Marktbericht 20:02 Uhr

EZB-Beschlüsse beflügeln Dax, Dow & Co "Draghi-Tag" an den Börsen

Stand: 04.09.2014, 20:02 Uhr

"Super-Mario" hat geliefert: Der EZB-Präsident hat am Donnerstag quasi die Zinsen abgeschafft und den ein Programm von Wertpapierkäufen angekündigt. Das versetzte die Anleger in Jubelstimmung. Einziger Leidtragender war der Euro.

Mit einer neuen Runde in der geldpolitischen Lockerung trieb Draghi die Aktienmärkte weiter an. Der Dax zog kräftig um ein Prozent an und schloss bei 9.724 Punkten. Der EuroStoxx50 legte noch stärker zu - um fast zwei Prozent. Die Wall Street setzte ihre Rekordjagd fort. Der Dow erreichte mit 17.161 Punkten ein neues Allzeithoch. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag er bei 17.116 Zählern. Auch der S&P 500 rückte um rund 0,5 Prozent auf 2010 Punkte vor.

EZB öffnet die Geldschleusen

Um die zu niedrige Inflation in der Eurozone zu bekämpfen, senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitins auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent und stellte neue Wellen billigen Geldes in Aussicht. Auf der Pressekonferenz am Nachmittag kündigte Draghi das von einigen Marktteilnehmern erhoffte Programm zum Aufkauf von Unternehmenskrediten - ABS-Papieren - für Oktober an. Ein Volumen nannte er nicht, Insider gehen von etwa 500 Milliarden Euro aus.

Anleger überrascht

"Draghi hat geliefert und sicherlich nicht enttäuscht", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hatte kaum einer gerechnet", meinte ein anderer Händler.

Kritik an Draghi

Mehrere Experten kritisierten indes die zweite Zinssenkung der EZB binnen drei Monaten. "Sie bringt konjunkturell nichts und wird verpuffen", meinte Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Die Deflationsgefahr lasse sich damit nicht vertreiben. Auch Ex-Bundesbankchef Axel Weber, jetzt Verwaltungsratspräsident der UBS, ließ kein gutes Haar an Draghi. "Die EZB steht in der Gefahr, zur eierlegenden Wollmilchsau der Euro-Zone zu werden", die alles macht, was die Politik nicht schafft, haderte er auf der "Handelsblatt"-Bankenkonferenz.

Schwarzer Tag für den Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro kam nach den EZB-Beschlüssen heftig unter die Räder: Der Kurs der Gemeinschaftswährung sackte um fast zwei Cent auf 1,2945 Dollar ab. Das ist der tiefste Stand seit 14 Monaten.

Prima Stimmung in der US-Dienstleistungsbranche

Zur guten Börsenstimmung trug nicht nur Draghi, sondern auch der wichtige ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor bei. Er kletterte im August auf den höchsten Stand seit Oktober 2005. Die ADP-Arbeitsmarktdaten hingegen fielen etwas schwächer als erwartet aus. In der US-Privatwirtschaft wurden im August 204.000 neuer Stellen geschaffen. Erwartet worden war ein Zuwachs von 220.000 Jobs.

Commerzbank hat eine Sorge weniger

Größter Dax-Gewinner war die Commerzbank mit einem Plus von über fünf Prozent. Die bevorstehende Einigung mit den US-Behörden wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Sanktionen im Iran beruhigte die Anleger. Voraussichtlich werde die Commerzbank eine Buße von rund 650 Millionen Dollar (knapp 500 Millionen Euro) zahlen, sagte einer der Insider. Eine solch hohe Strafe  sei zwar sicherlich keine gute Nachricht, sagte ein Händler. "Aber positiv ist, dass die Angelegenheit damit endlich vom Tisch ist."

Jefferies glaubt an Wende von ThyssenKrupp

Zu den größten Dax-Gewinnern zählte ebenfalls ThyssenKrupp - dank des Investmenthauses Jefferies. Die Experten rechnen mit einer positiven Trendwende vor allem im Industriegeschäft. Das Stahlgeschäft werde das Ergebniswachstum vorantreiben.

Autoaktien im Vorwärtsgang

Stark gefragt waren auch die Auto-Aktien: VW, Daimler und BMW legten knapp zwei Prozent zu. Die US-Autoabsatzzahlen für den August zeigten neue Kauflust bei den US-Bürgern - vor allem für große und sportliche Autos. BMW setzte 17 Prozent mehr Fahrzeuge ab, Daimler zwölf Prozent. Die VW-Kernmarke verkaufte sich dagegen fast 13 Prozent schlechter als im Vorjahr.

Lufthansa-Piloten streiken wieder

Kaum voran kam die Aktie der Lufthansa. Am Abend kurz vor Xetra-Schluss kündigte die Vereinigung Cockpit einen Streik für den morgigen Freitag von 17 bis 23 Uhr an. Betroffen seien die Kurz- und Mittelstreckenflüge, die von Frankfurt aus starten.

Credit Suisse stuft BASF herunter

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nur ein halbes Dutzend der Dax-Mitglieder schloss im Minus. So verloren die Papiere von BASF 0,4 Prozent. Analysten der Credit Suisse haben die Aktie auf "underperform" heruntergestuft von zuvor "neutral". Zur Begründung hieß es, in Asien drohe an Überangebot an Chemieprodukten und damit Druck auf die Preise in der Branche. Größter Dax-Verlierer war die Münchener Rück mit einem Minus von 0,7 Prozent.

Veränderungen in der zweiten Börsenreihe

Einige Bewegung wird es in der zweiten und dritten Börsenliga geben. So ziehen ab dem 22. September der Immobilienkonzern Deutsche Annington und der Gabelstapler-Hersteller Kion in den MDax ein. Der Cabron-Spezialist SGL und der Küchenhersteller Rational steigen dafür in den SDax ab. Im TecDax ersetzt der Software-Hersteller Rib den Konkurrenten PSI. Mit dem Dachspezialisten Braas Monier und dem Autozulieferer Stabilus ziehen zwei Börsenneulinge in den SDax ein. Weichen müssen dafür der Handy-Zulieferer Balda und die Hawesko Holding. Im Dax gibt es keine Änderung, der Düngemittel-Hersteller K+S bleibt dem Index weiter erhalten. Die Aktien von Annigton stiegen leicht, die Papiere von Kion zogen um fast drei Prozent an.

Bilfinger, die dritte!

Größter MDax-Verlierer war Bilfinger mit einem Minus von fast zehn Prozent. Der Bau- und Dienstleistungs-Konzern hat am Morgen die dritte Gewinnwarnung in Folge veröffentlicht. Die erneute Prüfung habe eine weitere Lücke von rund 80 Millionen Euro beim operativen Ergebnis ergeben, teilte Bilfinger mit. Probleme bei großen Energiekunden und der Umbau der Industriesparte belasten noch stärker als bislang gedacht.

Nordex macht viel Wind in der Türkei

An die TecDax-Spitze flog die Aktie von Nordex mit einem Plus von über vier Prozent. Aus der Türkei gab es einen Großauftrag für 20 Anlagen des Windparks "Bagarasi". Der Auftragswert wird auf rund 48 Millionen Euro geschätzt. Die Türkei ist einer der am stärksten wachsenden Absatzmärkte des Hamburger Windanlagenbauers.

BP droht teures Nachspiel

An der Londoner Börse sackten die Aktien von BP um sechs Prozent ab. Das heißt: Gut neun Milliarden Euro an Börsenwert wurden vernichtet. Auf den britischen Ölkonzern könnten im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe um die Plattform "Deepwater Horizon" im Jahr 2010 weitere Milliarden-Kosten zukommen. Ein US-Richter urteilte am Donnerstag, die Katastrophe sei auf "vorsätzliches Fehlverhalten" und "grobe Fahrlässigkeit" von BP zurückzuführen. Der Konzern hat bereits 42 Milliarden Dollar für Kosten im Zusammenhang mit dem Vorfall beiseite gelegt.

Der Kampf ums Handgelenk ist eröffnet

Einen Tag vor Eröffnung der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin enthüllten mehrere Hightech-Konzerne der Presse ihre Neuheiten. So zeigten Samsung, LG und Sony ihre neruesten Smartwatch.-Modelle im Kampf ums Handgelenk. Die Erwartungen für die Computer-Uhren sind riesig. "Es ist noch kein Goldrausch, aber das Potenzial dafür ist da", sagte LG-Manager Sung-Jin Lee. In der nächsten Woche wird Apple voraussichtlich seine mit Spannung erwartete Computeruhr in den USA präsentieren. Sie soll laut einem Zeitungsbericht in zwei Größen kommen und mit NFC-Funk ausgestattet sein.

Loewe setzt ganz auf Vernetzung

Auch Loewe präsentiert sich auf der Ifa - mit Fernsehern, die unter anderem vom Smartphone aus gesteuert werden und das Bild an ein Tablet weitergeben. Der von Mark Hüsges und Boris Levin übernommene Fernsehgeräte-Hersteller setzt nach dem Neuaufang auf Vernetzung. Die Aktie legte am Donnerstag knapp zwölf Prozent zu - auf niedrigem Niveau.

nb

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"