Entspannt ins Wochenende

Stand: 30.11.2007, 20:03 Uhr

Der Druck ist raus: Ein Ölpreis unter 90 Dollar, Fantasien um Zinssenkungen in den USA und die Hoffnung auf einen baldigen Schlussstrich unter die US-Hypothekenkrise bescherten den Börsen ein entspanntes Plus zum Wochenschluss.

Der Dax verabschiedete sich am Freitag mit einem Plus von 1,35 Prozent auf 7870 Punkte ins Wochenende. Das ist Wochenhöchststand und im Vergleich zum vergangenen Freitag ein sattes Plus von 3,5 Prozent. Gewinne an der Wall Street von einem halben Prozent stützten diese positive Bilanz des Computerhandels: Im abendlichen Parketthandel legte der Late-Dax noch drei Punkte drauf und schloss bei 7873 Punkten.

Getrieben wurde der Aufwärtstrend von Hoffnungen auf eine weitere Zinssenkung in den USA. Nach den Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke bestünden daran nun kaum noch Zweifel, sagten Händler. Bernanke hatte am Donnerstag Offenheit für weitere Senkungen signalisiert.

"Die Kuh vom Eis kriegen"

Das stimmte ebenso positiv, wie neue Hoffnungen auf ein Ende der US-Hypothekenkrise. Während diese im US-Bundesstaat Florida am Freitag mit einem Investmentfonds der Gemeinden erstmals eine große staatliche Finanzgesellschaft in Mitleidenschaft zog, meldete das "Wall Street Journal", das US-Finanzministerium wolle in Bedrängnis geratenen Hausbesitzern zu Hilfe kommen und dafür die Zinsen auf einige schlecht besicherte Hypotheken einfrieren. "Das wäre die ideale Lösung, damit wäre die Kuh vom Eis", sagte ein Börsianer: Die Hypotheken wären dann wieder handelbar.

Finanztitel auf Erholungskurs
Die krisengeschüttelten Titel von führenden Hypothekenbanken schossen nach Bekanntwerden der Nachricht in die Höhe. Die Papiere von Freddie Mac legten mehr als 13 Prozent zu, die von Countrywide um rund 19 Prozent. Auch Bankentitel stiegen: Die Aktien von JP Morgan gewannen mehr als fünf Prozent, die der Bank of America 3,4 Prozent.

KfW will IKB schnell loswerden
Auf der anderen Seite des Atlantiks bemühten sich die staatliche KfW, die Bundesregierung und die privaten Banken, einen weiteren Schlussstrich unter die Kreditkrise zu setzen: Die Mittelstandsbank IKB, die sich mit faulen US-Hypotheken bis den Rand der Pleite verspekuliert hatte, solle nun "so zügig wie irgend möglich" verkauft werden, kündigte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Nachmittag in Berlin nach einer Krisensitzung des KfW-Verwaltungsrates an.

Keine Bundesbürgschaft
Allerdings sei nicht auszuschließen, dass noch weitere neue Risiken für die IKB auftauchten, an der die KfW 38 Prozent hält: "Das weiß keiner", sagte der Minister. In diesem Fall müssten die übrigen Aktionäre der Bank dafür ebenfalls gerade stehen. Der Bund werde der KfW für die IKB jedenfalls keine Bürgschaft oder andere Garantien gewähren. Die IKB-Aktie schlug sich derweil tapfer und wagte sich nach ihrer rasanten Talfahrt wieder um gut sechs Prozent vor.

"Kollektives Durchatmen"
Größter Gewinner im Dax war die Aktie der Deutschen Börse mit einem Plus von gut vier Prozent. Auf ihren Fersen folgte die Commerzbank-Aktie mit einem Kursgewinn von ebenfalls gut vier Prozent. Nicht nur in Deutschland und den USA, europaweit legten die Finanztitel am Freitag zu. "Das ist ein kollektives Durchatmen", sagte Volkswirt Carsten Klude von M.M. Warburg. "Man muss aber davon ausgehen, dass hier noch mit weiteren schlechten Nachrichten zu rechnen ist."

Infineon und Deutsche Post im Plus
Aktien von Infineon waren ebenfalls gefragt: Eine Kaufempfehlung der UBS verhalf dem Titel zu einem Plus von knapp zwei Prozent. Auch die Deutsche Post stand auf der Gewinnerseite: Der Titel habe charttechnische Widerstände überwunden, was Anschlusskäufe ausgelöst habe, sagte ein Händler. Zudem profitiere die Aktie davon, dass nach monatelangem Streit der Weg für Mindestlöhne in der Branche frei ist. Die Post-Aktie legte knapp zwei Prozent zu.

Eine Vorschusslorbeere für ThyssenKrupp
Ebenfalls zu den Tagesgewinnern im Dax zählte das Papier von ThyssenKrupp. Analysten gehen davon aus, dass der Stahl- und Maschinenbaukonzern im Geschäftsjahr 2006/07 (per Ende September) einen Gewinnsprung erlebt hat. Die tatsächlichen Zahlen veröffentlicht der Konzern am Dienstag. Als Vorschusslorbeere gab's für die Aktie am Freitag schon mal ein Plus von gut viereinhalb Prozent.

Metro-Anleger ohne Kaufkraft
Zu den wenigen Verlierern im Dax zählten die Aktien des Handelskonzerns Metro, die rund zwei Prozent nachgaben. Grund: Die deutsche Einzelhandelsbranche hat im Oktober weniger verkauft als im Jahr zuvor. Selbst bei einem guten Weihnachtsgeschäft werde es nun schwer, wenigstens das Ergebnis des Vorjahres zu halten, erklärte der Branchenverband HDE. Experten begründeten die schwachen Daten mit der schwindenden Kaufkraft der Deutschen: Zuletzt stiegen die Lebenshaltungskosten mit drei Prozent so stark wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr.

Nebenwerte überflügeln Dax
Stärker als der Dax legten am Freitag die Nebenwerte-Indizes zu: Der MDax stieg um 1,5 Prozent auf 9866 Punkte, der TecDax um zwei Prozent auf 970 Zähler. Für die steigenden Kurse habe unter anderem die Umstellung der MSCI-Indizes gesorgt, berichteten Händler. Nach Handelsschluss werden die bereits Anfang November beschlossenen Veränderungen in den von vielen institutionellen Investoren beachteten Indizes umgesetzt. Im MSCI Germany Index tauchen damit nun BMW, Fraport, die Vorzugsaktien von Fresenius, Gea, HeidelbergCement, K+S, Q-Cells und Wacker Chemie auf. Besonders stark profitierte davon die K+S-Aktie: Diese war mit einem Plus von 7,7 Prozent größter Gewinner im MDax.

EADS profitiert (noch) nicht von Galileo
Ein Nullsummenspiel war der Freitag dagegen für den Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS. Er konnte von der am Nachmittag erzielten Einigung der EU-Staaten auf die Vergaberegeln für den Bau des Satelliten-Navigationssystems Galileo nicht profitieren. Auf den 1,2 Milliarden-Auftrag für den Bau der Satelliten spekuliert neben der deutschen EADS-Raumfahrtsparte Astrium in München und Bremen das mittelständische Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology. Beide Firmen machten am Freitag öffentlich klar, dass sie den Auftrag stemmen könnten. Eine Entscheidung fällt aber erst noch. Die EADS-Aktie fiel nach kurzen Hoffnungskäufen wieder auf ihr Eröffnungsniveau.

Munter rauf und runter
Die Aktie des im SDax gelisteten österreichischen Öltechnik-Ausrüsters Catoil wurde dagegen für seine gesunkene Ergebnismarge abgestraft. Der Handyausrüster Balda löste mit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung einen Kursrutsch aus. Rund 15 Prozent gewann die Aktie des IT-Dienstleisters Realtech - das Unternehmen hatte eine umfangreiche Sonderdividende von vier Euro je Aktie angekündigt. Immerhin noch mehr als zehn Prozent legten Anteilsscheine von Adler Real Estate-Aktie zu. Von Januar bis September konnte das Unternehmen seinen Gewinn verdreifachen. Die Papiere des Medien- und Veranstaltungsdienstleisters Procon brachen dagegen wegen einer angekündigten Kapitalerhöhung um knapp zehn Prozent ein.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr