Einmal tief durchatmen

Stand: 06.04.2009, 20:05 Uhr

Die Erholungsrally an den Weltbörsen legt eine Verschnaufpause ein. Am Montag trübten Sorgen um den US-Bankensektor den späten Handel. Der Dax konnte sich dem Einfluss der Wall Street nicht entziehen.

Der Late-Dax geb gegenüber dem Schlussstand auf Xetra sogar noch ein paar Punkte ab. Aus den USA kamen auch im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett keine freundlichen Signale - im Gegenteil. Die Herabstufung des Bankensektors durch den bekannten Analysten Mike Mayo setzte Titel wie die Bank of America oder die Citigroup weiter unter Druck und ließ den Dow Jones-Index um rund 1,5 Prozent fallen. Mayo empfahl die Aktien der Branche zum Verkauf, die Turbulenzen im Finanzsektor seien noch nicht überwunden, so der Experte.

Sun-Aktie unter Druck

Noch deutlicher ging es mit der Aktie von Sun Microsystems abwärts. Der Titel verlor rund 20 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass die Übernahme des Unternehmens durch den Konkurrenten IBM offenbar geplatzt ist. Dem Management des Server-Herstellers Sun war der Kaufpreis nicht hoch genug.

Dax macht Kehrtwende
Beim Dax sorgten die schwachen Vorzeichen aus Übersee und die Gewinnmitnahmen einiger Anleger für eine Rolle rückwärts im Tagesverlauf. Der Index hatte sich am Vormittag noch in Richtung 4.500 Punkte-Marke aufgemacht und rutschte dann um fast drei Prozent abwärts. Am Ende lag das Minus gegenüber dem Freitagsschluss bei rund einem Prozent.

Deutsche Börse hat neue Fans
Einer der schwächsten Titel im deutschen Leitindex war die Deutsche Börse, die rund vier Prozent einbüßte. Am Abend erholte sich der Titel ein wenig. Dazu beigetragen hatte die Nachricht, dass die Investmentgesellschaft Wellington inzwischen mehr als drei Prozent an dem Börsenbetreiber hält.

BMW mit Analysten-Malus
Die rote Laterne im Dax hielt auch im späten Handel die BMW-Aktie am Montag rund sieben Prozent an Wert verlor. Für den Kursverfall verantwortlich war laut Händlern neben Gewinnmitnahmen auch eine Studie des Analysehauses Bernstein Research. Die Experten stuften die Aktien der Münchener von "outperform" auf "marketperform" ab.

Dividendenabschläge bei MAN und Merck
Ein Großteil der Kursverluste bei MAN und Merck waren "optischer" Natur. Die Titel wurden am Montag mit Dividendenabschlägen von zwei, bzw. 1,50 Euro gehandelt. Schwergewichte wie Siemens, Allianz oder Daimler sorgten mit "echten" Verlusten zwischen drei und fünf Prozent dafür, dass der Dax insgesamt in die Knie ging.

Versorger im Trend
Deutlich im Plus hielten sich die Papiere des Düngemittel-Herstellers K+S und der Versorger RWE und Eon. Letztere reagieren damit auf zwischenzeitlich weiter steigende Ölpreise. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Montag zeitweise mehr als 54 Dollar, bevor die Notierungen im Tagesverlauf wieder nachgaben.

Euro angeknackst
Die Gemeinschaftswährung verlor am Montag deutlich an Boden. Bei 1,34 Dollar je Euro kam die Rutschpartie vorläufig zum Stehen. Am Morgen hatte der Euro noch 1,36 Dollar gekostet. Beobachter verwiesen zur Erklärung auf die "Gesetzmäßigkeit" wonach der Euro zuletzt mit den Aktienmärkten geklettert sei, der Dollar aber stets bei schwachen Aktienbörsen zulege.

Linde macht Dampf in China
Papiere des Industriegasespezialisten hielten sich ebenfalls gegen den Trend im Plus. Das Unternehmen baut sein Geschäft in China aus und will bis Juni 2009 ein Gemeinschaftsunternehmen seinem chinesischen Partner Sinopec gründen. Händler halten die Aktie derzeit auch charttechnisch für interessant.

Coba hofft auf EU
Aktien der Commerzbank stieg zu Wochenbeginn rund 1,5 Prozent. Damit könnten die Titel auf ein Signal aus der Bundesregierung reagieren. Laut einem Sprecher des Bundesfinanzministeriums steht eine Einigung mit der EU-Kommission über die staatliche Finanzspritze für die Frankfurter Bank unmittelbar bevor.

Infineon kein Pennystock mehr
Beim Technologie-Index TecDax lag dies auch an Neuling Infineon. Die Aktie des Chip-Konzerns kletterte um mehr als zwanzig Prozent und notierte mit 1,12 Euro sogar wieder einmal über der Grenze zum "Pennystock". Kurstreibend wirkte eine Kaufempfehlung der UBS und eine Anhebung des Kursziels von 0,85 auf 1,40 Euro. Bisher hatte die Bank in Infineon nur eine Halteposition gesehen. Infineon wird sich nach eigenen Angaben von der New York Stock Exchange zurückziehen, womit der Konzern Kosten spart.

Kontron angelt Großauftrag
Der Hardware-Hersteller hat einen Großauftrag aus den USA erhalten. Das TecDax-Mitglied wird an einen der größten internationalen Telekommunikationsausrüster Produkte für mehr als 100 Millionen US-Dollar liefen. Außerdem vermeldete Kontron einen weiteren Auftrag in Höhe von 18 Millionen Dollar. Die Kontron-Aktie schloss den Handel rund zwei Prozent im Plus.

HRE-Übernahme auf Warteposition
Die Aktie des Immobilienfinanzierers im MDax baute ihre Verluste am Nachmittag auf rund neun Prozent aus. Zuvor hatte das Gerücht die Runde gemacht, die Bundesregierung wolle den Aktionären der Hypo Real Estate ein Übernahmeangebot machen. Der Maximalpreis je Aktie werde dabei bei 1,26 Euro liegen. Dies dementierte am Mittag aber ein Regierungssprecher. Ein Übernahmeangebot werde frühestens dann erfolgen, wenn das Finanzmarktstabilisierungsgesetz in Kraft getreten sei.

Wieviel Premiere will Murdoch?
Auch die Titel des Bezahlfernsehsenders gehörten am Montag zu den größten MDax-Verlierern. Bei der Kapitalerhöhung des Unternehmens scheint der niedrige Bezugspreis von 1,12 Euro darauf hin zu deuten, dass Großaktionär Rupert Murdoch nicht unbedingt die Mehrheit an Premiere übernehmen will. Mit dieser Vermutung zitierte Reuters am Nachmittag einen "Insider". Der Preis sei bewusst so niedrig angesetzt, damit möglichst viele Altaktionäre "mitzögen". Medienzar Murdoch hatte zuvor versichert, er wolle alle nicht platzierten neuen Aktien übernehmen. Die Premiere-Papiere verlieren mehr als acht Prozent auf 2,05 Euro.

Gagfah Chef schmeißt sofort hin
Der Chef der Immobiliengesellschaft, Burkhard Drescher, hat sein Amt am Montag mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Laut Unternehmen sei dies auf Wunsch Dreschers geschehen. Ursprünglich sollte er am 31. Juli durch William Joseph Brennan abgelöst werden. Darauf hatte sich der Aufsichtsrat vor knapp drei Wochen verständigt. Die Gagfah-Aktie gab im späten Montagshandel rund zwei Prozent ab.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"