Endlich Wochenende

Mark Ehren

Stand: 29.02.2008, 20:00 Uhr

Die Angst vor einer ausufernden Finanzkrise und einer schwachen US-Konjunktur hat am letzten Handelstag der Woche die Märkte belastet. Der Dax konnte sich nicht den Entwicklungen an der Wall Street entziehen.

Der Dow-Jones-Index rutschte bis zum Abend um rund zwei Prozent ab. Enttäuschende Konjunkturdaten verstärkten die Sorge vor einer Rezession. Der Einkaufsmanager-Manager für die Region Chicago sackte im Februar überraschend auf 44,5 Punkte ab - nach 51,5 Zählern im Vormonat. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Wert von 49,5 Punkten gerechnet.

Spekulationen über neue Probleme in der Finanzbranche machten die Runde. Angeblich habe sich ein britischer Hedge-Fonds mit forderungsbesicherten Wertpapieren verspekuliert und stehe deshalb vor der Pleite, hieß es. Außerdem ist der Rettungsplan für den angeschlagenen US-Anleiheversicherer Ambac nach einem Bericht des Fernsehsenders CNBC ins Stocken geraten.

Der Dax verlor während es Xetra-Handels 1,67 Prozent auf 6.748 Punkte. Im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett rutschte weitere 15 Zähler ab.

VW auf Rekordkurs

Der Autobauer VW war einer der wenigen Lichtblicke im Dax. Der Konzern hat im vergangenen Jahr sein Ergebnis vor Steuern auf 6,5 Milliarden Euro mehr als verdreifacht und damit ein neues Rekordergebnis eingefahren. Unter dem Strich verdienten die Wolfsburger 4,12 Milliarden Euro - 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Konzernumsatz kletterte um knapp vier Prozent auf 109 Milliarden Euro.. Zum Handelsschluss lag der Index bei 6.748 Punkten und damit 1,67 Prozent im Minus.

Allianz im Finanzstrudel
Deutliche Verluste gab es im Dax bei der Allianz-Aktie. Am Donnerstag hatte der weltgrößte Erstversicherer AIG einen Milliardenverlust bekannt gegeben. Der US-Konzern meldete ein Minus von 5,29 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal. "Wir erwarten 2008 einen weiter schwachen Häusermarkt in den USA", sagte AIG-Chef Martin Sullivan. Die Unsicherheit am Kreditmarkt werde vermutlich anhalten. Das Ergebnis verfehlte die Analystenprognosen deutlich.

Siemens-Aktien verloren im Dax überdurchschnittlich. Die US-Investmentbank Merrill Lynch entfernte das Papier aus ihrer Liste der am meisten bevorzugten Aktien des Kapitalgüter-Sektors.

Henkel-Vorzugsaktien gaben stark nach. JPMorgan bestätigte das Papier mit "Underweight" und einem Kursziel von 35 Euro. Der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr habe nur dank einer geringeren Steuerbelastung ihre Erwartungen übertroffen, hieß es zur Begründung. Steigende Kosten könnten die Margenziele des Konsumgüter-Unternehmens im laufenden Jahr gefährden.

Deutsche-Telekom-Aktien verbuchten dagegen leichte Kursgewinne. Die Analysten der Citigroup hatten die Empfehlung für die T-Aktie zuvor von "Sell" auf "Hold" heraufgestuft. Im aktuellen Kurs seien die langfristigen strukturellen Bedenken ausreichend berücksichtigt, während der Markt größtenteils die soliden Quartalsergebnisse des Konzerns ignoriere, hieß es in der Studie am Freitag.

Spekulationen um QSC
Die Aktien der Telekomgesellschaft QSC machten im TecDax einen gewaltigen Satz nach oben. Nach Bericht der Nachrichtenagentur dpa-AFX prüft der Finanzinvestor Apax Partners eine QSC-Übernahme, um den DSL-Anbieter Versatel zu stärken. Die Akquisition könnte über Versatel durchgeführt werden, an der Apax mit knapp 44 Prozent beteiligt ist.

IKB sehr gefragt
Auch die IKB-Aktie konnte zulegen. Die staatliche Förderbank KfW und IKB-Großaktionär hat nach eigenen Angaben mehrere Angebote für die schwer angeschlagene Mittelstandsbank erhalten. "Es liegen eine Reihe von Angeboten vor, sowohl aus dem In- wie aus dem Ausland", sagte ein KfW-Sprecher am Freitag. "Die Angebotslage stimmt uns zuversichtlich".

Escada mit Nettoverlust
Der im SDax notierte Modekonzern Escada hat das erste Quartal seines Geschäftsjahres schwach abgeschlossen. Das Unternehmen verdiente vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 6,8 Millionen Euro. Vor einem Jahr lag das Ebitda noch bei 21,6 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel sogar ein Verlust von 3,9 Millionen Euro an. Escada verwies auf Währungseffekte und die "verhaltende Resonanz auf die Herbst/Winter-Kollektion". Auch im ersten Quartal soll sich das Geschäft schwach entwickeln, dennoch bestätigte der Konzern seine Ende 2007 getroffene Prognose. Die Aktie brach ein.

Biolitec enttäuscht
Der Jenaer Medizintechnikhersteller Biolitec hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres seinen Umsatz kaum gesteigert. Nach einem Plus von 26 Prozent im ersten Quartal stiegen die Erlöse von Oktober bis Ende Dezember 2007 nur noch geringfügig von 9,7 Millionen auf 9,8 Millionen Euro. Als Grund wurden Umstellungen im Vertrieb und Marketing angegeben. Die Aktie brach heftig ein.

In die andere Richtung ging es für die Aktien des Halbleitermaschinen-Herstellers Mania hat von seinen Großaktionären Schulden in Millionenhöhe erlassen bekommen.

Colexon will wachsen
Der Solaranlagenhersteller Colexon, ehemals Reinecke + Pohl, hat nach vorläufigen Berechnungen im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 37 Prozent auf 85,4 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 216.000 Euro nach einem Vorjahresminus von 6,4 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will Colexon 110 Millionen Euro erlösen und ein Ebit von sechs bis acht Millionen Euro erreichen.

Kudelski schockt
Für den Schweizer TV-Verschlüsselungsanbieter Kudelski geht es an der Börse am Freitag massiv abwärts. Dem Unternehmen droht wegen hoher Investitionen im laufenden Jahr ein Einbruch beim operativen Ergebnis.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"