Dow-Rekord verpufft

Mark Ehren

Stand: 14.05.2007, 20:05 Uhr

Der Dax hat sich im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett kaum noch bewegt. Der neue Rekord des Dow-Jonex-Index verpuffte.

Zwischenzeitlich war das vielleicht bekannteste Börsenbarometer der Welt bis auf 13.383 Zähler gestiegen. Der L-Dax lag zum Handelsschluss beim 7.458 Punkten und damit einen Zähler unterhalb des Xetra-Dax.

Gesprächsthema Nummer eins war DaimlerChrysler. Der Autoriese verkauft seine verlustträchtige US-Tochter Chrysler an Cerberus. Der Finanzinvestor übernimmt 80,1 Prozent von Chrysler für 5,5 Milliarden Euro, wobei wegen der komplizierten Struktur der Transaktion dennoch eine bilanzielle Belastung für Daimler übrig bleibt. Die Aktie des Dax-Schwergewichts legte daraufhin in der Spitze fast acht Prozent auf 65,34 Euro zu. Das war der höchste Stand seit dem Jahr 2000. "Der Verkauf von Chrysler ist zu jedem Preis eine gute Sache", sagte ein Marktteilnehmer. Doch bis Handelsschluss kühlte sich die euphorische Stimmung deutlich ab. Das Papier büßte einen Großteil des Kursgewinns ein.

Nokia wird optimistisch

Der finnische Nokia-Konzern konnte dem Dax am Nachmittag nur für kurze Zeit Unterstützung bieten. Der Mobiltelefon-Konzern hob am frühen Nachmittag seine Prognose für den Marktanteil bei Handys im zweiten Quartal an. Dieser werde über den 36 Prozent am Ende des ersten Vierteljahres liegen.

Postbank nicht gut genug
Die Postbank ist mit einem Gewinnanstieg ins neue Jahr gestartet, hat aber wegen Kosten für die Eingliederung der BHW die Erwartungen der Analysten verfehlt. Die Postbank-Aktie war einer der größten Verlierer im Dax.

RWE wendet sich an BaFin
Schwächer tendierte auch die RWE-Aktie. Der Energiekonzern hält es für möglich, dass das Gerücht, der französische Energiekonzern Electricite de France (EdF) habe Übernahmepläne, gezielt gestreut wurde. Daher habe man die Börsenaufsicht BaFin eingeschaltet.

SAP macht die Portokasse auf
Die SAP-Aktie gewann leicht nach einer Flut von Neuigkeiten. Einerseits kauft der größte deutsche Softwarekonzern die norwegische Maxware und die finnische Wicom. Andererseits will SAP mit den US-Konkurrenten SunGuard gemeinsam Software entwickeln.

Gegenwind für Deutsche Börse
Die Aktie der Deutschen Börse lag wegen des Dividendenabschlags von 3,40 Euro nur optisch im Minus. Dabei scheint sich der Widerstand von Aktionären gegen die geplante Übernahme der US-Optionsbörse ISE zu formieren.

United Internet kauft sich selber
Die Aktien des Internet-Konzerns United Internet waren mäßig gefragt. Das TecDax-Mitglied will weiter eigene Aktien zurückkaufen. Insgesamt sollen bis zu zwei Millionen Papiere über die Börse erworben werden.

Merck hin- und hergerissen
Im MDax hat die Aktie der Merck KGaA rutschte bis Handelsschluss sogar noch unter das Niveau vom Freitag. Denn das Unternehmen hat bei seinem größten Hoffnungsträger, dem Krebsmedikament Erbitux, erneut einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Die britische Gesundheitsbehörde will das Medikament nicht in Kombination mit einer Strahlentherapie für solche Patienten, die an Kopf- und Halskrebs erkrankt sind, empfehlen. Am Wochenende hatte Merck sein weltweites Generikageschäft für 4,9 Milliarden Euro an das US-Unternehmen Mylan Laboratories verkauft.

Vossloh auf Einkaufstour
Ziemlich unbeeindruckt zeigte sich die Aktie des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh. Das MDax-Mitglied hat eine Absichtserklärung zum Kauf des restlichen 50-prozentigen Anteils an der französischen ETF-Gruppe geschlossen. Der vorläufige Kaufpreis für den 50-prozentigen Anteil liegt bei 33 Millionen Euro.

Bilfinger Berger gut in Form
Die Aktie von Bilfinger Berger schlug sich im MDax überdurchschnittlich. Deutschlands zweitgrößter Baukonzern hat im Auftaktquartal dieses Jahres einen kräftigen Schub beim Auftragseingang verzeichnet und die Gewinnerwartungen von Analysten deutlich übertroffen.

Hochtief mit erfolgreicher Tochter
Auch Branchen- und MDax-Kollege Hochtief war gut aufgelegt. Leighton, die australische Tochter des Baukonzerns, hat ihr Gewinnziel für dieses Jahr zum zweiten Mal nach oben geschraubt. Wegen der brummenden Baukonjunktur "down under" soll der Gewinn jetzt um 55 Prozent steigen.

Boss-Mutter im Übernahmevisier?
Gefragt waren sowohl die Stammaktien als auch die im MDax notierten Vorzüge von Hugo Boss. Die Aktien des Großaktionärs Valentino waren vom Handel ausgesetzt worden - am Markt gebe es Übernahmegerüchte, berichtete ein Händler. "Das schürt natürlich auch Fantasie für Hugo Boss", so der Börsianer. Valentino hält mehr als 78 Prozent der Boss-Stammaktien. Am Vormittag kursierten Gerüchte, dass der Finanzinvestor Carlyle eine Erklärung zu Valentino abgeben wolle.

AWD wächst
Beim MDax-Kollegen AWD brummt das Geschäft. Der Finanzdienstleister hat dank der starken Nachfrage nach Altersvorsorge- und Vermögensaufbauprodukten im ersten Quartal 201,2 Millionen Euro umgesetzt, 11,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Netto verdiente AWD 15,2 Millionen Euro, das sind 8,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

KlöCo mit höherer Prognose
Der Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co hat im ersten Quartal 2007 dank des Stahlbooms Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Außerdem schraubte der Stahlhändler seine Jahresprognosen nach oben. Statt um zehn Prozent solle der Umsatz um mindestens 15 Prozent steigen. Auch die Ergebnisentwicklung soll besser verlaufen.

Dax-Chart realtime

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