Marktbericht 17:45 Uhr

Dax mit irrer Berg- und Talfahrt Ein ruhiger Feiertagshandel? Von wegen!

Stand: 04.06.2015, 17:45 Uhr

Der Dax hat an Fronleichnam eine irre Berg- und Talfahrt hingelegt, mit einer Kursschwankung von 262 Punkten. Das unendliche Drama um Griechenland und der erneute Ausverkauf der Bundesanleihen lassen grüßen.

Am Vormittag versetzte ein erneuter Kursverfall der Bundesanleihen, gepaart mit einem Anstieg der Renditen für zehnjährige Papiere die Anleger in Panikstimmung. Zum Vergleich: Mitte April waren die Renditen auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent gefallen. Gleichzeitig näherte sich am Donnerstag der Euro der Schwelle von 1,14 Dollar. Das genügte, um den Dax mehr als 200 Punkte in den Keller rauschen zu lassen, bis auf ein Tagestief von 11.187 Zählern.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 17.00 Uhr

Anleger seien enttäuscht, dass EZB-Chef Mario Draghi bei seiner Pressekonferenz am Vortag keine Eingriffe signalisiert habe, um Kursturbulenzen abzumildern, sagte Johnny Bo Jakobsen, Chef-Analyst der Nordea Bank. "Die Botschaft war klar: Die EZB wird nicht von ihrem Kurs abweichen." Draghi hatte unter anderem gesagt, die Notenbanker würden über kurzfristige Ausschläge hinwegsehen und Börsianer sollten sich an höhere Schwankungen gewöhnen.

Merkel will Griechenland unbedingt im Euro halten

Im weiteren Verlauf setzt der Dax dann zu einer Erholung dann, die ihn schließlich ins Plus drehen und auf 11.449 Punkte ansteigen lässt, während parallel der Euro seine Kursgewinne wieder abgeben muss und auf 1,1240 Dollar schrumpft.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Grund für die Wende sind Aussagen zahlreicher Politiker, allen voran von Bundeskanzlerin Angela Merkel, zum Griechen-Drama. Sie unterstrichen ihren unbedingten Willen, das widerspenstige Land auf Biegen und Brechen in der Eurozone zu halten und einen Kompromiss mit Athen zu finden.

Nur kurze Freude an der Wall Street

Gleichzeitig forderte der Internationale Währungsfonds die US-Notenbank auf, ihre erste Leitzinserhöhung seit rund neun Jahren auf 2016 verschieben. Die Fed sollte auf ein Anziehen der Löhne und der Inflation warten, heißt es in einem Bericht von IWF-Experten. Angesicht der derzeitigen wirtschaftlichen Aussichten sei eine Zinserhöhung im ersten Halbjahr 2016 sinnvoll.

Die Aussagen können die Märkte aber nur kurzfristig stützen. In New York dreht der Dow Jones-Index ins Plus und steigt auf 18.087 Punkte, muss seine Gewinne im weiteren Verlauf aber wieder abgeben und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,63 Prozent im Minus bei 17.963 Zählern.

Auch der Dax in Frankfurt dreht nach der Erholung wieder ab und schließt 0,69 Prozent tiefer bei 11.340 Zählern.

Versorger erleiden Niederlage

Im Dax erleiden die beiden Versorger RWE und Eon besonders hohe Verluste. Grund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach die Brennelemente-Steuer nicht gegen EU-Recht verstößt. Der EuGH wies damit eine Klage von Eon und RWE zurück. Diese wollen auch bereits geleistete Abgaben in Höhe von fünf Milliarden Euro zurückfordern. Nun bleibt noch die Hoffnung auf das Bundesverfassungsgericht.

BASF schielt auf Syngenta

Überdurchschnittliche Verluste verzeichnet auch die BASF-Aktie. Der Chemiekonzern könnte sich in eine Milliardenschlacht um den Agrarchemiekonzern Syngenta einmischen, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Danach prüfe BASF zusammen mit Investmentbanken, ob man ein Konkurrenzangebot für Syngenta vorlegen wolle. Der US-Konkurrent Monsanto bietet derzeit 45 Milliarden Dollar für einen Kauf von Syngenta.

T-Mobile US vor Ehe mit Dish?

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dagegen ist die T-Aktie einer der wenigen Dax-Gewinner. Die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile US steht offenbar kurz vor einer Einigung in Fusionsverhandlungen mit dem US-Bezahlsender Dish. Das schreibt das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf Insider. T-Mobile US-Chef John Legere solle das gemeinsame Unternehmen führen. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte zuletzt noch einmal betont, der Mobilfunker sei offen für einen Partner in den USA.

SMA Solar ziehen weiter an

Im TecDax hat sich die Aktie von SMA Solar mit einem Plus von 5,18 Prozent klar an die Spitze gesetzt. Ein Händler verwies auf die aktuelle Statistik des Branchendienstes PVinsights, wonach die Durchschnittspreise für Solarmodule aus multikristallinen Zellen in der vergangenen Woche um 1,03 Prozent zugelegt hatten. Dank der Nachfrage aus China und den USA sei dies der größte Anstieg seit sieben Monaten gewesen. Die Entwicklung komme auch dem Solartechnikhersteller zugute.

Auch Wacker Chemie kann sich behaupten

Im MDax profitiert der Solarindustriezulieferer Wacker Chemie von dem leichten Anstieg der Polysilizium-Preise. Zudem hält Analyst Thomas Gilbert von der UBS an seiner "Buy"-Einstufung der Wacker-Papiere mit einem Kursziel von 142,00 Euro fest. Seiner Meinung wird das Polysilizium-Geschäft unterbewertet.

Zalando in den MDax, BB Biotech fliegt aus TecDax

Im SDax ist die Zalando-Aktie der größte Gewinner. Der Online-Modehändler, der erst im Oktober an die Börse gegangen war, steigt in den MDax auf. Dort verdrängt er den Ingenieurdienstleister Bertrandt, der in den SDax zurückgestuft wird. Die Zalando-Aktie legt zum Handelsstart deutlich zu. Im Kleinwerteindex notieren dann außerdem neu der Kabel-TV-Anbieter Tele Columbus, der Druckmaschinen-Hersteller Koenig & Bauer und der Immobilienkonzern Adler Real Estate. Aus dem Index verbannt werden Surteco, Delticom und Bauer. Im TecDax ersetzt der Glasfaser-Spezialist die Biotech-Beteiligung BB Biotech. Die Indexänderungen werden zum 22. Juni wirksam

Indus ex-Dividende

Schwächster Wert im SDax mit einem Minus von über vier Prozent sind dagegen die Papiere der Industrieholding Indus. Sie notieren ex-Dividende, nachdem das Unternehmen am Mittwoch auf seiner Hauptversammlung die Ausschüttung von 1,20 Euro je Aktie beschlossen hatte.

Telecom Italia funkt IPO

Rund eine Milliarde Euro will die Telecom Italia beim Teilbörsengang ihrer Funkmasten-Sparte einnehmen. Am Mittwoch wurde die Preisspann auf 3,25 bis 3,90 Euro festgelegt. Mit dem Erlöse will das Unternehmen Schulden abbauen und damit eine bessere Bonitätsnote erreichen.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr