Dritter Minustag in Folge

Stand: 02.09.2009, 20:05 Uhr

Auch am Mittwoch gelang es dem deutschen Aktienmarkt nicht, Optimismus zu demonstrieren. Angesichts fehlender positiver Nachrichten verbuchte der Dax leichte Verluste. Dass der Leitindex nicht noch tiefer schloss, verdankte er ausschließlich der nicht ganz so schwachen Entwicklung an der Wall Street.

Doch Optimismus sieht auch an der Wall Street anders aus. Die amerikanischen Indizes hielten sich, zumindest bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt, mit Ach und Krach im Plus. Konjunkturzahlen konnten die gegenwärtige Unsicherheit an den Märkten nicht beseitigen, sie vergrößerten sie eher.

Denn während sich die Industrieproduktivität mit einem Plus von 6,6 Prozent auf Monatssicht besser als erwartet entwickelte, blieben Industrieaufträge (plus 1,3 Prozent) und die Job-Statistik des privaten Arbeitsvermittlers ADP hinter den Erwartungen zurück.

Der Dax, der im Verlauf bis zu 1,2 Prozent tiefer notiert hatte, erholte sich im späten Nachmittagshandel immerhin etwas und schloss 0,1 Prozent schwächer bei 5.320 Punkten. Positiv war zu bemerken, dass der Leitindex die 5.300-Punktemarke, die im Handelsverlauf zeitweise hart umkämpft war, hielt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
52,92
Differenz relativ
+0,06%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,21
Differenz relativ
+0,97%

Vor wenigen Wochen noch genügte den Anlegern die vage Hoffnung, dass es mit der Konjunktur möglicherweise bald wieder nach oben geht, um die Kurse an den Börsen nach oben zu treiben. Mittlerweile bleiben selbst bei harten guten Wirtschaftszahlen die Käufer aus. So auch am Mittwoch: Keine der guten Branchennachrichten, die im Laufe des Tages die Anleger erreichten, schoben die Kurse nach oben. Für die Autobranche sieht der Branchenverband VDA die Talsohle durchschritten, Anleger bemängeln lieber das Ende der Abwrackprämie: Daimler- und BMW-Aktien verloren stärker als der Markt. Lediglich die VW-Aktie führte ein Eigenleben und legte 3,2 Prozent zu.

Für die Chemiebranche erwartet der Branchenverband VCI dank starker Auslandsnachfrage die baldige Erholung, BASF-Aktien verloren dennoch. Und Solaraktien aus dem TecDax notierten bestenfalls im oberen Mittelfeld, nachdem Branchengigant Applied Materials steigende Nachfrage aus China ausmachte.

Analystengemachte Kurse
Deutliche Kursbewegungen waren aufgrund von neuen Analystenentscheidungen zu beobachten. Die Aktie des Rückversicherers Münchner Rück schloss zum Beispiel deutlich ins Plus. Die Credit Suisse hatte die Aktie mit "Outperform" bewertet und sie als preiswert bezeichnet. Auch SAP-Aktien legten nach einer positiven Analysteneinschätzung von Merrill Lynch zu.

Stahltitel, und hier insbesondere Salzgitter, verloren hingegen kräftig. Die Analysten von Cheuvreux hatten Salzgitter-Papiere von der Empfehlungsliste gestrichen und sie mit "Underperform" neu bewertet. Cheuvreux rechnet damit, dass die Stahlpreise im vierten Quartal wieder kräftig sinken werden. Auch ThyssenKrupp- und KlöCo-Aktien gaben deutlich nach.

Herabstufungen und Gewinnmitnahmen im TecDax
Die Aktien des Internetdienstleisters Freenet gaben im TecDax kräftig nach. Hier belastete eine Herabstufung der HSBC mit dem Hinweis, dass das operative Geschäft der Firma schwierig bleibe. Auch beim Telekommunikationsunternehmen QSC sorgten die HSBC-Analysten für Kursverluste. Sie rechnen bei QSC mit sinkenden Wachstumsraten. Infineon-Aktien verloren ebenfalls überdurchschnittlich. Zuvor hatte die Aktie des japanischen Wettbewerbers Elpida 16 Prozent abgegeben, was Anleger offenbar dazu verleitete, ihre Infineon-Gewinne mitzunehmen.

Katar steigt bei Porsche ein
Porsche-Aktien schlossen leicht im Plus. Der Konzern hatte am frühen Nachmittag gemeldet, dass der Staatsfonds aus Katar wie angekündigt zehn Prozent der Stammaktien an Porsche übernommen habe. Wie viel Geld damit den Besitzer wechselte, wurde nicht mitgeteilt.

Fluglinien mit Milliardenminus
Europaweit gaben Aktien der Fluglinien nach. Laut Branchenverband IATA haben sämtliche Fluglinien der Welt im ersten Halbjahr Verluste von insgesamt sechs Milliarden Dollar gemacht. Im zweiten Quartal habe sich die Geschäftslage der Gesellschaften etwas gebessert, teilte die IATA mit. Lufthansa- und Air Berlin-Aktien verloren deutlich, auch British Airways und Air France-KLM notierten schwächer.

GM verdoppelt Absatz in China
Der amerikanischen Autokonzern General Motors hat seinen Absatz in China binnen Jahresfrist verdoppelt. Im August sei der Verkauf um 113 Prozent auf 152.000 Autos gestiegen, teilte der Konzern mit. GM profitierte vor allem von Kaufanreizen der chinesischen Regierung.

BP entdeckt Öl
Der britische Ölkonzern BP hat im Golf von Mexiko nach eigenen Angaben ein "gigantisches" Ölfeld entdeckt. Das Feld, das etwa 1.300 Meter tief im Meer liege, habe Reserven von mehr als drei Milliarden Barrel, teilte die Firma mit. Die in London notierte BP-Aktie legte deutlich zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr