Einen Schritt rückwärts

Stand: 07.09.2010, 20:05 Uhr

Der Dax kam am Dienstag nicht recht in Schwung. Schwache Industriedaten aus Deutschland, beunruhigende Signale aus Ungarn und verschärfte Eigenkapitalvorschriften für Banken hinterließen Spuren auf dem Parkett.

Auch im späten Handel konnte sich der Late-Dax nicht weiter in Richtung Pluszone vorarbeiten. Bis zum Schluss des Parketthandels in Deutschland lagen auch die Indizes an der Wall Street deutlich im Minus.
Ganz gegen die sonstige Praxis sorgten diesmal Nachrichten aus Euroland für Nervosität auch auf der anderen Seite des Atlantik. So beunruhigte eine Äußerung des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban die Investoren. Danach beruht der ungarische Haushalt 2010 auf "falschen Zahlen". Die Nachricht brachte zwischenzeitlich auch den Euro unter Druck.

Schärfere Bankenrichtlinien?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,72
Differenz relativ
+0,17%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,86
Differenz relativ
+0,42%

Die Einigung der Bankenaufseher im "Baseler Ausschuss" auf schärfere Eigenkapitalvorschriften für den Bankensektor sorgte am Abend für weiteres Stirnrunzeln. Ein Entwurf für strengere Richtlinien (Basel III) soll am Wochenende noch einmal von den Chefs der Notenbanken und Bankenaufsehern diskutiert werden. Aktien der deutschen Banken im Dax litten bereits am Dienstag.

Der Gesamtmarkt hatte auch wenig erfreut auf Nachrichten von der deutschen Industrie reagiert. Die Zahl der Aufträge in der Deutschen Industrie war im Juli überraschend um 2,2 Prozent gesunken.

Gold immer teurer

Die allgemeine Unsicherheit wirkte sich am Dienstag auch auf den Goldpreis aus. Mit Kursen von bis zu 1.260 Dollar je Feinunze lagen die Notierungen nur knapp unter dem Allzeithoch von 1.264,90 Dollar vom 21. Juni.

Defensiv ist Trumpf

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
46,16
Differenz relativ
-1,23%

Papiere von defensiven Titeln wie Fresenius, Merck oder Bayer hielten sich am Dienstag in der Pluszone. VW- und Daimler-Papiere dürften als Exporttitel von dem gesunkenen Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar profitiert haben.

Heidelcement baut auf Obama

Besser als der Gesamtmarkt hielten sich auch Papiere von HeidelCement im Dax wie auch Vossloh im MDax. Die Unternehmen können sich Hoffnungen auf Aufträge aus den USA machen, nachdem US-Präsident Barack Obama weitere

Infineon will lieber sparen

Am Ende des Dax notierte die Infineon-Aktie, die 3,5 Prozent tiefer schloss. Beim Chip-Hersteller löste die Ankündigung Unmut aus, dass man den Aktionären nach dem Verkauf seiner Handychipsparte keine Sonderausschüttung gewähren will. Auch ein Aktienrückkauf kommt nicht in Betracht. Stattdessen will der Konzern seine Nettoliquidität erhöhen.

Versorger trotz Milliardeneinnahmen abgestuft

Trotz der Milliarden-Einnahmen, die Eon und RWE durch die Laufzeitverlängerung ihrer Atommeiler ins Haus stehen, sind die Analysten von Goldman Sachs nicht begeistert. Die Verlängerung liege unter den Erwartungen, so die Experten, die Eon mit dem Anlageurteil "neutral" und RWE sogar mit "conviction sell" versahen. Beide Aktien hielten sich im Dax-Mittelfeld auf.

K+S dementiert Spekulationen

Der Düngemittel-Hersteller könne seine Gesamtjahresprognose nicht aufrecht erhalten, wurde auf dem Parkett gemunkelt. Dies hat das Unternehmen am Dienstag dementiert. Laut einem Sprecher erwartet K+S weiterhin ein operatives Ergebnis zwischen 550 und 600 Millionen Euro. Die Aktie konnte sich dennoch nicht erholen.

Nur Pfeiffer im Plus

Auch der TecDax litt unter einem kleinen Schwächeanfall. Nur Aktien von Pfeiffer Vacuum konnten sich mit einem Kursplus von knapp zwei Prozent deutlich im Plus behaupten. Laut Händlern waren dafür Anschlusskäufe nach dem Erreichen eines neuen Hochs verantwortlich.

Verliert SMA Marktanteile?

Solartitel standen dagegen auf der Verkaufsliste. Q-Cells verloren als schwächster Branchenwert mehr als drei Prozent. Auch die Aktien des Herstellers von Wechselrichtern für Solaranlagen, SMA,. büßten deutlich ein. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" droht dem Unternehmen Billig-Konkurrenz aus Asien.

Software AG will weiter wachsen

Verluste von rund drei Prozent verzeichnete die Aktie der im TecDax notierten Software AG. Damit reagieren die Anleger auf die Aussage von Firmenchef Karl-Heinz Streibich, nach dem 487 Millionen Euro teuren Zukauf von IDS Scheer weitere Übernahmen anzustreben. "Wir wollen alle zwei bis vier Jahre eine größere Softwarefirma kaufen", sagte Vorstandschef der "FTD". Er wolle eine "global relevante IT-Firma" aufbauen. In den vergangenen drei Jahren hat die Software AG sieben Firmen gekauft, die Transaktionsvolumina summieren sich auf mehr als 1,2 Milliarden Dollar.

Air Berlin schlechter ausgelastet

Auf Vortagesniveau behauptete sich dagegen die Aktie von Air Berlin. Sie steht auf einer hypothetischen Kaufliste von British Airways. Gleichzeitig teilte die Fluggesellschaft mit, im August 8,7 Prozent mehr Passagiere als im Vergleichsmonat des Vorjahres befördert zu haben. Die Auslastung der Flugzeuge ging trotzdem um 0,8 Prozentpunkte zurück, von 84,3 auf 83,5 Prozent.

Comdirect handelt mehr als erwartet

Der Direktbroker Comdirect erhielt im August acht Prozent mehr Wertpapieraufträge als im Juli. Analysten sprachen von einer positiven Entwicklung, weil die Zahlen trotz Urlaubssaison und den an sich schwachen Märkten über seinen Erwartungen gelegen hätten. Auch das Kundenwachstum der Comdirect auf etwas mehr als 1,5 Millionen Privatkunden sei für die Urlaubssaison gut. Die Aktie verlor dennoch 1,2 Prozent. Der auf sogenannte "Heavy Trader" spezialisierte Onlinebroker Sino musste dagegen im August Orderrückgänge verbuchen. Die Aktie büßte deutlich ein.

Oracle macht ein "Schnäppchen"

Papiere des US-Softwareunternehmens Oracle sorgten mit einem Kurssprung um mehr als sieben Prozent für Furore. Das Unternehmen hat den Ex-HP-Chef Mark Hurd angeheuert, der von Hewlett Packard wegen einer angeblichen Sex-Affäre entlassen worden war.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr