Energieschub für den Dax

Stand: 25.05.2011, 20:04 Uhr

Die Mini-Erholung an den Aktienmärkten setzt sich fort: Der Dax schloss den zweiten Tag in Folge knapp in der Gewinnzone - dank des Rückenwinds von der Wall Street. Spekulationen um eine Streichung der Atomsteuer trieben die Versorgerwerte an. Gefragt waren auch Finanztitel.

Lange sah es nach einem Börsentag mit rotem Minus-Zeichen aus. Wegen eines überraschend stark eingetrübten GfK-Konsumklimas fiel der Dax am Morgen um bis ein Prozent nach unten. Doch im Laufe des Tages erholte sich das deutsche Börsenbarometer zunehmend und drehte am späten Nachmittag doch noch ins Plus - im Sog der positiven Wall Street. Der Dax beendete den Xetra-Handel 0,3 Prozent höher bei knapp 7.171 Punkten. Im späten Handel ging es noch zehn Zähler nach oben. Der L-Dax schloss bei 7.180 Punkten. Der Dow Jones legte bis zum Abend 0,2 Prozent, die Nasdaq 0,5 Prozent zu.

Börsianer warnten aber davor, die Kursgewinne überzubewerten. Sie begründeten die Kursgewinne mit einer technischen Gegenreaktion auf die Verluste zu Wochenbeginn. "Rosig sieht es noch lange nicht aus", meinte ein Marktteilnehmer. "Es wird am Markt so lange keine großen Käufer geben, bis es in der Schuldenfrage Griechenlands keine endgültige Lösung gibt", erklärte David Thebault, Chefhändler von Global Equities. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou wirbt derzeit für den härteren Sparkurs des Landes und beteuerte, Hellas werde in der Eurozone bleiben.

OECD erhöht Wachstumsprognose
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hält eine Rückkehr Griechenlands zu nachhaltigem Wachstum im kommenden Jahr für möglich. Zudem hob sie die Wachstumsprognosen für Europa und USA an. Für Europa erwartet die OECD für 2011 ein Plus von zwei Prozent, für die USA ein Zuwachs von 2,6 Prozent.

US-Auftragseingänge schrumpfen
Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA zeigen allerdings ein anderes Bild. Der Auftragseingang langlebiger Güter ist im April überraschend deutlich um 3,6 Prozent zurückgegangen. Volkswirte hatten lediglich ein Minus von 2,2 Prozent vorausgesagt. Immerhin stabilisierten sich die Preise von US-Einfamilienhäusern im März leicht. Der FHFA-Hauspreisindex ging im Vergleich zum Vormonat nur noch um 0,3 Prozent zurück. Auf Jahressicht ging es mit dem Index um fast sechs Prozent nach unten.

Euro erholt sich
Der Euro konnte sich etwas erholen und stieg auf über 1,41 US-Dollar. Für Erleichterung sorgte Finnland. Das dortige Parlament hat beschlossen, dass sich das skandinavische Land an den Hilfen für Portugal beteiligt. Gegenüber dem Schweizer Franken rutschte der Euro aber auf ein neues Rekordtief von unter 1,23 Franken.

Goldpreis weiter im Höhenflug
Neben dem Franken dient als sicherer Hafen wieder Gold. Das Edelmetall erreichte am Mittwoch ein erneutes Rekordhoch - in Euro gerechnet. Auf bis zu 1.088 Euro kletterte der Preis für Gold. In US-Dollar betrachtet ist Gold allerdings noch ein gutes Stück von seinen Höchstkursen entfernt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,64
Differenz relativ
-3,04%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,85
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-0,15%

Finanzitel schieben Dax an
Vor allem Finanzwerte waren europaweit gefragt, auch im Dax. Die Commerzbank-Aktien sprangen um sechs Prozent nach oben und waren größter Dax-Gewinner. Die Papiere der Deutschen Bank und der Allianz stiegen um gut 1,5 Prozent. Eine Studie der Ratingagentur Fitch sorgte für Optimismus. Die deutschen Banken werden voraussichtlich nicht über ihre Engagements in den Randländern der Eurozone - Griechenland, Portugal und Irland - stolpern, hieß es bei Fitch.

Die Commerzbank-Aktien profitierten von positiven Analysten-Kommentaren nach der jüngsten Talfahrt infolge der umfangreichen Kapitalerhöhung. Maquarie stufte die Titel gleich um zwei Stufen hoch. Anleger, die auf fallende Kurse der Commerzbank gesetzt hatten, wurden offenbar auf dem falschen Fuß erwischt.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,23
Differenz relativ
+0,12%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,52
Differenz relativ
-0,38%

Mögliches Atomsteuer-Aus beflügelt Eon und RWE
Unter Strom standen auch die Aktien der Versorger Eon und RWE. Sie legten gut zwei Prozent zu. Die Bundesregierung erwägt offenbar, die Brennelementesteuer zu streichen. Das wäre für die Unternehmen eine positive Überraschung, meinte ein Analyst. Schließlich drohen durch die Steuer jährliche Belastungen in dreistelliger Millionen-Höhe. Die Versorger könnten das Geld für Investitionen in erneuerbare Energien freimachen. In der Tagesschau sagte CSU-Chef Horst Seehofer, die Regierung könne nicht eine Energiewende verlangen und gleichzeitig die Energiekonzerne mit einer Abgabe belasten.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,42
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Lufthansa und Air Berlin trotzen Aschewolke
Die isländische Vulkanaschewolke, die am Mittwoch über Norddeutschland hinwegzog, konnte den Luftfahrtwerten nichts anhaben. Die Aktien von Lufthansa gewannen über ein Prozent, die Papiere von Air Berlin gut zwei Prozent. Die Auswirkungen der Aschewolke blieben begrenzt. Die wichtigen Knotenpunkte Düsseldorf, Frankfurt und München waren nicht betroffen. Nur die Flughäfen in Berlin und Hamburg waren am Mittwoch mehrere Stunden geschlossen. Insgesamt fielen 150 Flüge der Lufthansa und 120 Flüge von Air Berlin aus. Inzwischen ist die Wolke weiter Richtung Polen gezogen.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,09
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-0,95%

Post-Chef will höheres Porto
Auch die Deutsche Post und ihre Tochter DHL profitierten von der Entspannung im Luftverkehr. Die Aktien stiegen um fast ein Prozent. Auf der Hauptversammlung des Konzerns bekräftigte zudem Post-Chef Frank Appel die Jahresziele. Die Forderung der Investoren nach einer Abspaltung der Briefsparte wie beim niederländischen Konkurrenten TNT lehnte er ab. Appel machte sich gleichzeitig für eine Erhöhung des Briefportos stark.

Manipulationen beim Motorenverkauf bei MAN?
Die MAN-Aktien notierten dagegen im Minus. Der Lastwagenbauer gab bekannt, Unregelmäßigkeiten bei der Übergabe von Schiffsdieselmotoren bei MAN Diesel & Turbo zu prüfen. Mitarbeiter hätten beim Verkauf von Motoren möglicherweise falsche Angaben über den Kraftstoffverbrauch gemacht.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
100,20
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-0,24%

USA warnen vor Siemens-Software
Zu den größten Dax-Verlierern zählte Siemens. Die US-Regierung hat die Kunden des Siemens-Konzerns vor möglichen Sicherheitsmängeln in Siemens-Software gewarnt. Siemens wies die Vorwürfe zurück, die Börsianer sind aber verunsichert.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,36
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-1,61%

Bayer hin und hergerissen
Ebenfalls im Minus notierten die Bayer-Aktien. Dabei hat der Konzern positive Studiendaten zu seinem neuen Hoffnungsträger, dem Gerinnungshemmer Rivaroxaban geliefert. Die Ergebnisse waren aber bereits eingepreist, hieß es von Händlern. Indes hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht die umstrittene Kohlenmonoxid-Pipeline auf Eis gelegt. Die Richter stuften den Planfeststellungsbeschluss als rechtswidrig ein. Die Rohrleitung liegt bereits unter der Erde, doch dem Bayer-Konzern ist die Nutzung bislang untersagt. Zwei Privatleute haben gegen das Planfeststellungsverfahren geklagt.

Razzia bei Sky
Größter MDax-Verlierer war der Bezahlsender Sky. Die Aktien rutschten um drei Prozent ab. Im Zusammenhang mit angeblich manipulierten Abonnenten-Zahlen beim Vorgänger-Unternehmen Premiere durchsuchte die Staatsanwaltschaft unter anderem die Firmenzentrale. Eine Sprecherin bestätigte die Razzia.

Highlight verdient deutlich mehr
Aus dem SDax meldete Highlight nach Xetra-Schluss seine Quartalszahlen. Der Film- und Sportrechtevermarkter hat dank massiver Kostensenkungen seinen Gewinn um ein Viertel auf 9,9 Millionen Franken gesteigert. Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf 87 Millionen Franken. Highlight vermarktet die TV-Rechte an der Fußball Champions League. Die Schweizer Firma gehört zum Medienkonzern Constantin Medien, der am Donnerstag seine Zahlen veröffentlicht.

Lob für Drägerwerk und QSC
Im TecDax trieben Analysten die Kurse zweier Werte hoch. Die Aktien von Drägerwerk stiegen um fast sieben Prozent, die Papiere von QSC profitieren jeweils von Expertenempfehlungen. Cheuvreux hat den Medizin- und Sicherheitstechnik-Spezialisten Drägerwerk auf "Outperform" mit einem Ziel von 94 Euro hochgestuft. Bei QSC hilft JPMorgan mit eine Einstufung von "Overweight" nach bisher "Neutral" und einem Kursziel von 4,00 Euro nach bisher 3,90 Euro.

Gesco legt gute Zahlen vor
Die Beteiligungsgesellschaft Gesco hat im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 ihren Umsatz von 278 auf 335 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Der Gewinn nach Anteilen Dritter stieg sogar von 8,9 auf 15,3 Millionen Euro. Das im SDax notierte Unternehmen hebt seine Dividende von 1,30 Euro auf 2,00 Euro je Aktie an. Die Aktie schloss im Plus.

Aurelius wächst kräftig
Auch von einer anderen Beteiligungsgesellschaft gibt es Neuigkeiten zum Geschäftsverlauf. Die Aurelius AG steigerte ihre Umsatz im ersten Quartal um 85 Prozent auf 327 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 122 Prozent auf 17,1 Millionen Euro. Angaben zum Nachsteuerergebnis gab es allerdings nicht. Grund war eine Reihe von Übernahmen. Die Aktie gab nach.

AIG

AIG: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
33,03
Differenz relativ
+0,24%

USA verkaufen AIG-Aktien
Die US-Regierung hat einen Teil ihrer Anteile am Versicherungsriesen AIG verkauft. Das Finanzministerium verkaufte 200 Millionen Papiere. Die Aktien gingen zu 29 Dollar pro Stück weg. Damit machte der Staat sogar einen kleinen Gewinn. Durch den Verkauf sank der Anteil der US-Regierung an AIG von gut 92 Prozent auf 77 Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr