Marktbericht 20:02 Uhr

Dax kratzt an der 9.000er Marke Ein Rekord jagt den nächsten

Stand: 22.10.2013, 20:02 Uhr

Der schlechter als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hat den Dax auf einen neuen Rekordstand gehoben - dank der Hoffnung auf eine weiter ultralockere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank.

Der Dax kletterte am Dienstag bis auf 8.987 Punkte, zum Handelsende stand bei dem Leitindex immer noch ein Plus von 0,90 Prozent auf 8.947 Punkte zu Buche, ein neuer Höchststand.

Auch an der New Yorker Wall Street geht es mit den Kursen nach oben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 15.418 Punkte und weitet im Handelsverlauf seine Gewinne weiter aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Leitindex bei 15.458 Punkten, 0,43 Prozent mehr als am Montag.

Ausgelöst wurde die Rally von den enttäuschend ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. Statt der erwarteten 180.000 neuen Stellen sind im September in den USA nur 148.000 neue Stellen geschaffen worden. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote sank leicht auf 7,2 von zuvor 7,3 Prozent. Damit setzt sich bei Anlegern die Einschätzung durch, dass die Notenbank Fed ihre Politik des billigen Geldes zunächst beibehält. Zumal der Bericht die Auswirkungen des Regierungsstillstands der letzten beiden Wochen noch nicht enthält. Die monatliche Liquiditätszufuhr von rund 85 Milliarden Dollar dürfte also noch eine Weile andauern.

"Die Märkte richten sich auf eine weiterhin lockere Geldpolitik in Amerika ein, weil der Arbeitsmarktbericht hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist", sagte Ökonom Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Die Fed macht eine Drosselung ihrer Konjunkturhilfen von einer Wende am Jobmarkt abhängig.

Ralf Umlauf von der Helaba weist darauf hin, dass Fed-Vertreter bereits durchblicken ließen, ihre Entscheidung über eine Drosselung der Anleihekäufe verzögert zu wollen. Jens Klatt, Marktanalyst von DailyFX ist gar der Meinung, dass nun die Jahresendrally beginnt, und der Dax als nächstes Kursziel die Marke von 9.200 Punkten anvisiert.

Euro über 1,37 Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1664
Differenz relativ
+0,16%

Der Kurs des Euro ist nach Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen um mehr als einen halben Dollar-Cent auf 1,3743 Dollar gestiegen und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend bereits 1,3788 Dollar. Damit ist der Euro so teuer wie seit Mitte November 2011 nicht mehr. Anleger gehen offenbar davon aus, dass die Fed nun doch länger als geplant an ihren Anleihekäufen festhält.

Deutsche Post geht ab

Angeführt wird die Liste der Gewinner im Dax von der Post-Aktie, nachdem die Bundesnetzagentur dem Unternehmen mehr Spielraum bei Portoerhöhungen in den kommenden fünf Jahren zubilligen will.

HSBC befeuert Münchener Rück

Kräftig aufwärts geht es auch mit der Aktie der Münchener Rück (Munich Re). Die britische Investmentbank HSBC hat den weltgrößten Rückversicherer auf ihre "Europe-Super-Ten"-Liste gesetzt. Die fundamentale Einstufung für die Aktie bleibt "Overweight" mit dem Kursziel 180 Euro, wie Analyst Robert Parkes schreibt. Die Munich Re ersetzt den französischen Versicherer Axa in der HSBC-Empfehlungsliste "Europe-Super-Ten". Er bevorzuge Munich Re wegen des aus seiner Sicht bisher nicht ausreichend berücksichtigten Potenzials über viele Jahre, viel Kapital an die Anteilseigner auszuschütten, hieß es in der Studie.

Lufthansa konkretisiert die Gewinnaussichten

Schwächster Wert im Dax bleibt dagegen bis zum Schluss die Aktie der Lufthansa. Damit reagieren die Anleger auf ein überraschend niedriges Gewinnziel der Airline. Insbesondere wegen der schwächer als erwarteten Erholung des Frachtgeschäftes und negativer Währungseffekte habe er die Gewinnschätzungen etwas reduziert, schrieb Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank in einer Studie. Den fairen Wert für die Titel senkte er daher von 20 auf 19 Euro.

VW-Gesetz bleibt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,00
Differenz relativ
+0,46%

Zu den Gewinnern gehört auch die VW-Aktie, nachdem nun endlich klar ist, dass der Konzern auch zukünftig vor feindlichen Übernahmen geschützt bleibt. Der europäische Gerichtshof verwarf eine Klage der EU-Kommission gegen das 1960 beschlossene Gesetz, das dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität einräumt. Die Entscheidung war erwartet worden, nachdem Generalanwalt Nils Wahl schon im Mai für eine Zurückweisung plädiert hatte. Das Gericht folgt seiner Empfehlung in den meisten Fällen.

SMA Solar und Grammer rennen davon

Der einzig verbliebene Solarwert im TecDax stiehlt derweil allen anderen deutlich die Show. Das Papier haussiert um knapp 12 Prozent. Seit vergangenem Freitag ist die Aktie damit über 20 Prozent gestiegen, ohne dass Händler einen Grund finden können. Verwiesen wurde lediglich auf charttechnische Faktoren. Im SDax macht die Aktie des Autozulieferers Grammer einen gewaltigen Sprung. Das Papier profitiert offenbar von der guten Autokonjunktur in den USA.

Gates-Fonds befeuert spanischen Baukonzern

Gute Nachricht für Spaniens krisengeschüttelte Wirtschaft: Ein oder mehrere Fonds, die mit Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates in Verbindung stehen, haben sich beim Baukonzern FCC eingekauft und eine Beteiligung von sechs Prozent erworben. Investoren begrüßten am Dienstagvormittag diesen Einstieg und ließen die seit dem Platzen der Immobilienblase in Spanien 2008 stark gesunkene FCC-Aktie um zwölf Prozent auf 17 Euro steigen.

Licht und Schatten bei United Technologies

Abwärts geht es mit der Aktie des US-Mischkonzerns United Technologies. Der Konzern kappt erneut seine Umsatzprognose, zeigt sich beim Gewinnausblick aber optimistischer. Das Ergebnis je Aktie soll nun auf 6,10 bis 6,15 Dollar steigen, statt 6,00 Dollar zuvor. Erst zur Halbjahresbilanz hatte der Konzern das Minimum von 5,85 Dollar angehoben. Ebenfalls zum zweiten Mal im laufenden Jahr strich das Unternehmen aber auch seine Umsatzprognose zusammen: Die Erlöse sieht es nun bei 63 Milliarden Dollar, nachdem zuvor noch mindestens 64 Milliarden erwartet wurden.

Novartis hebt an

Zulegen kann auch die Aktie des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Das Unternehmen ist zuversichtlich, die Erlöse unter Ausschluss von Wechselkurseffekten um einen niedrigen bis mittleren Prozentsatz zu steigern. Derweil hat der US-Chemiekonzern DuPont im dritten Quartal von einer starken Entwicklung im Agrarchemiegeschäft profitiert. Der BASF-Konkurrent bestätigte seine Ergebnis-Prognose. Der Gewinn je Aktie (EPS) vor Sonderposten legte im Jahresvergleich um zwei Cent auf 0,45 Dollar zu.

Tablet-Tag

Im Blick der Anleger stehen heute auch die Technologiewerte, allen voran Microsoft und Apple. Beide wollen neue Tablet-Computer präsentieren. Microsoft fordert dabei mit dem "Surface2" die Konkurrenz heraus. Die neuen Modelle sind seit heute in 21 Ländern erhältlich. Auch Nokia stellt sein neues Gerät vor. Die Apple-Aktie war im Vorfeld gefragt und legte 2,85 Prozent zu, Microsoft-Papiere bewegten sich kaum.

Texas Instruments enttäuscht

Die Geschäfte des Chip-Spezialisten Texas Instruments laufen schlechter als gedacht. Das Unternehmen verfehlte mit seiner Umsatzprognose für das gerade angebrochene vierte Quartal die Erwartungen der Analysten. Der Kurs der Aktie sackte im nachbörslichen Handel um drei Prozent ab. Unter den enttäuschenden TI-Zahlen leiden auch die Papiere von Infineon.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)