Eine Bilanz bewegt den Dax

Stand: 27.04.2011, 19:59 Uhr

Für VW-Aktionäre war der Mittwoch ein außerordentlich guter Tag. Der ganze Dax profitierte von den Quartalszahlen des Konzerns, er schloss 0,7 Prozent fester. Der Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank am Abend war hingegen lediglich Routine.

Wie erwartet ließ die Fed den Leitzins unverändert bei fast null Prozent. Wie erwartet war auch der Ausspruch, den Zins für "längere Zeit" noch auf diesem Niveau zu lassen. Die Aussage, dass sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt auf einem Erholungspfad befänden, kam ebenfalls nicht überraschend. Die Kurse an der Wall Street veränderten sich hernach kaum, tendierten allerdings etwas ins Plus.

Routinemäßig wurde auch der Auftragseingang für langlebige Güter abgehakt. Diese stiegen im vergangenen Monat um 2,5 Prozent, was ebenfalls für die sich festigende Wirtschaftserholung in Amerika spricht.

Der Euro setzte nach der Bekanntgabe der Zinsentscheidung zu einem abendlichen Höhenflug an und überwand mühelos die Marke von 1,47 Dollar nach oben.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,20
Differenz relativ
-0,36%

Der Dax beendete den Tag mit einem beachtlichen Kursgewinn von 0,7 Prozent bei 7.405 Punkten. Erheblichen Anteil an diesem guten Abschneiden hatte die Quartalsbilanz von VW, die am Vormittag für den Schub nach oben sorgte. VW meldete einen Umsatz, der im ersten Quartal um ein Drittel auf 37,5 Milliarden Euro stieg. Das operative Ergebnis erreichte 2,9 Milliarden Euro. Die Zahlen waren so gut, dass selbst die optimistischsten Autoanalysten überrascht wurden. VW versprach weiter steigende Absätze für dieses Jahr.

Die VW-Tochter Scania und Porsche legten am Mittwoch ebenfalls ihre Quartalszahlen vor. Scania verbesserte den Umsatz um ein Viertel auf umgerechnet 2,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg um mehr als die Hälfte auf 374 Millionen Euro. Porsche schaffte es, im ersten Quartal 13 Prozent mehr Fahrzeuge zu verkaufen. Während die Umsätze dadurch um rund ein Zehntel stiegen, verdoppelte sich das operative Ergebnis. Die guten Zahlen veranlassten Händler, von einer soliden Bilanz zu sprechen.

Die guten Zahlen aus der Pkw- und Lkw-Branche beflügeln am Mittwoch auch die Aktien der Zulieferer. Im MDax setzen die Titel von Leoni und ElringKlinger ihren seit Monaten anhaltenden Aufwärtstrend fort.

Software AG und Kontron gefallen
Die beiden TecDax-Bilanzen der Software AG und von Kontron fielen bei den Aktionären auf fruchtbaren Boden, beide Aktien legten deutlich zu. Der Softwarehersteller Software AG hat im ersten Quartal sein Betriebsergebnis um fast ein Drittel auf 60,2 Millionen Euro verbessert, der Umsatz stieg um ein Zehntel auf 273 Millionen Euro. Kontron, ein Hersteller von Kleincomputern, steigerte seinen Umsatz sogar um ein Drittel auf 130 Millionen Euro, das operative Ergebnis erreichte 7,4 Millionen Euro. Kontron verspricht ein gutes zweites Quartal.

Solartitel leiden unter LDK
Die Solartitel im TecDax gaben mehrheitlich ab. Der amerikanische Solarkonzern LDK Solar hatte seine Umsatzprognose gesenkt und dies damit begründet, dass der Absatz von Modulen schwächer ausgefallen sei als erwartet. Analysten bringen dies mit Schwierigkeiten auf dem italienischen Solarmarkt in Verbindung. Solarworld, Phoenix Solar und Q-Cells notierten deshalb erheblich geschwächt, der TecDax beendete den Mittwoch daher mit einem marginalen Kursgewinn von 0,1 Prozent.

Noch ein paar Zahlen
Im MDax legte die Krones-Aktie 1,2 Prozent zu. Der Getränkeabfüllanlagenhersteller verbesserte seinen Umsatz auf 606,7 Millionen Euro, der Gewinn verdreifachte sich. Krones erwartet, dass sich der Jahresumsatz um bis zu zehn Prozent verbessert. Der niederländische Navigationsgerätehersteller Tomtom war an der Börse nicht gefragt. Die Firma hat nach schwachen Zahlen im ersten Quartal seine Jahresprognose gesenkt. Statt 1,5 Milliarden Euro Umsatz geht Tomtom jetzt von maximal 1,475 Milliarden Euro aus.

Keine Euphorie bei den Banken
Recht schwache Zahlen kamen am Morgen von europäischen Großbanken Credit Suisse und Barclays. Während die britische Bank Barclays lediglich beim Investmentbanking enttäuschte und ansonsten das Ergebnis stabil halten konnte, brach der Gewinn der Credit Suisse im ersten Quartal um etwa die Hälfte ein. Auch hier war das schwache Investmentgeschäft der Auslöser.

Aus dem Ausland sorgten auch die Bilanzen von BP und Boeing für Aufmerksamkeit. BP verdiente wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko weniger als vor einem Jahr, der Gewinn von 5,48 Milliarden Dollar lag sogar unter den Erwartungen der Analysten. Die Aktie stieg dennoch. Dem US-Flugzeughersteller Boeing gelang hingegen ein guter Start in das neue Jahr. Mit einem Nettogewinn von 586 Millionen Dollar übertraf der Konzern die Erwartungen leicht, der Umsatz von 14,9 Milliarden Euro war hingegen etwas schwächer.

Der britische Arzneimittelkonzern GlaxoSmithKline verfehlte bei seiner Quartalsbilanz die Umsatzerwartungen. Die Erlöse fielen um zehn Prozent auf 6,59 Milliarden Pfund. Glaxo verwies auf das schwache Geschäft mit Grippemitteln. Der Nettogewinn hingegen legte um ein Zehntel zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr