Ein Bullenmarkt sieht anders aus

Angela Göpfert

Stand: 19.02.2009, 20:05 Uhr

Richtige Kaufstimmung wollte auch an diesem Tag nicht aufkommen. Grosso modo haben an den Börsen weiterhin die Bären das Sagen. Der Dax kann noch nicht einmal sein leichtes Plus von 0,2 Prozent bis zum Parkettschluss halten.

Das war vor allem der im Verlauf schlechteren Verfassung der US-Märkte geschuldet. Der Dow-Jones-Index stand zum Parkettschluss in Frankfurt rund 0,6 Prozent im Minus, der marktbreite S&P-500-Index notierte 0,4 Prozent in der Verlustzone. Aktuelle Daten zum Arbeitsmarkt und zur Wirtschaftsaktivität deuteten auf eine Verdüsterung der konjunkturellen Aussichten hin.

Dem Ölpreis sei dank
Vor allem Finanztitel mussten herbe Abschläge verzeichnen. Angeführt wurde die Verliererliste von der Bank of America und der Citigroup, beide Titel verloren wegen Gerüchten über eine drohende Verstaatlichung von Großbanken zeitweise jeweils über zwölf Prozent. Das schickte auch den US-Bankenindex auf Talfahrt, er markierte ein neues 17-Jahrestief.

Dass die großen US-Indizes dennoch nicht unter die Räder gerieten, war vor allem Zugewinnen bei Öl-Titeln wie Exxon und ConocoPhillips geschuldet, die vom gestiegenen Ölpreis profitierten. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zog um 9,2 Prozent auf 37,80 Dollar an, nachdem die Rohöl-Lagervorräte in den USA überraschend gefallen waren.

Nur nicht übermütig werden!
Der L-Dax beendete den Parketthandel schließlich bei einem Stand von 4.201 Zählern - ein Mini-Minus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss des Vortages. Zuvor war der Dax noch mit einem kleinen Plus von 0,24 Prozent auf 4.215 Zähler aus dem Computerhandel gegangen.

Auch wenn an diesem Handelstag kein neues Impulstief ausgebildet wurde, warnen Charttechniker zur Wachsamkeit: Aufgrund des angeschlagenen Gesamtbildes dürfte es wohl nicht mehr lange dauern, bis der Dax sein November-Verlaufstief von 4.014 Zählern einem Test unterzieht.

Merck-Mittel vor Zulassungsentzug
Im Dax baute vor allem die Merck-Aktie ihre Verluste nach Xetra-Schluss weiter aus. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA hatte am späten Nachmittag empfohlen, dem Psoriasis-Mittel Raptiva von Merck die Marktzulassung für Europa zu entziehen. Zwei Patienten seien an den Folgen einer seltenen Nervenkrankheit gestorben, hieß es zur Begründung. Das kam einer Verkaufsempfehlung gleich.

SAP trotz Dementi im Minus
SAP-Aktien standen ebenfalls auf den Verkaufslisten der Anleger. Zwar hat das Softwarehaus einen Bericht des "Handelsblatts" dementiert, wonach der SAP-Mittelstandssoftware "Business by Desing" ein Verkaufsstopp drohe. Doch Händler vermuteten, es gebe trotzdem Probleme. "Und von SAP ist man gewohnt, dass sie Top-Qualität liefern und dass der Laden rund läuft", hieß es.

MAN - hurra, die Aufträge brechen weg?!
Ansonsten hatten Markbeobachter am Donnerstag aber eher das Gefühl, die Anleger agierten nach dem Motto: Auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. So ging die MAN-Aktie mit einem Zuschlag von 5,6 Prozent aus dem Handel - trotz des massiven Einbruchs beim Auftragseingang im vierten Quartal um 56 Prozent, der eigentlich ein ziemlich schlechtes Omen für die Geschäftsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr ist.

Postbank widerspricht Analysten
An die Dax-Spitze setzte sich die Postbank-Aktie mit einem Plus von 5,8 Prozent, obwohl die Bank im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht war. Das kurz vor der Übernahme durch die Deutsche Bank stehende Institut ist allerdings für 2009 vorsichtig optimistisch und sieht im Gegensatz zu manchen Analysten keinen weiteren Kapitalbedarf.

J.C. Flowers will 3 Euro je HRE-Aktie
Im Falle des Ausstiegs aus dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate verlangt der US-Investor J.C. Flowers eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren sollte, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. "Hier sprechen wir über knapp 3,00 Euro pro Aktie", sagte Christopher Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe) laut Vorabbericht. Bei seinem Einstieg hatte der US-Investor 22,50 Euro je HRE-Aktie gezahlt.

US-Regierung will UBS zwingen
Die US-Regierung hat die Schweizer Großbank UBS auf die Herausgabe von bis zu 52.000 Kundendaten verklagt. Die Regierung wirft diesen UBS-Kunden vor, gegen US-Steuergesetze zu verstoßen. Am Mittwoch hatte die UBS den Ermittlern bereits in einem beispiellosen Schritt Daten von bis zu 300 amerikanischen UBS-Kunden zugesagt. Das Schweizer Bankgeheimnis bekommt erste Risse.

Fresenius-Familie ganz stabil
Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) gingen mit einem Minus von 0,1 Prozent aus dem Handel. Der zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörende Dialysespezialist konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut Rekordwerte erzielen und Umsatz sowie Ergebnis steigern. Papiere des im MDax notierten Mutterkonzerns Fresenius gewannen nach Zahlen moderate 0,1 Prozent.

Swiss-Life-Schock für MLP
MLP-Aktien rutschten mit einem Abschlag von 6,1 Prozent ans MDax-Ende. Dagegen zogen an der Schweizer Börse Swiss-Life-Aktien um 4,7 Prozent an. Schuld an den diametral entgegengesetzten Kursbewegungen sind Gerüchte, wonach Swiss Life eine neue Vertriebsvereinbarung mit MLP anstrebt und seine MLP-Beteiligung auf unter zehn Prozent senken wolle. Dies soll laut Finanzkreisen "eher früher als später" geschehen.

Conti-Eigenkapital auf Schrumpfkurs
Der Autozulieferer Continental verbuchte 2008 einen Rekordverlust von 1,12 Milliarden Euro, hauptsächlich wegen Goodwill-Abschreibungen auf die zugekaufte Tochter VDO. Das drückte auch auf das Eigenkapital, das um 20 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro schrumpfte. Mit seinen Zahlen enttäuschte Conti durch die Bank die Erwartungen der Analysten. Diese sehen auch für das Jahr 2009 größtenteils schwarz. Trotzdem legte der MDax-Titel 0,3 Prozent zu.

Freenet profitiert von Debitel-Übernahme
Im TecDax belegte die Freenet-Aktie mit einem Kursplus von 4,2 Prozent den zweiten Platz. Die Übernahme des Konkurrenten Debitel scheint sich für die Telekommunikationsgesellschaft zumindest unter dem Strich auszuzahlen. Im abgelaufenen Jahr konnte das Büdelsdorfer Unternehmen Umsatz und Ergebnis deutlich steigern. Operativ ging das Geschäft auf dem hart umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt allerdings trotz Debitel weiter zurück.

Solarfirmen mit Rekordgewinnen
Die im TecDax notierten Solartechnikfirmen SMA Solar, Aleo Solar und Centrotherm haben 2008 Rekordgewinne verbucht. Börsenneuling SMA, ein Hersteller von Wechselrichtern für Solaranlagen, erzielte mit einem Plus von 170 Prozent auf 160 Millionen Euro gar das höchste Ergebnis vor Zinsen und Steuern in seiner knapp 30-jährigen Firmengeschichte. Die Aktionäre sollen daran mit einer Dividende von 1,00 Euro beteiligt werden. SMA-Aktien verteuerten sich um 3,0 Prozent.

Elexis und Dürr an SDax-Spitze
Das Maschinenbauunternehmen Elexis hat 2008 beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) annähernd den Rekordwert des Vorjahres erreicht. Das Management zeigte sich überzeugt, die Krise zu meistern. Anleger honorierten das mit einem Kursplus von 4,7 Prozent. Die Dürr-Aktie legte gar 5,9 Prozent zu - und das obwohl der Anlagenbauer wegen der Autokrise mit Einbrüchen beim Auftragseingang kämpft und mehrere hundert Beschäftigte in Kurzarbeit schicken muss. Dagegen kam der Dividendenvorschlag von 70 Cent je Aktie an der Börse gut an.

Luxus geht nicht immer
Die weltweite Rezession zieht auch die einst als krisensicher geltenden Luxusmarken mit in den Keller. Der französische Einzelhandels- und Luxusgüterkonzern PPR, zu dem auch der deutsche Sportartikel-Hersteller Puma gehört, wappnet sich für ein schwieriges Jahr 2009. PPR kündigte Kostensenkungen an, einen konkreten Ausblick auf das laufende Jahr blieb der Konzern schuldig. PPR-Aktien zogen in Paris dennoch um 7,3 Prozent an.

"Anschleichtaktiken" in der Kritik
Der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI) fordert vom Gesetzgeber schärfere Meldepflichten bei Aktiengeschäften im Terminmarktbereich. Hintergrund ist, dass es im Oktober durch die Anschleich-Taktik des Sportwagenbauers Porsche zu einer derart starken Verknappung von VW-Stammaktien kam, dass deren Kurs zeitweise auf über 1.000 Euro je Anteilsschein nach oben schnellte. Statt der gemeldeten 38 Prozent Streubesitz waren nämlich tatsächlich nur weniger als sechs Prozent der Aktien im Umlauf.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)