Eine Woche mit Wirtschaftskrise

Stand: 03.07.2009, 20:00 Uhr

In der vergangenen Woche hatte der Dax-Anleger vor allem mit den Sorgen um den Zustand der amerikanischen Wirtschaft zu kämpfen. Am Freitag machte ihm besonders die Abwesenheit dieser Sorgen zu schaffen, und die Abwesenheit amerikanischer Vorgaben.

Dank eines Feiertages in den USA wurde in New York an diesem Freitag nicht gehandelt, und so fand sich der Anleger in Deutschland in der prekären Lage wieder, seine Entscheidungen alleine treffen zu müssen. Das Handelsvolumen war daher äußerst gering, der Dax bewegte sich wenig, und schloss leicht im Minus.

Der heutige Handelsverlauf war symptomatisch für die ganze Woche. Es fehlte den Märkten eklatant die Richtung, Einzelnachrichten wie der amerikanische Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag rissen die Indizes mal nach unten, mal nach oben. Tendenziell zeigt das Barometer jedoch weiter nach Süden, auch in dieser Woche hat der Dax mit einem Schlusskurs von 4.708 gegenüber der Vorwoche 1,8 Prozent verloren.

Kaum Nachrichten
Impulse gab es kaum an diesem Freitag, einige Kursveränderungen ließen sich immerhin durch entsprechende Nachrichten aus den Unternehmen erklären. Dass die Volkswagenaktie 2,1 Prozent zulegte, hat sie den Absatzzahlen für das erste Halbjahr zu verdanken. 5,1 Prozent weniger Autos als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres hat VW verkauft. Damit habe man sich in einem 18 Prozent schwächeren Gesamtmarkt, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn, gut geschlagen.

Auch Commerzbank-Aktien schlossen höher, sie gewannen 2,9 Prozent. Die neue Bad Bank-Regelung der Bundesregierung könnte Vorteile für Bank bringen, meinen Analysten. "Aber das kann sich als sehr kurzfristig erweisen. Wenn die Entscheidung durch ist, könnte es Gewinnmitnahmen geben", ergänzte ein Händler.

K+S erwartet zwei harte Jahre
Einen nicht besonders guten Ausblick hatte der Düngemittelkonzern K+S parat. Es könne sein, dass sich die Nachfrage erst 2011 erhole, sagte K+S-Vorstand Joachim Felker in einem Interview. Auch Übernahmen seien wegen der hohen Preise ein Problem. Die Aktie verlor 2,1 Prozent.

Türkei ordert bei ThyssenKrupp
ThyssenKrupp meldete einen Großauftrag. Für die Türkei wird der Dax-Konzern über einen Zeitraum von 13 Jahren Material für den Bau von U-Booten liefern. Der Auftrag sichere langfristig mehrere Hundert Stellen, teilte ThyssenKrupp mit. Über das Auftragsvolumen sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. Die Aktie gab 1,8 Prozent ab.

Deutsche Post braucht Arcandor nicht
Die Aktie der Deutschen Post gewann 0,7 Prozent. Post-Chef Frank Appel hatte bereits am Donnerstag gesagt, dass der Konzern von der Insolvenz seines Großkunden Arcandor kaum sehr betroffen sei. "Wir sind ein großes Unternehmen mit einer guten Cash-Position", sagte Appel der Nachrichtenagentur Reuters.

Rekordtief für Arcandor
Bei Arcandor herrscht indes weiterhin Heulen und Zähneklappern. Die Aktie verlor zeitweise mehr als 13 Prozent auf ein Rekordtief von 0,45 Euro. Als Belastung machten Beobachter den Auslieferungsstopp des Quelle-Kataloges aus. Die Druckerei Schlott begründete diese damit, dass Quelle seine Rechnungen nicht bezahlt habe. Am Ende des Tages blieb es bei einem Minus von 1,9 Prozent.

Bauaktien mitgenommen
Gewinnmitnahmen belasteten die Kurse der im MDax notierten Baukonzerne Hochtief und Bilfinger Berger, 2,5 und 3,4 Prozent abgaben. Händler verwiesen auf die Kursgewinne der vergangenen Tage, Bilfinger Berger-Aktien hatten sogar am Donnerstag, als der Gesamtmarkt deutlich unter Druck stand, ein Prozent zugelegt.

Hapag Lloyd-Erbe lastet auf Tui
Tui-Aktien verloren vier Prozent. Die Tui-Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd ist nach einem Zeitungsbericht offenbar stärker als erwartet von der Schifffahrtskrise betroffen. "Ich schließe nicht aus, dass auch Hapag-Lloyd um Staatshilfe nachsucht", sagte Großaktionär Klaus-Michael Kühne der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Neu-Bewertungen ändern die Kurse
Auch die Aktie des Aromastoffeherstellers Symrise verlor kräftig. Die Experten von Morgan Stanley hatten ihre Bewertung von "Equalweight" auf "Underweight" gesenkt und auch das Kursziel angepasst. Symrise verbilligte sich um 5,9 Prozent. Lanxess-Papiere indes legten 1,5 Prozent zu, nachdem die Deutsche Bank ihre Empfehlung auf "Buy" angehoben und angemerkt hat, dass der Chemiekonzern im Vergleich zu Konkurrenten für eine Wirtschaftserholung gut positioniert sei.

Solaraktien unter Druck
Der chinesische Solarkonzern LDK meldete am Morgen, dass er im zweiten Quartal wohl nicht die erwarteten Umsatzwerte erreichen werde. Die deutschen Solarwerte, zumeist im TecDax notiert, verzeichneten daraufhin deutliche Velruste. Der deutsche Branchenprimus Q-Cells fühlte sich am Nachmittag sogar bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass man keine Pläne habe, die eigene Prognose zu senken. Q-Cells-Aktien verloren dennoch 3,8 Prozent.

Bankenpleiten in den USA
Die aktuelle Bankenpleitestatistik wirft kein gutes Bild auf den Zustand der amerikanischen Banken. Die Zahl der Bankenpleiten ist im laufenden Jahr mit 52 bereits doppelt so hoch wie im gesamten Jahr 2008. Allein am Donnerstag schloss die Bankenaufsichtsbehörde FDIC sieben Banken. Die größte davon war die Founders Bank aus Illinois, sie hatte 1,8 Milliarden Dollar an Kundenvermögen verwaltet und sich mit Wertpapieren verspekuliert.

VIB Vermögen präzisiert
Die Aktie des Immobilienunternehmens VIB Vermögen stieg um 11,4 Prozent. Das im Open Market notierte Unternehmen hat seine Jahresprognose konkretisiert. Die Erlöse sollen 48,5 Millionen Euro erreichen, nach 42,1 Millionen Euro im Jahr 2008. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll von 28,2 auf 35,0 Millionen Euro steigen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr