Ende der Hängepartie?

Stand: 09.10.2007, 20:01 Uhr

Kurz vor der 8.000-Punkte-Marke im Dax hat die Anleger am Dienstag der Mut verlassen. Die nahende US-Berichtssaison und neue Signale von der Zinsfront durch die US-Notenbank sorgten für eine Fortsetzung des Geduldsspiels.

Die Aussagen aus dem Protokoll der vergangenen US-Notenbanksitzung gaben den Aktienmärkten am Dienstagabend keinen wirklichen Impuls mehr. Die Zinssenkung vom 18. September wurde nach den "Fed-Minutes" einstimmig beschlossen. Die Fed-Mitglieder waren besorgt, dass eine schwächere Wirtschaft eine weitere Verknappung bei der Kreditvergabe auslösen könnte. Die jüngsten Daten hätten zudem eine größere Schwäche im US-Häusermarkt gezeigt, als zuvor erwartet. Weitere "Besorgnis" herrschte außerdem bezüglich des US-Arbeitsmarktes und der Inflation

Die US-Börsen reagierten am Abend deutscher Zeit mit leichten Kursgewinnen von 0,25 Prozent im Dow Jones-Index. Bis 20 Uhr hatte sich das Barometer der US-Standardwerte um den Vortagesschluss bewegt.

8.000 schwer zu knacken

Anleger in Deutschland konnten am Abend nicht mehr auf die Nachrichten von der US-Notenbank reagieren. Der Parketthandel endete bei 7.979 Punkten, einen Zähler unterhalb des Xetra-Schlusses und - wieder einmal - unter der Marke von 8.000 Punkten.

Stahlwerte am Kurspranger
Im Dax waren Übernahmespektulationen bei mehreren Konzernen für Kursanstiege verantworltich. Die deutlichsten Abschläge verzeichneten Stahltitel. ThyssenKrupp im Dax und Salzgitter im MDax verloren 1,3 bzw. 2,3 Prozent, nachdem der Stahlhändler Klöckner & Co am Montagabend vor einem geringer als erwartet ausfallenden operativen Ergebnis im laufenden Jahr gewarnt hatte. KlöCo-Aktien verloren am Dienstag in der Spitze bis zu 25 Prozent und schlossen den Parketthandel 18 Prozent im Minus, bei rund 40 Euro.

Begehrte Dax-Perlen
Übernahmefantasien bei MAN, der Commerzbank und Continental sorgten am Nachmittag für Kursbewegung. So wurde am Markt das Gerücht gehandelt, ein Investor interessiere sich für MAN und sei bereit 126,50 Euro je Aktie zu bieten. Zwar dementierte der Konzern dies postwendend, doch die MAN-Aktie legte dennoch rund zwei Prozent zu. Auch die Continental-Aktie wurde am Nachmittag noch von Gerüchten rund ein Prozent ins Plus gehievt. Hier sorgte ein Hinweis für Kauflaune, der französische Konkurrent Michelin strecke seine Fühler in Richtung des deutschen Automobilzulieferers aus.

Geht Cobas CCR an UBS?
Auch Commerzbank-Aktien gehörten zu den größten Gewinnern im Dax. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters verhandelt die Schweizer Großbank UBS mit dem deutschen Institut über den Kauf der französischen Coba-Fondstochter CCR exklusiv. CCR verwaltet ein Vermögen von derzeit 18 Milliarden Euro. die Commerzbank-Aktie gehörte mit 1,3 Prozent Plus zu den stärksten Dax-Titeln.

Lufthansa in Gesprächen mit Allitalia
Bei der Lufthansa wird erneut auf einen Einstieg beim angeschlagenen Konkurrenten Allitalia spekuliert. Allitalia will am Mittwoch eine Liste potenzieller Käufer veröffentlichen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber gab sich am Dienstag noch zurückhaltend: "Ich weiß nicht, welche und wie tiefe Einschnitte nötig sind". Zeitgleich hat die Airline am Dienstag angekündigt, am Flughafen Düsseldorf weiter expandieren zu wollen. Sieben weitere Ziele sollen von dort aus erreichbar sein.

Adidas-Chef sieht Gewinne sprudeln
Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender des Sportartikel-Herstellers schaut optimistisch ins kommende Geschäftsjahr. Wir gehen davon aus, dass wir unseren Gewinn weiter zweistellig steigern werden", so Hainer mit Blick auf die Großveranstaltungen 2008, die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele in Peking. Die Tochter Reebok soll aber 2009 wieder ein Umsatzwachstum verbuchen.

MüRü hofft auf Milliardenerträge in USA
Der weltgrößte Rückversicherer will seine Profitabilität im US-Geschäft "deutlich erhöhen", wie das Unternehmen am Dienstag auf einer Telefonkonferenz bekannt gab. Dazu will sich der Konzern in den USA eine neue, kundenorientierte Struktur geben. In den kommenden Jahren soll der Vorsteuergewinn bei in den USA mindestens eine Milliarde Dollar erreichen. Der Aktie half die Nachricht rund ein halbes Prozent ins Plus.

Premiere und die Wiederkehr des Leo K.
Papiere des Pay-TV-Konzerns waren am Dienstag zweitschwächster Dax-Wert und rutschten um rund fünf Prozent nach unten. Am Nachmittag wurde bekannt, dass der Medienunternehmer Leo Kirch in den kommenden beiden Jahren über seine Agentur Sirius die Ausschreibungen für die Rechtevergabe der Fußball-Bundesliga im deutschsprachigen Raum durchführen wird.

Airbus mit vollen Büchern
Inmitten der Spekulationen um Insidergeschäfte beim EADS-Management hat die Tochter Airbus am Dienstag eine gute Auftragslage gemeldet. Bis Ende September hat das Unternehmen Aufträge für 854 Maschinen erhalten. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden 330 Flugzeuge ausgeliefert. Der EADS-Aktie im MDax hilft dies nur wenig, sie geht mit plus einem halben Prozent aus dem Xetra-Handel.

Südzucker vor Zahlen gefragt
Im MDax gewannen Südzucker am Dienstag am stärksten. Bei dem Papier sehen Händler einen charttechnischen Ausbruch, nachdem das Papier zuvor drei Monate lang in einer Seitwärtsbewegung gefangen zu sein schien. Nach Händlerangaben ist mit dem Überwinden der 15-Euro-Marke der Weg in höhere Kursregionen frei. Allerdings könnten sich Investoren auch im Vorfeld der Quartalszahlen am Donnerstag mit den Papiere eindecken.

Aixtron: Kurssprung Teil zwei
Fast sechs Prozent nach oben sprang die Aktie des Spezialmaschinenherstellers Aixtron im TecDax. Am Montag hatte das eine kleinere Übernahme im Nanotech-Bereich angekündigt. Marktbeobachter verwiesen zudem auf eine positive charttechnische Situation, nachdem das Papier auf den höchsten Stand seit Anfang 2004 geklettert war.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"