Enttäuschende Woche

Stand: 19.06.2009, 20:02 Uhr

Hexensabbat? Großer Verfallstermin? Entgegen der allgemeinen Hysterie ist am Ende fast gar nichts passiert. Vielmehr sorgen sich die Anleger um die Folgen der am Boden liegenden Konjunktur. Denn die zunehmenden Gewinnwarnungen könnten für weiter fallende Kurse sorgen.

Am Abend verkündete die Lufthansa eine weitere Verschärfung ihres Sparkurses, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Die Aktie blieb davon unberührt, kam die Meldung doch nach dem Ende des elektronischen Handels. Am Mittwoch hatte bereits ein anderer Dax-Konzern, K+S mit einer Gewinnwarnung die Kurserholung der letzten Wochen zunichte gemacht. Kein Wunder also, dass die Anleger in der zurückliegenden Woche Gewinne mitnahmen und den Index damit deutlich unter die Marke von 5.000 Punkten drückten.

Am Abend ist der Dax gar leicht ins Minus gerutscht auf 4.835 Punkte. Aktienhändler wie Oliver Roth von Close Brothers Seydler erwarten ein weiteres Abrutschen der Kurse. "Wir werden eine Konsolidierung sehen, die die Kurse auf ein Niveau bringt, das die Realwirtschaft widerspiegelt", sagt er. Und schließt nicht aus, dass der Dax im zweiten Halbjahr wieder in Richtung der 4.000 Punkte laufen könnte. Auch an der New Yorker Wall Street geht es am Abend bergab. Der Dow Jones notiert 24 Punkte tiefer bei 8.531.

In Frankfurt stand heute die Aktie von Volkswagen im Mittelpunkt. Weil an diesem Freitag eigentlich 640.000 Verkaufsoptionen auf VW-Stammaktien auslaufen sollten, war befürchtet worden, dass Banken in großem Stil VW-Aktien auf den Markt werfen und damit den Kurs massiv drücken. Doch offensichtlich wurde die Laufzeit der Optionen verlängert, denn der Kursverlust von VW - gut drei Prozent bei 224 Euro - hält sich doch sehr in Grenzen. Auch die Aktien von Porsche notieren nur 1,35 Prozent niedriger als gestern.

Porsche ohne Geld von der KfW?
Unterdessen meldet die "Süddeutsche Zeitung", dass die KfW den von Porsche beantragten Kredit von 1,75 Milliarden Euro voraussichtlich ablehnen werde. Von KfW und Porsche war allerdings keine Stellungnahme zu erhalten.

Ölpreis zieht wieder an
Der Ölpreis ist am Mittag angesichts verbesserter Konjunkturerwartungen wieder über 72 Dollar gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli kostete 72,15 US-Dollar. Das sind 78 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

Lufthansa verschärft Sparkurs
Angesichts der anhaltend schwachen Nachfrage im Passagier- und Frachtgeschäft, der strukturellen Veränderungen im Reiseverhalten der Passagiere und steigender Treibstoffpreise verstärkt Lufthansa die Maßnahmen zur Ergebnissicherung. Ein positives operatives Ergebnis erfordert dabei zusätzliche Kostenentlastungen. Ziel sei die Vermeidung eines operativen Verlustes im laufenden Geschäftsjahr, so die Gesellschaft.

Continental verschiebt Gehaltszahlungen
Der hoch verschuldete Autozulieferer Continental hat die Gehaltszahlungen für die 45.000 Mitarbeiter in Deutschland Ende Juni um einige Tage verschoben, um Vereinbarungen mit den Banken einzuhalten. Einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung Hannover bestätigte eine Sprecherin am Abend. Damit würden die Zahlungen ins dritte Quartal verschoben. Am Ende des zweiten Quartals werden bestimmte Finanzkennzahlen, wie das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Vorsteuerergebnis geprüft. Dabei müssen bestimmte Werte eingehalten werden

Daimler heruntergestuft
Die Aktie des Autokonzerns Daimler wird heute von der Aussicht auf höhere Refinanzierungskosten belastet. Grund ist eine Herabstufung durch die Ratingagentur S&P. Sie hat das langfristige Kreditrating von Daimler von "A-" auf "BBB+" gesenkt. Das Kurzfrist-Rating "A-2" wurde zugleich bestätigt. Der Ausblick bleibt negativ.

Arcandor: Quelle vorerst gesichert
Die mit ihrem Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz gerutschte Versandhandelstochter Quelle kann ihren Geschäftsbetrieb fortsetzen. "Die Weiterführung von Quelle ist vorerst gesichert", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Freitag. Durch Kreditzusagen von Banken und der sich abzeichnenden staatlichen Hilfen stehe die kurzfristige Finanzierung der Gesellschaft auf einer stabilen Basis. "Das gibt uns Zeit, ein zukunftsfähiges Konzept für Quelle zu entwickeln."

Eon profitieren von Verkaufsgerüchten
Die Aktien des Essener Energiekonzerns legen gegen den Trend kräftig zu. Zeitweise gehören sie mit einem Plus von über drei Prozent zum stärksten Wert im Dax. Grund ist eine Meldung der "Financial Times Deutschland", der zufolge Eon vor dem Verkauf seiner Stadtwerketochter Thüga stehe. Ein kommunales Bündnis wolle für die Holding zwischen 3,5 und 3,8 Milliarden Euro zahlen. Die Verhandlungen liefen "glatt". Eon dämpfte die Erwartungen und sagte, eine endgültige Entscheidung über den Verkauf sei noch nicht gefallen.

Tui größter MDax-Gewinner
Händler verwiesen auf ein Schreiben von Tui an seine Aktionäre in Reaktion auf eine korrigierte Studie der Deutschen Bank. Darin errechnet das Touristikunternehmen unter den ursprünglichen Annahmen der Verkaufsstudie der Deutschen Bank einen Wert von rund sechs Euro je Aktie. Aus der Sicht von Tui hat der Analyst in der korrigierten Fassung zusätzliche Abschläge vorgenommen, möglicherweise um die Verkaufsempfehlung aufrecht zu erhalten.

HeidelbergCement hat Spielräume
Die Aktie von HeidelbergCement zieht ebenfalls stark an. Der Bauzulieferer muss sich nach der geglückten Refinanzierung der Verbindlichkeiten nach Angaben von Unternehmenschef Bernd Scheifele nicht auf Notverkäufe einlassen, muss also keine Beteiligung unter Preis verramschen. Außerdem hat die Ratingagentur Moody's ihre Einstufung für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens bestätigt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen