Dunkle Wolken über den Märkten

Stand: 23.05.2012, 20:00 Uhr

Die Furcht vor einem bevorstehenden Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und der Streit zwischen Berlin und Paris um gemeinsame Anleihen hat den Finanzmärkten in Europa und den USA am Mittwoch heftig zugesetzt.

Der Dax weitet im Tagesverlauf seine Verluste immer weiter aus und rutscht in der Spitze um 177 Punkte auf 6.258 Punkte ab. Danach kommt es zwar zu einer leichten Erholung, doch der deutsche Leitindex geht mit einem Verlust von 150 Punkten (-2,3 Prozent) bei 6.285 Zählern aus dem Handel. Von den 30 im Leitindex notierten Werten notieren alle außer Fresenius im Minus. Der Euro fällt sogar unter die Marke von 1,26 Dollar (1,257 Dollar) - den tiefsten Stand seit Sommer 2010.

Die Finanzmärkte kalkulierten jetzt mit einem Austritt Griechenlands, sagte ein Händler. Auch ein Ausscheiden anderer Länder aus der Euro-Zone, wie etwa Spanien, werde inzwischen von einigen Investoren nicht mehr ausgeschlossen und in den Kursen entsprechend eingepreist.

Krisenstäbe eingerichtet
Spekulationen zufolge arbeiten einige Euroländer bereits an Notfallplänen, um sich auf einen Abschied Griechenlands aus dem Euro vorzubereiten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) richtet einem Zeitungsbericht zufolge eigens einen Krisenstab ein.

Für Verunsicherung sorgt auch der Streit zwischen Deutschland und Frankreich um gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder. Staatspräsident François Hollande bekräftigte am Nachmittag seine Forderung nach sogenannten Eurobonds. Es gehe darum, dass alle Euro-Länder, die fleißig konsolidierten, zu günstigsten Konditionen Zugang zu Kapital erhielten, sagte Hollande nach einer Unterredung mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy in Paris. Dagegen bekräftigte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das "Nein" Deutschlands zu den von Frankreich geforderten Eurobonds.

Verluste auch an der Wall Street
Auch an der Wall Street kommt es am Mittwoch zu Kursverlusten. Der Grund sind die Schuldenkrise in Europa und Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index gut ein Prozent oder 132 Punkte tiefer als gestern bei 12.340 Zählern.

SAP kauft sich eine Wolke
Nach dem Ende der Berichtssaison sorgt hierzulande SAP für Aufmerksamkeit. Die Waldorfer kaufen erneut zu und wollen für 4,3 Milliarden Dollar die Handelsplattform Ariba übernehmen. Das Unternehmen fungiert als "Amazon für die Geschäftswelt", als Handelsplattform, auf der Unternehmen ihren Einkauf erledigen können. Damit greift SAP erheblich tiefer in die Tasche als der Konkurrent Oracle, der weniger als die Hälfte für seine zwei Cloud-Unternehmen gezahlt hat. Die Aktie von SAP gibt um knapp ein Prozent nach und hält sich damit besser als der Gesamtmarkt.

Carrefour stützt Metro
Ein positiver Analystenkommentar hat der Aktie des französischen Supermarktbetreibers Carrefour einen Schub gegeben und auch die Aktien des deutschen Rivalen Metro mitgezogen. Carrefour ziehen deutlich an. Metro gewannen zeitweise zwei Prozent, drehen aber bis zum Handelsschluss doch leicht ins Minus. Händlern zufolge profitiert Metro auch von den auf der heutigen Hauptversammlung vorgelegten Umsatzzahlen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,40
Differenz relativ
-0,67%

Fitch drückt ThyssenKrupp
Deutlich kräftiger abwärts geht es dagegen mit der Aktie von ThyssenKrupp. Sie ist der größte Verlierer im Dax. Die Ratingagentur Fitch senkte am Morgen den Ratingausblick des Unternehmens auf "negativ" von "stabil". Das Rating selbst beließ sie bei "BBB-". Fitch verwies darauf, dass die Marktbedingungen im westeuropäischen Flachstahlgeschäft weiter schwierig seien. Zugleich verharrten die Rohstoffpreise auf einem hohen Niveau. Die Chancen auf Margenverbesserungen in der Technologiesparte, darunter dem Aufzuggeschäft, blieben hingegen begrenzt.

Commerzbank frustriert Aktionäre
Zu den Verlierern im Dax gehört auch die Aktie der Commerzbank - sehr zum Ärger der Aktionäre. Seit Martin Blessing Deutschlands zweitgrößte Bank führt, sackte der Kurs um gut 90 Prozent ab und dümpelt seit Monaten unter zwei Euro. Allein im vergangenen Jahr büßte das Papier 70 Prozent ein und war damit schlechtester Wert im Dax. Aktionäre warfen Blessing und seinem Vorgänger Klaus-Peter Müller auf der heutigen HV vor, sie seien "Totalversager und die größten Kapitalvernichter in der deutschen Wirtschaftsgeschichte".

Triton mag Kontron
Die Titel von Kontron sind nach dem Einstieg eines Investors bei kräftig anziehenden Umsätzen an die TecDax-Spitze gesprungen. Die Anteile an dem Minicomputerhersteller verteuerten sich um acht Prozent. Die Beteiligungsgesellschaft Triton hatte 12,87 Prozent der Aktien der Kontron AG erworben. Händler sprachen von neuer Fantasie in dem Titel, denn Triton könnte seinen Anteil an Kontron weiter ausbauen.

Symrise ist dufte
Die Titel von Symrise sind der mit Abstand stärkste Wert im MDax. Börsianer begründen den Kurssprung von rund 4,5 Prozent mit Übernahmespekulationen um den Aromen- und Duftstoffhersteller. Die Börsenpublikation "Der Aktionärsbrief" hat den Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel als möglichen Bieter ins Gespräch gebracht. Ein Firmensprecher wollte das nicht kommentieren.

SMA und Pfeiffer mit Dividendenabschlag
Die größten Verlierer im TecDax sind die Aktien von SMA Solar und Pfeiffer Vacuum (je 1,30 Euro). Im SDax zahlen Wacker Neuson (0,50). Centrotec schütten 0,10 Euro aus.

SAF Holland-Aktie sinkt trotzdem
Zu massiven Gewinnmitnahmen kommt es bei der Aktie von SAF Holland aus dem SDax. Dabei hat der LKW-Zulieferer im ersten Quartal den Umsatz um sieben Prozent gesteigert. Ursprünglich hatte der Konzern aus dem fränkischen Bessenbach mit einem kräftigen Minus gerechnet. "Im zweiten Quartal setzt sich die gute Entwicklung fort", sagte Vorstandschef Detlef Borghardt der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir glauben, dass 2012 ein gutes Jahr wird."

Dell enttäuscht
Um fast dreizehn Prozent geht es nach enttäuschenden Quartalszahlen abwärts mit der Dell-Aktie. Kein Wunder, hat die Flaute am Computermarkt den PC-Hersteller doch hart erwischt. Umsatz und Gewinn blieben im vergangenen Quartal klar unter den Erwartungen, die Prognose ist mau.

Facebook-Aktie steigt wieder
Die Facebook-Aktie hat ihre rasante Talfahrt zumindest vorübergehend gestoppt. Im frühen New Yorker Handel legte das Papier um rund 3,5 Prozent auf 32,08 Dollar zu. Damit ergibt sich allerdings immer noch ein deutlicher Abschlag zum Ausgabekurs von 38 Dollar.

Mittlerweile gibt es angesichts der Kursverluste mehrere Klagen von Anlegern gegen Facebook selbst, gegen die Alteigentümer um Gründer Mark Zuckerberg, gegen die am Börsengang beteiligten Banken sowie gegen den Börsenbetreiber Nasdaq.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"