Marktbericht 20:15 Uhr

Marktbericht neutral
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Neue Sorgen um Europas Autobranche Drohende US-Zölle bremsen den Dax aus

Stand: 18.02.2019, 20:15 Uhr

Mit viel Sand im Getriebe ist die Börse in die neue Woche gestartet. Die Anleger hielten sich angesichts der drohenden Zollkeule der USA für Autoimporte bedeckt. Trotzdem schoss eine Aktie (mal wieder) den Vogel ab.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn Wirecard-Aktien standen im Dax in der Gunst der Investoren mit Abstand an erster Stelle. Das Papier des Zahlungsabwicklers legte 15,12 Prozent zu, nachdem die Aufsichtsbehörde BaFin ein Verbot für Leerverkäufe in der Aktie verfügt hatte.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass sich die Frankfurter Wertpapieraufseher zu einem kompletten Verbot von Leerverkäufen einer einzelnen Aktie durchringen. Die BaFin fürchtet offenbar, dass sich die massiven Kursschwankungen bei Wirecard zu einem Flächenbrand entwickeln.

US-Zölle und kein Ende

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 17.30 Uhr: Kursexplosion bei Wirecard

Von solchen Bewegungen konnte die Börse ansonsten heute nur träumen, zumal wegen eines Feiertages in den USA dem Handel frische Impulse aus Übersee fehlten. Der Dax tart auf der Stelle und schloss mit einem Miniminus von 0,01 Prozent bei 10.299 Punkten.

Im Handelsverlauf stand das Thema US-Zölle mal wieder ganz oben auf der Agenda. Einerseits blieben größere Verluste aus, weil die Anleger zuversichtlicher sind, was den Zollstreit der USA mit China betrifft.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Andererseits droht der Handelsstreit zwischen Europa und den USA um neue Zölle für Autoimporte im Gegenzug zu eskalieren. Es stehen Importzölle von 25 Prozent im Raum, was besonders die deutschen Autobauer und deren Zulieferer schwer treffen würde.

Dies, sofern das US-Handelsministerium Autoimporte aus Europa als Risiko für die nationale Sicherheit der USA einstuft. Dann wäre der Weg für Präsident Trump frei, den Zoll zu erheben.

"Eine Einstufung deutscher Autoimporte als Sicherheitsrisiko und die Erhebung von Strafzöllen wären ein Armageddon-Szenario für die deutsche Autoindustrie", äußerte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Eine europäische Antwort

Jean-Claude Juncker und Donald Trump

Jean-Claude Juncker und Donald Trump.

Die EU-Kommission hat heute bereits für den Fall der Fälle "schnelle und angemessene" Maßnahmen gegenüber den USA angekündigt - zumal derzeit noch ein Burgfrieden herrscht, den Kommissionspräsident Juncker und Präsident Trump im Sommer vereinbart hatten. Kanzlerin Merkel hatte schon am Wochenende auf der Münchener Sicherheitskonferenz ihr Unverständnis deutlich zum Ausdruck gebracht.

"Während die Schock- und Drohgebärden-Politik im Handelsstreit der USA mit China vorüber scheint, ist sie mit der Europäischen Union in vollem Gange", konstatierte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

Steuert die EZB gegen?

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr: DAX kaum verändert

Unterstützung erhielt die Börse am Nachmittag von Spekulationen auf neue Stimulation durch die EZB. Angesichts des schleppenden Konjunkturverlaufs werden in der Notenbank offensichtlich neue Konjunkturhilfen, besonders für die Banken, diskutiert.

EZB-Chefvolkswirt Preat äußerte sich am Nachmittag und betonte, dass die EZB ihre Einschätzung zur Wirtschaft im März auf den Prüfstand stellen werde. Die Aussicht auf neues Zentralbankgeld weckt natürlich die Fantasie der Börse und kam heute insbesondere Bankaktien und den Anleihen südeuropäischer Staaten zugute.

Deutsche Post am Indexende

Unter den Einzelwerten im Dax verloren Autoaktien, bei einem allerdings insgesamt schwächeren Marktumfeld. Schlusslicht im Dax war die Post-Aktie, die nach dem Kurssprung vom Freitag in einer Gegenreaktion zurückfiel und 2,39 Prozent nachgab. Auch andere eher defensive Aktien wie die Telekom, Henkel oder Beiersdorf standen im Plus.

Euro bei 1,13 Dollar

Der Euro hat am Nachmittag anfängliche Kursgewinne abgegeben und fiel wieder in Richtung der Marke von 1,13 Dollar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1328 (Freitag: 1,1260) Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Marktbeobachter sprachen allerdings von einer breiten Dollar-Schwäche, die dem Euro derzeit Auftrieb verleihe. Die US-Währung ist seit Ende vergangener Woche als sicherer Anlagehafen weniger gefragt, weil es an den Märkten Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China gibt.

Präsident Donald Trump sprach am Wochenende von "großem Fortschritt", der in den Verhandlungen vergangene Woche in Peking erzielt worden sei. In dieser Woche sollen die Gespräche in Washington fortgeführt werden.

Ölpreise legen weiter zu

Die Hoffnung auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China beflügeln auch die Ölpreise. Die knüpfen am Montag an die starken Kursgewinne der Vorwoche an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet 66,40 Dollar, gut ein halbes Prozent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt noch stärker um rund 1,2 Prozent auf 55,98 Dollar.

Der Goldpreis je Feinunze steigt um 0,4 Prozent auf 1,326 Dollar. Er erreichte damit den höchsten Stand seit zehn Monaten. "Das Gold ist dank politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit im Aufwind", erklärten Rohstoffexperten der Commerzbank den aktuellen Preisanstieg.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Wirecard: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen FT-Journalist

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kärftig zulegen kann die Wirecard-Aktie, nachdem die Finanzaufsicht Bafin neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse des Zahlungsdienstleisters Wirecard untersagt hat. Von sofort an sei es verboten, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien der Wirecard AG zu begründen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen, teilte die Behörde am Morgen mit.
Zudem wurde bekannt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen Journalisten der „Financial Times“ eingeleitet hat. Der Staatsanwaltschaft liegt zudem die brisante Aussage eines sogenannten Leerverkäufers vor, der angegeben haben soll, er sei vorab darüber informiert worden, wann die „Financial Times“ über Wirecard berichten würde.  | mehr

EU untersucht Innogy-Aufteilung

Die EU-Wettbewerbsbehörde untersucht, ob die geplante Teilübernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon den Wettbewerb behindern oder zu höheren Energiepreisen führen wird. Die Kommission habe zu diesem Zweck Fragebögen an Kunden und Konkurrenten verschickt. Im Zuge der Transaktion will Eon das Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy übernehmen. RWE will das Ökostromgeschäft seiner Tochter mit dem von Eon zusammenfassen.

Post verärgert Angestellte: 12 statt 20 Euro

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien der Deutschen Post gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Ausschlaggebend waren charttechnische Gründe, denn bei knapp unter 26,75 Euro befindet eine wichtige Widerstandslinie.

Am Freitag noch hatte die Aktie Gelb knapp über diesem Widerstand, der 90-Tage-Linie geschlossen. Sie gilt unter Charttechnikern als wichtiger Indikator für den mittelfristigen Trend. Nun ging es wieder abwärts, wobei das Papier im Bereich bei knapp über 25,90 Euro wieder eine Unterstützung finden dürfte. Denn dort verläuft aktuell die den kurzfristigen Trend indizierende 21-Tage-Linie.

Dagegen bewegte ein Bericht in der "Welt" über eine bereits Anfang April erfolgende Zusammenlegung der Billigtochter Delivery mit dem klassischen Zustellbetrieb Experten zufolge nicht negativ. "Das sollte wegen der Einsparungen eigentlich leicht positiv wirken", sagte ein Analyst.  | mehr

Bertrandt sieht sich im Trend

Der Ingenieurdienstleister Bertrandt ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019 weiter gewachsen. Die Gesamtleistung stieg auf 262,3 (Vorjahr 249,1) Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebit) betrug 18,3 (Vorjahr 17,8) Millionen Euro. Die für die Entwicklung wichtigsten Markttrends wie autonomes und vernetztes Fahren seien intakt und böten Perspektiven für die Zukunft.

Gewinnwarnung von Klöckner & Co.

Das Papier des Stahlhändlers ist nach einer Gewinnwarnung für das erste Quartal ans SDax-Ende gerutscht. Das Unternehmen gab am Nachmittag in einer Pflichtmitteilung bekannt, dass es für das erste Quartal mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) zwischen 20 und 30 Millionen Euro rechne, deutlich weniger als im Vorjahr. Im Jahr zuvor hatte der Konzern ein operatives Ergebnis von 56 Millionen Euro erwirtschaftet.

Weitere Einzelheiten gab es noch nicht. Die Prognose für das laufende Jahr soll bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2018 am 12. März abgegeben werden.

Patrizia Immobilien mit Gewinnsprung

Der Immobilieninvestor hat nach den jüngsten Zukäufen das operative Ergebnis vorläufigen Zahlen zufolge 2018 um rund 72 Prozent auf 141,4 Millionen Euro gesteigert. Grund seien sprudelnde Einnahmen aus Verwaltungsgebühren, bei im Zaun gehaltenem Kostenwachstum. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern ein operatives Ergebnis von 120 bis 130 Millionen Euro.

Hamburger Hafen will wieder angreifen

Der Hamburger Hafen ist im vergangenen Jahr weiter gegen die Konkurrenz aus Rotterdam und Antwerpen zurückgefallen. Der gesamte Güterumschlag des größten deutschen Hafens, dessen Aktie im SDax notiert ist, verringerte sich um ein Prozent auf 135 Millionen Tonnen, teilte die Marketing-Gesellschaft des Hafens am Montag in der Hansestadt mit. Ebenso um ein Prozent rückläufig war der wichtige Containerumschlag, auf 8,7 Millionen Standardcontainer (TEU).

Mit dem Beginn der Elbvertiefung in der vergangenen Woche beginne für den Hamburger Hafen aber ein neuer Abschnitt. "Wir greifen jetzt wieder an", sagte Jens Meier, der Chef der Hafenbehörde HPA.

Der Hamburger Hafenumschlag stagniert seit Jahren und der einstmals zweitgrößte Hafen Europas ist schon lange auf Rang drei zurückgefallen. Der Abstand zu Rotterdam (14,5 Millionen TEU) und Antwerpen (11,1 Millionen TEU) wird von Jahr zu Jahr größer.

Vapiano stoppt weltweite Expansion

Zu den größten Verlierern gehört am Morgen die Aktie der Restaurantkette Vapiano. Grund ist eine erneute Gewinnwarnung. Erst im November hatte die Kölner Restaurantkette ihre Prognose für das vergangene Jahr 2018 einkassiert. Wie das Unternehmen am Wochenende mitteilte, wird es wegen eines schwachen vierten Quartals die bereits reduzierten Ziele ebenfalls nicht erreichen.

Statt eines angestrebten Umsatzes zwischen 375 und 385 Millionen Euro werden nach vorläufigen Zahlen nur 370 Millionen Euro erreicht werden. Das Ebitda soll 29 bis 31 Millionen Euro betragen nach bisher angekündigt 34 bis 38 Millionen. Hinzu kommen außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 33 Millionen Euro, so dass sich der Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr (minus 29,6 Millionen Euro) deutlich ausweiten wird.  | mehr

Facebook in Britannien in der Defensive

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ein britischer Parlamentsausschuss wirft Facebook vor, "vorsätzlich und wissentlich" gegen Datenschutz- und Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben. Die Abgeordneten forderten in einem am Montag veröffentlichten Bericht unter anderem einen verbindlichen Verhaltenskodex, auf dessen Basis Technologieunternehmen gegen "schädliche und illegale Inhalte" auf ihren Seiten vorgehen müssten.

Eine unabhängige Regulierungsbehörde solle dies überwachen und hohe Bußgelder verhängen, wenn Unternehmen sich nicht daran hielten, hieß es in dem Bericht des Ausschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport. "Unternehmen wie Facebook sollten sich nicht wie "digitale Gangster" in der Online-Welt verhalten dürfen" und sich über dem Gesetz fühlen.

Amazon: Trotz Milliardengewinns steuerfrei

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Amazon hat im vergangenen Jahr allein in den USA mehr als elf Milliarden Dollar verdient. Steuern zahlte der Onlinehändler dafür aber nicht. Im Gegenteil: Dank einer Reihe von legaler Steuertricks bekam der Konzern sogar 129 Millionen Dollar zurück. Damit lag Amazons Steuersatz bei minus ein Prozent.

Schon das zweite Jahr in Folge sei Amazon demnach in den Genuss eines negativen Steuersatzes gekommen, der sogar noch unter dem der 20 Prozent ärmsten Menschen in Amerika gelegen habe, berichtet die "Washington Post“  unter Berufung auf eine Analyse des Institute for Taxation and Economic Policy (ITEP). Eine Konzernsprecherin sagte, Amazon bezahlt alle Steuern, die in Amerika und in den Ländern, in denen wir operieren, erforderlich sind“.

rm

Tagestermine am Mittwoch, den 20. Februar

Unternehmen:
Fresenius: Jahreszahlen, 7:00 Uhr (PK: 10:00 Uhr)
FMC: Jahreszahlen, 7:00 Uhr (Pk 10:00 Uhr)
Air France-KLM : Jahreszahlen, 7:15 Uhr
Telefonica Deutschland: Jahreszahlen, 7:30 Uhr
MTU: Jahreszahlen, 8:00 Uhr
Glencore: Jahreszahlen, 8:00 Uhr
Wolters Kluwer: Jahreszahlen, 8:00 Uhr
Lloyds Banking Group: Jahreszahlen, 8:00 Uhr
Bertrandt: Hauptversammlung, Sindelfingen, 10:30 Uhr
Vallourec: Jahreszahlen, 17:45 Uhr
CTS Eventim: Q4-Zahlen
Avis Budget: Q4-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Handelsbilanz 1/19, 0:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise 1/19, 8:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 2/19, 14:30 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 2/19 (vorab), 16:00 Uhr
USA: FOMC Sitzungsprotokoll v. 30.1.19, 20:00 Uhr

Sonstiges:
Russland: Kreml-Chef Putin hält seine Rede an die Nation, 10:00 Uhr