Endlich Kursgewinne

von Mark Ehren

Stand: 15.04.2008, 20:03 Uhr

Nach fünf verlustreichen Handelstagen Folge legten die deutschen Standardwerte am Dienstag zu. Am Abend ging es auf dem Frankfurter Börsenparkett sogar noch weiter nach oben.

Der L-Dax beendete den Handel bei 6.605 Punkten - rund ein halbes Prozent im Plus. Zum Xetra-Schluss hatte das Börsenbarometer noch 20 Zähler niedriger gelegen. Trotz der schönen Gewinne, wirklich freuen konnten sich die Profis auf dem Parkett über die Kursentwicklung nicht. Da in den kommenden Tagen zahlreiche Quartalsberichte veröffentlicht werden, "halten die Anleger die Taschen zu", sagte ein Händler. Außerdem dürften wegen der niedrigen Umsätze die Kursgewinne nicht überbewertet und schon gar nicht als Trendwende verstanden werden, sagte ein Marktbeobachter.

Zeitweise sorgte der Ölpreis für Gegenwind. Für ein Barrel (159 Liter) mussten in New York zeitweise fast 114 Dollar gezahlt werden und damit so viel wie nie zuvor. Händler begründeten den Preisanstieg mit dem schwachen Dollar und wetterbedingter Lieferschwierigkeiten des Öl-Exporteurs Mexiko.

Ansonsten überwogen die positiv aufgenommen Nachrichten. Der Pharma- und Medizintechnik-Konzern Johnson & Johnson (J&J) hat im ersten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Außerdem rechnet der Konzern im Gesamtjahr mit etwas mehr Gewinn.

Auch der Konjunkturindex der Notenbank von New York trieb die Kurse. Der Empire State Manufacturing Index wuchs im April von minus 22,23 Punkten im Vormonat auf plus 0,63 Punkte. Volkswirte hatte dagegen im Schnitt nur mit minus 17 Zählern gerechnet. Dass die USA in eine Rezession rutschen, sei bereits in den Kursen berücksichtigt, sagte ein Händler. "Doch ich hatte manchmal das Gefühl, als sei eine Depression eingepreist", ergänzte er. Das hätten diese Daten nun relativiert.

Nicht so toll fielen allerdings die neuesten US-Inflationsdaten aus. Die Erzeugerpreise schnellten im März auf Monatssicht 1,1 Prozent nach oben.

Hypo Real Estate feiert Erfolg

Einer der größten Gewinner im Dax war der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Das Unternehmen konnte einen Pfandbrief mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bei Anlegern platzieren.

An den Kursverlusten der Deutsche Börse-Aktie dürfte Morgan Stanley nicht ganz unschuldig gewesen sein. Die Analysten nahmen das Ziel für die Aktie des Börsenbetreibers von 155 auf 115 Euro zurück - wie es hieß, mangels kurzfristiger Kurstreiber. Die Aktien würden derzeit beispielsweise von Sorgen belastet, ob der Börsenbetreiber die Marktprognosen erreichen könne, schrieb Analyst Bruce Hamilton. Dennoch blieben die Aktien attraktiv, meinte er, und verwies unter anderem auf die Wachstumsraten bei den strukturierten Produkten und die weiterhin hohe Volatilität an den Märkten. Die Papiere wurden mit "Overweight" bestätigt.

Henkel ex Dividende
Einer der größten Dax-Verlierer war Henkel - das Kursminus rührte einen Tag nach der Hauptversammlung von dem Dividendenabschlag. Die Anteilseigner des Konsumgüterherstellers erhalten für 2007 eine Dividende von 0,53 Euro je Vorzugsaktie und 0,51 Euro für die Stämme. Ohne den Dividendenabschlag notiert die Aktie im Plus.

Metro profitiert von Tesco
Es gab aber auch eine ganze Reihe von Gewinnern im Dax, so legten Siemens und ThyssenKrupp deutlich zu. Bei Metro färbten wohl die Kursgewinne der britischen Tesco ab. Großbritanniens größter Einzelhändler hat trotz eines enttäuschenden Weihnachtsgeschäfts das Geschäftsjahr versöhnlich abgeschlossen. Zudem sei das neue Jahr überzeugend angelaufen. Händler sagten: "Die Aussagen zum Jahresauftakt klingen sehr positiv und das stützt auch Metro."

Siemens einigt sich mit Betriebsrat über Stellenabbau
Bei Siemens war das Kursplus eine technische Gegenreaktion nach dem jüngsten Kursrutsch, sagten Händler. Die Papiere des Münchener Konzerns waren nach schwachen Geschäftszahlen der Konkurrenten General Electric und Philips auf Talfahrt gegangen. Siemens hat sich unterdessen mit dem Betriebsrat auf den Arbeitsplatzabbau bei der zum Verkauf stehenden Netzwerk-Tochter SEN verständigt.

Citigroup gibt ThyssenKrupp Auftrieb
ThyssenKrupp bekam Unterstützung von der Citigroup. Die Bank hob das Kursziel von 38 Euro auf 40 Euro und bestätigte ihr Anlageurteil "Hold". Die hohe Zahl an Jahresverträgen begrenze zwar die Möglichkeiten des Unternehmens, im Jahr 2008 auf gestiegene Kosten flexibel zu reagieren, schrieb Analyst Johan U. Rode in einer Studie vom Dienstag. Er gehe allerdings davon aus, dass Verluste der Stahlbranche bei den Margen im Jahr 2009 wieder ausgeglichen werden könnten.

Solon kommt in Spanien voran
Das Solartechnikunternehmen Solon hat mehrere Großkraftwerke in Spanien an den an den Finanzinvestor Meinl International Power veräußert. Der Preis liegt bei rund 87 Millionen Euro.

Conergy denkt über frisches Geld nach
Das finanziell Solarunternehmen Conergy behält sich weitere Maßnahmen zur Stärkung seiner Kapitalbasis vor. Zwar reiche die geplante Kapitalerhöhung von 250 Millionen Euro aus, um den Geldbedarf in diesem Jahr zu decken. Es könne aber angesichts des turbulenten Kapitalmarktumfelds "sinnvoll erscheinen, darüber hinaus rechtzeitig die Bilanzrelationen zu verbessern", sagte ein Unternehmenssprecher in einem Reuters-Gespräch.

Altana denkt an Übernahmen
Der Chemiekonzern Altana schaut sich weltweit nach geeigneten Übernahmezielen um. "Wir verfügen über eine sehr starke Bilanz", sagte Konzernchef Matthias in einem Reuters-Interview. Selbst größere Akquisitionen, um eine völlig neue Sparte zu schaffen, seien nicht ausgeschlossen.

Auch Salzgitter-Aktien gewannen. Die Citigroup hat ihre Schätzungen für den Stahlpreis erhöht. Für 2008 wurden die Prognosen auf 800 Dollar je Tonne angehoben, vorher war man von 700 Dollar ausgegangen. Für 2009 wurde die Schätzung auf 850 Dollar von zuvor 705 Dollar je Tonne erhöht.

Die Aktien des Maschinenbauers Kuka profitierten von einer positiven Bewertung von Equinet. Das Kursziel von 24,50 Euro wurde bestätigt. Die weltweite Nachfrage nach Ingenieur- und Maschinenbauprodukten sei trotz zunehmend ungünstiger Entwicklungen im Hinblick auf einen starken Euro und eine Abkühlung in den USA nach wie vor gesund, hieß es.

Cewe kündigt Gewinnsprung an
Der Fotoentwickler Cewe Color rechnet im laufenden Jahr mit einem größeren Gewinnsprung. Der Überschuss soll um 53 Prozent auf neun Millionen Euro zulegen, das Vorsteuerergebnis um ein Drittel auf 17 Millionen und der Umsatz um drei Prozent auf 426 Millionen Euro. Die Schließung zweier Werke und die Verlagerung der Produktion in andere Betriebe werde den Gewinn mit 14 Millionen Euro belasten.

Schlechte Nachrichten hatte dagegen Fortune Management. Die börsennotierte Private Equity Gesellschaft teilte mit, dass ihre Beteiligung Biodiesel Enns Insolvenzantrag stellen wird. Die Aktie verliert 18 Prozent.

Neues aus der Pharmabranche
Das US-Biotech-Unternehmen Genentech und Biogen haben mit ihrer Phase-II/III-Studie zu Rituxan gegen schwere Multiple Sklerose einen Rückschlag erlitten. Allerdings relativierten Analysten die Bedeutung der Nachricht. Der Schweizer Pharmariese Novartis hat mit seinem Mittel Stalevo bei Parkinson- Patienten dagegen gut abgeschnitten.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr