Dow mit Handicap

Stand: 27.03.2007, 20:01 Uhr

Die miese Stimmung unter den US-Verbrauchern sprang auf die Börse über. An der Wall Street knickte der Dow Jones ein. In Deutschland sah es besser aus. Der L-Dax lag am Ende mit 6.867 Punkten leicht im Plus.

Im Xetra-Handel hatte der Dax mit 6.858 Punkten geschlossen. Damit trotzte er den bedenklichen Signalen aus den USA. Dort war das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes im März nämlich überraschend stark gesunken. Der Index des Verbrauchervertrauens fiel auf 107,2 von nach unten revidierten 111,2 Zählern im Februar, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 108,5 Punkte gerechnet. Vor allem die gestiegenen Gaspreise und die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten habe die Stimmung der Verbraucher getrübt, erklärte das Institut. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Hiobsbotschaft aus der US-Baubranche

Dazu paßt der Gewinneinbruch des US-Bauunternehmens Lennar in Höhe von 74 Prozent im zurückliegenden Geschäftsquartal. Lennar zog daraufhin seine Prognose für das Gesamtjahr 2007 zurück. Außerdem erklärte der Baukonzern, die Probleme auf dem Hypothekenmarkt hätten die ohnehin geschwächte Branche belastet. Die Krise zieht die Börsen schon seit längerem in Mitleidenschaft. Lennars Papiere verbilligten sich bis zum Börsenschluss in Deutschland um über ein Prozent. Konkurrent KB Home büßte über 2 Prozent ein.

Erfreuliche Signale vom Ifo-Institut
Während die volkswirtschaftlichen Signale aus den USA wenig Gutes verheißen, hellt sich in Deutschland die Lage immer weiter auf. Das spiegelt der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex wider. Der stieg im März überraschend von 107,0 auf 107,7 Punkte. «Der Aufschwung ist stark und robust», sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Dienstag in München. Der ifo-Index gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. Volkswirte hatten für März noch einmal mit einem leichten Rückgang gerechnet. Doch die rund 7000 befragten Unternehmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate positiver als im Februar. Der Lage-Index stieg von 111,6 auf 112,4 Punkte, der Erwartungs-Indikator von 102,6 auf 103,2 Punkte.

Adidas und DaimlerChrysler waren Zugpferde
Im Fall DaimlerChrysler rechnen Insider schon in wenigen Tagen mit "vorläufigen Angeboten" für die verlustreiche Chrysler-Sparte. Das berichtet das Handelsblatt. Allein dieses Gerücht reichte aus, um die Aktie des (noch) deutsch-amerikanischen Autokonzerns nach oben zu schieben. Wegen der Umstellung auf die internationalen Bilanzregeln IFRS kündigte DaimlerChrysler an, die Veröffentlichung der Bilanz für das erste Quartal um drei Wochen auf den 15. Mai zu verschieben. Auch dies deuteten Anleger als Zeichen dafür, dass DaimlerChrysler schon bald einen Käufer für Chrysler präsentieren werde.

Positive Studie pusht Adidas
Die Adidas-Aktie wurde durch eine Studie von Merrill Lynch gepusht. Die Investmentbank hatte die Titel des größten deutschen Sportartikelherstellers auf "Buy" angehoben und ein Kursziel von 47 Euro festgesetzt hat. Jüngste Aussagen der Adidas-Konkurrenten Foot Locker und Nike ließen auf eine Verbesserung der Nachfrage in Europa schließen, so die Analysten. Zudem dürften die Olympischen Spiele in Peking das Wachstum für Adidas in Asien stützen und auch Reebok zu Zuwächsen verhelfen.

Sonderschichten im VW-Stammwerk
Bei Volkswagen läuft das Geschäft. So gut, dass der Wolfsburger Autohersteller wegen der hohen Nachfrage nach seinem Kompaktmodell Golf Sonderschichten im Stammwerk in Wolfsburg fährt. Über die bisher üblichen Schichten hinaus solle auch an Samstagen in der Früh und an Sonntagen in der Nacht gearbeitet werden, kündigte Europas größter Autokonzern am Dienstag an. Bisher arbeiten die VW-Beschäftigten in der Golf-Fertigung von Montag bis Freitag 36 Stunden. Damit ist nach Unternehmensangaben wochentags die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Stückzahlen beim Golf nannte VW nicht. Die Zusatzschichten an Wochenenden sind von Ende Mai bis Anfang Oktober geplant. Der Kurs der VW-Aktie schwankte mächtig hin und her. Nach einem Tagestief von 110 Euro, bäumte sich die Aktie bis zum Xetra-Schluss auf und ging mit 113,50 Euro aus dem Rennen. Das bedeutete einen Abschlag von 0,4 Prozent.

Deutz-Aktie läuft hochtourig
Der Motorenhersteller Deutz hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz und Geschäftsgewinn gesteigert. Die Erlöse stiegen um rund 13 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich um 30 Prozent auf 81,5 Millionen Euro, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Im laufenden Jahr will Deutz seinen Umsatz um bis zu zehn Prozent steigern.

Der Finanzdienstleister MLP ist nach einem starken Schlussquartal etwas schwächer in das neue Jahr gestartet. Dennoch habe sich das Geschäft "planmäßig" entwickelt, sagte MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg auf der Bilanzpressekonferenz. In diesem Jahr will der Konzern vor allem durch die weitere Integration des im Oktober erworbenen Vermögensverwalters Feri wachsen. Außerdem wird MLP in den kommenden Wochen die im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms erworbenen Aktien einziehen.

IWKA-Aktie stoppt Talfahrt
Das Papier des Maschinen- und Anlagenbauers IWKA dämmte nach dem Verkauf seiner Verpackungssparte an einen Fonds seine Kursverluste ein. Inklusive des Verkaufs eines Grundstücks, das von der Verpackungssparte genutzt wird, habe die Transaktion ein Gesamtvolumen von 255 Millionen Euro, teilte IWKA mit. Am Markt wurde der Verkauf an einen Fonds der Berliner Beteiligungsgesellschaft Odewald & Compagnie begrüßt. Angesichts maximal erwarteter 200 Millionen Euro sei der Preis von 240 Millionen Euro für den Verpackungsbereich sehr gut, sagte ein Stuttgarter Aktienhändler. Von einem Frankfurter Börsianer hieß es, die Prognosen hätten bei 220 bis 250 Millionen Euro gelegen - daher liege der Preis für die Sparte immer noch am oberen Ende der Erwartungen. Zudem helfe die Transaktion dem Unternehmen, seine Struktur zu optimieren. Überraschend kam der Verkauf allerdings nicht - im Markt wurde übereinstimmend auf vorangegangene Gerüchte und Presseberichte

Der im TecDax notierte Solarzellenhersteller Q-Cells hat die bereits bekannte Jahresbilanz bestätigt und die Ziele für dieses Jahr erläutert. Der Umsatz im Jahr 2006 betrug demnach knapp 540 Millionen Euro, das Jahresergebnis 87,7 Millionen Euro. In diesem Jahr will Q-Cells schneller wachsen und die Produktionskapazitäten weiter ausbauen. 500 Mitarbeiter will Q-Cells zudem zusätzlich einstellen.

Air Berlin checkt bei LTU ein
Die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat ihre Jahresbilanz veröffentlicht und zugleich bekannt gegeben, den Ferienflieger LTU zu übernehmen. Nach einem Millionenverlust im Jahr 2005 verbuchte die Billigfluglinie im vergangenen Jahr einen Gewinn von 50,1 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Für die Übernahme der Fluglinie LTU will Air Berlin 140 Millionen Euro bezahlen und etwa 200 Millionen Euro an Verbindlichkeiten übernehmen. Die Übernahme wurde zwar schon notariell bekundet, die Zustimmung des Bundeskartellamtes steht jedoch noch aus. Die im SDax notierte Aktie verteuerte sich um über ein Prozent.

Schwacher Börsenstart
Aktien des Biotechnologieunternehmens Vita 34 International sind sehr schwach an der Börse gestartet. Titel der Leipziger Nabelschnur-Blutbank notierten am Ende ihres Premierentages 12,60 Euro. Der Ausgabepreis betrug 15 Euro, der erste Kurs 14,40 Euro. Statt 1,012 Millionen Aktien platzierte das Unternehmen nur 600.000 Stück, immerhin ist Vita 34 im am stärksten regulierten Segment der Frankfurter Börse, dem Prime Standard, notiert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"