Marktbericht 20:00 Uhr

Dax sinkt unter 9.200 Punkte Dürftiger Dienstag für Investoren

Stand: 04.11.2014, 20:00 Uhr

Die Investoren nahmen lieber wieder Geld vom Tisch: Die Berichtssaison bot einige Entäuschungen, die Konjunktur in der Eurozone kommt einfach nicht in Schwung. Und zu allem Überfluss gaben Spekulationen über Zank in der EZB der ohnehin angeschlagenen Stimmung den Rest.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,9 Prozent auf 9.166,47 Punkte. Das Tagestief markierte er bei 9.148,78 Zählern. Bereits gestern war der Leitindex nach einer hübschen Gewinnserie von rund 1.000 Punkten mit einem Minus aus dem Handel gegangen. Derzeit deutet der Trend wieder abwärts: "Zu groß sei die Unsicherheit vor der EZB-Sitzung am Donnerstag und den Zahlen vom US-Arbeitsmarkt am Freitag, die Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinswende in den USA liefern könnten, sagten Marktteilnehmer.

Deutschland in Rezessionsgefahr

Zur unsicheren Stimmungslage passte die Meldung, wonach Deutschland nach der Herbstprognose der EU-Kommission in diesem Jahr am Rande der Rezession steht. In den 18 Euro-Ländern wird das Wachstum deutlich schwächer ausfallen als bisher erwartet. Der Internationale Währungsfonds warnte kürzlich sogar vor der Gefahr einer neuen globalen Wirtschaftskrise. "Die Weltwirtschaft ist mitten in einem Balanceakt", sagte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard.

In einer solchen Situation hätten starke Quartalszahlen dem Markt helfen können. Die Daten des Tages lieferten jedoch kaum wirklich positive Impulse. Die Investoren hatten sogar einige Prognosesenkungen zu verarbeiten. Schließlich missfiel den Anlegern ein Exklusivbericht der Nachrichtenagentur Reuters: Einige Notenbanker der EZB sollen weder mit der Politik noch mit dem Führungsstil des Präsidenten Mario Draghi einverstanden sein.

Konjunkturdaten und ein Blick auf das Öl

US-Konjunkturdaten waren auch keine Einladung zum Aktienkauf: Zum einen fiel das Handelsbilanzdefizit unerwartet hoch aus. Zum anderen sanken die Auftragseingänge der Industrie - auch wenn der Rückgang erwartet worden war. Helaba-Experte Johannes Jander bleibt optimistisch: "Per saldo ist die Entwicklung der Auftragslage im dritten Quartal, auch vor dem Hintergrund der volatilen Vormonate, aber noch als robust einzustufen. Insofern gibt es von dieser Seite keinen Anlass, das grundsätzlich positive Wachstumsszenario in Frage zu stellen."

Nicht nur der Aktienmarkt fällt zurück, auch der Ölpreis sinkt. Allerdings geht es am Ölmarkt schon seit längerem eindeutig abwärts. Händler nannten als jüngsten Grund die Entscheidung des größten Opec-Produzenten Saudi-Arabien, seine Verkaufspreise für US-Kunden zu senken. Der Dow Jones lag am Abend rund 0,2 Prozent im Plus. Der L-Dax gab um 0,9 Prozent auf 9198,91 Punkte nach.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,37
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+0,75%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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26.405,76
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+0,60%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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70,99
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+2,09%

Dividendenfantasie bei Conti

Die Continental-Aktie führte lange Zeit den Dax und ging noch mit leichten Gewinnen aus dem Handel. Der Autozulieferer hebt die Prognose für den Free Cash-Flow an. Statt bislang 1,5 Milliarden Euro stellte Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer nun mehr als 1,8 Milliarden Euro in Aussicht. Der Free Cash-Flow ist mit Blick auf die künftige Dividende neben dem Gewinn die wichtigste Kennziffer.

Deutsche Börse rettet sich ins Plus

Die Aktie der Deutschen Börse war gegen den Trend gefragt. Die kanadische Investmentbank RBC hat den Titel von "Underperform" auf "Sector Perform" herauf gestuft und das Kursziel auf 59 Euro erhöht. Der Börsenbetreiber profitiere von der gestiegenen Volatilität an den Märkten. Zudem lieferten weder die Bilanz noch die Dividende Anlass zur Sorge. Der neue Vorstandschef sollte neue Impulse geben. Gestern hatte der Konzern starke Handelsdaten für den Monat Oktober veröffentlicht.

Fresenius und FMC geben unterdurchscnittlich nach

Fresenius schützte die Vorlage einer unerwartet starken Quartalsbilanz vor stärkeren Kursverlusten. Die Aktie, die erst am vergangenen Freitag ein neues Allzeithoch markiert hatte und auf Jahressicht mit einem Plus von mehr als 30 Prozent der beste Dax-Wert ist, fand sich heute im Minus wieder.

Auch die Aktie von FMC verliert leicht. Der Gewinn des weltgrößten Dialysekonzerns ging im dritten Quartal überraschend um ein Prozent auf 271 Millionen Dollar zurück. Hintergrund des schlechten Abschneidens sind Kürzungen im US-Gesundheitssystem. Die FMC-Aktie ist auf Jahressicht der vierstärkste Dax-Wert.

BMW senkt Absatzprognose 2014

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,54
Differenz relativ
+1,05%

Die BMW-Aktie präsentierte sich nach Zahlen schwach. Die Münchner konnten im dritten Quartal zwar mit einem starken Kerngeschäft und einer Ebit-Marge von 9,4 Prozent punkten. Doch hohe Steuern und eine Abschreibung auf die Beteiligung an dem angeschlagenen Partner SGL minderten das Finanzergebnis erheblich. Der Überschuss lag mit 1,3 Milliarden Euro niedriger als vor einem Jahr. Außerdem schraubte BMW seine Absatzprognose für 2014 zurück.

Siemens baut weiter um

Siemens bereitet Insidern zufolge eine Ausgliederung der milliardenschweren Medizintechnik vor. Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch sollen die rechtlichen Rahmen für eine Verselbstständigung des ertragreichen Geschäftsfelds abgesteckt werden, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen zu Reuters. Dabei gehe es um die Gründung von einzelnen Landesgesellschaften, um regulatorische Startvoraussetzungen für einen eigenständigeren Unternehmensbereich Medizintechnik zu schaffen.

Hugo Boss enttäuscht mit Prognosesenkung

Im MDax rutschten Aktien von Hugo Boss ab, nachdem der Modekonzern "vor dem Hintergrund eines zunehmend herausfordernden konjunkturellen Umfelds und der zuletzt deutlich nachlassenden Branchendynamik in Europa" die Umsatz- und Ergebnisziele für das Jahr 2014 nach unten korrigiert hat. Besonders fies: Erst vor zwei Wochen hatte Hugo Boss noch Optimismus für 2015 verbreitet.

Wincor Nixdorf mit Analysten-Malus

Die Aktie von Wincor Nixdorf verliert kräftig. Die Schweizer Großbank UBS hat für den Titel ihre Kaufempfehlung gestrichen und stuft sie nun mit "Neutral" ein. Das Kursziel wurde von 52 auf 39 Euro deutlich gekappt. Die Hoffnung auf eine Erholung der Investitionen europäischer Banken sei derzeit eher Hoffnung denn Fakt, hieß es zur Begründung.

Pfeiffer Vacuum: Finanzchefin geht

Im TecDax war die Pfeiffer-Vacuum-Aktie nach Quartalszahlen der größte Verlierer. Vor allem der überraschende Weggang der Finanzchefin kommt an der Börse nicht gut an. Der Aufsichtsrat habe die 38-jährige Nathalie Benedikt abberufen, schrieb der Vorstand lapidar. Ein Sprecher nannte als Grund "interne Differenzen". Vorstandschef Manfred Bender werde ihre Aufgaben übernehmen.

Zooplus macht Hoffnung auf mehr

Im SDax schraubt der Online-Tierbedarf-Versandhändler Zooplus seine Prognose für die Gesamtleistung 2014 von mindestens 530 auf nunmehr mindestens 550 Millionen Euro nach oben. Beim Ebit erwartet Zooplus nun rund 8 Millionen Euro statt bisher rund 6 Millionen Euro.

Gesco senkt Ausblick

Im ersten Halbjahr steigerte Gesco nach vorläufigen Zahlen den Konzernumsatz auf 220,1 Millionen Euro von 217,8 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzernüberschuss des SDax-Unternehmens nach Anteilen Dritter sank von 8,6 Millionen auf 5,5 Millionen Euro. Die Beteiligungsgesellschaft senkt den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr: Der Vorstand geht nun von einem Konzernumsatz zwischen 455 Millionen und 460 Milllionen Euro aus. Bislang waren 470 Millionen Euro angepeilt. Beim Konzernjahresüberschuss nach Anteilen Dritter rechnet das Unternehmen nun mit 14,5 Millionen bis 15,0 Millionen Euro. Zuvor hatte die Zielmarke bei 17,5 Millionen Euro gelegen.

Wacker Neuson erobert SDax-Spitze

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson hat angesichts einer brummenden Herbstkonjunktur seine Gewinnprognose angehoben. Die operative Rendite (Ebit) werde im laufenden Jahr zehn bis elf Prozent betragen, teilten die Münchner mit. Bisher waren sie von allenfalls neun Prozent ausgegangen. In den ersten neun Monaten hatte Wacker Neuson seine Einnahmen binnen Jahresfrist um knapp ein Zehntel auf 936,2 Millionen Euro gesteigert. Die operative Marge lag bei 11,1 Prozent, verglichen mit 7,8 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Prognosesenkung bei Delticom

Nach Börsenschluss präsentierte der Reifenhändler den Quartalsbericht: Gemäß vorläufigen Zahlen erlöste Delticom im dritten Quartal einen Umsatz von 88,1 Millionen Euro, ein Minus von 9,1 Prozent zum Vorjahresquartal. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beträgt für das dritte Quartal 1,8 Millionen Euro. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen kassiert wegen des warmen Wetters die Umsatzprognose: Bisher peilte Delticom ein Umsatzplus von 10 Prozent an. 2013 erlöste der Konzern rund 505 Millionen Euro. Jetzt liegt die Einschätzung bei 500 bis 520 Millionen Euro.

Burger King schreibt rote Zahlen

Burger King verkauft weniger Fastfood als erwartet und schreibt wegen einer Großübernahme rote Zahlen. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 1,4 Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 279 Millionen Dollar. Analysten hatten mehr Wachstum erwartet. Sonderkosten wegen der Übernahme der kanadischen Kaffee- und Donutkette Tim Hortons sorgten zudem für einen Quartalsverlust.

Alibaba hängt Amazon ab

Alibaba ADR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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138,90
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+3,71%

Der chinesische Internet-Händler Alibaba schreibt im Gegensatz zum US-Rivalen Amazon schwarze Zahlen. Der Überschuss im abgelaufenen Quartal fiel jedoch um mehr als ein Drittel auf 494 Millionen Dollar. Hauptgrund dafür waren hohe Sonderkosten. Der Umsatz kletterte indes um mehr als die Hälfte auf 2,74 Milliarden Dollar. Es sind die ersten Zahlen des Internet-Konzerns seit dem Rekord-Börsengang in den USA, bei dem 25 Milliarden Dollar erlöst wurden. Mit dem Gewinn blieb Alibaba aber deutlich hinter den Analystenerwartungen zurück.

Nissan: Rekordverkäufe in den USA

Nissan hat dank Rekordverkäufen in den USA im abgelaufenen Quartal sein operatives Ergebnis um gut zwei Prozent auf umgerechnet 959 Millionen Euro gesteigert. Damit übertraf der zweitgrößte japanische Auto-Hersteller nach Toyota die Analystenerwartungen. In China spürte Nissan allerdings erheblichen Gegenwind.

AIG mit robusten Zahlen

Der neue AIG-Chef Peter Hancock kann zum Einstand einen soliden Geschäftsbericht vorlegen. Der US-Versicherer verdiente im dritten Quartal unter dem Strich 2,2 Milliarden Dollar und übertraf damit die Prognosen der Analysten. AIG kündigte zudem eine Ausweitung der Aktienrückkäufe um 1,5 Milliarden Dollar an.

Devisenskandal: JPMorgan rechnet mit horrender Strafe

Die größte US-Bank JPMorgan stellt sich im Skandal um manipulierte Devisenkurse auf eine hohe Strafe ein. Das Institut erhöhte die Summe der möglichen weiteren Strafzahlungen für die Beilegung von noch laufenden Rechtsstreitigkeiten auf 5,9 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) – das sind 1,3 Milliarden Dollar mehr als zuletzt angegeben. Citigroup-Experte Kinner Lakhani rechnet mit rund 41 Milliarden Dollar Belastungen für die gesamte Branche aus dem Devisenskandal.

Freispruch für Ex-UBS-Spitzenbanker

Viel wurde geschrieben über die Verfehlungen der Banker. Dass man aber nicht alle über einen Kamm scheren sollte, zeigt der Fall von Raoul Weil. Der ehemalige UBS-Topmanager ist von einem US-Gericht freigesprochen worden. Es gebe nicht genügend Beweise für den Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Weils Anwalt Matthew Menchel sagte anschließend, es habe sich um einen Fall gehandelt, der niemals hätte vor Gericht gebracht werden dürfen.

Santander ganz im Trend

Spaniens größte Bank Santander hat von der wirtschaftlichen Erholung des Landes profitiert. Weil weniger Kredite platzten, stieg der Nettogewinn in den ersten neun Monaten um knapp ein Drittel auf 4,36 Milliarden Euro. Damit übertraf das größte Geldhaus der Euro-Zone die Analystenerwartungen. Santander bestätigt damit den Trend anderer spanischer Institute.

L'Oreal und die europäische Schminkmüdigkeit

Weniger Schminkfreudigkeit in Europa hat beim französischen Kosmetikhersteller L'Oreal für einen überraschend schwachen Umsatzanstieg gesorgt. Die Erlöse kletterten lediglich um zwei Prozent auf 5,39 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten hingegen mit 5,47 Milliarden Euro gerechnet.

Sprint-Aktie bricht ein

Der US-Mobilfunk-Anbieter Sprint setzt nach einem hohen Quartalsverlust rund 2.000 Mitarbeiter vor die Tür. Das zum japanischen Konzern Softbank gehörende Unternehmen verbuchte ein Minus von 765 Millionen Dollar. Schon im Vorjahresquartal hatte Sprint 813 Millionen Dollar verloren.

Tabakkonzerne atmen auf

Konzerne wie Philip Morris International und British American Tobacco können die neue EU-Tabakrichtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof anfechten. Der Londoner High Court überwies den Fall am Montag nach Luxemburg. Dort soll entschieden werden, ob die EU bei der Gesetzgebung zum Tabak ihre Macht missbraucht hat, ob sie überhaupt zuständig war und ob die neuen Regeln angemessen sind.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"