Eine Portion Mut aus New York

Stand: 08.03.2011, 20:03 Uhr

Der Dax hatte Glück am Dienstag. Freundliche Kurse an der Wall Street bewahrten den deutschen Leitindex vor einem Fiasko. Während der Dow Jones aber knapp ein Prozent zulegte, war beim Dax nur ein mninimales Plus drin.

Kaum wahrnehmbare 0,04 Prozent schloss der Dax am Dienstag im Plus, bei 7.165 Punkten. Doch selbst das sollte als Erfolg gelten. Denn im Handelsverlauf notierte der Leitindex gefährlich tief, mehr als ein Prozent sackte der Dax am frühen Nachmittag ab.

Die gute Stimmung an der Wall Street steckte dann aber auch die Investoren in Frankfurt an. In New York griffen Anleger wieder zu, nachdem der Ölpreis im Tagesverlauf deutlich gesunken war.

Für Sorglosigkeit ist noch kein Platz. "Es gibt im Moment keinen klaren Trend, das merkt man am ständigen Auf und Ab", sagte ein Händler. Zumindest bleiben die Belastungsfaktoren erhalten. Zu der äußerst unsicheren Lage in Libyen gesellten sich am Dienstag neue Sorgen um Griechenland.

Die Ratingagentur Moody's hatte am Montag die Kreditwürdikeit Griechenlands gesenkt. Am Dienstag stieg die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro.

Immerhin gab es am Mittag gute deutsche Konjunkturzahlen. Um 4,5 Prozent stieg im Januar die Binnenfrage für die deutsche Industrie, alle großen Branchen legten zum Jahresauftakt teilweise kräftig zu.

Fusioniert die Telekom?
Die Aktie der Telekom legte am Dienstag vier Prozent zu. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, dass T-Mobile USA und der Konkurrent Sprint Nextel möglicherweise fusionieren wollten. Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges hatte ein Zusammengehen mit Sprint erst im Februar ausgeschlossen, doch auch die Nextel-Aktie legt kräftig zu.

Volkswagen wird empfohlen
Auch die Volkswagen-Aktie legte überdurchschnittlich zu schloss 2,3 Prozent fester. Die Tochter Audi hatte am Morgen Rekordzahlen vorgelegt und einen sehr guten Ausblick auf das laufende Jahr geworfen. Außerdem empfahl die Schweizer Bank UBS die VW-Aktie zum Kauf und hob das Kursziel auf 135 Euro.

Klöckner&Co besser
Die Aktie des Stahlhändlers Klöckner&Co aus dem MDax schloss etwas erholt. Die Firma beendete das Jahr 2010 mit einem Gewinn von 78 Millionen Euro. Vor einem Jahr verlor Klöckner&Co noch 188 Millionen Euro. Der Umsatz legte 2010 um ein Drittel auf 5,2 Milliarden Euro zu. Nach zwei dividendenlosen Jahren will Klöckner&Co seine Aktionäre wieder am Gewinn beteiligen, mit 30 Cent je Aktie.

Tognum steigt weiter
Die Aktien des Motorenherstellers Tognum stiegen um 1,9 Prozent. Am Montag war bekannt geworden, dass Daimler und Rolls-Royce möglicherweise Tognum übernehmen wollen und dafür bereit sind, 24 Euro je Aktie zu bezahlen. Am Montag war die Tognum-Aktie daher um mehr als 20 Prozent gestiegen. Tognum-Großaktionär Delta Lloyd hat - laut einem Medienbericht - dieses Angebot mittlerweile als zu niedrig bezeichnet.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,18
Differenz relativ
-0,06%

EADS: Turkish Airlines bestellt
Im MDax waren auch die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gefragt, die 2,2 Prozent zulegten. Die Tochter Airbus habe einen weiteren Großauftrag aus der Türkei erhalten, teilte EADS mit. 13 Flugzeuge habe die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines bestellt, zehn A321 und drei A330-Frachtmaschinen.

Ein paar Bilanzen
Aus dem TecDax legte das Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical seine Zahlen vor. Obwohl der Umsatz kräftig auf fast 80 Millionen Euro stieg, der Gewinn etwas auf 13 Millionen Euro kletterte und Stratec für 2011 weiter steigende Kennzahlen prognostiziert, brach die Aktie um 5,3 Prozent ein. Die Gewinnentwicklung sei enttäuschend gewesen, berichten Händler.

Der Telekomdienstleister Telegate bekommt die sinkende Nachfrage nach Telefonauskünften zu spüren. Der Umsatz ging leicht auf knapp 125 Millionen Euro zurück, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach um ein Drittel auf 23,2 Millionen Euro ein. Der Forderungshändler Deutsche Forfait berichtete ebenfalls von schrumpfenden Gewinnen. 2,1 Millionen Euro blieben dem Unternehmen in der Kasse, nach 3,5 Millionen Euro vor einem Jahr. Man habe "das Forfaitierungsvolumen nicht im erforderlichen Umfang gesteigert", teilte die Firma mit.

Der österreichische Anlagenbauer Andritz hingegen legte im vergangenen Jahr sichtbar zu. Der Umsatz sei um elf Prozent auf 3,55 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Firma mit, der Gewinn sogar fast verdoppelt auf 180 Millionen Euro. Andritz hob die Dividende auf 1,70 Euro und erwartet für 2011 weiter bessere Geschäfte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)