Ein Schritt vor, ein Schritt zurück

von von Notker Blechner

Stand: 03.09.2009, 20:01 Uhr

Durchwachsene Konjunkturdaten aus den USA haben am Donnerstag die Stimmung am Aktienmarkt getrübt. Der Dax setzte seine Talfahrt fort. Erst im späten Handel konnte er dank der freundlichen Wall Street seine Verluste wettmachen.

Der L-Dax schloss bei 5313 Punkten - und damit nahezu genau dort, wo er gestern gelegen hatte. Den Xetra-Handel hatte der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,35 Prozent bei knapp über 5300 Punkten beendet. Es war der vierte Verlusttag in Folge. Am Mittag hatte es noch nach einem kleinen Plus im deutschen Leitindex ausgesehen. Doch dann beförderten enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA den Dax zurück in die Verlustzone.

Vor allem die wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe in den USA versetzten den Anlegern einen Dämpfer. Die Anträge sanken um 7.000 auf 570.000. Volkswirte hatten einen stärkeren Rückgang auf 560.000 Erstanträge prognostiziert. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg dagegen deutlicher als erwartet auf 48,4 Zähler. Analysten hatten nur mit 48,0 Punkten gerechnet. "Nach dem positiven Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe hatten die Märkte auf ein noch besseres Ergebnis gehofft", meinte aber HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris. Mit Spannung werden nun die US-Arbeitslosen-Zahlen für den Monat August erwartet, die am Freitagnachmittag veröffentlicht werden.

Trichet warnt
Auch zur Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone gab es am Donnerstag durchwachsene Aussagen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet machte auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung klar, dass der Weg zurück zum Wachstum holprig wird. "Es wäre absolut falsch zu sagen, dass wieder alles normal ist", warnte der Franzose. Wie erwartet beließ die Zentralbank den Leitzins bei 1,0 Prozent. Die BIP-Prognose hoben die Währungshüter leicht an. Demnach soll die Wirtschaft 2009 nur noch um 4,4 bis 3,8 Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr könnte das BIP wieder zulegen. Als Prognose nannte Trichet eine Spanne zwischen minus 0,5 Prozent bis plus 0,9 Prozent. Die Inflation dürfte indes wieder deutlicher zunehmen als bislang angenommen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Stahlwerte wieder obenauf
Am meisten gefragt im Dax waren die Stahlwerte. Die Aktien von Salzgitter stiegen um drei Prozent, die Titel von ThyssenKrupp um 2,5 Prozent. Gute Nachrichten aus Japan beflügelten die Branche. Der Stahlhersteller JFE Holdings kündigte an, seine Preise anzuheben, was die JFE-Aktie bereits antrieb. Die Börse honorierte offenbar auch, dass Thyssen tausende Stellen abbauen will.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa vollzieht Aua-Deal
Die Lufthansa hat am Mittag die AUA-Übernahme perfekt gemacht. Damit wird die Kranich-Airline zur größten Fluggesellschaft Europas. Weitere Zukäufe schloss Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber erst mal aus. Ziel ist es, die österreichische Fluglinie schnellstmöglich profitabel zu machen - unter dem Motto "Abbau, Umbau, Aufbau". Für 2010 ist ein positiver Cash-Flow angepeilt. In zwei oder drei Jahren will die Aua wieder ein positives Ergebnis einfliegen. Die Lufthansa-Aktien schlossen 0,6 Prozent höher.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,11
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Telekom greift Sky an
Die Deutsche Telekom hat derweil auf der Funkausstellung in Berlin eine Offensive im Internetfernsehen angekündigt. Die Bonner wollen so dem Bezahlsender Sky Konkurrenz machen. Bis Ende des Jahres soll eine Million Kunden für das Internetfernsehen gewonnen werden. Die T-Aktie stieg leicht. Das lag allerdings vor allem an einem positiven Analystenkommentar. Die Credit Suisse hat das Papier auf "Neutral" heraufgestuft.

Haben Branken aus Krise gelernt?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Oben in der Anlegergunst standen auch Bankenwerte. Die Aktien der Commerzbank stiegen um fast zwei Prozent, die der Deutschen Bank um 1,5 Prozent. Auf der Finanzplatz-Konferenz der "Zeit" wehrte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gegen die Vorwürfe, die Banken hätten nichts aus der Krise gelernt. Der Eindruck, die Party sei wieder im Gange, sei falsch. Das sah Commerzbank-Chef Martin Blessing anders. Er fürchtet, dass die Branche nichts aus der Krise gelernt hat. Seine Lehre aus der Krise hat er offenbar gezogen. Als erste deutsche Großbank will die Commerzbank eine Pauschalgebühr für die Kundenberatung einführen.

Neue Mega-Fusion in der Pharmabranche
Aus der Pharma-Branche gab es am Donnerstag eine Fülle von Neuigkeiten. So bahnt sich ein neuer Mega-Deal an. Der japanische Branchensiebte, Dainippon Sumitomo schluckt den US-Rivalen Sepracor für 2,6 Milliarden Dollar. In den vergangenen Monaten hatten sich bereits andere japanische Pharma-Firmen wie Daiichi Sankyo (mit der indischen Ranbaxy) und Takeda Pharmaceuticals (mit Millennium) verstärkt, da der heimische Markt gesättigt ist.

In Deutschland verkündete Dax-Mitglied Bayer den Einkauf eines neuen Krebsmittels von der norwegischen Algeta. Die beiden Unternehmen werden kooperieren und den Wirkstoff Alpharadin künftig gemeinsam weiterentwickeln. Bayer verspricht sich von dem Mittel Millionenumsätzen. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck äußerte sich positiv zum Krebsmittel Erbitux. Trotz des jüngsten Zulassungsrückschlags in Europa bei der Erstbehandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sei Erbitux weiter ein Blockbuster-Kandidat, betonte Pharmavorstand Elmar Schnee. Die Nachrichten konnten den Aktien von Bayer und Merck nicht helfen. Sie verloren rund 0,6 Prozent.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,27
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kurzarbeit bei Daimler und Porsche
Autoaktien standen am Donnerstag erneut auf der Verlierer-Spur. VW gab um vier Prozent, BMW um ein Prozent nach. Nur Daimler legte leicht zu - dank eines positiven Analystenkommentars. Den Kursanstieg bremste die Nachricht, dass die Schwaben für mehrere tausend Mitarbeiter in den deutschen Werken bis zum Jahresende Kurzarbeit angemeldet haben. Selbst der Sportwagenbauer Porsche muss erstmals Kurzarbeit einführen. Bis zum Jahresende soll an 18 Tagen kurz gearbeitet werden. Die Porsche-Aktie rutschte ins Minus.

BASF herabgestuft
Zu den großen Dax-Verlierern zählte neben VW BASF. Die Aktie wurde von einer Herabstufung durch Nomura belastet. Auch wenn ihre Gewinnprognosen für das dritte Quartal 2009 über denen des Marktes lägen, sei im Jahr 2010 mit Enttäuschungen zu rechnen, schrieb Analystin Jennifer Barker.

Großes Köpfe-Rollen bei Kuka
Hoch her ging es im MDax bei Kuka: Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung schmiss fast die gesamte Spitze das Handtuch. Aufsichtsratschef Rolf Bartke, Vorstandschef Horst Kayser und Finanzchef Matthias Rapp legen ihre Ämter nieder. Die Aktie katapultierte sich um zehn Prozent nach oben. schmeißen das Handtuch. Damit hat sich der neue Großaktionär Grenzebach durchgesetzt. Er hatte den Top-Managern von Kuka vorgeworfen, neue Geschäftsfelder zu langsam zu erschließen.

Postbank von Gerüchten getrieben
Auch der MDax-Titel der Postbank legte am Donnerstag kräftig zu - um sechs Prozent. Zeitweise lag das Plus gar noch höher. Mehrere Händler berichteten von Spekulationen, dass die Deutsche Bank für die ausstehenden Postbank-Aktien um die 30,75 Euro bieten könnte. Das Frankfurter Geldinstitut dementierte. Die Deutsche Bank hält angeblich bereits 25 Prozent an der Postbank.

Eine Sorge weniger für Tui
Die Tui-Aktie stieg um über fünf Prozent. Der Reisekonzern muss nun doch nicht in einem Konsortium mit Hamburg und der Versicherung Signal Iduna ein Teil des Hamburger Container-Terminals Altenwerder erwerben. Auf Drängen der Banken und des Bundes übernimmt Hapag-Lloyd den im Juli schon verkauften 25-prozentigen Anteil an dem Terminal. Mit der Rückübertragung seien nun die Voraussetzzungen für das Stabilisierungspaket geschaffen, an dem sich Hamburg und der Bund beteiligen sollen.

Keine Wende im Maschinen- und Anlagenbau
Im deutschen Maschinenbau ist indes immer noch keine Erholung in Sicht: Im Juli brachen die Auftragseingänge erneut um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Für das Gesamtjahr prophezeit der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) nun einen Produktionsrückgang von 20 Prozent. 2010 dürfte es dann aber keinen weiteren Einbruch geben.

Colonia wird Berliner Wohnungen los
Im SDax schnellte die Aktie von Colonia Real Estate um fast fünf Prozent in die Höhe. Der Wohnimmobilien-Konzern hat für 67 Millionen Euro einen Käufer für rund 1000 Wohnungen in Berlin gefunden. Noch in diesem Monat soll die Transaktion über die Bühne gehen.

Springer kauft noch mehr StepStone
Fast unverändert notierte die Aktie von Axel Springer. Der Medienkonzern gab bekannt, die Mehrheit an der norwegischen Online-Jobbörse StepStone zu übernehmen. Der Anteil wird auf 52,3 Prozent von bislang rund 33 Prozent aufgestockt. Außerdem ist ein Übernahmeangebot für den Rest in Vorbereitung. Die Aktie von StepStone machte daraufhin einen Sprung von über 20 Prozent.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Infineon auf Renditekurs
Im TecDax stand Infineon im Rampenlicht. Nicht nur weil heute Abend die Rückkehr in den Dax besiegelt werden dürfte, wenn die Deutsche Börse ihre Indexveränderungen beschließt. Infineon-Chef Peter Bauer sorgte auch selbst für genug Gesprächsstoff. In einem Interview sagte Bauer, der Chiphersteller nehme sein altes Ziel einer Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von zehn Prozent wieder ins Visier.

Escada stark begehrt?
Um sieben Prozent ging es am Donnerstag mit der Aktie von Escada nach oben. Laut einem Pressebericht gebe es mehr als ein Dutzend Investoren, die an einem Erwerb des insolventen Luxusmodekonzerns interessiert seien. Der Münchner Anwalt Nicolaus Becker erklärte, er wolle Escada komplett übernehmen - außer den Verbindlichkeiten aus der Unternehmensanleihe von über 200 Millionen Euro.

Pernod profitiert von "Absolut Vodka"
Aus dem Ausland meldete sich der französische Getränke- und Spirituosenriese Pernod Ricard mit Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09. Die waren berauschend. Das operative Ergebnis kletterte um 21 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro, der Umsatz legte um neun Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Maßgeblich dazu bei trug der im vergangenen Jahr übernommene schwedische Hersteller von "Absolut Vodka", Vin &S Spirit. Weil aber Pernod keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wegen des schwierigen Marktumfelds abgab, stießen die Anleger Pernod-Aktien ab. Sie verloren fast fünf Prozent.

Brüssel hat Bedenken an Oracle-Sun-Deal
Die Aktien von Oracle und Sun Microsystems gaben ebenfalls nach. Die EU-Wettbewerbshüter haben Bedenken gegen die geplante Übernahme von Sun durch Oracle angemeldet. In einer vertieften Prüfung soll nun geklärt werden, ob der Deal gegen EU-Wettbewerbsrecht verstößt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr