Ende einer grünen Woche

Stand: 22.10.2010, 20:05 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich am Freitag abermals in einer recht stabilen Verfassung. Trotz guter Unternehmens- und Wirtschaftsdaten reichte es aber nur für den Erhalt der in der Woche erlangten Kursgewinne. Immerhin: Die Marke von 6.600 Punkten markiert ein Zweijahreshoch.

Mit einem Plus von 1,7 Prozent hat der Dax in der vergangenen Woche seine nun bereits seit Anfang Oktober andauernde Hausse fortgesetzt. Nicht mit derselben Geschwindigkeit wie in der vorvergangenen Woche, doch reichte es am Freitag knapp für einen Dax-Schlusswert von über 6.600 Punkten.

Angesichts der gegenwärtig guten Nachrichtenlage von Unternehmen und Konjunktur war dieser Kursanstieg auch durchaus gerechtfertigt. Auch am Freitag berichtete das Ifo-Institut über eine weiterhin gute Stimmung unter den Unternehmen, der Autobauer Volkswagen legte eine überraschend gute Neunmonatsbilanz vor.

Dass der Dax am Freitag dennoch nur knapp behauptet bei 6.606 Punkten schloss, hatte vor allem mit dem bangen Warten auf den am Wochenende stattfindenden G20-Gipfel in Südkorea zu tun. Auf der Konferenz sollen die gegenwärtig heißen Themen globale Wechselkurspolitik und Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft behandelt werden. Viel Konfliktpotenzial ist in diesen Fragen, und keine andere Institution geht mit Konfliktpotenzialen derartig sensibel um wie die Finanzmärkte.

Die Anspannung war auch in Amerika zu spüren, wo der Dow Jones trotz guter Unternehmenszahlen leicht im Minus tendierte.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,42
Differenz relativ
+3,04%

Volkswagen tadellos
Der Volkswagen-Konzern legte am frühen Nachmittag überraschend seine Bilanz vor, was die Aktie vorübergehend ins Minus beförderte und dann an die Dax-Spitze katapultierte. Gegenüber dem vergangenen Jahr erreichte Europas größter Autokonzern eine Umsatzverbesserung von 20 Prozent auf 92,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verdreifachte sich auf 4,8 Milliarden Euro. Gleichwohl erwartet Volkswagen nicht, dass sich im vierten Quartal die bisherige gute Entwicklung fortsetzt. Händler zeigten sich überrascht von den guten Zahlen des Konzerns.

HHLA und Euroshop: Neues Licht
Zwei MDax-Unternehmen äußerten sich zu ihren Geschäftszielen. Der Hafenbetreiber HHLA bekräftigte sein Ziel, in diesem Jahr eine Umsatzrendite von 15 Prozent zu erreichen. Der Wachstumstrend habe sich stabilisiert, sagte Finanzdirektor Roland Lappin. Der Shoppingcenter-Betreiber Deutsche Euroshop stellte sogar die Erhöhung der Umsatzprognose in Aussicht. Statt der bisher erwarteten etwa acht Prozent Umsatzplus im kommenden Jahr erwarte man nun eine Zunahme von bis zu 15 Prozent.

Fuchs Petrolub mit guten Geschäften
Auch der Schmierstoffspezialist Fuchs Petrolub hat seine Prognose erhöht. Für dieses Jahr erwartet die MDax-Firma ein operatives Ergebnis von 240 Millionen Euro. Im dritten Quartal liefen die Geschäfte außerordentlich gut, Fuchs erreichte laut eigenen Angaben den jemals höchsten in der Firmengeschichte erreichten Quartalsumsatz.

Q-Cells atmet auf: Finanzierung gesichert
Trotz geglückter Kapitalerhöhung verlor die Aktie des TecDax-Unternehmens Q-Cells 2,9 Prozent. Die Solarfirma nahm aus einer Kapitalerhöhung und einer Wandelanleihe 256,3 Millionen Euro ein. Der Erlös soll vor allem dazu dienen, eine fast 500 Millionen Euro schwere Wandelanleihe, die Anfang 2012 fällig wird, zurückzuzahlen.

H&R Wasag, Demag und die Gerüchte
Neue Würze bekam das schon recht lang köchelnde Übernahmesüppchen um Demag Cranes. Wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, erwägt der Konkurrent Konecranes mittlerweile eine feindliche Übernahme des MDax-Unternehmens. Auch der amerikanische Wettbewerber Terex meldete sich zu Wort. Man sei auf der Suche nach einem Übernahmeziel, hieß es aus den USA. Die Demag-Aktie gewann ein halbes Prozent.

Im SDax legte die Aktie des Spezialchemieunternehmens H&R Wasag zeitweise mehr als vier Prozent zu. Angeblich will der amerikanische Chemieriese Dow Chemical die kleine Firma übernehmen. Zumindest sprechen einige Händler davon. Dow wäre bereit, 27,60 Euro je H&R-Aktie zu bieten, hieß es.

Immobilienfirmen unter Druck
Einige der im MDax und SDax gelisteten Immobilienaktien gehörten am Freitag zu den größten Verlierern. Papiere von IVG aus dem MDax und Alstria Office aus dem SDax gaben zeitweise mehr als drei Prozent nach. Eigene Nachrichten produzierten die Firmen nicht, die Verunsicherung kam aus der Fondsbranche. Die Fondsgesellschaft Aberdeen musste ihren offenen Immobilienfonds "Degi Europa" wegen Finanzproblemen "geordnet auflösen".

Was sonst noch wichtig war
Beachtenswerte Bilanzen gab es von Nestle und Ericsson. Die Aktie des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson legte vier Prozent zu, weil das Unternehmen über eine knappe Verfünffachung des Gewinns auf fast 390 Millionen Euro berichtet hatte. Analysten zeigten sich angenehm überrascht. Nestle-Aktien waren hingegen nicht gefragt, obwohl das Unternehmen seinen Umsatz um 4,1 Prozent steigern konnte. In den ersten neun Monaten des Jahres bremste jedoch der schwache Dollarkurs das unter optimalen Zuständen mögliche Wachstum.

Amerikanische Bilanzen
American Express legte bereits am Donnerstag nach Börsenschluss recht gute Zahlen vor, die Aktie verliert am Freitag dennoch leicht. Der Ölfeldausrüster Schlumberger, das größte Unternehmen seiner Art, meldete einen Gewinnsprung im dritten Quartal, genauso wie das Industrieunternehmen Honeywell, das zugleich seine Gewinnprognose anhob.

Dem Telekomkonzern Verizon hingegen gelang es nicht, beim Ergebnis zuzulegen. Der Gewinn schrumpfte im dritten Quartal deutlich auf 881 Millionen Dollar. Verizon begründete dies mit hohen Pensionszahlungen. Auch der Umsatz war rückläufig.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr