Ein Dax, zwei Gesichter

Detlev Landmesser

Stand: 29.12.2009, 20:15 Uhr

Einerseits lethargisch, andererseits weiter auf Rekordkurs präsentierte sich der deutsche Aktienmarkt am vorletzten Handelstag des Jahres. Immerhin gab es Neuigkeiten von einigen Dax-Konzernen.

Der L-Dax schloss gegenüber dem Xetra-Handel kaum verändert bei 6.007,86 Punkten. Im Tagesverlauf schwankte der Dax gerade mal um 0,4 Prozentpunkte. Sein Handelsvolumen lag nur noch bei 1,3 Milliarden Euro. Anfang Dezember wurden noch täglich Dax-Titel im Volumen von über drei Milliarden Euro umgesetzt.

In der Spitze erreichte der deutsche Leitindex ein neues 15-Monats-Hoch bei 6.026 Punkten. Dabei unterschritt er die 6.000-Punkte Marke zu keinem Zeitpunkt. Erst am Montag hatte der Dax erstmals in diesem Jahr über der runden Marke geschlossen. Morgen wird in Frankfurt nur noch bis 14:00 Uhr gehandelt.

An der Wall Street tendierten die Indizes auch am Abend lustlos seitwärts. Die jüngsten US-Konjunkturdaten hatten wenig Einfluss auf das Geschehen. Der Case-Shiller-Hauspreisindex blieb im Oktober stabil, während Volkswirte eigentlich ein leichtes Plus von 0,2 Prozent erwartet hatten. Im Jahresvergleich sanken die Häuserpreise noch um 7,3 Prozent. Das Verbrauchervertrauen für den Dezember fiel dagegen mit 52,9 Punkten überraschend stark aus. Analysten hatten im Schnitt mit 52,5 Punkten gerechnet. Der Weg zu einer Gesundung der US-Wirtschaft ist gleichwohl noch weit: Sein Hoch hatte der Index in Juli 2007 mit 111,9 Punkten erreicht.

Fed sieht sich für "Exit" gerüstet
Der Euro gab unterdessen ein vorübergehendes Gastspiel über der Marke von 1,44 Dollar. Beobachter erklärten dies wieder einmal mit der angeblich gestiegenen "Risikofreude" der Investoren.

Die US-Notenbank Fed hatte am Montag mitgeteilt, dass sie ein neues Werkzeug schaffen wolle, das zum Ausstieg aus der Politik des lockeren Geldes eingesetzt werden soll. "Es ist ziemlich unklar, was genau da gemacht werden soll", meinte ein Händler. "Aber da sowieso kaum jemand da ist, wird man sich da wohl erst später mit befassen."

Geringste Inflation seit 1987
Tatsächlich wird dieses Thema die Finanzmärkte im kommenden Jahr stark beschäftigen: Gelingt es den Notenbanken, die exzessiv verteilte Liquidität rechtzeitig wieder einzusammeln, bevor sie auf die Gütermärkte schwappt und die Rettungstaten mit einer Hyperinflation bezahlt werden müssen?

Noch aber hat die Krise die Gütermärkte voll im Griff, womit von Inflation noch keine Rede sein kann: Nach der aktuellen Schätzung des Statistischen Bundesamts lag die deutsche Inflationsrate in diesem Jahr bei 0,4 Prozent, nach 2,6 Prozent 2008. Das ist die geringste Geldentwertung seit 1987.

Eon-Aktie holt tüchtig auf

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,04
Differenz relativ
+0,77%

Mit einem Plus von 1,9 Prozent hob sich die Eon-Aktie im Dax-Gewinnerfeld deutlich ab. Der Versorgertitel setzte damit seine seit zwei Wochen zu beobachtende Aufholjagd fort, die offenbar einem Favoritenwechsel der Anleger hin zu defensiveren Branchen entspringt.

MüRü kam 2009 glimpflich davon

Etwas stärker als der Gesamtmarkt stieg die Aktie der Münchener Rück. Der weltgrößte Rückversicherer veröffentlichte die Schadensstatistik für das abgelaufene Jahr. Für Großschäden mussten die Versicherer in diesem Jahr immerhin 56 Prozent weniger ausgeben als im Katastrophenjahr 2008.

Daimler kündigt Modelloffensive an

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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51,07
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-2,33%

Die Daimler-Aktie schaffte nach vergleichsweise hohen Tagesschwankungen eine Punktlandung. Der Autokonzern will 2010 eine Modelloffensive starten. Zudem wolle man in der ersten Jahreshälfte Verhandlungen mit einem möglichen Kooperationspartner abschließen, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). Derzeit liefen unter anderem Gespräche mit Renault. Denkbar sei eine Zusammenarbeit bei der A- und B-Klasse sowie beim Smart. Mit Blick auf 2010 sagte Zetsche, er rechne damit, dass die Segmente, in denen Daimler tätig ist, besser abschneiden als 2009. So sieht der Konzern Chancen, dass sich der LKW-Markt ab Mitte 2010 stabilisiert. Dabei stelle man sich aber nur auf "geringe Wachstumsraten" ein.

"Dieser Weg wird kein leichter sein..."

Etwas mehr Optimismus leistete sich BASF. Der größte Chemiekonzern der Welt rechnet im kommenden Jahr wieder mit Zuwächsen. "Wir werden nach und nach wieder zu alter Wachstumsstärke zurückkehren", sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht der "Welt". "Der Weg dahin wird schwierig und unstet sein. Doch wir sehen erste Erholungstendenzen in der Branche", ergänzte er.

Dräger kauft Geschäftsanteil zurück

Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk aus dem TecDax kauft einen 25-prozentigen Minderheitsanteil an der Dräger Medical AG & Co. KG von Siemens zurück. Zur Finanzierung des Kaufpreises von mehr als 240 Millionen Euro kündigte Drägerwerk eine Kapitalerhöhung an. Siemens hatte den Anteil 2003 im Gegenzug für seinen Geschäftsbereich Elektromedizin von Dräger erhalten.

Q-Cells verspricht operatives Plus

Im TecDax fiel die Aktie von Q-Cells mit einem Plus von 11,8 Prozent positiv auf. Das Solarunternehmen will 2010 den diesjährigen Milliardenverlust vergessen machen. "2009 haben wir Kosten sowie Kapazitäten angepasst und langfristige Verträge flexibilisiert. Im nächsten Jahr wollen wir wieder operativ profitabel sein", sagte Vorstandschef Anton Milner dem "Handelsblatt". Allerdings werde das erste Quartal noch von Belastungen aus dem Umbau geprägt sein. Die DZ Bank bekräftigte indessen ihre Verkaufsempfehlung: "Für 2010 und 2011 gibt es aufgrund einer geplanten Kürzung der Solarförderung in Deutschland deutliche Ertragsrisiken für das Unternehmen", so die Analysten. Im Gesamtjahr hält die Aktie mit einem Verlust von 56 Prozent die rote Laterne im TecDax.

Gewinnwarnung belastet Invision

Elf Prozent büßte Aktie von Invision ein. Das Softwareunternehmen rechnet für das zu Ende gehende Jahr mit einem geringeren Wachstum und einem schwächeren operativen Ergebnis als bisher prognostiziert. Einige Großprojekte hätten sich unerwartet verzögert, teilte das im Prime Standard notierte Unternehmen mit.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr