Marktbericht 20:10

Krim-Krise drückt den Dax Dunkle Wolken ziehen auf

Stand: 13.03.2014, 20:10 Uhr

Da ist sie wieder, die Angst der Märkte vor einer Eskalation der Krim-Krise. Die Anleger ergreifen die Flucht und drücken den Dax im Späthandel sogar unter 9.000 Punkte.

Der L/E-Dax schloss bei 8.956 Zählern noch einmal deutlich unter dem Schlusskurs aus dem Xetra-Handel und fiel damit auch erstmals seit Ende Oktober unter die Marke von 9.000 Punkten.

Während des Xetra-Handels hatte der deutsche Leitindex 1,86 Prozent abgegeben und bei 9.017 Punkten auf einem neuen Jahrestiefstand geschlossen. Nachdem es lange Zeit nach einem richtungslosen Handelstag ausgesehen hatte, wurden die Karten am späten Nachmittag neu gemischt. Im Tageshoch hatte der Dax noch bei 9.226 Punkten gestanden und sich lange Zeit im Bereich um 9.200 Zähler bewegt.

Säbelrasseln um die Krim

Da sich eine diplomatische Lösung der Krim-Krise weiterhin nicht abzeichnet, verabschieden sich die Investoren scharenweise von ihren Positionen "In einem solchen Umfeld will kaum einer im Aktienmarkt engagiert sein", erklärte ein Händler. Auf der Halbinsel soll am Sonntag über einen Beitritt zu Russland abgestimmt werden, was angesichts der mehrheitlich russischen Bevölkerung wohl als ausgemachte Sache gelten darf. Zudem hat Russland heute Truppen an die ukrainische Grenze verlegt.

Belastend wirken sich zudem auch erneut schwache Konjunkturdaten aus China aus. Dort legte die Industrieproduktion in den beiden ersten Jahresmonaten lediglich um 8,6 Prozent zu, deutlich weniger als erwartet. Überwiegend positiv aufgenommene Unternehmensdaten traten angesichts der politischen Unwägbarkeiten in den Hintergrund.

Börse Moskau setzt Absturz fort

Die Krise um die Krim hat auch und vor allem an der Moskauer Börse verheerende Folgen. Der in US-Dollar berechnete RTS-Index fiel um weitere 1,77 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem September 2009. Der in Rubel notierte Micex verlor ebenfalls zwei Prozent und rutschte auf den niedrigsten Stand seit Mai 2012. Beide Indizes haben seit Monatsbeginn rund 14 Prozent verloren:

"Je stärker der Markt fällt, desto mehr Anleger müssen einfach verkaufen", sagte ein Händler. Außerdem fürchteten viele, dass US-Fonds sich aufgrund von Sanktionen aus dem russischen Kapitalmarkt zurückziehen müssen. Gleichzeitig senkten die Analysten von Goldman Sachs ihre Prognose für das russische Bruttoinlandsprodukt auf ein von drei Prozent.

US-Börsen ebenfalls im Rückwärtsgang

Nach einer freundlichen Eröffnung ist aktuell die Stimmung an der Wall Street ebenfalls gekippt. Der Dow-Jones-Index hat seine Verluste mittlerweile ausgeweitet und liegt gut 1,2 Prozent im Minus. Vor allem die Aussicht auf Sanktionen im Streit um die Ukraine beschäftigt die Investoren. "Da drohen wirtschaftliche Konsequenzen für Russland und andere Schwellenländer", sagte Brad McMillan vom Anlageberater Commonwealth Financial.

Auch die neuesten Konjunkturdaten, die besser als erwartet ausfielen, halfen nur zum Sitzungsbeginn. So lagen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 315.000 Neuanträgen deutlich unter den Erwartungen von 330.000 Anträgen. Auch der Einzelhandelsumsatz im Februar kam mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent wieder in Schwung. Experten hatten nur ein Plus von 0,2 Prozent prognostiziert. Primär wegen höherer Ölpreise lagen die Importpreise mit 0,9 Prozent ebenfalls höher als erwartet.

"Der negative Einfluss des strengen Winterwetters auf die Umsatztätigkeit scheint sich abzuschwächen. Insgesamt haben die Daten keinen maßgeblichen Einfluss auf die Erwartungen bezüglich der Fed-Politik. Vieles spricht dafür, dass auf der FOMC-Sitzung in der kommenden Woche das Volumen der monatlichen Anleihekäufe um weitere zehn Milliarden US-Dollar gekürzt wird", kommentierte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Euro fällt zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1734
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Die Gemeinschaftswährung hat ihren Höhenflug ebenfalls beendet und liegt aktuell unter der Marke von 1,39 Dollar. Zuvor hatte der Euro von den gesunkenen Erwartungen des Marktes auf eine lockerere EZB-Politik profitiert. Am Vormittag kostete er bis zu 1,3967 Dollar, so viel wie seit Oktober 2011 nicht mehr.

Autowerte machen Freude

Mit Volkswagen und BMW haben gleich zwei der Branchenvertreter im Dax mit positiven Zahlen und Ausblicken für Aufmerksamkeit gesorgt. Allerdings gaben alle Aktien nach dem Ausverkauf am Nachmittag ihre Kursgewinne wieder ab und schlossen ausnahmslos im Minus.

Volkswagen waren lange gesucht, nachdem das Management auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin einen positiven Blick in die Zukunft geworfen hat. VW will danach bereits in diesem Jahr die Marke von zehn Millionen verkauften Fahrzeugen erreichen.

Dia Aktie des bayerischen Motorenbauers aus München war nach den Geschäftszahlen für 2013 zunächst ebenfalls gefragt. Allerdings ging das Ergebnis im Kerngeschäft zurück, während BMW primär dank seiner Finanzdienstleistungen deutlich mehr verdiente.

Neues gab es auch vom Stuttgarter Autobauer Daimler, der ab sofort Carsharing für Fahrzeugflotten von Firmenkunden anbietet. Mit dieser Art von neuen Mobilitätskonzepten will Daimler-Chef Dieter Zetsche bis 2020 mindestens 800 Millionen Euro Umsatz machen und dabei eine Marge von zehn Prozent verdienen. Insgesamt will der Konzern sein Dienstleistungsangebot ausbauen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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144,50
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-0,11%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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79,42
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,29
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Lufthansa an der Dax-Spitze

Dax-Spitzenreiter aber blieb das Lufthansa-Papier, auch wenn es deutlich unter Tageshoch um 3,85 Prozent besser aus dem Markt ging. Die Anleger nahmen das jüngste Zahlenwerk der Fluglinie positiv auf, vor allem der über den Erwartungen liegende Dividendenvorschlag von 0,45 Euro kam gut an. Neben der Lufthansa-Aktie waren im Dax nur noch Commerzbank leicht im Plus.

K+S verlieren fast zehn Prozent

Ein schwarzer Tag war es hingegen für die Aktie des Düngemittel-Herstellers, die 9,87 Prozent einbüßte - und ungewöhnlich für einen Wert aus dem Leitindex Dax. "Mittelfristig" will K+S seine Gewinne zwar deutlich steigern, doch die kurzfristige Sicht der Dinge belastet. 2014 soll das operative Ergebnis "deutlich" unter dem Vorjahreswert liegen. Der Umsatz soll "moderat" zurückgehen.

Firmenchef Norbert Steiner verwies im Gespräch mit boerse.ARD.de vor allem auf die mittelfristig deutlich besseren Perspektiven des nordhessischen Unternehmens.

BASF-Tochter will massiv investieren

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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82,52
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Ebenfalls deutlich im Minus notierte die Aktie des Chemiekonzerns BASF als zweitschlechtester Indexwert. Dessen Öl- und Gas-Tochter Wintershall will in den kommenden vier Jahren rund vier Milliarden Euro in die Ausbeutung der fossilen Energieträger in Russland und Norwegen investieren. Wintershall hat 2013 einen Rekordgewinn von 1,8 Milliarden Euro eingefahren. Vielleicht zu wenig aus Sicht einiger Aktionäre.

Deutsche Bank ohne Dampf

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,27
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Finanzchef Stefan Krause hat sich auf einer Bankenkonferenz in Paris zurückhaltend zu den Aussichten der Bank im ersten Quartal geäußert. So habe das unsichere Marktumfeld vor allem das Investmentbanking belastet. Auch für das Gesamtjahr 2014 macht er den Anlegern wenig Hoffnung, denn ein Großteil des erwirtschafteten Geldes gehe "für die Sünden der Vergangenheit drauf", erklärte Krause. Die Bank hat hohe Rückstellungen für Rechtsrisiken gebildet.

Rhön Klinikum vor Milliardenausschüttung

Aktien von Rhön blieben im MDax bis zum Schluss gefragt. Der Klinik-Betreiber hat zwar einen rückläufigen Konzerngewinn auf 90 Millionen Euro für das Jahr 2013 bekanntgegeben, damit aber die Erwartungen der Analysten übertrumpft. Der Umsatz legte um 5,2 Prozent auf 3,01 Milliarden Euro zu. Wegen des Verkaufs eines Großteils seiner Kliniken an den Gesundheitskonzern Fresenius sollen Aktionäre eine Sonderausschüttung von 1,7 Milliarden Euro erhalten.

SAF überzeugt

Auch der Nutzfahrzeugzulieferer SAF Holland aus dem SDax legte zu. SAF plant 12,2 Millionen Euro an seine Aktionäre auszuschütten, das entspricht 0,27 Euro je Aktie. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 2013 mit 28,8 Millionen Euro nur geringfügig mehr als im Jahr zuvor. Der Umsatz sank leicht auf 857 Millionen Euro. SAF geht im laufenden Jahr von einer Belebung des Geschäfts aus. Die Aktie sprang um über vier Prozent an.

Tipp24 muss Millionen auszahlen

Der Lotteriebetreiber aus dem SDax gab am Abend bekannt, dass ein Spieler der Tochtergesellschaft MyLotto24 Ltd. einen Jackpot-Gewinn von 6,7 Millionen Euro erzielt hat. Damit liege die Auszahlungssumme im bisherigen Jahresverlauf bei 3,9 Millionen Euro und somit über dem statistischen Mittel, erklärte das Unternehmen.

Der daraus resultierende negative Umsatzeffekt könne aber im Jahresverlauf noch durch eine unterdurchschnittliche Gewinnentwicklung ausgeglichen werden. Tipp 24 will seine Jahresprognose wie bisher geplant am 26. März auf der Bilanzpressekonferenz abgeben.

Kürzt Gazprom die Dividende?

Der Chef des russischen Gasriesen hat davor gewarnt, dass das Unternehmen wegen unbezahlter Rechnungen der Ukraine die Dividende kürzen könne. Die Schulden des Landes würden bei 1,8 Milliarden Dollar liegen und jeden Monat weiter steigen. Er erklärte, man wolle verhindern, dass die Ukraine zahlungsunfähig wird.

Generali wieder dick in den schwarzen Zahlen

Der italienische Allianz-Konkurrent hat 2013 das beste Ergebnis seit sechs Jahren erreicht. Netto blieben 1,91 Milliarden Euro in den Büchern nach nur 94 Millionen Euro im Vorjahr. Die Dividende soll auf 0,45 Euro erhöht werden. Analysten hatten im Vorfeld allerdings rund 200 Millionen Euro mehr erwartet, was vor allem an den hohen Aufwendungen für Sturm- und Wasserschäden in Deutschland und Frankreich lag.

Jacobs macht Adecco Kasse

Aktien der Schweizer Zeitarbeitsfirma Adecco verloren am Donnerstag kräftig. Der Großaktionär, die Jacobs Group, hat seine Beteiligung von 18,4 auf 2,5 Prozent zurückgefahren. Die Aktien wurden zu 71,50 Franken platziert, der Erlös lag damit bei 2,2 Milliarden Franken für Jacobs.

GE plant milliardenschweren Börsengang

General Electric: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,17
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-1,06%

Der Siemens-Rivale General Electric will seine unter dem Namen Synchrony Financial bekannte Kreditkartensparte an die Börse bringen und sich damit mehr auf sein industrielles Kerngeschäft konzentrieren. Das Unternehmen könnte nach Angaben aus Bankkreisen mit 16 bis 18 Milliarden Dollar bewertet werden.

GE hatte bereits Ende des vergangenen Jahres erklärt, man wolle rund 20 Prozent an Investoren verkaufen. Synchrony Financial hat ein Volumen von 94 Milliarden Dollar, 2013 wurden zwei Milliarden Dollar verdient.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr