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Detlev Landmesser

Stand: 21.08.2008, 20:24 Uhr

Der Ölpreis steigt wieder, und der Abschreibungsreigen setzt sich fort. Dennoch stabilisierten sich die US-Börsen am Abend ein wenig. In Deutschland gab es einen Schlussstrich unter zwei Hängepartien - die um Conti und die IKB.

Angesichts leichter Erholungstendenzen an der Wall Street ging der L-Dax nur noch 0,7 Prozent tiefer bei 6.252,12 Punkten aus dem Handel, nachdem der Leitindex im Tagesverlauf bis zu 1,6 Prozent eingebüßt hatte.

Am Abend kostete ein Barrel leichtes US-Öl zur Auslieferung im Oktober mit 120,30 Dollar fast fünf Dollar mehr als am Mittwoch. Händler begründeten dies mit einer Gegenreaktion auf den jüngsten Preisverfall, geopolitische Unsicherheiten und befürchtete Fördermengenkürzungen der Opec. Auch die jüngste Schwäche des Dollar sorge für Rückenwind.

Von der amerikanischen Konjunktur kamen gemischte Signale. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank in der abgelaufenen Woche nicht so stark wie erwartet. Der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia kletterte minus 16,3 Punkten im Vormonat auf minus 12,7 Zähler, was über den Erwartungen lag. Der Index der Frühindikatoren sank im Juli zum Vormonat um 0,7 Prozent, was wiederum deutlich schlechter als erwartet war. Der Juni-Wert wurde allerdings von minus 0,1 Prozent auf plusminus Null revidiert.

Die weiterhin schwachen US-Daten sollten die Erwartungen einer Zinserhöhung der US-Notenbank tendenziell verdrängen, meinten die Analysten der Helaba. Schon jetzt gehe die Mehrheit der Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed frühestens im ersten Quartal 2009 die erste Zinserhöhung vornehmen werde. Das rief auch den Euro wieder auf den Plan. Die Gemeinschaftswährung legte bis zum Abend um über einen US-Cent auf Kurse um 1,4870 Dollar zu.

Abschreibungsreigen geht weiter

An der Wall Street wurde neben dem Ölpreis vor allem die Finanzkrise als Belastungsfaktor angeführt. Nach wie vor geht die Sorge um, dass die US-Banken weitere milliardenschwere Abschreibungen auf ihre Kredit- beziehungsweise Wertpapierbestände vornehmen müssen. Neu ist die Sorge zwar nicht, aber die Probleme der Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac haben den Ernst der Lage noch einmal ins Bewusstsein der Mehrheit gerückt. Der US-Investmentbank Lehman Brothers sagen die Analysten der Citigroup für das laufende Quartal Abschreibungen von 2,9 Milliarden Dollar voraus.

Conti und Schaeffler einig
Einer der vier Dax-Gewinner war die Aktie von Continental, die mit 73,80 Euro aber noch unter dem neuen Angebotspreis von 75 Euro notierte, den das Familienunternehmen Schaeffler angekündigt hat. In der Nacht hatten sich Conti und Schaeffler auf eine weitreichende Vereinbarung geeinigt. Danach soll Schaeffler für eine Dauer von vier Jahren eine Minderheitsbeteiligung von 49,99 Prozent an Conti nicht überschreiten und sich nicht in unternehmerische Entscheidungen bei Conti einmischen. Alle angedienten Aktien würden übernommen, bestätigte ein Schaeffler-Sprecher gegenüber boerse.ARD.de. Kommt Schaeffler mit den angedienten Aktien auf mehr als 49,99 Prozent an Conti, kann es die überzähligen Aktien wieder verkaufen.

UBS mag Merck
Bester Dax-Titel war Merck. Bei dem Darmstädter Pharmakonzern machte sich eine Kaufempfehlung der UBS kurstreibend bemerkbar. Die Analysten setzten ihr Kursziel für die Aktie auf 100 Euro.

Spin-off bei Daimler?
Die Daimler-Aktie wurde von einem Bericht des "Manager-Magazins" gestützt, wonach die Nutzfahrzeug-Sparte an die Börse gebracht werden soll. Zudem wolle Daimler-Chef Dieter Zetsche sein Sparprogramm ausweiten und weitere Stellen streichen. Der Autokonzern dementierte den Bericht.

RWE in der Gerüchteküche
Auch die RWE-Aktie hielt sich besser als der Markt. "Es gibt das Gerücht, dass EDF den Anteil an EnBW verkaufen will, um dann für RWE zu bieten", berichtete ein Händler. Von EDF war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Eine "mit der Situation vertraute Person" sagte zu Reuters, diese Spekulationen seien völlig aus der Luft gegriffen.

MLP wehrt sich
Der Finanzdienstleister MLP wehrt sich mit einer Kapitalerhöhung gegen eine Übernahme des Konkurrenten Swiss Life. MLP beschloss eine Erhöhung des Grundkapitals um knapp zehn Prozent, teilte das MDax-Unternehmen am Nachmittag mit. Die neuen Aktien werden von den Produktpartnern Allianz, Axa und HBOS unter Ausschluss der Bezugsrechte übernommen. "Damit bleibt unser unabhängiges Geschäftsmodell gesichert", sagte ein MLP-Sprecher. "Eine feindliche Übernahme ist dadurch faktisch ausgeschlossen." Die Schweizer Versicherungsgesellschaft Swiss Life hatte kürzlich überraschend 26,75 Prozent an MLP gekauft. Durch die Kapitalerhöhung wird dieser Anteil verwässert und sinkt unter die Sperrminorität von 25 Prozent.

KfW ist IKB los
Die Einigung über den Verkauf des Mittelstandsfinanzierers IKB durch die staatliche KfW an den US-Investor Lone Star ließ die IKB-Aktie um 7,8 Prozent steigen. Zwischenzeitlich hob der SDax-Titel sogar um bis zu 25 Prozent ab. Anleger spekulierten nach Händlerangaben offenbar darauf, dass Lone Star seinen Anteil von derzeit 90,8 Prozent weiter erhöhen könnte. Über den Verkaufspreis machte die KfW keine Angaben. Nach Informationen aus so genannten Kreisen liegt dieser bei rund 100 Millionen Euro - deutlich weniger als die zunächst angestrebten 800 Millionen.

Arcandor auf Rekordtief
Am MDax-Ende lag die Aktie von Arcandor mit einem Minus von 9,7 Prozent. Händler verwiesen auf mehrere Belastungsfaktoren. Zum einen habe sich mit Unterschreiten der Marke von 6,00 Euro der Verkaufsdruck durch chartorientierte Anleger verstärkt. Zudem wirkten Sorgen vom Vortag nach, dass der Handels- und Reisekonzern seinen Platz in dem marktbreiten europäischen Index Stoxx600 verlieren könnte. Schließlich hieß es, dass Unternehmenschef Thomas Middelhoff derzeit auf Road Show sei und mit einigen Aussagen für etwas Irritation gesorgt haben könnte.

Nordex auf Wachstumskurs
Im TecDax fiel unter anderem Nordex mit kräftigen Gewinnen auf. Der Windkraftanlagenbauer hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr um deutliche 44 Prozent auf 466 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um ein Fünftel auf knapp 18 Millionen Euro. Für das laufende Jahr bekräftigte der Vorstand seine Geschäftsziele.

Arques aus der Mode
Im SDax brach die Aktie von Arques zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Die Beteiligungsgesellschaft hatte vor Börsenstart ihre Prognose für das operative Jahresergebnis von 275 auf 200 Millionen Euro gesenkt. Wegen Sonderabschreibungen ist Arques im zweiten Quartal in die Verlustzone gerutscht.

CTS Eventim stagniert
Die Aktie von CTS Eventim verlor knapp zwei Prozent. Der Ticketvermarkter hat im ersten Halbjahr einen Umsatz- und Ergebnisrückgang verbucht. Aufgrund einer geringeren Zahl selbst organisierter Konzertveranstaltungen sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um ein Zehntel auf 24,4 Millionen Euro geschrumpft, teilte das SDax-Unternehmen mit. Der Umsatz sei um gut zwei Prozent auf 209 Millionen Euro zurückgegangen.

TAG dämpft Ausblick
Über zwei Prozent gab die Aktie von TAG Tegernsee nach. Die Immobiliengesellschaft hat im zweiten Quartal zwar den Umsatz um 49 Prozent auf 51,1 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 6,7 Millionen Euro. Vor allem die Verkaufserlöse und das "erfolgreiche Vermietgeschäft" führte das Unternehmen als Gründe für die gute Geschäftsentwicklung an. Allerdings wurde das Gewinnziel für das Gesamtjahr deutlich zurückgenommen.

Gewinnwarnung von Petrotec
Die Aktie von Petrotec stand unter starkem Abgabedruck. Der Biodieselhersteller sieht sein Ergebnis von "Drohverlustrückstellungen für Ende 2007 geschlossene Biodiesel-Kontrakte" belastet und reduzierte seine Geschäftsprognose für 2008.

EM.Sport-Partner Highlight sehr ordentlich
Der Schweizer Medienkonzern Highlight Communications geht mit einem Gewinnsprung in die geplante Fusion mit der Münchner EM.Sport Media. Das Konzernergebnis sei im zweiten Quartal 2008 um mehr als zwei Drittel auf knapp neun Millionen Franken gestiegen, umgerechnet 5,5 Millionen Euro, teilte Highlight am Donnerstag mit. Der Umsatz legte von 90 auf 102 Millionen Franken zu.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier