Ein Dax will nach oben

Detlev Landmesser

Stand: 08.08.2007, 20:25 Uhr

Zur Wochenmitte blieb es an der Krisenfront relativ ruhig, was den Aktienmärkten weitere Gewinne bescherte. Der Dax erreichte mit Kursen über 7.600 Punkten wieder das Niveau von Ende Juli.

Der L-Dax schloss 0,8 Prozent höher bei 7.615,72 Punkten. Neben einer Reihe erfreulicher Unternehmensdaten trug dazu vor allem die weitere Erholung an der Wall Street bei. Dort hat sich nämlich eine positive Lesart der Anmerkungen der US-Notenbank vom Dienstag durchgesetzt. Die Fed hatte weiterhin die Inflation und nicht die momentane Unruhe an den Kreditmärkten als Hauptbedrohung für die wirtschaftliche Stabilität genannt, was die Sorgen der Investoren um eine Ausweitung der US-Kreditkrise weiter dämpfte.

Den Technologiewerten an der Nasdaq verliehen gute Quartalszahlen des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems zusätzlichen Schub.

Bayer kräftig erholt

Die Bayer-Aktie baute ihr Tagesplus stetig auf stolze 5,8 Prozent aus. Der Dax-Titel profitierte von einer positiven Einschätzung der Analysten von Lehman Brothers. Die Experten erhöhten ihr Kursziel von 50 auf 60 Euro. Dazu kam die Stimmrechtsmitteilung, dass die weltgrößte Fondsgesellschaft Fidelity bei Bayer aufgestockt hat und nun 5,001 Prozent an dem Leverkusener Pharma- und Chemieunternehmen hält.

Adidas überrascht mit Gewinnsprung
Zeitweise lag auch die Adidas-Aktie mit bis zu 4,7 Prozent Plus vorn. Der Sportartikler musste im zweiten Quartal zwar einen Umsatzrückgang von 2,43 auf 2,4 Milliarden Euro hinnehmen. Dies war allerdings von Analysten erwartet worden. Erfreut zeigten sich Beobachter über den Überschuss, der trotz der schleppenden Geschäfte bei der US-Tochter Reebok von 82 auf 104 Millionen Euro anwuchs - ein Plus von 27 Prozent.

Altana glänzt mit Finanzergebnis
Die Aktie des ehemaligen Dax-Konzerns Altana driftete im Verlauf ins Minus. Analysten sehen im Quartalsergebnis einen enttäuschenden operativen Ertrag. Der Nettogewinn habe nur wegen eines besseren Finanzergebnisses von 39,8 auf 87,5 Millionen Euro zulegen können. Der Umsatz nahm um sieben Prozent auf 705,7 Millionen Euro zu.

MLP-Altersvorsorge schwächelt
Der Finanzdienstleister MLP hat im zweiten Quartal unter einem schwachen Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten gelitten und die Erwartungen damit verfehlt. Die Maklererträge sind in den Monaten von April bis Juni um drei Prozent auf 88,7 Millionen Euro gesunken. Für Wachstum bei den Provisionseinnahmen sorgte allein das kleine Bankgeschäft. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb trotz eines Zuwachses um 28 Prozent auf 15,6 Millionen Euro im Quartal hinter den Erwartungen zurück.

Techem wieder ohne Biomasse
Der Energiedienstleister Techem hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2006/07 seinen Umsatz leicht gesteigert und dabei etwas mehr verdient als ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich von 78 auf 80,7 Millionen Euro erhöht. Aus dem Geschäft mit Biomasse zieht sich das Unternehmen wegen enttäuschter Erwartungen offenbar zurück. Ein Heizkraftwerk in Thüringen soll verkauft werden.

Douglas-Zahlen schwächer als gedacht
Beim Gewinn vor Steuern hat Douglas einen Rückgang hinnehmen müssen, der stärker als erwartet ausfiel. Nach 7,9 Millionen Euro im Vorjahr verdiente der Handelskonzern nur noch 2,7 Millionen Euro vor Steuern. Begründet wurde dies mit höheren Abschreibungen nach einer Reihe von Zukäufen. Die Umsätze stiegen um rund zehn Prozent auf 663,7 Millionen Euro.

Rheinmetall verdient nicht genug
Zu den größten MDax-Verlierern gehörte die Rheinmetall-Aktie. Der Gewinn des Autozulieferers und Rüstungskonzerns blieb mit einem Anstieg von 37 auf 46 Millionen Euro im zweiten Quartal leicht unter den Erwartungen. Die Gesamtjahresprognose bekräftigte Rheinmetall aber.

Vorstand verlässt überraschend Aareal Bank
Am frühen Nachmittag geriet auch die Aktie von Aareal unter Druck. Die Wiesbadener Bank meldete überraschend, ihr Vorstand Christof Schörnig habe sein Amt mit sofortiger Wirkung auf eigenen Wunsch niedergelegt, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zuzuwenden. Schörnig war für Treasury, Credit Treasury und Investor Relations zuständig. Seine Aufgaben sollen im Vorstand neu verteilt werden. Das Institut bekräftigte aber, das Ausscheiden Schörnigs habe nichts mit der Krise im US-Subprime-Markt zu tun, wo die Aareal nicht engagiert sei.

Wie viel Interesse gibt es für Freenet?
Von einer Umstellung bei der Rechnungslegung haben die Quartalsergebnisse bei Freenet profitiert. Der Internetdienstleister hat nach der Fusion mit Mobilcom ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 70,5 Millionen Euro erreicht, ein Plus von 41,5 Prozent. Der Umsatz legte von 467 auf 495 Millionen Euro zu. Am Nachmittag flammten neue Übernahmespekulationen auf. Nach Angaben von Vorstandschef Eckhard Spoerr hat Freenet erste Kontakte zu potenziellen Interessenten aufgenommen. Bei den Gesprächen werde geprüft, "ob jemand für einen Zusammenschluss zur Verfügung steht, oder ob jemand an einer Übernahme von Freenet Interesse hat", sagte Spoerr zu Reuters. Um wen es sich dabei handelt, wollte er nicht sagen. Allerdings winkte daraufhin eine Reihe potenzieller Interessenten ab, was den TecDax-Titel sogar ins Minus rutschen ließ.

Spekulationen auch um QSC
Bemerkenswert war, dass die Aktie des Konkurrenten QSC deutlich mehr von den Übernahmespekulationen in der Branche profitierte. Der TecDax-Titel schnellte am Nachmittag um rund 15 Prozent nach oben.

Solon und Ersol gefragt
Auch die Solartitel hatten einen hervorragenden Tag. Die Aktien von Solon und Ersol gewannen über zwölf Prozent an Wert. Händler verwiesen auf das positive Branchenumfeld nach den erfreulichen Solon-Zahlen von gestern. Ein Börsianer meinte zudem, einige Short-Spekulanten (Leerverkäufer) seien wohl auf dem falschen Fuß erwischt worden und zu Eindeckungen gezwungen gewesen.

Bei GPC bröckeln die Umsätze
GPC Biotech hatte neue, schlechte Nachrichten für die Anleger. Nach einem Umsatzrückgang um 35 Prozent auf 7,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr senkte das Unternehmen seine Jahresumsatzprognose. Der Verlust in den Monaten Januar bis Juni lag bei 42,8 Millionen Euro. GPC hatte kürzlich einen Rückschlag bei der angestrebten US-Zulassung seines Hoffnungsträgers Satraplatin erlitten.

Demag: Hoher Auftragseingang in Problemsegment
Der Kranhersteller Demag Cranes hat in seinem zuletzt problematischen Geschäftsbereich Hafentechnologie einen ungewöhnlich hohen Auftragseingang gemeldet. Auf Monatsbasis hätten die Bestellungen rund 50 Millionen Euro betragen, teilte das SDax-Unternehmen am Abend ad hoc mit. Der durchschnittliche Auftragseingang in diesem Segment betrage rund 25 Millionen Euro im Monat. Unter anderem wegen Problemen in der Hafentechnologie hatte der Düsseldorfer Konzern im Juli seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2006/07 gesenkt. Für das dritte Quartal seien in der Hafentechnologie Verluste zu erwarten, hatte Demag damals mitgeteilt.

Axel Springer verharrt auf Vorjahresniveau
Das Verlagshaus Axel Springer peilt im Jahr 2007 nur ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) auf dem Vorjahresniveau an. Anlaufkosten für neue Internet-Portale belasteten im ersten Halbjahr bereits die Bilanz. Auch hier schaffte das SDax-Unternehmen mit einem Ebita mit 177,8 Millionen Euro nur den Vorjahreswert. Die Umsätze konnten um 3,1 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro gesteigert werden.

Loewe steigert den Profit
Leicht höher notierte das Papier von Loewe. Der TV-Hersteller hat in den ersten sechs Monaten einen Umsatzrückgang von neun Prozent auf 155,1 Millionen Euro hinnehmen müssen. Der Nettogewinn stieg allerdings um drei Prozent auf 4,1 Millionen Euro.

Cash.Life gut im Geschäft
Der Finanzdienstleister Cash.Life hat seinen Gewinn im zweiten Quartal fast verdoppelt. Der Überschuss sei um 86 Prozent auf 5,2 Millionen Euro geklettert, teilte der Aufkäufer von Lebensversicherungen am Mittwoch in Pullach bei München mit. Cash.Life kaufte im zweiten Quartal Policen im Wert von fast 162 Millionen Euro an, im Gesamtjahr sollen es 720 Millionen bis 800 Millionen werden.

Thiel sieht Gewinnprognose in Gefahr
Die Insolvenz eines großen Kunden bringt die Planungen von Thiel Logistik in Gefahr. Der Verwaltungsratschef Berndt-Michael Winter stellte am Mittwoch in Frage, ob das operative Ergebnis (Ebit) vor Restrukturierungskosten 2007 wie geplant höher ausfallen wird als die 27,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Grund dafür sei der Zusammenbruch des Hauptkunden im Neumöbeltransport, des Möbelherstellers Schieder aus Ostwestfalen. Im ersten Halbjahr wurde das Ergebnis auch durch die Kosten für den Konzernumbau belastet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stagnierte bei 16,4 Millionen Euro, wie Thiel mitteilte. Ohne die Umbaukosten wäre er um 9,4 Prozent gewachsen. Der Umsatz wuchs um 8,5 Prozent auf exakt eine Milliarde Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen