Marktbericht 20 Uhr

Dax - Die Knalleffekte waren anderswo Wie weit trägt die EZB-Kraft noch?

Stand: 15.04.2015, 20:00 Uhr

Die EZB bleibt auf dem Gaspedal. Eigentlich ganz nach dem Geschmack der Aktionäre. Doch schaffte der Dax nur ein langweiliges plus/minus Null. Die Knalleffekte gab's anderswo, aufm Platz und auf der EZB-Bühne.

Die Fußballwelt lieferte heute den ganz großen Knaller. BVB-Trainer Jürgen Klopp schmeißt seinen Job hin. Er bleibt nur noch bis Juni beim Fußball-Bundesligisten. Diese Kunde schlug Wellen bis an die Börse. Klopps Weggang ist so gar nicht nach dem Geschmack der BVB-Aktionäre, sie warfen den BVB aus dem Depot, was der Aktie Verluste bescherte.

Aktivistin auf der EZB-Bühne

Aber auch die EZB-Pressekonferenz blieb heute nicht ohne Knalleffekte. Nicht so sehr wegen Notenbank-Chef Mario Draghi, der wie erwartet beteuerte, die EZB mache mit ihrem Anleihekaufprogramm weiter bis zum Schluss. Knalleffekte lieferte vielmehr der bühnenreife Auftritt einer Femen-Aktivistin. Sie sprang gleich zu Beginn der Veranstaltung auf Draghis Pult, bewarf ihn mit Konfetti und rief: "Stoppt die EZB-Diktatur".

Wenig Drama von Draghi

So viel Drama konnte EZB-Chef Mario Draghi nicht bieten. Vergleichsweise zahm sagte er: "Unser Fokus wird auf der vollen Umsetzung unserer Maßnahmen liegen." Damit beendete er das Gerede, die EZB könnte das Anleihekaufprogramm vorzeitig beenden. Eigentlich stünde einer Fortsetzung der Dax-Rally nichts im Wege. Doch Draghis frohe Kunde ließ die Börse heute kalt. Anleger hatten nichts anderes von der EZB erwartet. So hielt der Dax seine Gewinne zunächst, zumindest bis kurz vor Schluss, bis an der Wall Street die Gewinne bröckelten. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex nahezu unverändert mit vier Punkten Tagesgewinn beim Stand von 12.231,34 aus dem Xetra-Handel. Beim L-Dax tat sich kaum noch was, er sank bis auf 12.223 Punkte.

Rücksetzer von der Wall Street

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 19.00 Uhr

Der deutsche Leitindex habe am späten Nachmittag wie ein Seismograph auf die bröckelnden Gewinne an den US-Börsen reagiert, sagte ein Marktbeobachter. Nachdem sich der Dax seit Jahresbeginn von der Entwicklung der US-Börsen abgekoppelt und deutlich zugelegt hatte, richtet er sich nun wieder verstärkt nach den Kursentwicklungen in den USA, hieß es. Die just gestartete Berichtssaison sei ein wesentlicher Grund dafür.

Chinas Motor läuft langsamer

Molltöne steuerte China bei. Der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft stottert: Im ersten Quartal des Jahres wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft nur noch um 7,0 Prozent - klingt viel, ist aber so wenig wie seit der Weltwirtschaftskrise vor sechs Jahren nicht mehr.

Das Auf und Ab des Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zwischenzeitlich gab ein neuer neue Schwächeanfall des Euro den Aktien Kraft, der bis auf 1,0571 Dollar abrutschte. Doch dann erholte er sich wieder um mehr als einen Cent, kletterte auf 1,0700 Dollar. Schwächere US-Konjunkturdaten bremsten den Dollar aus, so der Empire-State-Index und die kräftig gedrosselte Produktion der US-Firmen.

Spätere Zinswende nicht ausgeschlossen

Das passt zu der jüngsten Serie schwächerer Konjunkturdaten und wird von Aktionären momentan ganz gern gesehen. Denn dann lässt sich die amerikanische Notenbank Fed bei der bevorstehenden Zinsanhebung eher noch etwas Zeit - gut für die Unternehmensgewinne. Die veröffentlichte am Abend noch ihr Beige Book, den Konjunkturbericht. Darin beschreibt sie die zunehmende wirtschaftliche Aktivität in den meisten Regionen. Trotz Schwächen in der Industrie bleibe die US-Wirtschaft auf Wachstumskurs.

Präsidentschaftszyklus: Wonnemonat April

Die Saisonalität an der Wall Street – Stichwort: US-Präsidentschaftszyklus – lässt ebenfalls auf weiter steigende Kurse hoffen. Der April ist in Vorwahljahren für gewöhnlich ein guter Börsenmonat. Bislang blieben allerdings den großen Indizes in den USA, nicht nur dem Dow Jones, sondern auch dem breiten NYSE und dem Nasdaq Composite, Ausbrüche nach oben verwehrt.

Thyssen verhandelt über VDM-Verkauf

Im Dax gehörten ThyssenKrupp mit mehr als zwei Prozent Kursplus zu den Top-Gewinneraktien. Deutschlands größter Stahlkocher bekam Schützenhilfe vom Branchenzweiten. Das Salzgitter-Management sprach am Rande der Hannover Messe von einem besser als erwarteten ersten Quartal, wenn es auch nicht für eine Prognoseanhebung reiche. Der im MDax notierten Salzgitter-Aktie reichte es aber für ein Kursplus von drei Prozent.

Eine Neuigkeit steuerte auch ThyssenKrupp bei: Möglicherweise wurde ein Käufer für die Edelstahltochter VDM gefunden. Noch wiegelt der Betriebsrat aber ab: Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Conti und Infineon fremdgesteuert

Continental waren ebenfalls recht gefragt. Auftrieb gab laut Händlern der französische Wettbewerber Michelin, der von einer wachsenden Nachfrage im Ersatzreifengeschäft in Europa gesprochen hatte.

Anleger verabschiedeten sich von Aktien des Halbleiterherstellers Infineon nach den am Vorabend veröffentlichten Geschäftszahlen des großen Chipkonzerns Intel. Bei Intel stagniert der Umsatz wegen des schwachen PC-Marktes.

Daimler top

Daimler preschte ins vordere Gewinnerfeld vor. Eine Branchenstudie der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas sorgte zwar insgesamt für Aufruhr im Sektor, doch kommt Daimler dabei am besten weg: Die Stuttgarter dürften den stärksten Quartalsbericht unter den Autobauern vorlegen, glaubt Analyst Stuart Pearson. Er schraubte das Kursziel von 92 auf 96 Euro in die Höhe, blieb aber bei seiner "Neutral"-Empfehlung.

VW-Aktie verliert im Machtpoker

BMW schafft es ebenfalls auf die Dax-Gewinnerseite. Nicht so VW. Der Machtkampf gefällt nicht jedem Investor, Großaktionär Katar äußerte sich abfällig über den Alleingang von VW-Patriarch Ferdinand Piëch und sein Abrücken von Konzernchef Winterkorn. Derweil hält Betriebsratschef Bernd Osterloh unbeirrt an seinem Unterstützungskurs für Winterkorn fest.

Deutsche Post: Keine Einigung in Sicht

Die Deutsche Post hinkte dem Markt hinterher. Eine weitere Welle von Warnstreiks ist im Anmarsch, wie die Gewerkschaft Verdi ankündigte. Im Tarifstreit um eine kürzere Arbeitszeit ist keine Lösung in Sicht.

Stratec und Sartorius mit Analysten-Bonus

Mit Abstand größte Gewinner im technologieorientierten TecDax waren die Aktien von Sartorius und Stratec Biomedical. Bei Stratec hilft eine Heraufstufung durch die HSBC von "Underweight" auf "Hold". Bei Sartorius ist es die erneuerte Kaufempfehlung seitens der Commerzbank.

Drillisch übernimmt Phone House Deutschland

Unter die TecDax-Verlierer misschte sich Drillisch: Anleger goutierten nicht, dass der Mobilfunkanbeiter die Übernahme des Mobilfunkhändlers Phone House Deutschland zum Teil mit neuen Drillisch-Aktien bezahlt.

Annington drängt Gagfah-Aktionäre

Die Deutsche Annington zieht für die Erlangung der verbliebenen Gagfah-Aktien alle Register. So will die Notierung dieser Papiere an der Börse eingestellen. Zugleich verlängerte Annington die Frist, bis zu der die restlichen Anteilseigner ihre Gagfah-Papiere dem Konzern noch verkaufen können, bis zum 10. Mai. Und entgegen früherer Aussagen will man auf der Hauptversammlung am 17. April nun doch der Dividendenzahlung zustimmen.

Axel Springer: Vorsicht, Dividendenabschlag!

Mit Abstand größter Verlierer im MDax war die Aktie von Axel Springer. Dabei war ein Großteil der Verluste einem Dividendenabschlag geschuldet. Der Medienkonzern schüttet 1,80 Euro je Anteil an seine Aktionäre aus.

Nokia bietet Alcatel-Lucent nichts Bares

Die Aktie von Alcatel-Lucent gibt heute ihre gesamten Vortagesgewinne wieder ab und notiert zweistellig im Minus. Heute hat Nokia sein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Demnach bietet Nokia 0,55 eigene neue Aktien für eine Alcatel-Lucent - nichts Bares.

EU eskaliert Streit mit Google

Die EU-Kommission wirft Google Behinderung der Konkurrenz vor und droht dem US-Konzern mit einer Milliardenstrafe. Ein mögliches Bußgeld am Ende des Wettbewerbsverfahrens könnte aktuell bis zu 6,6 Milliarden Euro betragen.

Nestlé will Tiefkühlkost-Tochter losschlagen

Nestlé steht vor dem Verkauf der Tochtergesellschaft Davigel. Der Schweizer Lebensmittelriese führt exklusive Verhandlungen mit der Brakes Gruppe zur Veräußerung der Tiefkühlkostfirma.

Danone macht mit Babynahrung gute Geschäfte

Der weltgrößte Joghurthersteller Danone hat im ersten Quartal von besseren Geschäften mit Babynahrung in Asien profitiert. Insgesamt zog der Umsatz des Lebensmittelkonzerns um 8 Prozent auf 5,47 Milliarden Euro an. Dahinter stecken vor allem höhere Preise, der Absatz ging hingegen leicht zurück.

Holcim-Schlüsselaktionär stellt sich hinter Lafarge-Fusion

Der Zementkonzern Holcim erhält bei der geplanten Fusion mit dem Konkurrenten Lafarge voraussichtlich Unterstützung von einem Schlüsselaktionär. "Wir tendieren dazu, den Holcim-Lafarge-Deal zu unterstützen", sagte der Anlagechef des Fondshauses Harris Associates, David Herro, der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Harris ist der drittgrößte Aktionär von Holcim.

Guter Start für Chipzulieferer ASML

Europas größter Chipzulieferer ASML ist dank einer hohen Nachfrage von Speicherchipherstellern wie erwartet gut in das laufende Jahr gestartet. Der Umsatz kletterte im ersten Quartal im Vergleich zum letzten Viertel des Jahres 2014 um zehn Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Die operative Marge lag mit 47,2 Prozent über dem Vorquartal (44 Prozent).

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)