Droht ein neues Unwetter?

Stand: 05.02.2010, 20:05 Uhr

Gut drei Prozent hat der Dax in dieser Woche eingebüßt und dabei wichtige Unterstützungslinien durchbrochen. Auslöser ist die Angst vor einer Staatspleite Griechenlands und anderer EU-Staaten. Schon fürchten einige Anleger einen neuen Sturm.

Am Abend musste EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sogar Gerüchten entgegentreten die Europäische Zentralbank werde an diesem Wochenende ein Sondertreffen zur Lage in Griechenland abhalten. Dieses Gerücht sei falsch, sagte Trichet. Auch Chefvolkswirt Jürgen Stärk musste die Anleger beruhigen. Sondermaßnahmen für Griechenland seien unnötig, sagte er. Zudem seien die eingeleiteten Sparmaßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung.

Die am Abend aufgekommenen Gerüchte zeigen, in welch panikartiger Verfassung sich einige Anleger inzwischen befinden. Viele befürchten weitere Kursverluste im Dax unter die wichtige Unterstützungslinie von 5.400 Punkten.

Kein Wunder also, dass der Leitindex heute erneut in die Tiefe rauschte. Nach einem Minus von 1,8 Prozent im Xetra-Handel hat der Leitindex im Parketthandel seine Verluste noch ausgeweitet. Das Barometer schließt gut zwei Prozent tiefer, ein Verlust von fast 115 Punkten, bei 5.414. Zum Vergleich: am Freitag vor einer Woche hatte der Dax noch bei 5.610 geschlossen.

Wall Street schmiert ab
Grund für den tiefen Fall am Abend sind die Anleger in den USA. Nachdem sie die etwas schlechter als erwartete ausgefallenen Zahlen vom Arbeitsmarkt relativ gut weggesteckt hatten - der Dow kletterte zeitweise sogar ins Plus - verlässt sie am Abend der Mut. Der Leitindex der amerikanischen Standardwerte rutscht bei Börsenschluss in Frankfurt mehr als 150 Punkte in die Tiefe, ein Minus von 1,5 Prozent, auf 9.848.

Auch in New York stand die Angst vor einem eventuellen Zahlungsausfall einiger südeuropäischer Staaten wie Griechenland oder Portugal im Mittelpunkt der Anleger. "Die Probleme in Griechenland und anderen Ländern berühren das Investitionsthema Europa, weshalb viele Investoren ihre Anlagen auflösen", sagte ein Börsianer. Derweil versucht die EZB die Lage zu beruhigen.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,94
Differenz relativ
+4,53%

Euro und Öl runter
Die Griechenland-Krise hat auch den Euro weiter verbilligt - sehr zur Freude der europäischen Exportindustrie, die seit langem unter dem hohen Kurs der Gemeinschaftswährung leidet. Der Euro bricht bis auf 1,3649 Dollar ein und notiert damit so niedrig wie seit Mai vorigen Jahres nicht mehr.

Der Verkaufsdruck an den Ölmärkten hat sich ebenfalls fortgesetzt. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im März 72,93 US-Dollar und damit 21 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent fiel um 67 Cent auf 71,46 Dollar.

Infineon größter Verlierer
Im Dax sind die großen Kursgewinner der vergangenen Wochen und Monate die Kursverlierer von heute. So setzt die Infineon-Aktie die Verluste vom Vortag fort: Mit einem Kursminus von zeitweise fünf Prozent ist sie der größte Verlierer im Dax. Aber auch Autotitel von VW und Daimler sowie der Pharmakonzern Bayer stehen ganz oben auf der Verliererseite.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,26
Differenz relativ
+0,81%
Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
207,30
Differenz relativ
+0,97%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,23
Differenz relativ
+0,59%

Daimler mit neuem Vorstand
Der derzeitige Chef der Daimler-Transportersparte, Wolfgang Bernhard, rückt in den Vorstand des Konzerns auf. Wie die Daimler AG am Abend in Stuttgart mitteilte, soll er künftig im Vorstand für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz Autos und Vans verantwortlich sein. Berhard löst damit offenbar Daimer-Vizechef Rainer Schmückle ab. Die Aktie schmiert dennoch ab.

T-Mobile vor Verkauf?
Gegen den allgemeinen Abwärtstrend können die Papiere der Deutschen Telekom sich lange auf der Gewinnerseite halten, bevor sie kurz vor Handelsschluss leicht ins Minus drehen. Gestützt wurde der Kurs von einem Bericht des "Wall Street Journals", demzufolge sich der Bonner Konzern von seiner amerikanischen Mobilfunk-Tochter T-Mobile trennen könnte, oder an die Börse zu bringen. Ziel sei es, die enttäuschten Telekom-Aktionäre zu beschwichtigen. Ein Sprecher der Deutschen Telekom wollte zu den Gerüchten keine Stellung nehmen. Über das Schicksal der US-Tochter im Telekom-Konzern wird seit einiger Zeit heftig spekuliert. Die Telekom-Aktie steigt um mehr als ein Prozent.

Linde mit Übernahmefantasie
Die Linde-Aktie muss zwar am Ende doch auf die Verliererseite wechseln, doch der geplante Mega-Deal in der Branche bewahrt den Kurs vor einem größeren Verlust. Der Konkurrent Air Products hat ein Übernahmeangebot in Höhe von sieben Milliarden Dollar für Airgas abgegeben. Das entspricht einem Aufschlag von 38 Prozent auf den Schlusspreis der Airgas-Aktien am Donnerstag von 43,53 Dollar.

"Wenn man die Bewertung, die Air Products für Airgas ansetzt, auf Linde überträgt, müssten die Aktien mit 100 bis 110 Euro bewertet werden", so Analyst Norbert Barth von der WestLB. Das zeige, dass die Linde-Aktie noch Aufwärtspotenzial habe.

Toyota: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,28
Differenz relativ
+1,61%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,42
Differenz relativ
+2,08%

Suzuki und Mazda spüren Aufwind
Die kleineren japanischen Autobauer holen auf: Der Volkswagen-Partner Suzuki und Mazda erhöhten ihre Prognosen für das Geschäftsjahr und meldeten deutliche Gewinnzuwächse. Japans viert- und fünftgrößter Autokonzern erhoffen sich demnach, die Schwäche von Branchenprimus Toyota für sich nutzen zu können. Suzuki wie auch Mazda profitieren derzeit zudem vom Trend zu sparsamen, umweltfreundlichen Kleinwagen und konnten ihren Absatz auch mit Hilfe staatlicher Abwrackprämien steigern. Der Volkswagen-Aktie hat dies nicht geholfen.

Dagegen hält Toyota offenbar neue Hiobsbotschaften für seine Kunden und Aktionäre bereit: Laut der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" erwägt der Autokonzern eine weitere Rückruf-Aktion wegen Problemen mit Bremsen bei seinem erfolgreichen Hybrid-Auto Prius. Der Präsident des Weltmarktführers, Akio Toyoda, kündigte heute die Bildung einer Taskforce zur Qualitätssicherung an, zu der auch externe Gutachter zählen sollen.

Conti mit mehr Gewicht
Ab heute erhöht sich das Gewicht der Continental-Aktie im MDax deutlich. Index-Experten geben das neue Gewicht mit 2,7 bis 2,9 Prozent an, zuvor betrug es nur 1,3 Prozent. Zuvor hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, der Streubesitzanteil der Conti-Aktie steige infolge der Kapitalerhöhung zum 5. Februar von 11,1 auf dann 24,9 Prozent.

Koenig & Bauer rauf, Heideldruck runter
Die Aktie des im SDax notierten Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer gehört heute zu den wenigen Gewinnern. Der Grund: dank eines drastischen Sparkurses ist die Firma 2009 wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) falle laut vorläufigen Zahlen ausgeglichen aus, berichtete der Konzern. Im Jahr zuvor war noch ein Verlust von 87 Millionen Euro aufgelaufen. 2009 werde unterm Strich sogar ein kleiner Überschuss erwartet.

Dagegen dürfte der Konkurrent Heidelberger Druck noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht sein. Das Unternehmen wird am kommenden Dienstag seine Bilanz vorlegen. Heute schmiert die Aktie um mehr als sieben Prozent ab und ist damit größter Verlierer im MDax.

Pfleiderer unter Druck
Auch die Pfleiderer-Aktie gehört zu den MDax-Verlierern. Die Unicredit hat in Reaktion auf eine Kapitalmaßnahme das Kursziel von 9,00 auf 8,70 Euro gesenkt. Der hoch verschuldete Möbel- und Bauzulieferer hat sich im Expressverfahren 34,7 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung besorgt.

Aixtron größter TecDax-Verlierer
Im TecDax gehören die Papiere von Aixtron zu den größten Verlierern. Händlern zufolge gibt es zwar keine neuen Nachrichten zu dem Spezialmaschinenbauer. Allerdings sei die Aktie ein klassischer Fall für Anleger, die in schwachen Marktphasen wie diesen Gewinne mitnehmen wollten, meinte ein Händler. Aus technischer Sicht drohe die Aktie zudem den Korridor von 20,00 bis 25,00 Euro nachhaltig nach unten zu durchbrechen. Auch dies erhöhe den Abgabedruck, hieß es.

Auch die Papiere des Solarzulieferers Roth & Rau müssen kräftig Federn lassen. Der Konzern übernimmt den niederländischen Konzern OTB Solar für 35,5 Millionen Euro. Anlegern passt nicht, dass 30 Millionen des Kaufpreises durch die Ausgabe neuer Aktien bezahlt werden sollen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr