Marktbericht 20:06 Uhr

Hiobsbotschaften von Siemens und BASF Dunkle Wolken über dem Dax

Stand: 25.07.2013, 20:06 Uhr

Die deutsche Berichtssaison sorgt für lange Gesichter an der Börse. Mit pessimistischen Ausblicken haben am Donnerstag Siemens und BASF die Anleger aus dem Dax vertrieben. Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas konnte die Kurstalfahrt nicht verhindern.

Ziemlich widersprüchliche Signale kamen am Donnerstag aus der deutschen Wirtschaft. Zwar signalisierte der Ifo-Geschäftsklima-Index eine optimistische Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen. Doch in Teilen der deutschen Industrie teilt man diese Zuversicht nicht. Gleich zwei Dax-Schwergewichte - Siemens und BASF - gaben im Laufe des Tages mehr oder weniger verkappte Gewinnwarnungen heraus.

Dow verringert Verluste

Das zog den Dax nach unten. Der deutsche Leitindex gab fast ein Prozent nach und fiel auf unter 8.300 Punkten. Im späten Parketthandel gab es leichte Erholungstendenzen. Der L-Dax schloss bei fast 8.317 Punkten. An der Wall Street verrigerten sich die Verluste. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss nur noch 0,1 Prozent im Minus, die Nasdaq notierte gar leicht im Plus - dank überraschend guter Facebook-Zahlen.

Hohe Auftragsdynamik in den USA täuscht

Neue Konjunkturdaten aus den USA ließen die Anleger kalt. Die US-Industrie zog im Juni überraschend viele Aufträge an Land. Die Bestellungen von langlebigen Gütern zogen um über vier Prozent zum Vormonat an. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 1,3 Prozent erwartet. Allerdings sei die hohe Auftragsdynamik durch den Transportsektor überzeichnet gewesen, sagte Postbank-Volkswirt Thilo Heidrich.

Euro steigt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1729
Differenz relativ
+0,72%

Der Euro kletterte auf 1,3270 Dollar. Am Vormittag war die Gemeinschaftswährung noch bis 1,3166 Dollar abgerutscht. Der Goldpreis kam indes kaum vom Fleck. Das gelbe Edelmetall notierte am Abend bei 1.327 Dollar.

Flut von Zahlen aus den USA

Aus den USA legten am frühen Nachmittag mehrere Konzerne starke Zahlen vor. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Chartserie:

Deutsche Börse im Rahmen der Erwartungen

Größter Dax-Gewinner war mit einem Plus von 1,3 Prozent die Aktie von HeidelbergCement. Die Deutsche Börse konnte ebenfalls zulegen. Nach Xetra-Schluss veröffentlichte der Frankfurter Börsenbetreiber seine Zahlen. Zwar sprach Finanzchef Gregor Pottmeyer von leichten Verbesserungstendenzen. Der Überschuss sank jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut - um acht Prozent auf 171 Millionen Euro. Der Umsatz ging um zwei Prozent auf 497 Millionen Euro zurück. Das war etwas mehr als erwartet.

Die Infineon-Aktien drehten am späten Nachmittag ins Plus. Händler begründeten die Kursentwicklung damit, dass der Chip-Konzern einen Patentstreit gegen die frühere Speicherchipsparte Qimonda gewonnen habe.

Siemens kassiert Gewinnziel

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,80
Differenz relativ
-1,00%

Kräftig nach unten geprügelt wurde die Siemens-Aktie. Sie brach um rund sieben Prozent ein. Der Elektrokonzern geht wegen "geringerer Markterwartungen" nun nicht mehr davon aus, die 2014 angepeilte Ergebnismarge von mindestens zwölf Prozent zu schaffen. Siemens-Chef Peter Löscher wollte durch Stellenabbau und den Verkauf von wenig rentablen Sparten bis 2014 den Konzern eigentlich wieder vor die Konkurrenz bringen. In einer Woche veröffentlicht das Unternehmen seine Zahlen zum vergangenen Quartal.

BASF zweifelt an Jahresprognose

Die BASF-Aktie war zweitgrößter Dax-Verlierer und sackte um 4,5 Prozent ab. Der weltweit größte Chemiekonzern enttäuschte die Börse mit seinen Quartalszahlen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und Sondereinflüssen sank von April bis Juni überraschend um fünf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Konzernchef Kurt Bock zeigte sich skeptisch für das zweite Halbjahr. "Das Erreichen des Ergebnisziels ist heute deutlich anspruchsvoller als noch zu Jahresbeginn zu erwarten war", erklärte er. Dies fühle sich wie eine Gewinnwarnung an, meinte ein Händler.

Detroit-Pleite trifft Commerzbank

Unter den Dax-Verlieren befand sich mal wieder die Commerzbank. Dem Geldinstitut drohen neue Verluste, mutmaßte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Bank habe der bankrotten Stadt Detroit mehr als 400 Millionen Dollar geliehen. Ein Commerzbank-Sprecher bestätigte, dass die Tochtergesellschaft Eurohypo der Stadt Kredite gegeben habe. Davon sei ein Teil schon in den vergangenen Jahren angesichts des Niedergangs der Metropole abgeschrieben worden.

Axel Springer trennt sich von Traditionsblättern

Unter den Nebenwerten stand vor allem Axel Springer im Rampenlicht. Der Medienkonzern sorgte mit seinem Teilrückzug aus der Printpresse und der Konzentration auf digitale Medien für Jubel an der Börse. Die Aktien schossen um knapp 17 Prozent nach oben. Springer verkauft unter anderem die Berliner Morgenpost, das Hamburger Abendblatt und die "Hörzu" an die Funke Mediengruppe, die ehemalige WAZ Mediengruppe. Der Verkaufspreis liegt bei 920 Millionen Euro. "Das ist ein Hammerpreis", sagte ein Händler. Möglicherweise wird das Geld für die Übernahme von Scout 24 gebraucht. Springer will für die Internet-Anzeigengruppe bieten.

