Marktbericht 20:10 Uhr

Starker Wochenstart Ein Tag voller Lichtblicke an den Börsen

Stand: 08.07.2013, 20:10 Uhr

Vor Beginn der US-Berichtssaison haben die Anleger neuen Mut gefasst. Positive Signale aus Griechenland und Portugal sowie eine freundliche Wall Street trieben den Dax am Montag auf bis fast 8.000 Punkte. Der robuste Börsenstart von Osram brachte die Augen der Siemens-Aktionäre ins Leuchten.

Die kleine Kursdelle der vergangenen Woche ist schon wieder ausgebügelt. Der Dax begann die neue Woche mit einem kräftigen Satz von zwei Prozent nach oben und notiert mit 7.968 Punkten in etwa da, wo er vor einer Woche stand. Auch an den anderen europäischen Aktienmärkten standen die Zeichen auf Grün. Der französische Cac40, der portugiesische Leitindex und der europäische EuroStoxx50 gewannen ebenfalls rund zwei Prozent.

Dass es nicht noch höher ging, lag an der Wall Street. Die US-Börsen gaben nach einem starken Beginn einen Teil ihrer Gewinne ab. Zweieinhalb Stunden vor Handelsschluss notiert der Dow 0,6 Prozent höher.

Draghi erneuert Niedrigzins-Versprechen

Für Beruhigung sorgte erneut der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Der Italiener bekräftigte, dass die Notenbank die Zinsen für längere Zeit niedrig halten und die Konjunktur so lange wie nötig unterstützen werde.

Neue Milliarden für Griechenland

Hinzu kamen gute Nachrichten aus Athen und Lissabon. Am Abend verständigten sich die internationalen Geldgeber auf weitere Milliardenhilfen für das hochverschuldete Griechenland. Laut dem belgischen Finanzminister Koen Geens sollen 6,8 Milliarden Euro nach Athen fließen. Noch im Juli soll Griechenland vier Milliarden Euro von den Europartnern erhalten. Weitere 1,8 Milliarden Euro kommen im August vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Im Oktober folgt eine Teilzahlung von einer Milliarde Euro.

Krise in Portugal entschärft

Auch in Portugal entspannt sich die Lage. Mit weit reichenden Zugeständnissen an den Koalitionspartner hat Ministerpräsident Pedro Cassos Coelho die Regierungskrise entschärft. Der Rücktritt des Fiunanzinisters Vitor Gaspar vergangene Woche hatte Befürchtungen ausgelöst, das Land werde von seinem Reformweg abkommen.

Euro erholt sich

Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen fielen unter sieben Prozent. Die Renditen für zehnjährige griechische Staatstitel gaben ebenfalls nach - auf unter elf Prozent. Der Euro erholte sich derweil kräftig von seinen jüngsten Verlusten. Er kletterte auf 1,2870 Dollar. Der Goldpreis konnte sich etwas aufrappeln und notierte am Abend bei 1.237 Dollar.

Start der US-Berichtssaison durch Alcoa

Am Abend nach US-Börsenschluss läutet traditionell Alcoa die Berichtssaison zum zweiten Quartal ein. Aktienstrategen hoffen, dass die Zwischenbilanzen dem Markt neue positive Impulse geben werden. LBBW-Experte Uwe Streich geht davon aus, dass die größten US-Unternehmen ihre Gewinne nach einem Rücksetzer im ersten Quartal wieder gesteigert haben. Die Alcoa-Aktie legt vor den Zahlen zu.

Lichttherapie von Osram für den Dax

Ein Lichtblick war am Montag im wahrsten Sinne des Wortes Osram. Die Aktie startete mit 24 Euro aufs Parkett. Im Laufe des Tages bröckelten die Gewinne etwas ab, zum Xetra-Handelsschluss notierte Osram bei 23,80 Euro. Davon profitierten die Siemens-Aktionäre, die für je zehn Siemens-Papiere eine Osram-Aktie erhielten. Unter Berücksichtigung des Osram-Abschlags legten die Siemens-Aktien über vier Prozent zu. Das überraschte einige Analysten. Viele hätten erwartet, dass die Siemens-Aktie zurückfalle, meinte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Die Abspaltung von Osram aus dem Siemens-Imperium sorgte für ein seltenes Phänomen: Die Osram-Aktie war am Montag für einen Tag Dax-Mitglied. Ab Dienstag wird der Titel wieder aus dem Index verbannt und notiert im CDax. Dann wird sich zeigen, ob Osram das Zeug hat, bald in den MDax aufzurücken.

Vorfahrt für Autoaktien

Neben Siemens waren Autoaktien gefragt. BMW legten gut 2,5 Prozent, Daimler und VW knapp zwei Prozent zu. Im ersten Halbjahr eilte BMW der Konkurrenz davon und setzte über 804.000 Autos der Kernmarke ab - so viel wie noch nie. Audi kam nur auf 780.500 Autos. Vor allem Asien blieb der Wachstumsmotor. Dort verkaufte BMW über 14 Prozent mehr Fahrzeuge.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,77
Differenz relativ
+0,53%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

ThyssenKrupp vor weiteren Belastungen?

Am Dax-Ende lag erneut der Dauerverlierer Commerzbank. Die Aktie büßte fast zwei Prozent ein. Im Minus schloss auch die ThyssenKrupp-Aktie. Am Markt gingen laut Händlern Spekulationen um weitere Abschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee um. Laut einem "Focus"-Bericht hat der mögliche Käufer des Stahlwerks in Brasilien, der Konkurrent Vale, Geld von ThyssenKrupp verlangt, weil das Werk auf Verluste zusteuere.

Großes Lufthansa-Paket wird platziert

Im späten Handel kamen auch die Lufthansa-Aktien etwas unter Druck. Kreisen zufolge wird die schweizerische Bank Credit Suisse 6,5 Millionen Aktien platzieren. Die Preisspanne soll bei 14,85 bis 15,10 Euro liegen, berichtete Bloomberg. Eine Sprecherin der Bank bestätigte am Montagabend der schweizerischen Agentur awp die Platzierung.

Wacker drohen keine chinesischen Strafzölle

Wacker Chemie: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118,45
Differenz relativ
+0,25%

An die MDax-Spitze schwang sich im Tagesverlauf Wacker Chemie. Die Aktie des Siliziumherstellers schoss um acht Prozent nach oben. Grund: China wird keine Strafzölle auf die Einfuhr von Polysilizium aus der EU erheben. Darauf hätten sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und sein chinesischer Amtskollege Gao verständigt, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin.

Phoenix Solar holt Großauftrag

Auch andere Solartitel zogen an. Die Aktien von SMA Solar verteuerten sich um über vier Prozent. Die Papiere von Phoenix Solar legten gar 8,5 Prozent zu. Der defizitäre Solar-Kraftwerksentwickler hat in den USA den größten Auftrag seiner Firmengeschichte an Land gezogen. Für die Silicon Ranch Corporation baue Phoenix ein 38,6 Megawatt-Solarraftwerk. Der Großauftrag werde helfen, das Umsatzziel von 160 bis 190 Millionen Euro 2013 zu erreichen, teilte Phoenix Solar mit. Nur die Aktien von Aleo Solar rutschten um fünf Prozent ab. Der Modulhersteller, dessen Hauptaktionär Bosch aussteigen will, weitete im ersten Halbjahr den operativen Verlust (Ebit) auf 29,4 Millionen Euro aus.

KWS peilt Milliarden-Marke an

Im SDax lagen die Aktien von Catoil und Heidelberger Druckmaschinen ganz vorn. Um 3,5 Prozent stiegen die Papiere von KWS Saat. Vorstandschef Philip von dem Busche hat in der "Welt am Sonntag" die Ende Mai angehobene Jahresprognose bestätigt. "Mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent werden wir erstmals über die Milliarden-Marke springen", versprach von dem Busche. Dasr operative Ergebnis "dürfte bei 145 Millionen Euro liegen". Auch für die weitere Zukunft zeigte sich der KWS-Chef optimistisch. "Wir sehen generell keinen Anlass, an einer weiterhin positiven Entwicklung zu zweifeln."

Evotec verlagert Geschäfte von Indien nach England

Zeitweise größter Gewinner im TecDax waren die Aktien von Evotec. Zum Xetra-Schluss verringerte sich das Plus auf rund zwei Prozent. Am Morgen hatte das Biotech-Unternehmen eine Meilensteinzahlung von 1,5 Millionen Euro aus der Kooperation mit Boehringer bekannt gegeben. Am Nachmittag kündigte Evotec die Verlagerung der Chemiegeschäfte von Indien nach Großbritannien an. Durch die Schließung der indischen Tochter fällt eine einmalige Wertberichtigung von bis zu vier Millionen Euro im dritten Quartal an. An der Jahresprognose werde aber festgehalten.

BVB hat Götze-Nachfolger gefunden

Den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte gab am Montag Fußball-Champions-League-Finalist Borussia Dortmund bekannt. Für eine Ablösesumme von angeblich 25 Millionen Euro soll der Mittelfeldstar Henrich Mchitarjan des ukrainischen Meisters Schachtjor Donezk an den Ruhrpott geholt werden. Der Armenier soll Nachfolger von Mario Götze werden, der zum FC Bayern wechselt. Man habe sich mit Donezk auf den Transfer geeinigt, verkündete der BVB in einer Börsenmitteilung. Der Aktie konnte das kaum helfen. Sie stagnierte bei 3,16 Euro.

Flut kostet Swiss Re 300 Millionen Dollar

Aus der Schweiz meldete sich am Montag der Rückversicherer Swiss Re mit ersten Schätzungen zu den Auswirkungen der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Europa. Die Eidgenossen rechnen mit einer Belastung von 300 Millionen Dollar. Insgesamt belaufe sich der Gesamtschaden auf 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro. Die Aktie der Swiss Re steigt nur leicht.

Asiana-Aktie im Sinkflug nach Bruchlandung

Um über fünf Prozent brachen die Aktien der koreanischen Fluggesellschaft Asiana nach der Bruchlandung in San Francisco ein. Das Unglück, bei dem zwei chinesische Schülerinnen ums Leben kamen und knapp 200 Passagiere verletzt wurden, droht Asianas Image zu beschädigen. "Wenn die Besatzung für den tragischen Unfall verantwortlich sein sollte, wäre das ein schwerer Schlag für Asiana", meinte ein Analyst. Wie sich in einer ersten Auswertung ergab, fuhr das Flugzeug viel zu langsam an. Der Pilot befand sich noch in der Ausbildung.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen