Marktbericht 20:03 Uhr

Dax fällt unter 10.400 Punkte Donald Trump macht die Börse nervös

Stand: 02.11.2016, 20:03 Uhr

Eine Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA ist zuletzt wieder wahrscheinlicher geworden. Das schmeckt der Börse gar nicht, der schleichende Ausverkauf setzt sich fort. Der Dax musste Federn lassen.

"Die Wiederauferstehung Trumps in den Umfragen so kurz vor der Wahl hat Investoren ernsthaft erschüttert", fasst Marktanalyst Craig Erlam vom Brokerhaus Oanda zusammen, um was es derzeit an der Börse geht. Der deutsche Leitindex bröckelte dementsprechend im Verlauf immer weiter ab. Denn Trump gilt als unberechenbarer als seine Rivalin Hillary Clinton.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zur Wochenmitte wurde ein Schlussstand von 10.370 Punkten erreicht - ein Tagesverlust von 1,47 Prozent oder 155 Punkten. Zudem bedrohlich nahe am Tagestief, das bei 10.368 Punkten lag. Mittlerweile hat der Index wegen der gestiegenen politischen Ängste in den vergangenen Handelstagen schleichend über 400 Punkte verloren.

Obwohl sich die Lage am Aktienmarkt damit auch markttechnisch deutlich eingetrübt hat, scheint es aber noch zu früh, den Bärenmarkt auszurufen. Denn politische Börsen haben meist kurze Beine. Erst wenn die US-Präsidentschaftswahl am 8.11. gelaufen ist, dürften die Karten wirklich neu gemischt werden.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Derweil prognostiziert Moody's Analytics, ein Ableger der amerikanischen Ratingagentur Moody's, bei der US-Wahl einen Sieg der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Für die Einschätzung verwendet Moody's Analytics ein Prognose-Modell, das bei den vergangenen neun Präsidentschaftswahlen den Gewinner jeweils richtig vorhersagte. Es basiert auf einer Kombination aus Wirtschaftsfaktoren und Politikgeschichte.

Wall Street verliert nicht so stark, Fed wie erwartet

Zwar beherrscht auch an der Wall Street die Politik das Geschehen. Allerdings nicht so dramatisch wie hierzulande. Der Leitindex Dow Jones liegt derzeit nur leicht im Minus und kämpft derzeit mit der Marke von 18.000 Punkten. Gleiches gilt für den breiter gefassten S&P-500-Index bei der Marke von 2.100 Punkten. Daran hat auch die Zinssitzung der Fed nicht geändert.

Auf ihrer Zinssitzung hat die US-Notenbank erwartungsgemäß keine Entscheidung getroffen, der Leitzins bleibt damit unverändert. Eine Pressekonferenz gab es nicht, es wurde lediglich eine Erklärung veröffentlicht. Darin heißt es, dass sich die Argumente für eine Anhebung verstärkt hätten. "Das deutet weiter auf eine Erhöhung im Dezember hin, ohne dass sich die Währungshüter darauf festgelegt hätten", sagte Fed-Beobachter John Canally vom Finanzhaus LPL Financial.

Während die Fed am Arbeitsmarkt ihr Ziel praktisch erreicht hat, blieb der Preisauftrieb zuletzt unter der angestrebten Marke von zwei Prozent. Die Wirtschaft lief zuletzt auf Hochtouren und gibt der Notenbank Argumente für eine Erhöhung an die Hand.

Ölpreis fällt weiter

Viel Politik ist auch, wie fast immer, beim Ölpreis im Spiel. Aktuell sieht es trotz einer prinzipiellen Einigung zur Deckelung der Förderquoten so aus, als ob sich Ölproduzenten immer noch nicht einigen können, wie die Förderquoten zukünftig aufgeteilt werden. Der Ölpreis bleibt daher ein Spielball der politisch meist äußerst zerstrittenen Fördergemeinschaft, vor allem in Nahmen und mittleren Osten.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Das tut den Notierungen für das schwarze Gold nicht gut, denn Öl gibt es auf den Weltmärkten weiter mehr als genug. Der Preis für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI fielen heute weiter und liegen deutlich unter 50 Dollar je Fass. Am Ende des Monats soll übrigens im Opec-Kartell und mit Russland weiterverhandelt werden.

Greenback unter Druck

Auch der Dollar schwächelt derzeit, nachdem Donald Trump in einer Umfrage erstmals seit Monaten knapp vorne lag. Am Devisenmarkt ist die Stimmung vor der Wahl extrem angespannt. "Der Markt erlebt gerade ein Déjà vu", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. "Er hat die Turbulenzen am Devisenmarkt nach dem Brexit-Referendum nicht vergessen."

Der Euro legt über 1,11 Dollar zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1095 (Dienstag: 1,1025) mehr als einen halben Cent höher US-Dollar fest. Auch zu anderen Währungen verlor der Greenback deutlich. Anleger flohen in die sicheren Häfen Japanischer Yen und Schweizer Franken. Auch das Gold gehört dazu.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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War sonst noch was?

Natürlich, nämlich das eigentliche Brot- und Buttergeschäft der Börse, das derzeit eindeutig zu kurz kommt. Denn die Berichtssaison für das dritte Quartal ist in vollem Gang und wird morgen einen weiteren Höhepunkt erreichen. Nachrichten aus dem Unternehmenssektor gibt es also derzeit mehr als genug. Bisher haben die Zahlen das Marktgeschehen aber nur kurz beeinflussen können. Zudem fielen die Neuigkeiten auch durchwachsen aus.

BMW und VW in den USA so gar nicht gefragt

Zum Beispiel die Autoaktien, die heute zu den Verlierern gehörten. Passend zum allgemeinen Markttrend gab es negative Nachrichten aus den USA: Die Amerikaner haben sich auch im Oktober mit Autokäufen zurückgehalten. Am Besten kam noch Daimler mit einem Minus von 1,0 Prozent bei der Marke Mercedes-Benz davon. Bei Volkswagen und BMW brach der Absatz dagegen jeweils um über 18 Prozent weg.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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51,39
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,64
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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143,98
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Betriebsrenten-Deal beschert Lufthansa Gewinnsprung

Endgültige Zahlen für das dritte Quartal legte derweil die Lufthansa vor. Die Umstellung der Betriebsrenten für die Flugbegleiter hat der Lufthansa im Sommer einen kräftigen Gewinnsprung verschafft. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Gewinn von 1,4 Milliarden Euro und damit 79 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dank der Einigung mit der Gewerkschaft Ufo konnte die Lufthansa Rückstellungen in Höhe von gut 700 Millionen Euro auflösen.

Trotzdem verlor die Aktie nach Meldungen, dass Billigflieger Ryanair jetzt auch am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen der Kranichairline Konkurrenz machen will. Die Iren profitierten dabei vom Neukunden-Rabatt des Betreibers Fraport. Insgesamt sind die Deutschland-Pläne von Ryannair klar auf Expanison ausgerichtet, was der Lufthansa natürlich nicht gefallen dürfte.

Deutscher Bank drohen schärfere Kapitalregeln

Im Rahmen der Diskussion um neue Eigenkapitalvorschriften für Banken (im Fachjargon "Basel IV" genannt), drohen der Deutschen Bank schärfere Regeln. Zwar sollen die zukünftigen Anforderungen im Verhältnis zum gegenwärtigen Basel-III-Akkord nicht steigen, es gibt aber Ausnahmen. So unter anderem für die Deutsche Bank, die als einer der wenigen "Ausreißer"gilt, für die eine höhere Eigenmittelunterlegung im Gespräch ist.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,50
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Dies berichtet "Reuters" und beruft sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen, zwischen amerikanischern und europäischen Bankenaufsehern gibt es nämlich grundsätztlich unterschiedliche Meinungen über die Methodik, mit der die Banken in ihren Modellen mögliche Ausfälle berechnen. Die Bank wollte sich nicht äußern.

Symrise will sein Profil schärfen

Eine starke Nachfrage nach Duft- und Aromenstoffen hat Symrise in den ersten neun Monaten ein Umsatzplus von 16 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro beschert. Im Januar hatte Symrise mit dem Kauf der amerikanischen Pinova das Duftstoffgeschäft um weitere natürliche Rohstoffe gestärkt. Symrise will die Industriesparte der neuen Tochter an das französische Unternehmen DRT verkaufen und so sein Profil schärfen.

Schwacher US-Markt bremst Autozulieferer Norma

Der Auto- und Industriezulieferer Norma bekommt die Schwäche am amerikanischen Markt für Nutzfahrzeuge und Landmaschinen zu spüren. Nach schwachen Quartalszahlen fiel das Papier deutlich zurück und hielt am Ende die rote Laterne im MDax in Händen.

Hugo Boss: So schwach und doch so stark

Der Modekonzern Hugo Boss konnnte hingegen mit ebenfalls schwachen Zahlen, die aber über den Erwartungen lagen, bei den Anlegern punkten. Die Aktie führte den MDax mit einem Tagesgewinn von 4,22 Prozent an. Der Konzernumsatz sank um sechs Prozent auf 703 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel der Gewinn um neun Prozent auf 80,6 Millionen Euro.