Wincor Nixdorf stellt mehr Dividende in Aussicht

Die Aktie von Wincor-Nixdorf gewann über vier Prozent. Beim Geldautomaten- und Kassensystem-Hersteller laufen die Geschäfte besser als gedacht. Das MDax-Mitglied hat seine Gesamtjahresprognose 2012/13 erneut angehoben. Die Westfalen rechnen mit einem Umsatzplus von fünf Prozent nach bisher zwei Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) soll 130 Millionen Euro erreichen. Zudem winkt eine höhere Dividende.

Krones hebt Prognose an

Auch Krones-Aktien waren im MDax gefragt. Sie stiegen um rund drei Prozent. Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller hat im zweiten Quartal von guten Geschäften in Schwellenländern profitiert und seine Gesamtjahresprognose angehoben. Das Unternehmen traut sich nun eine Vorsteuergewinnmarge von 5,8 bis 6,0 Prozent vom Umsatz zu. Bisher hatte Krones 5,5 Prozent angepeilt.

Software AG enttäuscht

Am TecDax-Ende rangierte die Aktie der Software AG mit deutlichen Verlusten. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller hat im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von acht Prozent erlitten - wegen der eingedampften Beratungssparte. Analysten hatten mit einem geringeren Minus gerechnet. Der wichtige Lizenzumsatz stagnierte. Das Darmstädter Unternehmen rechnet nun nur noch damit, die ausgegebenen Jahresziele am unteren Ende der jeweiligen Spannen zu erreichen. Dennoch bleibt Vorstandschef Karl-Heinz Streibich optimistisch. "Unsere Pipeline ist stärker als je zuvor", sagte er.

Aixtron verweigert Prognose

Der Chipanlagenbauer Aixtron hat auch im zweiten Quartal rote Zahlen geschrieben. Der Verlust lag bei 11,8 Millionen Euro. Die Auftragseingänge waren niedriger als gedacht. Es bleibe sehr schwierig abzuschätzen, wann und in welchem Maße eine Erholung der Auftragslage stattfinden werde, teilte Aixtron mit. Der Vorstand wollte daher keine genaue Gesamtjahresprognose wagen. Die Aktie stieg dennoch um 0,6 Prozent.

Max Bahr ist auch insolvent

Um gut zehn Prozent brachen erneut die Aktien der insolventen Baumarktkette Praktiker ein. Am Abend nach Xetra-Schluss reichte die Praktiker-Tochter Max Bahr Insolvenzantrag ein. Ein Warenkreditversicherer habe Lieferanten von Max Bahr nicht mehr unterstützt, hieß es als Begründung.

Milliardengewinn der Credit Suisse

Aus dem europäischen Ausland kam ebenfalls eine Zahlenflut. Die Schweizer Großbank Credit Suisse konnte ihren Gewinn im zweiten Quartal um ein Drittel auf 1,045 Milliarden Franken verbessern. Besonders im Investmentbanking lief es wieder prächtig. Anleger machten Kasse. Die Credit-Suisse-Aktie büßte über drei Prozent ein und war Schlusslicht im Schweizer Leitindex SMI.

Krebsmittel treibt Roche-Gewinn

Ein anderer Schweizer Konzern dagegen konnte die Anleger überzeugen. Der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche verdiente im ersten Halbjahr 2013 gut 40 Prozent mehr, nämlich über sechs Milliarden Franken. Der steigende Absatz von Krebsmitteln und der Konzernumbau machten sich bezahlt. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 23,3 Milliarden Franken. Die Roche-Aktie schloss etwas fester.

Unilever sieht Gegenwind

Der weltweit zweitgrößte Konsumgüterkonzern Unilever hat im zweiten Quartal ein um Sonderfaktoren bereinigtes Umsatzplus von fünf Prozent auf 13,3 Milliarden Euro erreicht. Der konjunkturelle Gegenwind in den aufstrebenden Wirtschaften habe Auswirkungen auf das Verhalten der Verbraucher, warnte der Konzern. Diese griffen nicht mehr so beherzt zu wie früher.

Bescheidene Zuwächse von LVMH und Kering

Aus Frankreich meldete der Luxuskonzern am Abend gemischte Zahlen. Zwar stieg der Umsatz mit Louis-Vuitton-Taschen, Moet-Champagner und Hennesy-Cognac im ersten Halbjahr um acht Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn stieg aber lediglich um knapp drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro - weniger als prognostiziert. LVMH-Konkurrent Kering musste sich ebenfalls mit geringen Zuwächsen begnügen. Das bereinigte operative Ergebnis stieg im ersten Halbjahr nur um 2,3 Prozent auf 843 Millionen Euro, der Umsatz erhöhte sich um 1,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Die Schwäche des Sportartikelherstellers Puma verdarb Kering die Bilanz.

Bremsspuren bei Michelin

Von der Wachstumsspur kam der Reigfenhersteller Michelin ab. Die Franzosen machten im zweiten Quartal weniger Umsatz und Gewinn. Die Michelin-Aktie sackte um über ein Prozent ab.

Telefonica schrumpft

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat auch im zweiten Quartal unter einem schwachen Heimatmarkt gelitten. Der Umsatz fiel um knapp sieben Prozent auf 14,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um neun Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Die Aktie gab nach.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr