Marktbericht 20:02 Uhr

Ruhiger Wochenausklang für den Dax Durchatmen nach stürmischer Woche

Stand: 15.07.2016, 20:02 Uhr

Wer heute angesichts zahlreicher neuer Konjunkturdaten aus Amerika viel Bewegung an der Börse erwartet hatte, wurde enttäuscht. Daten gab es zwar genug, sie veränderten aber wenig. Die Krieger schienen müde, so dass sich der Dax letztlich kaum bewegte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.219,02
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Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 10.066 Punkten mit einem Mini-Minus von 0,01 Prozent fast auf Vortagesniveau. Der Index beendet damit eine Woche, die von weiterer Schadensbegrenzung nach dem Brexit-Schock gekennzeichnet war. Im Wochenvergleich stand ein Plus von fast genau 400 Punkten oder 4,5 Prozent auf der Anzeigetafel.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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3.368,56
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Im Tageshoch hatte der Index mit 10.098 einen Versuch unternommen, näher an das "Vor-Brexit-Niveau" von 10.257 Punkten zu kommen, war aber gescheitert. Im Tagestief rutschte er kurz unter die 10.000 Punkte-Marke bei 9.987 Zählern. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 legte im Wochenvergleich 4,3 Prozent auf 2,958 Punkte zu.

Eine Flut von US-Konjunkturdaten

Aus den USA kamen heute zahlreiche neue Konjunkturdaten, die aber trotz der Vielzahl der Informationen kein klares Bild über den Zustand der US-Wirtschaft boten und dementsprechend nicht wirklich für Impulse sorgten. Da hatte sich wohl so mancher Investor anderes erhofft, denn es war wirklich so Einiges, was da aus Amerika über die Ticker kam.

Etwa die besonders wichtigen Einzelhandelsumsätze im Juni, die mit plus 0,7 Prozent besser als erwartet ausfielen. Die Preisentwicklung auf der Ebene der Verbraucher stagnierte zwar bei 1,0 Prozent - die Kernrate aber, ohne Berücksichtigung des Ölpreisverfalls, liegt mit 2,3 Prozent schon deutlich höher.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Der Konjunkturindex für den Großraum New York, der Empire-State-Index, fiel derweil stärker zurück als erwartet. Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung für Juni lagen im weiteren Handelsverlauf über, das Juli-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan dann mit 89,5 Punkten überraschend wieder unter den Erwartungen.

Die starken Daten aus der Wirtschaft zum Ende des zweiten Quartals sind für Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba ein positives Konjunktursignal: "Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im Frühjahr deutlich schneller gewachsen sein als im Winter." Es hatte von Januar bis März aufs Jahr hochgerechnet um 1,1 Prozent zugelegt.

Die US-Notenbank hatte in ihrem jüngsten Konjunkturbericht ein ähnlich durchwachsenes Bild der Wirtschaft gezeichnet. Mit einer Zinserhöhung dürfte sie es daher weiterhin nicht eilig haben.

Wall Street im Schongang

Kein Tag derzeit ohne neues Rekordhoch an der Wall Street. Aber obwohl der Leitindex Dow Jones (bei 18.537 Punkten) sowie der breiter aufgestellte S&P-500-Index (bei 2.169,05 Punkten) ihre alten Rekordhochs in der Spitze knapp übertrafen, geht es heute insgesamt ruhiger zu an der Börse. Die beiden Indizes sind derzeit sogar leicht ins Minus gerutscht. Auch der Technologiebörse Nasdaq wird die Luft zunehmend dünner.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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7.950,04
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Die vielen Konjunkturdaten wurden aber überwiegend positiv aufgenommen. Vor allem die besseren Einzelhandelsumsätze und die gestiegene Industrieproduktion kamen gut an. Die amerikanische Konjunktur hängt stark von den Verbrauchern ab. Denn der private Konsum steht für rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Schwächere Daten wurden hingegen weniger beachtet. Besonders im Blick stehen Aktien von Fluggesellschaften, nach dem Terror-Anschlag von Nizza. Die Papiere tendieren nach anfänglichen Verlusten uneinheitlich.

Pfund im Aufwind, Euro

Dem britischen Pfund ist in der abgelaufenen Woche vor allem der reibungslose Regierungswechsel zugute gekommen. Die britische Währung tendiert aktuell um die Marke von 1,32 Dollar, in der Spitze lag der Kurs heute schon bei 1,3480 Dollar. Auch der unmittelbare Verzicht der Bank of England auf eine Zinssenkung half. Damit hat das Pfund in der abgelaufenen Woche bisher knapp drei Prozent wieder gut gemacht, nachdem es nach dem Brexit-Votum brutal abgestürzt war.

Allerdings erwarten Experten, dass das dicke Ende noch kommen wird. Die aktuelle Kursrally sei nur vorübergehend, warnte ein leitender Devisenhändler einer großen Bank. "Jeder geht davon aus, dass im Laufe des Jahres noch eine Menge schlechter Nachrichten kommen werden. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann der Kurs wieder fallen wird."

Auf die US-Konjunkturdaten reagierte der Euro mit Kursverlusten zum Dollar. Die Gemeinschaftswährung fällt aktuell unter die Marke von 1,11 Dollar, nachdem sie am Mittag noch bis auf 1,1149 Dollar geklettert war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei der Festlegung der täglichen Referenzkurse am Freitagnachmittag einen Wechselkurs von 1,1128 US-Dollar für den Euro errechnet. Auch zum japanischen Yen hat der Dollar wieder Boden gut gemacht

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Bayer bessert bei Monsanto nach

Bayer-Aktien legten heute zu, nach dem Paukenschlag vom Vorabend: Bayer stockte sein Übernahmeangebot für Monsanto noch einmal auf. Statt 122 US-Dollar will der Pharma- und Chemie-Konzern nun 125 Dollar pro Aktie zahlen. Bayer gibt sich überzeugt, dass Monsanto den Aufschlag wert ist. Doch Aktionäre und Analysten sind da skeptisch. Monsanto wehrte sich bislang noch gegen die Offerte, bandelte dafür sogar mit BASF an.

Katar nun größter Aktionär bei Deutscher Bank

Das Deutsche-Bank-Papier konnte seine anfänglichen Gewinne nicht behaupten und schloss bei 13,02 Euro fast unverändert. Zuvor hatte das Geldhaus bekannt gegeben, dass nach dem spektakulären Rücktritt von Georg Thoma aus dem Aufsichtsrat Ende Mai mit dem Juristen Stefan Simon nun ein Nachfolger bestimmt ist. Er will sich bei der nächsten Hauptversammlung im Mai 2017 den Aktionären offiziell zur Wahl stellen. Bis dahin wird Simon gerichtlich als Mitglied des Aufsichtsrats bestellt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,22
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Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Golfstaat Katar mit knapp zehn Prozent jetzt größter Einzelaktionär ist. Hinter dem Land steht die Herrscherfamilie Al-Thani, die der frühere Bankchef Anshu Jain 2014 ins Boot geholt hatte. Allerdings bei einem Aktienkurs von rund 30 Euro. Trotzdem hat Katar zuletzt still und leise über die Börse seinen Anteil ausgebaut, hieß es aus Insiderkreisen.

Autoaktien konnten nicht von den im Monatsvergleich um 6,9 Prozent gestiegenen Neuzulassungen in Europa profitieren und gaben nach. Der Branchenverband Acea berichtete über 1,46 Millionen Fahrzeuge, die neu auf den Straßen rollen. Bis auf Großbritannien legten alle großen europäischen Märkte zu. Der Marktanteil des Marktführers Volkswagen sank von 24,2 auf 23 Prozent. VW Vorzüge waren Tagesverlierer.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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151,10
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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56,32
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,54
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Covestro will Streubesitz erhöhen

Firmenchef Frank Lutz setzt bei MDax-Mitglied Covestro auf einen Ausstieg der Konzernmutter Bayer, die immer noch 64 Prozent an ihrer ehemaligen Kunststoffsparte hält. Der Leverkusener Konzern will sich mittelfristig komplett verabschieden, hat aber noch keinen Zeitpunkt genannt. Bayer hatte zuletzt erklärt, die geplante Monsanto-Übernahme habe nichts mit einem Verkauf von Covestro-Anteilen zu tun.

Covestro: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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70,58
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Lutz betonte das große Interesse seines Hauses an einem höheren Streubesitz. Institutionelle Investoren hätten gerne mehr Liquidität in der Aktie. Für das laufende Geschäft zeigte sich der Manager zuversichtlich. Die Abspaltung von Bayer und der Börsengang hätten sehr positive Auswirkungen gehabt.

Neue Frist für Kuka-Aktionäre

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Übernahmeangebot des chinesischen Midea-Konzerns an die Aktionäre des Roboterbauers Kuka läuft in der Nacht von Freitag zu Samstag um Mitternacht offiziell aus. Das Mindestziel von 30 Prozent der Kuka-Papiere ist weit übertroffen, am Donnerstag waren es schon über 76 Prozent. Unentschlossene Aktionären haben trotzdem noch Zeit - sie bekommen eine gesetzlich vorgeschriebene Nachfrist von zwei Wochen. Midea bietet pro Kuka-Papier 115 Euro.

Drägerwerk rappelt sich auf

Drägerwerk-Aktien schafften es an die TecDax-Spitze mit einem veritablen Plus von gut fünf Prozent. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller hat zwar über ein nur durchwachsenes zweites Quartal berichtet. Trotzdem war das Ergebnis besser als erwartet - und Dräger bestätigte seine Jahresprognose.

Eckdaten von Hypoport

Der Finanzdienstleister aus dem SDax gab am Nachmittag vorläufige Eckdaten für das erste Halbjahr bekannt. Dabei wurden Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahr weiter gesteigert. Die Erlöse lagen bei rund 73 Millionen Euro nach 67,5 Millionen im ersten Halbjahr 2015. Das Ebit wurde um 20 Prozent gesteigert (nach 9,1 Millionen Euro im Vorjahr). Das komplette Zahlenwerk folgt wie vorgesehen am 11. August. Die Aktie grenzte nach den Zahlen ihre anfänglichen Verluste ein und schloss nur noch leicht im Minus.

Swatch stürzen ab

Eine böse Überraschung hielt der Schweizer Uhrenhersteller Swatch parat: eine Gewinnwarnung. Die anhaltende Flaute in Hongkong und ein Rückgang der Verkäufe in Europa haben dem Uhrenkonzern das erste Halbjahr verhagelt. Die Swatch-Aktie stürzte um über sieben Prozent ab.

Tesla: Doch kein Aus für Europa

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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251,50
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Tesla muss wegen des tödlichen Unfalls mit einem selbstfahrenden PKW des Elektroauto-Herstellers vorerst nicht befürchten, dass der Autopilot-Funktion in Europa die Zulassung entzogen wird. Doch Aufklärung tut Not: Firmenchef Elon Musk soll vor einem Ausschuss des US-Senats erscheinen. In einem in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Brief verlangt Senator John Thune, der Vorsitzende des Ausschusses für Handel, Wissenschaft und Transport, von Tesla bis zum 29. Juli Informationen über Hintergründe des Unfalls.

Citigroup über Erwartungen, Wells Fargo ohne Überraschungen

Wegen geringerer Abschreibungen auf notleidende Kredite und niedrigeren Kosten hat die Citigroup Einnahmerückgägne von acht Prozent auf 17,55 Milliarden Dollar kompensieren können. Zwar ging der Gewinn absolut um 14 Prozent auf vier Milliarden Dollar zurück, Experten hatten aber noch mehr erwartet. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,24 Dollar klar über den Erwartungen von 1,10 Dollar.

Nicht ganz so prickelnd lief es bei Wells Fargo, die mit 1,01 Dollar je Aktie "nur" die Erwartungen trafen. Die eher klassisch aufgestellte Großbank aus San Francisco berichtete unter anderem über höhere Abschreibungen aus der Öl- und Gasbranche. Citi-aktien, die anfangs zulegten, sind mittlerweile im minus, Wells Fargo-Aktie geben deutlicher nach. Gestern hatte Platzhirsch JPMorgan Chase die Märkte mit einem guten Zahlenwerk entzückt.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"