Ein Feiertag zum Feiern!

Angela Göpfert

Stand: 01.06.2009, 20:05 Uhr

Von wegen langweiliger Feiertagshandel: Der Pfingstmontag hat dem Dax ein Plus von über 200 Punkten und ein neues Jahreshoch beschert. Selbst die Insolvenz des US-Autobauers General Motors konnte den Dax nicht bremsen. Dafür war das Bündel an Konjunkturdaten einfach zu gut.

Zu Handelsauftakt hatten bereits Daten aus China und Europa Hoffnungen geschürt, dass der Tiefpunkt der globalen Rezession bereits überwunden sein könnte. Am Nachmittag gesellte sich dann noch der an den Finanzmärkten viel beachtete US-Einkaufsmanagerindex hinzu, der mit einem Anstieg auf 42,8 Punkte überraschend gut ausfiel. Zudem waren die US-Bauausgaben unerwartet gestiegen.

Diese US-Daten lieferten schließlich den entscheidenden Impuls, der den Dax am Nachmittag den Widerstand bei 5.111 Punkten überwinden ließ - hier verlief das alte Jahreshoch vom 6. Januar. Der Dax kletterte in der Spitze auf 5.156 Zähler und beendete den Xetra-Handel bei 5.142 Punkten. Der Dax schloss damit so hoch wie seit Anfang November nicht mehr, als die Börsen die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten feierten.

Neue Kaufsignale?
Im späten Parketthandel bröckelten die Kursgewinne zwar leicht ab, der L-Dax ging bei einem Stand von 5.132 Zählern aus dem Handel. Doch mit dem heutigen Tag hat der Dax seine enge Handelsspanne der vergangenen Tage nach oben durchbrochen und mit dem Anstieg auf ein neues Jahreshoch weitere technische Kaufsignale gesandt. Marktbeobachter wiesen allerdings daraufhin, dass die Aussagekraft des heutigen Dax-Anstiegs wegen des dünnen Handelsvolumens etwas begrenzt sei.

Doch nicht nur hierzulande, auch an der New Yorker Börse präsentierten sich die Anleger in Kauflaune: Der Dow-Jones-Index notierte zum Parkettschluss 2,9 Prozent höher, der Nasdaq Composite gewann gar 3,3 Prozent. Der marktbreite S&P 500 kletterte um 3,1 Prozent auf 947 Punkte und überwand somit erstmals seit Mai 2008 die fallende 200-Tage-Linie, wodurch sich auch hier das charttechnische Bild weiter aufgehellt hat.

GM-Insolvenz schafft Klarheit
Selbst der Insolvenzantrag des US-Autobauers General Motors konnte den Börsen nichts anhaben. Dieser Schritt war am Markt weithin erwartet worden. Einige Marktbeobachter konnten der GM-Insolvenz sogar etwas Gutes abgewinnen: Damit sei ein Stück Unsicherheit aus dem Markt gewichen, hieß es an der Börse.

Zumal GM-Chef Fritz Henderson Hoffnungen auf einen schnellen Neustart des Konzerns schürte. Das Insolvenzverfahren solle binnen 60 bis 90 Tagen abgeschlossen werden. Das beflügelte die GM-Aktie: Nach einem Minus von bis zu 38 Prozent ging sie schließlich mit einem Plus von rund drei Prozent aus dem Frankfurter Parketthandel.

Dow Jones im Umbruch
Der Niedergang der US-Automobilbranche und des Finanzsektors wird sich derweil künftig auch im Weltleitindex Dow Jones widerspiegeln. Zum 8. Juni werden GM und die US-Bank Citigroup aus dem Index herausfallen und durch den Telekommunikationskonzern Cisco und den Versicherer Travelers ersetzt werden.

Autotitel im Scheinwerferlicht
Am Tag der GM-Insolvenz standen auch hierzulande Autotitel naturgemäß besonders im Fokus der Anleger. Daimler-Aktien setzten sich mit einem Aufschlag von 8,4 Prozent an die Dax-Spitze. Auch Papiere von MAN, Volkswagen, BMW und Porsche konnten ordentlich zulegen.

Die Analysten der Banc of America respektive Merrill Lynch hatten Daimler auf ihre "Europe-1-List" gesetzt und empfahlen den Titel zum Kauf. Zudem beflügelten Medienberichte die Kurse, wonach der Emir von Katar weiterhin an dem Sportwagenbauer Porsche oder einem anderen deutschen Automobilhersteller interessiert sei.

Vorhang auf für Konjunktursensible
Gestützt wurde der Dax-Höhenflug auch von zyklischen Titeln. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der globalen Wirtschaftskrise trieb Aktien des Stahlkochers ThyssenKrupp um 7,8 Prozent. Auch Papiere des weltweit größten Chemiekonzerns BASF und des Industrieriesen Siemens verzeichneten weit überproportionale Kursgewinne.

Bei Arcandor regiert das Prinzip Hoffnung
Im MDax gingen derweil Arcandor-Aktien mit einem Aufschlag von 10,5 Prozent aus dem Handel. Dabei kann sich der Warenhauskonzern keineswegs sicher sein, tatsächlich in den Genuss von Staats-Bürgerschaften zu kommen, in der großen Koalition ist ein heftiger Streit über eine Rettung von Arcandor entbrannt.

Vivacon schmiert ab
Im SDax konnten die Aktien der Kölner Immobiliengesellschaft Vivacon bei hohen Umsätzen ihre immensen Verluste im Handelsverlauf nur ein kleines bisschen eingrenzen. Zu Xetra-Schluss notierten sie 31 Prozent im Minus, nachdem sie zu Handelsauftakt um 45 Prozent auf 0,83 Euro eingebrochen waren. Vor drei Jahren hatten die Titel noch knapp 50 Euro gekostet. Die Firma steckt laut einer Meldung vom Freitagabend in akuten Liquiditätsproblemen.

Dollar von Inflationsängsten geschwächt
An den Devisenmärkten geriet der Dollar am Montag erneut unter Druck. Die steigende US-Verschuldung und die extrem lockere Geldpolitik der Fed schürten am Markt weiter Inflationsängste. Der Euro stieg zwischenzeitlich bis auf 1,4246 Dollar und damit auf ein neues Jahreshoch.

Ölpreis-Rally geht weiter
Die Dollarschwäche beflügelte auch den Goldpreis. Der Preis für eine Feinunze Gold kletterte in der Spitze auf 988 Dollar, bevor die unerwartet guten US-Konjunkturdaten den Goldpreis am Nachmittag unter Druck setzen.

Die Hoffnung auf ein Ende der Wirtschaftskrise und steigende Aktienkurse trieben dagegen den US-Ölpreis am Montag zwischenzeitlich über 68 US-Dollar je Barrel und damit auf ein Sieben-Monats-Hoch. Bereits im Mai war der Ölpreis um knapp 30 Prozent gestiegen - und damit so stark wie zuletzt im März 1999 nach der Asienkrise.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat