Dünne Luft

Stand: 29.05.2009, 20:05 Uhr

Gerade einmal vier Punkte machte der Dax in dieser Woche gut. Das lag vor allem daran, dass viele Konjunkturdaten noch nicht die erhoffte Wirtschaftserholung anzeigen. Auch am Freitag verhinderte dies einen besseren Handelsverlauf.

In der kommenden Woche kann der Dax den Angriff auf die 5.000 Punkte neu beginnen. Am Freitag zumindest hat es nicht geklappt. Nach einem guten Start sorgten schwache amerikanische Konjunkturzahlen am Nachmittag dafür, dass der Dax fast unverändert schloss und die Wochenbilanz auf ein mageres Plus von lediglich vier Pünktchen schrumpfen ließ.

Sowohl die zweite Schätzung des amerikanischen BIP (minus 5,7 Prozent im ersten Quartal) als auch der Chicagoer Einkaufsmanagerindex (34,9 Punkte) fielen schwächer aus als erwartet, dies belastete die Wall Street und den Dax gleichermaßen.

Immerhin lag der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan mit 68,7 abermals höher als im Vormonat, dies verhinderte schlimmeres. Die amerikanischen Börsen zeigten sich am Abend daher eher unauffällig, als der Parketthandel in Frankfurt aufhörte, lag der Dow Jones 0,3 Prozent im Plus.

Der Dax erreichte auf Xetra 4,941 Punkte, der LDax legte noch sechs Punkte dazu.

Euro im Höhenflug
Der Euro setzte am Freitag seine Kurserholung gegen den Dollar fort und kostete mit über 1,41 Dollar soviel wie noch nie in diesem Jahr. Die gigantische Staatsverschuldung in den USA würde die Investoren zunehmend verunsichern, sagen die Händler. Durch den billiger werdenden Dollar werden Gold und Öl teurer, Öl kostet mittlerweile mehr als 67 Dollar je Fass, Gold 970 Dollar die Unze.

Bayer muss nachlegen
Die Bayer-Aktie setzt sich an die Dax-Spitze, sie gewann im Tagesverlauf 3,6 Prozent. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat vom Pharmakonzern zusätzliche Informationen zum noch nicht zugelassenen Hoffnungsträger Xarelto verlangt. Diese Forderung sei nicht sonderlich überraschend, urteilten Branchenkenner, und daher eher als beruhigende Nachricht zu interpretieren.

Stahl gefragt
Stahlaktien legten am Freitag ebenfalls zu. Die Aktien der Stahlhersteller Salzgitter und ThyssenKrupp, die mit einem Kursplus von bis zu zwei Prozent ebenfalls unter den Dax-Gewinnern zu finden waren, profitierten von den weltweit fallenden Preisen für Eisenerz, wodurch die Stahlherstellung für die Konzerne tendenziell billiger wird.

Eon verkauft Kapazitäten
Der Versorger Eon trennt sich von weiteren Kraftwerkskapazitäten. Eon gibt an den Versorger EnBW eine Gesamtleistung von 525 Megawatt ab, teilte der Dax-Konzern am frühen Nachmittag mit. Eon hatte sich im vergangenen Jahr mit der EU geeinigt, sich von Kraftwerken und seinem Höchstspannungsnetz zu trennen, um einem Wettbewerbsverfahren der EU zu entgehen. Die Eon-Aktie verlor 1,1 Prozent.

Die Postbank bekommt Jütte
Neun Jahre war Wolfgang Klein der Chef der Postbank, im Juni muss er gehen. Im "besten gegenseitigen Einvernehmen", aber wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Geschäftspolitik" zwischen Aufsichtsrat und Postbankchef muss Klein Ende Juni gehen. Ersetzt wird er von Stefan Jütte. Jütte war vorher Vorstandssprecher der mit der Postbank verschmolzenen DSL Bank. Die MDax-Aktie stieg um 0,6 Prozent.

Bei Arcandor ist alles wieder im Argen
Die Aktie des Touristik- und Warenhauskonzerns Arcandor drehte am Nachmittag ins Minus und verlor erhebliche 10,8 Prozent. Ein Bericht des Wirtschaftsprüfers PriceWaterhouseCoopers (PWC) hat der Sanierung der angeschlagenen MDax-Firma offenbar kaum Aussicht auf Erfolg zugestanden. Die von Arcandor angestrebte Bürgschaftsübernahme des Bundes, schreibt PWC nach Angaben des Manager-Magazins, sei mit "erheblichen Risiken" verbunden. Zuvor hatte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick noch Zuversicht demonstriert und gesagt, die Gespräche mit dem Bürgschaftsausschuss seien sehr gut verlaufen.

Fraport beendet Kurzarbeit
Fraport-Aktien stiegen um 1,6 Prozent. Der Betreiber des Frankfurter Flughafens beendet nach knapp drei Monaten die Kurzarbeit in der Frachtsparte. Fraport begründete dies mit der Aufhellung des Geschäftes. Außerdem habe man mit Air China einen neuen Großkunden gewonnen, hieß es von dem im MDax notierten Unternehmen.

Vivacon mit großen Problemen
Der im SDax notierte Immobilienkonzern schockte am Abend mit der Nachricht, dass es große, akute, Geldprobleme in der Firma gebe. Man wolle mit den Banken eine Stundung der Kredite erreichen, teilte Vivacon mit, sowie durch Vorstandsverkleinerung und Notverkäufe Geld sparen. Außerdem wechselt die Firma vom Prime- in den General Standard. Den Jahresabschluss blieb Vivacon weiterhin schuldig, die Aktie schoss um 25 Prozent in die Tiefe.

Catoil macht Verluste
Der im SDax notierte Ölfeldausrüster Catoil hat das erste Quartal mit deutlich weniger Umsatz und einem Verlust beendet. Die Erlöse schrumpften im Jahresvergleich um 18 Prozent auf knapp 54 Millionen Euro, unter dem Strich blieb ein Verlust von 0,9 Millionen Euro übrig. Catoil begründete die schwache Bilanz mit der Krise und dem schwachen Rubel. Die Aktie legte dennoch um 1,8 Prozent zu.

Cash.Life drohen Millionenausfälle
Die Aktie des ehemals im SDax notierten Finanzdienstleisters Cash.Life verlor sechs Prozent. Zwölf Fonds des Emissionshauses MPC Capital haben ihre Service- und Verwaltungsverträge mit Cash.Life vorzeitig gekündigt. Jetzt drohen dem Unternehmen Umsatzausfälle in Höhe von 3,4 Millionen Euro allein im laufenden Jahr.

Kleinere Bilanzen
Der Spezialist für Oberflächeninspektions-Software Isra hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 fünf Prozent weniger Umsatz, oder 28,4 Millionen Euro, verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging auf 4,2 Millionen Euro zurück.

Der im Prime Standard notierte Müllkonzern ZhongDe Waste Technology hat im ersten Quartal ebenfalls weniger umgesetzt und weniger verdient. Die Erlöse schrumpften nach Angaben des chinesischen Unternehmens um ein Zehntel auf 10,2 Millionen Euro, das Nettoergebnis ging um 70 Prozent auf 2,1 Millionen Euro zurück. ZhongDe verwies auf geringere Umsätze mit Verbrennungsanlagen für Hausmüll.

Der israelische Grafikspezialist Orad hat wegen der Wirtschaftskrise im ersten Quartal einen Umsatzrückgang um fast ein Drittel auf 5,6 Millionen Dollar bilanziert. Das Ebitda schrumpfte um 60 Prozent auf 0,4 Millionen Dollar.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier