Durchwachsene Wochenbilanz

Stand: 19.12.2008, 20:10 Uhr

Den Freitag beschloss der Dax, wie an drei weiteren Handelstagen in dieser Woche auch, mit einem Minus. Es hätte auch besser ausgehen können, doch der Dax verweigerte der Wall Street dieses Mal seine Gefolgschaft.

Während die Wall Street freundlich tendierte und die US-Automobilindustrie sich über einen 14,3 Milliarden Dollar-Kredit freuen darf, baute der Dax am Nachmittag seine Verluste aus und schloss mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 4.697 Punkten. Vor allem Industriewerte waren unter den Verlierern, K+S, Linde und die Autoaktien hatten am Freitag keinen guten Stand.

In den USA begrüßten die Anleger das Autorettungspaket. 14,3 Milliarden Dollar will die Regierung den beiden Autokonzernen Chrysler und General Motors sofort zur Verfügung stellen. Weitere vier Milliarden Dollar bekommen die Firmen im Februar. Bis März müssen sie sich restrukturieren und ihre "Zukunftsfähigkeit" unter Beweis stellen, ansonsten den Kredit zurückzahlen.

Ford, der dritte amerikanische Autokonzern, bekräftigte, man brauche keinen kurzfristigen Kredit zum Überleben.

Auf Wochensicht bleibt dem Dax ein winziges Plus. Eine Jahresendrally sieht anders aus.

EU genehmigt Continental-Übernahme
Am Freitag Abend teilte die EU-Kommission mit, dass sie die Übernahme des Reifenherstellers und Automobilzulieferers Continental durch Schaeffler ohne Auflagen genehmigt. Zweifel an dieser Genehmigung hatten die Aktie am Freitag zunächst acht Prozent ins Minus gedrückt, im späten Handel legte sich dann sieben Prozent.

K+S unter Druck
Die Aktie des Düngemittelunternehmens K+S, das erst jüngst in den Dax aufstieg und zuvor eine kometenhafte Kurskarriere im MDax hingelegt hatte, reagierte mit Kursabschlägen auf eine Gewinnwarnung des Konkurrenten und Weltmarktführers Potash. K+S-Aktien verloren 5,9 Prozent.

Gegen den Trend
SAP-Aktien legten zwei Prozent zu. Sie profitierten von der Bilanz des Konkurrenten Oracle, der im abgelaufenen Quartal zur Erleichterung der Aktionäre die Prognose genau getroffen hatte.

Die Immobilienbank Hypo Real Estate will angeblich rund ein Drittel ihrer rund 1.800 Stellen streichen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel. Der Konzern hat wegen der Finanzkrise milliardenschwere Verluste gemacht und erarbeitet derzeit ein auf Dauer angelegtes Geschäftsmodell. Der neue Vorstandschef Axel Wieandt hatte bereits angekündigt, dass es auch Entlassungen geben könnte. Die Aktie setzte sich mit einem Plus von 6,8 Prozent an die Dax-Spitze.

Kurzarbeit beim Stahlhersteller
Wegen der drastisch zurückgehenden Stahlnachfrage will der Dax-Stahlkonzern ThyssenKrupp flächendeckend Kurzarbeit einführen. Man bereite sich auf bis zu acht Monate Kurzarbeit vor, teilte ThyssenKrupp mit. Die Vereinbarung, die ThyssenKrupp mit dem Betriebsrat geschlossen hat, betreffe 20.000 der 41.000 Beschäftigten. Die Aktie schloss unverändert. Im MDax verlor die Aktie des Stahlkonzerns Salzgitter allerdings fast elf Prozent. Händler begründeten dies mit der schwachen Stahlkonjunktur.

MTU beteiligt sich an GE-Triebwerksparte
Das im MDax notierte Triebwerkunternehmen MTU Aero Engines hat einen Auftrag vom amerikanischen Konzern General Electric erhalten. MTU liefert Triebwerkszwischengehäuse für ein Triebwerk, das Boeing-Flugzeug 787 Dreamliner sowie einigen Versionen des Jumbo-Jets 747 eingesetzt werden soll. Der Auftrag läuft nach Angaben von MTU über 40 bis 50 Jahre und hat einen Gesamtvolumen von elf Milliarden Euro. Die Aktie gewann 5,9 Prozent.

Stada warnt
Der Generikahersteller Stada hat nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes im Patentstreit um den Wirkstoff Olanzapin vor weniger Gewinn gewarnt. Stada muss nach dem Urteil den Betrieb von Olanzapin in Deutschland einstellen, der Konzerngewinn könnte daher möglicherweise nicht mehr das Vorjahresniveau von 105,1 Millionen Euro erreichen. Da der Wirkstoff nur begrenzte Bedeutung für den Gesamtumsatz habe, werde der Ausblick aber nicht wesentlich beeinträchtigt, teilte Stada weiter mit. Die Aktie verlor 6,4 Prozent.

Übernahmeziel Air Berlin?
19,8 Prozent gewann die Aktie der im SDax notierten Fluggesellschaft Air Berlin. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass die staatliche Etihad Airways aus den Vereinigten Arabischen Emiraten prüfe, bei Air Berlin einzusteigen. Analysten halten dies allerdings für unwahrscheinlich, da Air Berlin bei einer Komplettübernahme seine Luftverkehrsrechte in Deutschland verlieren würde.

TAG wird sparen
Die ebenfalls im SDax notierte Aktie des Immobilenunternehmens TAG gewann 5,4 Prozent. Wegen der Finanzkrise will die Firma bis Ende 2009 rund ein Drittel der Kosten einsparen. Boni sollten gestrichen, Strukturen gestrafft werden, sagte Konzernchef Andreas Ibel der Nachrichtenagentur Reuters. Zugleicht betonte Ibel, er halte an dem Ziel eines ausgeglichenen Vorsteuer-Gewinns für 2008 fest.

Balda hat bald einen neuen Chef
Balda-Aktien verhielten sich unauffällig. Wie das Elektronikunternehmen mitteilte, scheidet Vorstandschef Joachim Gut Ende des Jahres aus dem Unternehmen aus. Neuer Chef wird dann Dirk Eichenberger. Balda begründete den Personalwechsel mit der Neuausrichtung der Firma auf Kunststoff- und Elektronikprodukte.

Aurelius kauft Versandbuchhändler
Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat in Großbritannien hinzugekauft. Zum ersten Januar übernimmt die Firma den größten britischen Versandbuchhändler Book Club Associates. Im laufenden Jahr, teilte Aurelius mit, erwirtschaftete BCA einen Umsatz im "mittleren zweistelligen Millionenbereich". 2009 soll BCA nach den Wünschen von Aurelius nach verlustreichen Jahren wieder in die Gewinnzone kommen. Die Aurelius-Aktie gewann 0,6 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr