Erholung ausgebremst

Lothar Gries

Stand: 08.01.2008, 20:00 Uhr

Um bis zu 100 Punkte kletterte der Dax am Nachmittag in die Höhe. Doch der Erholungsversuch wärte nicht lange und wurde von der schwächelnden Wall Street gestoppt.

Der Dax beendete den Abendhandel mit einem leichten Kursplus von 40 Punkten bei 7857 Zählern, mehr als die Hälfte weniger als noch am Nachmittag. Grund für den plötzlichen Einbruch war die Furcht vor einer Rezession in den USA. Die wurde ausgerechnet von einem Notenbanker angefacht. Der amerikanische Immobilienmarkt steuere auf seinen schwerten Einbruch seit 50 Jahren zu, prophezeite der Präsident der Boston Federal Reserve, Eric Rosengren, am Dienstag. Frühere Abstürze im Hypothekensektor fielen allgemein mit einer sehr schweren Zeit für die Wirtschaft zusammen, warnte Rosengren, ohne ausdrücklich eine Rezession vorherzusagen.

Das genügte, um die Kurse an der Wall Street ins Minus zu schicken, zumal Volkswirte fürchten, dass die Krise am Hypothekenmarkt auch auf den rund 900 Milliarden Dollar schweren Kreditkartensektor übergreifen wird und damit den für die US-Wirtschaft so wichtigen privaten Konsum beeinträchtigen könnte.

Derweil setzte der Goldpreis am Dienstag seine Rallye fort und markierte mit 876 Dollar je Feinunze ein neues Rekordhoch.

Deutsche Börse glänzt an Dax-Spitze

Die Aktien der Deutschen Börse haben am Dienstag gut die Hälfte ihrer Kursverluste der Vorwoche wieder wettgemacht. Die Papiere stiegen zeitwiese um mehr als acht Prozent, ohne dass Händler dafür eine Begründung nennen konnten. Einige Händler sprachen von einer fälligen Gegenreaktion, nachdem die Titel in der ersten Handelswoche des jahres rund 15 prozent an Wert verloren hatten.

Die Post geht ab
Getrieben von einem positiven Analystenkommentar haben die Papiere der Deutschen Post überdurchschnittlich zugelegt. Die Analysten von Morgan Stanley hatten den Wert von "Equal Weight" auf "Overweight" angehoben und das Kursziel von 24 auf 30 Euro erhöht. Die Post habe erkannt, dass die Probleme in der US-Sparte von struktureller Natur seien und erwäge zur Lösung alle Alternativen, schrieb Analyst Menno Sanderse in seiner Studie. Zudem böte ein Verkauf der Postbank weiteres Potenzial.

Bayer auf Allzeithoch
Bayer stand ebenfalls ganz oben auf der Dax-Gewinnerliste. Analysten zufolge hat die Gesundheitssparte des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns im vergangenen Jahr glänzend verdient. Bayer rechnet für 2007 für die Sparte HealthCare weiter mit einer bereinigten Rendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) von mehr als 25 Prozent.

Absatzrekord hilft Daimler nicht
Trotz eines neuen Absatzrekords im vergangenen Jahr setzte die Daimler-Aktie auch am Dienstag ihre seit Wochen anhaltende Talfahrt fort. Grund sind Befürchtungen über einen Umsatzrrückgang im laufenden Jahr, vor allem in Amerika. 2007 hat das Unternehmen mit weltweit 1,286 Millionen verkauften Autos der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach einen neuen Rekord erzielt.

SGL im Spiel der Börsenkräfte
Die Aktie von SGL Carbon musste im Tagesverlauf einen Teil ihrer Vormittagsgewinne wieder abgeben, notierte aber immer noch kräftig im Plus. Händler sprachen von einer Gegenreaktion nach den starken Kursverlusten der Vortage. Seit dem Jahresbeginn haben die Anteile an dem Kohlenstoff-Spezialisten in der Spitze mehr als 19 Prozent verloren und zählten damit zu den bisher schwächsten Werten im MDax. Allerdings bremse nun die 200-Tage-Linie, sagte ein Händler.

Bei Premiere wird wild spekuliert
Bei Premiere wirkte der Einstieg von Medienmogul Rupert Murdoch nach. "Nun wird am Markt über ein Angebot von Vivendi im Wert von 18,00 Euro spekuliert", sagte ein Händler. Dabei gab es auch dämpfende Analystenstimmen: So stufte Goldman Sachs die Titel des Bezahlsenders von "Buy" auf "Neutral" ab. Lehman senkte das Kursziel von 17,50 auf 15,00 Euro, behielt aber die Empfehlung "Overweight".

Arcandor-Warenhäuser schwach im Weihnachtsgeschäft
Der Touristik- und Handelskonzern Arcandor hat im Weihnachtsgeschäft bei seinen Karstadt-Warenhäusern einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet. Die Erlöse der Kern-Warenhäuser gingen von Oktober bis Dezember 2007 nach vorläufigen Zahlen um 8,4 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro zurück. Gut läuft es bei der Versandhandelssparte Primondo. Der Umsatz legte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um 2,9 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro zu.

Wacker Chemie fällt zurück
Im MDax war Wacker Chemie der mit Abstand größte Verlierer. Schuld ist die Herabstufung durch Merrill Lynch, die Analysten senkten ihr Anlageurteil auf "Neutral" von "Buy". Das Potenzial für weitere positive Gewinn-Überraschungen habe sich verringert, lautete die Begründung.

Singulus sieht Blu-Ray entschieden
Im TecDax setzte die Singulus-Aktie ihren Höhenflug vom Vortag fort. Das Unternehmen erwartet nach dem Votum des US-Filmkonzern Warner Bros. für Blu-Ray einen Schub. "Diese Entscheidung ist sehr wichtig für unser Unternehmen, denn wir gehen durch diese bedeutende Formatentscheidung von einer steigenden Nachfrage nach Produktionslinien für Blu-Ray aus", sagte Firmenchef Stefan Baustert. Im vergangenen Jahr habe Singulus fünf Blu-Ray-Maschinen ausgeliefert, im laufenden Jahr prognostiziert Baustert 15 Aufträge. Eine deutliche Steigerung könnte bei positivem Verlauf jedoch im zweiten Halbjahr eintreten. Den Umsatzbeitrag für die 15 Maschinen schätzen Analysten laut der Zeitung auf 23 Millionen Euro.

Wyser-Pratte bleibt Cewe Color treu
Der umstrittene Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte hat keineswegs die Absicht sich aus dem Oldenburger Fotoentwickler CeWe Color zurückzuziehen. Wyser-Pratte habe seinen Anteil aus steuerlichen Gründen zwar auf 1,1 Prozent reduziert, werde jedoch zu "99 prozentiger Sicherheit" im Februar seine Beteiligung wieder erhöhen. Wyser-Pratte zählt zu den größten Kritikern von Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens. Er will eine Sonderdividende und die Ablösung des aktuellen Managements durchsetzen. Das Unternehmen sträubt sich dagegen und will die Mittel des Konzerns für weitere Investitionen nutzen. Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, weitere Standorte schließen zu wollen. Zum 30. April sollen die beiden Standorte in Bad Schwartau und Eisenach mit derzeit 200 Mitarbeitern geschlossen werden.

Conergy beliefert die Aussis...
Conergy und Nordex liegen ebenfalls weit vorn im Index. Bei beiden Werten feiert die Börse über größere Aufträge. Der Hamburger Solaranlagenbauer Conergy beteiligt sich am Bau des größten australischen Windparks. Das Projekt hat ein Volumen von 2,2 Milliarden Dollar.

... und Nordex die Amis
Nordex liefert 25 Turbinen für den Windpark "Krayn" in Pennsylvania. Zudem umfasst der Vertrag eine Option auf eine weitere Anlage der gleichen Baureihe. Die Lieferung soll im Sommer 2008 erfolgen, die Fertigstellung ist für Dezember geplant. Das Auftragsvolumen beträgt rund 70 Millionen Euro.

Qiagen bekommt Vogelgrippe-Auftrag
Qiagen rüstet Singapurs Gesundheitsministerium mit Tests gegen Vogelgrippe aus. Das Biotechnologieunternehmen bekam einen Exklusivvertrag, bei dem es um die Bereitstellung von Lösungen zur Probenvorbereitung sowie von molekularen Tests für den Nachweis von Influenza H5N1-Viren geht. Der Vertrag laufe über drei Jahre. Das Auftragsvolumen hänge vom Vorratsniveau sowie vom Intensitätsgrad des nationalen Überwachungsprogramms ab.

Comdirect schlägt sich besser als Sino
Im SDax sind die Aktien der Comdirect gefragt. Bei dem Onlinebroker liefen die Geschäfte im Dezember besser als bei der Konkurrenz. So führte die Comdirect 595.289 Orders aus - ein Minus von 34,7 Prozent zum Vormonat. Bei Sino brachen die Wertpapieraufträge um 46 Prozent ein - und an allen deutschen Börsen um fast 38 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen