Schweizer Konkurrenten Holcim, der einen Gewinneinbruch von 40 Prozent meldete.

Autozulieferer halten sich wacker

Im MDax erreichten die Autozulieferer ElringKlinger und Conti einen positiven Handelsschluss. Conti wurde von der Investmentbank Cheuvreux mit der Empfehlung "outperform" ausgezeichnet, der Analyst begründet dies mit einer verbesserten Kostenstruktur und optimistischeren Annahmen zur Umsatzentwicklung.

Fantasie bei Wirecard

Einer der größten TecDax-Gewinner ist die Aktie des Online-Zahlungsabwicklers Wirecard, die fast drei Prozent zulegt. Das Papier profitiert einerseits von einer Kaufempfehlung durch die WestLB. Zum anderen kommt laut Händlern Übernahmefantasie in der Branche auf, weil der Kreditkarten-Gigant Mastercard gerade das Unternehmen Datacash geschluckt hat, einen Konkurrenten von Wirecard.

Conergy findet keinen Chef

Der designierte neue Chef des Solarunternehmen, Andreas von Zitzewitz hat offenbar das Handtuch geworfen. Laut Conergy hat sich der Aufsichtsrat mit von Zitzewitz auf die sofortige Beendigung seiner Tätigkeit verständigt. Der Markt reagiert allergisch, die Conergy-Aktie rutscht um vier Prozent ab.

Sixt überzeugt Analysten

Der Autovermieter Sixt hat vor Steuern sein Ergebnis im zweiten Quartal auf 26,8 Millionen Euro verdreifacht und damit die Schätzungen der Analysten deutlich übertroffen. Die Aktie gehörte im Nebenwerteindex SDax zu den wenigen deutlichen Kursgewinnern.

Pfleiderer tief in den Miesen

Beim Holzverarbeiter Pfleiderer zeigten sich die Experten mit den Geschäftszahlen zufrieden, wenngleich das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 27,1 Millionen Euro eingefahren hat. Der Umsatz wurde um 6,4 Prozent auf 737 Millionen Euro gesteigert. Etwas besser als erwartet, urteilt die Unicredit und hält an ihrer Kaufempfehlung für Pfleiderer fest.

Bei Arques schrumpfen Umsatz und Verlust

Das ehemalige SDax-Unternehmen hat in seiner Halbjahresbilanz nach Steuern einen deutlich kleineren Verlust ausgewiesen als vor Jahresfrist. Der Fehlbetrag sank von 117 auf 8,1 Millionen Euro. Der Umsatz erreichte mit 524,6 Millionen Euro allerdings bei weitem nicht den Vorjahreswert von 2,36 Milliarden Euro. Laut Arques streben alle Beteiligungsunternehmen für 2010 ein positives operatives Ergebnis an.

Eitel Sonnenschein bei SAG Solarstrom

Beachtlicher ist das Wachstumstempo von SAG Solarstrom. Der Umsatz hat sich im ersten Halbjahr auf 85 Millionen Euro mehr als verdoppelt und der Gewinn sogar verdreifacht, er erreichte 2,2 Millionen Euro. Das Geschäft wurde durch "Vorzieheffekte" angekurbelt. Zum 1. Juli wurden die Zuschüsse für Solaranlagen gekürzt.

Österreicher mit Licht und Schatten

Aus Österreich gab es noch zwei Quartalsbilanzen. Der österreichische Stahlkocher Voestalpine erreichte im zurückliegenden Quartal vor allem dank gestiegener Verkaufsmengen wieder die Gewinnzone und verdiente 100,7 Millionen Euro. Der Stahlkonzern habe in allen Sparten solide abgeschnitten, lobte Berenberg-Analyst John Philipp Klein das Zahlenwerk.

Der österreichische Wettanbieter Bwin hat trotz höherer Wetterlöse infolge der Fußball-WM einen Verlust von 2,8 Millionen Euro im zweiten Quartal bilanziert. Vor allem Kosten des Markteintritts in Frankreich haben das Quartal belastet, so das Unternehmen. Die Wetterlöse konnten von 95 auf 127 Millionen Euro gesteigert werden.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"