Hypoport profitieren von Aktienrückkauf

Die Aktie von Hypoport zog kräftig an und war Tagessieger im SDax. Das Unternehmen hat am Morgen einen Aktienrückkauf mit einem Gesamtvolumen von 5,0 Millionen Euro angekündigt. Der Höchstpreis je Aktie ist auf 80,00 Euro zuzüglich Nebenkosten festgelegt. Das Rückkaufprogramm soll spätestens zum 31. März 2017 beendet sein.

Comdirect mit schwachem Sommergeschäft

Die ebenfalls im SDax notierte Commerzbank-Tochter Comdirect hat im Sommerquartal mit 13,6 Millionen Euro 30 Prozent weniger verdient. Der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge sackte um gut zwölf Prozent auf 28,8 Millionen Euro ab. Ein schwacher Börsenhandel im Sommer drückte den Provisionsüberschuss ebenfalls um gut zwölf Prozent auf 51,46 Millionen Euro.

Morphosys mit neuem strategischen Partner

Die Morphosys-Aktie tendierte heute im TecDax gegen den Markt leicht im Plus. Das Biotechunternehmen gab die Zusammenarbeit mit der dänischen Pharmafirma LEO Pharma bekannt.

Beide Firmen wollen mehrere therapeutische Antikörper gegen Hauterkrankungen entwickeln. Wie das Unternehmen aus Martinsried bei München bekannt gab, winken pro Antikörperprogramm im Erfolgsfall Meilensteinzahlungen von bis zu 111, 5 Millionen Euro und eine Umsatzbeteiligung.

Neue Milliardenfusion in Amerika

Der US-Konzern Broadcom übernimmt für 5,5 Milliarden Dollar plus 400 Millionen Dollar Schulden den Netzwerkausrüster Brocade. In der Halbleiterindustrie grassiert seit vergangenem Jahr ein Übernahmefieber. Der enorme Kostendruck und neue Konkurrenz aus China drängen die Unternehmen zu Zusammenschlüssen.

Erst vergangenes Jahr hatte der US-Anbieter Avago den Konkurrenten Broadcom übernommen, unter dessen Namen der neue Konzern mittlerweile firmiert. Mit 37 Milliarden Dollar gehörte der Deal zu den größten Übernahmen der Branche. Brocade-Aktien steigen an der Nasdaq aktuell deutlich über zehn Prozent.

Alibaba verliert auf den zweiten Blick

Die chinesische Online-Handelsplattform Alibaba kann weiterhin schnell wachsen, wie die jüngsten Zahlen des Unternehmens zeigen. Die Alibaba-ADRs an der NYSE, die zunächst mit Zuwächsen gestartet waren, sind mittlerweile aber ins Minus gedreht. Alibaba ist mit seinen Diensten wie Taobao und Tmall die führende Handelsplattform in China und will - wie Amazon - auch verstärkt zu einem Cloud-Dienstleister werden.

Neue Microsoft-Software am Markt

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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95,34
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Microsoft hat eine neue Plattform für die Team-Arbeit in Unternehmen in der Office-Umgebung vorgestellt. Die Software "Microsoft Teams", die Elemente wie Chats, Newsfeeds und Gruppen für den Unternehmensalltag bereitstellt, ist fester Bestandteil von Microsofts Office-365-Paket und soll individuell konfigurierbar sein. Es gebe heute enorme Möglichkeiten und Veränderungen darin, wie Menschen und Teams ihre Arbeit verrichten, schreibt Kirk Koenigsbauer, bei Microsoft für das Office-Geschäft zuständig, in einem Blog-Eintrag.

Facebook-Tochter Instagram testet Kauf-Button

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
134,60
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Das Internet-Fotonetzwerk Instagram will am Online-Handel mitverdienen. Das Facebook-Tochterunternehmen kündigte am Dienstag an, ab nächster Woche in den USA in kleinem Rahmen eine Funktion zu testen, mit der Nutzer "leichter" Produkte kaufen können, die sie auf Instagram-Bildern entdecken. Der Mutterkonzern Facebook legt heute Abend nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vor.

US Steel enttäuscht

Der US-Stahlkocher hat schwache Quartalszahlen vorgelegt die unter den Markterwartungen lagen. Zudem wurden die Jahresziele gesenkt. Das Papier fiel zunächst deutlich zurück, hat aber mittlerweile seine Verluste eingegrenzt.

rm

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier