Entkräftet zur Wochenmitte

Stand: 23.09.2009, 20:01 Uhr

Die Jagd nach dem Jahreshoch ist auch am Mittwoch erfolglos geblieben. Der Dax näherte sich dem am Freitag erreichten Hoch knapp an, um dann aber im Sog der schwachen Wall Street deutlich zurückzufallen. Der Leitindex schloss etwas schwächer, aber über der 5.700-Punktemarke.

Am Schluss reichte es immerhin für einen Dax-Stand von 5.702 Zählern, 0,1 Prozent schwächer als am Dienstag. Die mannigfachen Ungewissheiten belasteten den Markt am Mittwoch erheblich, vor allem die anstehende Zinsentscheidung und der fallende Ölpreis drückte die Kurse nach unten.

Dabei hatte es beim Dax gut begonnen, der deutsche Leitindex legte gut zu und erreichte am Vormittag sein Verlaufshoch, nur acht Zähler unter dem am vergangenen Freitag erzielten Jahreshoch von 5.760 Punkten. Im späten Parketthandel erholte sich der L-Dax sichtlich, nachdem die amerikanischen Indizes in die Gewinnzone drehten.

Infineon und Merck
Infineon und Merck markierten an diesem Mittwoch die entgegengesetzten Seiten im Dax. Infineon-Aktien stiegen abermals kräftig, nachdem das IT-Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner eine erstaunliche gute Absatzprognose für die PC-Branche herausgegeben und auch Intel-Chef Ottelini sich optimistisch zur Halbleiterbranche geäußert hatte. Merck-Aktien hingegen verloren 2,6 Prozent, hier fanden Händler die Begründung in einer Studie zum Merck-Hoffnungsträger Erbitux. Erbitux könne in Kombination mit einer Chemotherapie die Gesamtüberlebenszeit bei einer bestimmten Darmkrebsart nicht verlängern, hieß es.

Gute Bayer-Studie
Eine positive Krebs-Studie veröffentlichte der Merck-Konkurrent Bayer. Bei der Behandlung von Brustkrebs habe das Medikament Nexavar erfreuliche Ergebnisse gezeigt, teilte der Leverkusener Konzern mit. In Kombination mit Chemotherapie habe Nexavar der Krankheit besser entgegengewirkt als die Chemotherapie allein. Die Aktie konnte jedoch nicht von der Studie profitieren, sie schloss etwas schwächer.

Die Automobilindustrie
Die von der Abwrackprämie verwöhnte Autobranche hat möglicherweise ein schwieriges Jahr vor sich. VW-Beschaffungsvorstand Francisco Garcia Sanz sagte, er rechne mit einem weltweit stagnierenden Absatzvolumen im kommenden Jahr. Volkswagen wolle unter anderem mit Einsparungen bei den Materialkosten darauf reagieren. VW-Aktien schlossen deutlich schwächer. Auch Daimler-Papiere waren unter Druck. Am Standort Rastatt will der schwäbische Konzern bis zum Jahresende weiter kurzarbeiten lassen, hieß es aus Stuttgart. Zunächst gelte dies für 60 Prozent der 5.800 Mitarbeiter, also 3.480 Angestellte. In Rastatt werden die A- und die B-Klasse-Modelle der Firma gebaut. Derzeit arbeiten 41.000 der rund 160.000 Mitarbeiter bei Daimler kurz, sagte eine Sprecherin des Konzerns.

SGL und Pfleiderer und ihre Jahresziele
Im MDax haben sich der Grafitspezialist SGL und der Holzverarbeiter Pfleiderer mit aktualisierten Jahresprognosen zu Wort gemeldet. SGL bekräftigte seine Geschäftsziele, wonach der Umsatz unter dem Vorjahresniveau liegen und das Ebit sogar noch stärker sinken soll. Immerhin erwartet SGL aber jährliche Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent. Pfleiderer gab sich nach einem Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr kampfesfroh. Auch mit Hilfe von Übernahmen wolle man mittelfristig den Umsatz verdoppeln, kündigte das MDax-Unternehmen an. Zurzeit aber kämpft das Unternehmen vor allem gegen schwindende Nachfrage und Finanzierungsprobleme an.

Freenet erheblich verkauft
Im TecDax gaben die Aktien des Internetdienstleisters Freenet 9,8 Prozent nach. Der Finanzinvestor und Freenet-Großaktionär Permira hat sich von 19,1 Millionen seiner Aktien zu einem Preis von 9,25 Euro das Stück getrennt. Dies habe der Firma knapp 179 Millionen Euro eingebracht, teilte Permira mit. Der Investor hat durch den Großverkauf seinen Anteil an Freenet schlagartig von 24,99 auf 10,1 Prozent verringert.

Qiagen erhöht sein Kapital
Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung hat die Aktie des Biotechnologieunternehmens Qiagen stark belastet. Qiagen will bis zu 27,5 Millionen neue Aktien ausgeben, um Übernahmen finanzieren zu können. Zunächst plant der TecDax-Konzern, den nicht börsennotierten britischen Diagnostika-Hersteller DxS zu kaufen. Der Kaufpreis liege, schrieb Qiagen, bei 95 Millionen Dollar plus, erfolgsabhängig, bis zu 35 Millionen Dollar.

Neuigkeiten von Manz und Conergy
Auffällige Kursbewegungen gab es bei den im TecDax notierten Solarfirmen Manz und Conergy. Manz Automation äußerte sich zurückhaltend zum Geschäft in diesem Jahr. Finanzvorstand Martin Hipp sagte, es sei sehr schwer, das in diesem Jahr angestrebte ausgeglichene Ergebnis zu erreichen. Die Auftragslage sei "eher schwach", die Aktie verlor. Conergy-Aktien hingegen stiegen an die TecDax-Spitze. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass sich das Solarunternehmen schnell mit seinem Zulieferer MEMC über die Auflösung eines für Conergy äußerst ungünstigen Liefervertrages einigen will.

Wacker Neuson ist pessimistisch, Aktie verliert
Einer der Verlierer im SDax war die Aktie von Wacker Neuson. Zum ersten Mal in der 160-jährigen Unternehmensgeschichte drohe der Firma ein Jahresverlust, teilte der Baumaschinenhersteller mit. Trotz Kurzarbeit und Stellenabbau sei es nicht gelungen, dem negativen Jahrestrend entgegenzuwirken. Vergangenes Jahr hatte die Firma noch einen Gewinn von 37 Millionen Euro gemacht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr