Ende einer richtungslosen Woche

Stand: 20.11.2009, 20:03 Uhr

Der Handel am Freitag war symptomatisch für die ganze Woche. Erst legte der Dax bis zu 0,7 Prozent zu, dann rutschte er ins Minus und schloss deutlich schwächer. Die Schuldige war die amerikanische Börse und dort ganz besonders Dell.

Der Computerhersteller Dell hatte zwar schon am Donnerstag seine Quartalsbilanz vorgelegt, doch Anleger konnten erst am Freitag auf die nachbörsliche Nachricht reagieren. Ein kräftiger Gewinneinbruch bei Dell stellt in den Augen von Investoren die Erholung des gesamten Konsummarktes in Frage, die Wall Street begann den Handel mit Verlusten und hielt sich im Minus, bis zum Ende des Frankfurter Parketthandels.

Der Dax, der den Freitagshandel grün begonnen hatte, litt stark unter den New Yorker Vorgaben und beendete die Session mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 5.663 Zählern. Damit bleibt selbst auf Wochensicht ein kleiner Verlust übrig, womit eine unentschlossene, dennoch volatile, Handelswoche zu bilanzieren wäre.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,62
Differenz relativ
-0,38%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,26
Differenz relativ
-1,20%

Am Freitag waren es die Banken, die für die Schlagzeilen sorgten. Beunruhigende Nachrichten und klare Worte auf der Eurofinance Week in Frankfurt belasteten europaweit Bankentitel, im Dax gaben Deutsche Bank und Commerzbank kräftig ab. Konkret ging es zum einen um skeptische Äußerungen der Credit Suisse zu europäischen Banken und der Warnung von Moody's, möglicherweise die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank herabzustufen.

Reichte dies noch nicht, gaben den Bank-Aktionären die sehr kritischen Äußerungen von Politik und EZB auf dem Bankenkongress den Rest. Unisono erklärten Schäuble und Trichet, es sei die Pflicht der Banken, eine zweite Blase - die angesichts des vielen billigen Geldes der Zentralbanken durchaus möglich scheint - zu verhindern und sich auf ihre Grundtugenden zu konzentrieren.

Gewinnmitnahmen bei Infineon
Am Donnerstag legte Infineon die Quartalsbilanz vor, und auch am Freitag nahmen die Aktionäre ihre Gewinne mit. Das Papier verlor 3,4 Prozent. Dabei war die Bilanz gar nicht schlecht, der Konzern hatte einen kleinen Gewinn ausgewiesen. Analysten passten daher ihre Infineon-Einschätzungen an. Während Unicredit und UBS ihre Kursziele senkten, hoben Barclays und Citigroup ihre an.

K+S und ein paar weitere Gewinner
Kursgewinne von 2,4 Prozent verzeichnete - gänzlich ohne Nachrichten - die K+S-Aktie. Händler verwiesen auf die Hoffnung, dass die Geschäfte des Düngemittelkonzerns bald anziehen könnten. Salzgitter-Papiere schlossen unverändert und besser als der Markt. Aktionäre reagierten auf die Nachricht des Weltstahlverbandes, dass die globale Rohstahlproduktion im Oktober zugenommen habe. In Deutschland jedoch ging die Produktion zurück.

VW kauft Porsche und Karmann
Der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns hat am Freitag der geplanten Fusion mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche zugestimmt. Auch der Porsche-Aufsichtsrat segnete am Abend die Übernahmepläne ab. Das VW-Gremium beschloss zudem, Maschinen und Immobilien des insolventen Auftragsfertigers Karmann zu übernehmen. Dazu will VW in den nächsten Wochen eine Tochtergesellschaft gründen. Bis 2014 sollen dabei über 1.000 Arbeitsplätze entstehen.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
105,40
Differenz relativ
-3,96%

EU stellt sich gegen Merck
Aktien des Pharmakonzerns Merck trotzten der Entscheidung der europäischen Gesundheitsbehörde EMEA, das Krebsmedikament Erbitux nicht für die Behandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zuzulassen. Die bereits genehmigten Anwendungsgebiete seien nicht betroffen, hieß es. Trotzdem sei die EMEA-Entscheidung eine negative Überraschung gewesen, fanden Analysten der Citigroup und stuften Merck-Aktien herab. Gänzlich unbeeindruckt legten Merck-Aktien aber leicht zu.

Mit Empfehlungen geimpft
Freundliche Analystenworte helfen häufig, am Freitag profitierten unter anderem die Papiere von SMA Solar und Sixt davon. Die Aktie des im TecDax notieren Solarunternehmens SMA Solar stieg um weitere sehcs Prozent auf ein Rekordhoch, nachdem das Unternehmen innerhalb von vier Wochen zweimal die Prognose erhöht hatte und in dieser Woche gleich mehrere Male von Analysten empfohlen wurde. Im SDax gewann die Aktie von Sixt knapp zwei Prozent hinzu. Am Donnerstag hatte der Autovermieter eine gute Bilanz veröffentlicht, nun hoben HSBC und WestLB ihre Kursziele an.

EU gibt Oracle mehr Zeit
Die EU-Kommission hat die Prüfung der geplanten Übernahmen des amerikanischen Computerherstellers Sun durch den Softwarekonzern Oracle verlängert. Oracle hatte um mehr Zeit gebeten, die Einwände der Kommission auszuräumen. Die EU verlängerte die Frist um acht Tage auf den 27. Januar 2010. Die Kommission hat Einwände gegen die Fusion, weil sie ihrer Ansicht nach zu Verzerrungen auf dem Markt für Datenbanksoftware führt. Ursprünglich wollte Oracle die Sun-Übernahme bereits im August abgeschlossen haben.

Estavis gut im Rennen
Die Aktie des Immobilienunternehmens Estavis stieg nach einer guten Bilanz kräftig. Die Firma konnte im ersten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres ihren Umsatz um elf Prozent auf 22,1 Millionen Euro verbessern, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte 2,4 Millionen Euro, nach einem Verlust von 2,4 Millionen Euro vor einem Jahr. Estavis bestätigte außerdem die Jahresprognose.

Neuzugang an der Börse
Die Börse, genauer der Prime Standard, bekommt seltenen Nachwuchs. Am 7. Dezember will das Wind- und Solarunternehmen Scan Energy an die Börse. Mit dem geplanten IPO will die Firma, die Wind- und Solarparks betreibt, 228 bis 280 Millionen Euro erlösen. Den potentiellen Investoren sollen dazu bis zu 20,125 Millionen Aktien angeboten werden. Die genaue Preisspanne will Scan Energy am 30. November veröffentlichen.

Tagestermine am Donnerstag, den 14. November

Firmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Daimler: Kapitalmarkttag in London, ab 10:00 Uhr
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus Holding: Q3-Zahlen, 07:15 Uhr
Aumann: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Hapag-Lloyd: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Raiffeisen International: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
Österreichische Post: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Cancom: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Burberry: Halbjahreszahlen, 08:00 Uhr
Singulus: Q3-Zahlen, 08:15 Uhr
Bauer: Neunmonatszahlen
Demire: Neunmonatszahlen
Biotest: Q3-Zahlen
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
WalMart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr Uhr
Zurich Insurance: Investor Day
Nvidia: Q3-Zahlen
Viacom: Q4-Zahlen
Applied Materials: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 10:00 Uhr
Deutschland: : November-Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums
EU: BIP Q3 Eurozone, 11:00 Uhr
USA: Fed-Vize-Chef Richard Clarida hält eine Rede, 14:30 Uhr
USA: Erzeugerpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Chicago Fed-Präsident Evans hält eine Rede, 15:10 Uhr
USA: Fed-Chef Powell vor dem House Budget Commitee, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht des Energieministeriums, 17:00 Uhr
USA: New York Fed-Präsident Williams hält eine Rede, 18:00 Uhr
USA: St. Louis Fed-Präsident Bullard hält eine Rede, 18:20 Uhr