Marktbericht 20:08 Uhr

Dow und Dax deutlich im Minus Dunkle Gewitter über den Börsen

Stand: 31.07.2014, 20:08 Uhr

Böses Ende eines verpatzten Börsenmonats: Eine Gewinnwarnung von Adidas, die Angst vor negativen Folgen der Sanktionen gegen Russland und die erneute Pleite Argentiniens haben die Börsen am Donnerstag auf Talfahrt geschickt.

Ist das die Korrektur, vor der viele Experten gewarnt hatten? Weltweit ging es an den Börsen zum Monatsende in die Tiefe. Der Dow büßte bis zwei Stunden vor Handelsschluss 1,3 Prozent ein. Der EuroStoxx50 rutschte um 1,7 Prozent auf 3.115 Punkten. Und der Dax sackte um 1,9 Prozent auf 9.407 Punkte ab. Das ist der größte Tagesverlust seit Anfang März.

Dax unter 200-Tage-Linie

Auf Monatssicht verlor der Dax rund vier Prozent. Anfang Juli hatte er noch die 10.000 Punkte-Marke überschritten. Und ein Ende der Abwärtsbewegung scheint nicht in Sicht. Denn die 200-Tage-Linie von 9.480 Punkten wurde am Donnerstag klar durchbrochen. Nun könnte die Korrektur voranschreiten, befürchten Experten.

Portugals Börse in Turbulenzen

Eine Reihe schlechter Nachrichten drückte am Donnerstag die Stimmung. Die zweite Argentinien-Pleite in 13 Jahren und die Turbulenzen um die portugiesische Bank Espirito Santo sorgten für Unruhe. Die angeschlagene portugiesische Bank Espirito Santo (BES) meldete einen Milliardenverlust im ersten Halbjahr. Die Aktien von BES brachen um 50 Prozent ein. Im Sog von BES sackte der Leitindex der portugiesischen Börse um fast fünf Prozent ab.

Zudem machten sich Sorgen um die Folgen der westlichen Sanktionen gegen Russland breit. Die Drohung Russlands, die Energiepreise anzuheben, könnte die Wirtschaft bremsen. Der Verband der Maschinenbauer VDMA senkte die Prognose.

Angst vor der Zinswende

Nach Ansicht von Jens Klatt, Chefanalyst von Daily FX, geht inzwischen die Angst vor der Zinswende um. Nach dem starken Anstieg des US-Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal um vier Prozent untermauerten die Daten zu den Arbeitslosenhilfen-Erstanträgen die gute Konjunkturlage in den USA. Sie stabilisierten sich bei 302.000. Allerdings trübte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der US-Region Chicago unerwartet deutlich ein. Der Indikator fiel von 62,6 Punkten im Juni auf 52,6 Zähler im Juli. Nun warten die Börsianer gespannt auf den Arbeitsmarktbericht für Juli am Freitagnachmittag.

Niedrigste Inflation in Europa seit 2009

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die niedrigste Inflation seit fast fünf Jahren nährte die Furcht vor einer Deflation in der Euro-Zone. Die Preise in der Währungsunion stiegen im Juli zum Vorjahresmonat nur noch um 0,4 Prozent. Der Euro rutschte auf unter 1,34 Dollar und notiert am Abend bei 1,3388 Dollar.

Adidas warnt

Anleger mussten sich mit einer Flut von Quartalszahlen im Dax und MDax beschäftigen. Diese fielen teilweise gar nicht erfreulich aus. Vor allem Adidas sorgte für einen absoluten Tiefschlag. Wegen Problemen in Russland und im Geschäft mit Golfausrüstung senkte der Sportartikler seine Jahresprognose. Die Aktien brachen um 15 Prozent ein und schlossen auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. "Das ist für viele eine Riesen-Enttäuschung – gerade nach der erfolgreichen Fußball-WM", meinte ein Händler. "Das färbt auch auf den Dax ab."

Streik drückt Lufthansa-Ergebnis

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ebenfalls ernüchternd fielen die Zahlen der Lufthansa aus. Der Pilotenstreik und sinkende Ticketerlöse haben der Airline die Bilanz verhagelt. Das operative Ergebnis ging im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 359 Millionen Euro zurück. Analysten hatten mehr erwartet. Die Lufthansa-Aktien purzelten um sieben Prozent nach unten.

Nur Fresenius-Familie im Plus

Einzig Fresenius konnte mit seiner Zahlen-Bilanz wirklich glänzen. Der Gesundheitskonzern hob seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Fresenius setzte von Januar bis Juni sieben Prozent mehr um. Der bereinigte Konzerngewinn stieg um ein Prozent auf 487 Millionen Euro zu. Auch die Zahlen der Fresenius-Tochter FMC (Fresenius Medical Care) kam gut an, obwohl der Überschuss im zweiten Quartal um elf Prozent auf 234 Millionen Dollar schrumpfte. Die Aktien von Fresenius und FMC waren die einzigen Gewinner im Dax.

Iliad bietet 15 Miulliarden für Telekom-Tochter

Am Abend standen die Deutsche Telekom und ihre US-Tochter T-Mobile US im Rampenlicht. Die französische Billig-Mobilfunker Iliad hat eine Gegenofferte zum Angebot von Sprint eingereicht. Die Franzosen wollen für 56 Prozent der Anteile gut 15 Milliarden Dollar bieten. Die Aktien von T-Mobile US schnellten um neun Prozent in die Höhe.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Sprint: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Licht und Schatten bei Siemens

Besser als das Marktumfeld entwickelten sich die Titel von Siemens, die nur 0,3 Prozent nachgaben. Der Elektro-Konzern hat im abgelaufenen Quartal vor allem dank gesunkener Sonderkosten mehr verdient. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft kletterte binnen Jahresfrist um gut ein Drittel auf 1,37 Milliarden Euro. Der Umsatz schrumpfte indes um vier Prozent auf 17,9 Milliarden Euro.

VW fährt auf Jahreskurs

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Erleichterung sorgten die Zahlen von VW. Zwar sank das Betriebsergebnis des Autobauers um über drei Prozent. An der Börse kam vor allem gut an, dass die Wolfsburger die Geschäftsziele für das laufende Jahr bekräftigten. Die VW-Aktien schlossen 0,7 Prozent tiefer.

Conti muss abbremsen

Knapp zwei Prozent verloren die Titel von Conti. Der Autozulieferer erfüllte mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte im Zeitraum von April bis Juni auf 1,0 Milliarden Euro. Der Umsatz schrumpfte wegen der Währungsturbulenzen in Schwellenländern leicht auf 8,5 Milliarden Euro.

Hugo Boss glänzt

Aus dem MDax ragte Hugo Boss mit einem Plus von 0,4 Prozent positiv heraus. Der Modekonzern hat im zweiten Quartal dank eines starken Geschäfts in Europa und eigenen Läden zugelegt. Der Umsatz zog um fünf Prozent auf 559 Millionen Euro an. Der Gewinn kletterte um 18 Prozent auf 62,8 Millionen Euro.

Hochtief macht mehr Gewinn

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief sieht sich nach einem Gewinnplus im zweiten Quartal auf Kurs zu seinem Jahresziel. Im zweiten Quartal stieg bei einem Umsatz von rund 6,6 Milliarden Euro das operative Ergebnis (Ebit) auf uf 220,8 Millionen Euro. Der Gewinn nach Minderheiten erhöhte sich auf 62,7 Millionen Euro. Die Aktien von Hochtief gaben leicht nach.

Gewinneinschwund bei Evonik

Drei Prozent im Minus schloss die Aktie von Evonik. Beim Spezialchemiekonzern legte der Umsatz im zweiten Quartal um ein Prozent auf knapp 3,25 Milliarden Euro zu. Der Gewinn sackte im Jahresvergleich wegen des gedrückten Preisniveaus im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 139 Millionen Euro ab.

ProSiebenSat.1 trotzt der WM-Konkurrenz

ProSiebenSat.1 hat im zweiten Quartal erneut von einem kräftigen Wachstum im Digitalgeschäft profitiert. Aber auch das klassische TV-Geschäft lief sehr gut - und das obwohl die Fußball-WM auf anderen Kanälen lief. Konzernweit kletterte der Umsatz um 10,6 Prozent auf 691,1 Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um knapp fünf Prozent auf 219,1 Millionen Euro zu. Dennoch büßte die Aktie fast drei Prozent ein.

Projektverzögerungen hemmen Dürr

In Ungnade fiel auch die Dürr-Aktie mit einem Minus von sechs Prozent. Verzögerungen bei einigen Projekten haben dem Autozulieferer im zweiten Quartal zu schaffen gemacht. Der Umsatz des Spezialisten für Lackieranlagen sank um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 522 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging um drei Prozent auf 45 Millionen Euro zurück.

Metro enttäuscht

Ähnlich groß war das Kurs-Minus bei Metro. Im Ende Juni abgelaufenen dritten Geschäftsquartal rutschte Metro wegen laufender Sparprogramme in mehreren Sparten in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 63 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 33 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz sackte angesichts des harten Preiskampfs und des starken Euro um 2,7 Prozent auf 14,9 Milliarden Euro ab.

Russland-Krise trifft DMG Mori Seki

MDax-Schlusslicht war DMG Mori Seiki mit einem Minus von fast elf Prozent. Schuld war die Prognose-Senkung des VDMA. An den Quartalszahlen gab's nicht viel auszusetzen. Der Werkzeugmaschinenbauer hat den Gewinn im zweiten Quartal um ein Drittel auf 26,6 Millionen Euro erhöht. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um knapp 23 Prozent auf 39,4 Millionen Euro zu.

PSI Opfer der Energiewende

Der im TecDax gelistete Softwarehersteller PSI hat im ersten Halbjahr unter der anhaltenden Flaute bei Industriesoftware gelitten. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 84,2 Millionen Euro. Der Gewinn sackte um 28 Prozent auf 1,2 Millionen Euro ab, weil ein Verkaufserlös aus einem Gemeinschaftsunternehmen wie vor einem Jahr diesmal nicht anfiel. Die Aktie rutschte um über zwei Prozent ab.

Nemetschek wächst weiter rasant

Der Softwarehersteller Nemetschek hat im zweiten Quartal von einem starken Geschäft in Deutschland und einer weiter florierenden Auslandsnachfrage profitiert. Der Umsatz des Herstellers von Planungssoftware für Architekten zog im zweiten Quartal um 14,6 Prozent auf 51,3 Millionen Euro an, wie das TecDax-Unternehmen mitteilte. Der Gewinn schnellte um 40,7 Prozent auf 6,9 Millionen Euro in die Höhe. Die Aktie verlor über ein Prozent.

Deutsche Annington profitiert von steigenden Mieten

Grölßter SDax-Gewinner war die Deutsche Annington mit einem Plus von 1,75 Prozent. Ein Anstieg bei den Mieten und sinkende Leerstandsquoten haben der Immobilienfirma im ersten Halbjahr Zuwächse im operativen Geschäft beschert. Deutschlands größte private Wohnungsgesellschaft steigerte ihr operatives Ergebnis (bereinigtes Ebitda) um fast sieben Prozent auf 258,4 Millionen Euro.

BNP schluckt DAB Bank

Die HypoVereinsbank hat einen Käufer für die Onlinetochter DAB Bank gefunden. Der Comdirect-Konkurrent soll an die französische Großbank BNP Paribas gehen. Diese bezahlt für den 81,4-prozentigen Anteil 354 Millionen Euro oder 4,78 Euro je Aktie, teilte die DAB Bank am Donnerstagabend mit. Die übrigen Aktionäre können jetzt auf ein Gebot für die übrigen Anteilseigner hoffen. Im späten Handel zogen die Aktien der DAB Bank an.

Takkt gerät etwas aus dem Takt

Die schwache Entwicklung in Europa und der starke Euro haben den im SDax gelisteten Büromöbel-Versandhändler Takkt im ersten Halbjahr gebremst. Der Umsatz stagnierte bei 471,3 Millionen Euro. Den Verkauf der Topdeq-Gesellschaften herausgerechnet verbuchte Takkt vor allem dank einer starken Entwicklung in Nordamerika ein Umsatzplus von 4,4 Prozent. Unterm Strich verdiente die Firma 33,5 Millionen Euro. Die Aktie schloss über vier Prozent tiefer.

Tipp24 bricht ein

Verlierer des Tages war Tipp24 mit einem Minus von rund 19 Prozent im SDax. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Demnach wehren sich die Staatslotterien gegen die wachsende Konkurrenz privater Glücksspielanbieter. Die Länder wollen den Banken schon bald Überweisungen deutscher Spieler an ausländische Internet-Anbieter wie Tipp24 verbieten, hieß es.

Größter Börsengang des Jahres

In den USA fand am Donnerstag der weltweit größte Börsengang des Jahres statt. General Elecvtric (GE) brachte seine Konsumkredit-Sparte unter dem Namen Synchrony Financial aufs New Yorker Parkett. Doch die Nachfrage war verhalten. Im Handel rutschte die Aktie unter ihren Ausgabepreis von 23 Dollar. Die neuen Aktien brachten nur 2,9 Milliarden Dollar ein. Ursprünglich waren 3,3 Milliarden Dollar geplant.

Zahlenflut aus dem Ausland

Aus dem Ausland meldeten ebenfalls eine Vielzahl von Konzernen ihre Quartalszahlen, darunter Samsung, Sanofi, Diageo und eine Vielzahl von Banken. Besonders Shell und Thomas Cook konnten überzeugen. Wir haben die Zahlenflut in einer Galerie zusammengefasst.

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