Droht jetzt der große Rückschlag?

Stand: 11.03.2011, 20:02 Uhr

Der Dax hat in dieser Woche 2,7 Prozent eingebüßt. Angesichts der hohen Nervosität der Anleger und den noch nicht absehbaren Auswirkungen des Erdbebens in Japan halten Experten weitere Kursrückschläge für möglich.

Nach dem Verlust von 81 Punkten im Xetra-Handel gibt der Dax auch im Abendhandel nach. Er schließt 67 Punkte (knapp ein Prozent) tiefer bei 6.979. Noch weiß niemand wie hoch die Schäden sind. Doch dürfte die Verwüstung ganzer Landstriche entlang der japanischen Ostküste die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt erheblich treffen, obwohl die Hauptstadtregion Tokio offenbar weniger von der Katastrophe betroffen wurde.

Die Konsolidierung am Aktienmarkt dürfte auch in der kommenden Woche andauern, meint Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. "Das Schlimmste hat der Dax aber bereits überstanden." Er gehe davon aus, dass Anleger spätestens bei einem Niveau von 6800 Punkten wieder einsteigen.

Ganz anders an der Wall Street. Gestützt von guten Einzelhandelsdaten und Kursgewinnen bei Energiewerten sind die US-Börsen am Nachmittag ins Plus gedreht. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 17 Punkte höher bei 12.002 Zählern. Das schwere Erdbeben in Japan, schwache Inflationsdaten aus China und die andauernden Unruhen in der arabischen Welt hatten im frühen Geschäft die Anleger zunächst noch verschreckt. "Der Markt hält sich heute wegen der Einzelhandelsdaten gut", sagte Hugh Johnson von Hugh Johnson Advisors. Die amerikanischen Einzelhändler steigerten ihren Umsatz im Februar den achten Monat in Folge. Sie nahmen ein Prozent mehr ein als im Vormonat.

Ölpreis gesunken
Wegen des Erdbebens sind die Ölpreise deutlich gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im April kostet rund 112 Dollar und damit 2,81 Dollar weniger als am Vortag. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) büßte 3,34 Dollar auf 99,36 Dollar ein. Experten zufolge dürfte die Nachfrage nach Öl in Japan nach dem Beben vorübergehend zurückgehen.

Hierzulande stehen die Papiere der Rückversicherer und von K+S im Mittelpunkt.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
176,84
Differenz relativ
+0,36%

K+S allein zu Haus
Die K+S-Aktie schließt 4,5 Prozent tiefer bei 51,77 Euro. Der Chemiekonzern BASF hatte zuvor bekannt gegeben durch den Verkauf seiner Anteile am Kasseler Düngemittel- und Salzhersteller eine Milliarde Euro eingenommen zu haben. Die 19,7 Millionen K+S-Aktien seien für 50 Euro das Stück platziert worden. Wegen ihres jetzt auf 88 Prozent gestiegenen Streubesitzes gilt K+S jetzt als potenzieller Übernahmekandidat. Diese Aussicht dürfte den Aktienkurs Marktteilnehmern zufolge beflügeln. Equinet hat die Einstufung für K+S auf "Accumulate" mit einem Kursziel von 64,00 Euro belassen.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
188,20
Differenz relativ
+0,19%

Versicherer erschüttert
Erschüttert sind heute auch die Aktien der Rückversicherer. Ein besonders heftiges Erdbeben würde den weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück mit maximal zwei Milliarden Euro treffen. Ein Beben, das in Japan nur ein Mal in 200 Jahren vorkomme, könnte zu einer solchen Belastung führen, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bei einer Analystenkonferenz. Im vergangenen Jahr verdiente der Dax-Konzern unter dem Strich rund 2,4 Milliarden Euro und peilt dies auch 2011 sowie 2012 an. Ob das schwere Erdbeben vom Freitag ein solch seltenes Großereignis werde, sei noch unklar. Es sei unmöglich, jetzt schon den Schaden zu schätzen. Trotzdem gibt die MüRü-Aktie 4,3 Prozent ab. Auch die Allianz und die Hannover Rück verlieren überdurchschnittlich.

SocGen mag Eon
Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehört die Aktie von Eon. Grund ist eine Kaufempfehlung durch die französische Bank Société Générale. Das Kursziel von 27,50 Euro wurde allerdings belassen. Die Kennziffern für 2010 seien nur wenig inspirierend ausgefallen, schrieb Analyst Alberto Ponti in einer Studie. Die Gewinnerwartungen des Marktes dürften leicht sinken. Für ein gewisses Maß an Zuversicht sorge unterdessen der Dividendenvorschlag.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,42
Differenz relativ
-0,28%

Fraport wartet auf die Landebahn
Bergab geht es dagegen mit der Aktie des Flughafenbetreibers Fraport. Dabei erhofft sich das Unternehmen von der für Ende Oktober geplanten Eröffnung der neuen Landebahn einen Wachstumsschub. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll 2011 nach Angaben um zehn bis 15 Prozent zulegen. Darüber hinaus kommt Fraport die wieder steigende Reisefreudigkeit nach der Krise zugute.

Software AG teilt sich
Die im TecDax notierte Software AG will die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr auf 1,30 Euro (Vorjahr 1,15 Euro) erhöhen. Die Ausschüttungssumme wird damit bei einer Anzahl von 28,4 Millionen dividendenberechtigten Aktien voraussichtlich 37 Millionen Euro betragen. Zudem soll das Grundkapital der Firma durch einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3 neu eingeteilt werden. Anstelle einer Aktie bekommen die Aktionäre künftig drei Anteilsscheine. Damit sei das Kapital künftig in rund 86,1 Millionen Aktien eingeteilt. Der Aktienkurs des Unternehmens kann davon allerdings nicht profitieren.

Pfleiderer macht Hoffnung
Größter Gewinner im SDax ist die Aktie des Holzverarbeiters Pfleiderer. Das ins Trudeln geratene Unternehmen schreibt nach dem Umbau in den ersten beiden Monaten dieses Jahres wieder schwarze Zahlen. Auch hofft der Vorstand bis Ende kommender Woche mit einer Einigung über die Neufinanzierung.

Immobilienaktien bauen auf
Zu den größten Gewinnern im MDax gehören die beiden Immobilienaktien Gagfah und Deutsche Wohnen. Beide Papiere profitieren von einer Empfehlung der DZ Bank. Deutsche Wohnen wird von den Analysten heraufgestuft auf "Buy".

Auch die im SDax notierte Aktie von Patrizia Immobilien erhält ein verbessertes Kursziel, nämlich 6,50 Euro, von zuvor 5,10 Euro, kann davon allerdings nicht profitieren.

Mediclin vor Übernahme
Aktien des Klinikbetreibers Midiclin gewinnen knapp drei Prozent. Der Konkurrent Asklepios will die Firma übernehmen und hat daher ein öffentliches Übernahmeangebot an die Mediclin-Aktionäre vorgelegt. Asklepios will nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis zahlen, also pro Aktie den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Kabel BW und Powerland bald an der Börse
Der chinesische Luxusartikel-Hersteller Powerland will im ersten Halbjahr 2011 an die Börse gehen. Mit dem erhofften Erlös von 80 bis 90 Millionen Euro will die Firma vor allem ihre Verkaufsnetz in China ausbauen und in den kommenden drei Jahren die Zahl der eigenen Geschäfte auf 300 etwa verdreifachen. Powerland erzielt 2010 einen Umsatz von fast 113 Millionen Euro und strebt eine Notierung im Prime Standard an.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr