Ein Schlag ins Kontor

Karsten Leckebusch

Stand: 06.06.2007, 20:10 Uhr

Einen heftigen Einbruch gab es am Mittwoch an den deutschen Aktienmärkten. Bei den Hauptindizes ging es um mehr als zwei Prozent nach unten. Auslöser der Kursverluste waren amerikanische Zins- und Wachstumssorgen.

Am Dienstag noch warnte der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, vor einer weiter besorgniserregend hohen Kerninflation in den USA, heute senkte die US-Regierung ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf nun 2,3 Prozent.

Dass Nachrichten aus den USA auch hier zu Lande die Kurse durcheinanderwirbeln, ist nichts Neues, am Mittwoch reagierten die Anleger jedoch übernervös und drückten den Dax um 2,4 Prozent runter auf 7.730 Punkte. 190 Punkte verlor der Dax im Xetrahandel bis 17:30 Uhr, danach rutsche der Index noch weiter ab, der LDax schloss bei 7.695 Punkten.

Mit beigetragen zum deutlichen Kursrutsch hatte auch eine Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Bank sieht derzeit drei gleichzeitige Warnsignale, was die Analysten der Bank dazu veranlasste, ein so genanntes "Full House Sell Signal" herauszugeben. Das letzte Mal kam dieses Signal beim Platzen der Spekulationsblase vor sieben Jahren vor.

Nur SAP notierte mal im Plus
Den meisten Tag im Plus notierte die Aktie von SAP. Die Papiere des Walldorfer Softwareunternehmens hätten sich in den vergangenen Wochen deutlich schwächer entwickelt als der Markt, bemerken Aktienanalysten. Die Erholung sei rein technischer Natur. Mit einem Minus von 0,3 Prozent markiert die SAP-Aktie zum Handelsschluss die Spitze im Dax.

Die Deutsche Bank verbilligte sich zeitweise deutlich. Gerüchte um einen hohen Verlust im Handelsgeschäft mit Derivaten drückten die Aktie zeitweise um mehr als drei Prozent ins Minus. Die Bank dementierte, Deutsche-Bank-Aktien verloren im Tagesverlauf 2,5 Prozent.

Ebenfalls im Minus schloss die Linde-Aktie. Inklusive Dividendenabschlag (1,50 Euro) gab das Papier aber nur 2,4 Prozent ab. Offenbar kommt die Integration der englischen BOC-Gruppe schneller voran als erwartet, dies stützte die Aktie, urteilten Börsianer.

Auch die T-Aktie schlug sich vergleichsweise gut und verlor nur 0,9 Prozent. Das Management der Telekom geht im Streit um die Ausgliederung von 50.000 Arbeitsstellen auf die Arbeitnehmer zu und bietet nun eine erweiterte Erfolgbeteiligung für die Betroffenen an. Keinen Einfluss auf den Kurs der T-Aktie hatte die abendliche Meldung, dass die France Telecom Ya.com, eine spanische Beteiligung der Deutschen Telekom, für 320 Millionen Euro kaufen werde. Die Telekom hatte ya.com vor sieben Jahren für 550 Millionen Euro gekauft.

Nebenwerte: Alles rot
Im MDax verlor Bilfinger Berger 3,7 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass die Allianz ihre Beteiligung am zweitgrößten deutschen Baukonzern von über fünf auf 0,88 Prozent gesenkt habe.

EADS verbilligte sich um 1,5 Prozent und lag damit leicht über dem Marktdurchschnitt. Die Airbus-Muttergesellschaft gab bekannt, dass die irische Fluggesellschaft Aer Lingus 12 Langstreckenjets der Typen A330 und A350 kaufen werde. In Varel, Nordenham und Laupheim legten Mitarbeiter unterdessen die Arbeit nieder, weil die Zukunft ihrer Werke und Arbeitsplätze immer noch unklar ist.

Vorstand und Betriebsrat des weltgrößten Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck haben sich darauf geeinigt, den Beschäftigungssicherungspakt zu verlängern. Damit sind die Jobs in den deutschen Werken bis 2012 sicher. Allerdings wird die Arbeitszeit von 36,75 auf 37,5 Stunden pro Woche erhöht. Die Aktie verlor heute drei Prozent.

Sieger nach Punkten
Im TecDax legte die Singulus-Aktie um 2,4 Prozent zu. Der Hersteller von DVD- und CD-Maschinen meldete auf der Hauptversammlung einen Folgeauftrag aus den USA in Höhe von vier Millionen Euro. Auch die Charttechnik sieht gut aus, das Singulus-Papier hat sich in den vergangenen Monaten ohne negative Nachrichten sehr unterdurchschnittlich entwickelt, die technischen Analysten sehen Aufwärtspotential.

Nachrichten aus dem Osten
Aktien des Solarkonzerns Q-Cells verloren 3,3 Prozent. Der Konzern will in Zukunft selbst in die Siliziumwafer-Produktion einsteigen. Dies sei eine Möglichkeit, die von der norwegischen Elkem gelieferten Siliziummengen weiterzuarbeiten, sagte Finanzvorstand Hartmut Schüning.

Der ebenfalls ostdeutsche Technologiekonzern Jenoptik hat auf seiner Hauptversammlung seine Prognose bestätigt. In diesem Jahr soll der Umsatz zwischen 510 und 535 Millionen Euro liegen, sagt der scheidende Vorstandschef Alexander von Witzleben. Witzleben wechselt im Juli zum Mischkonzern Haniel, sein Nachfolger bei Jenoptik wird der jetzige Finanzvorstand Frank Einhelliger. Die Aktie verlor "nur" 1,5 Prozent.

Drillisch bleibt hartnäckig
Der Mobilfunkdienstleister Drillisch will weiter mit Freenet fusionieren. Derzeit hält Drillisch acht Prozent an Freenet. "Wir sind weiterhin der Ansicht, dass ein Zusammenschluss Sinn machen würde", sagte Drillisch-Chef Choulidis. Allerdings müssten andere Aktionäre mitspielen. Drillisch will unter dem Dach von Freenet weitere Firmen zusammenführen und damit einen Mobilfunkriesen schmieden. Die Drillisch-Aktie verliert heute 2,4 Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"