Dollar-Flut ertränkt die Bären

Detlev Landmesser

Stand: 12.12.2007, 20:26 Uhr

Im Angesicht der Krise haben die führenden Notenbanken doch noch ein paar Pfeile im Köcher. Mit einer überraschenden konzertierten Aktion beeindruckten sie am Mittwoch die Finanzmärkte - zumindest vorübergehend.

Eigentlich standen die Börsenampeln nach der erwarteten Fed-Entscheidung vom Dienstag auf Rot - schließlich drohte nun wieder die Finanzkrise und ihre Folgen für die Realwirtschaft in den Fokus zu rücken.

Doch kurz vor Eröffnung der Wall Street sorgten die Notenbanken der USA, Kanadas, der Eurozone, Großbritanniens und der Schweiz für einen Paukenschlag: Die Zentralbanken stellten den Finanzmärkten milliardenschwere Liquiditätsspritzen in Aussicht, um den gefürchteten Engpässen zum Jahresende vorzubeugen. Zunächst will die Fed am Montag Kredite im Volumen von 20 Milliarden Dollar bereitstellen. Eine weitere Versteigerung gleichen Volumens soll am 20. Dezember stattfinden. Auch die EZB plant zwei Auktionen über je zehn Milliarden Dollar, um einen Dollar-Engpass in Europa zu verhindern.

Das ließ die Zinssätze am angespannten Geldmarkt deutlich zurückgehen. Die Banken hatten sich in den letzten Wochen nur widerwillig Geld geliehen, woraufhin die Zinssätze immer weiter gestiegen waren. Zuletzt war der Zinssatz, zu dem Banken sich im Euro-Raum untereinander Geld ausleihen, auf 4,9 Prozent geklettert, also deutlich über den Leitzins von 4,0 Prozent, zu dem die EZB den Banken Geld ausleiht.

Die US-Futures und in ihrem Gefolge der Dax drehten daraufhin steil nach oben. Der zu befürchtende Effekt auf die Inflation störte indes niemanden. Gegen Abend bröckelten die Kurse an der Wall Street bereits wieder - schließlich wütet die Subprime-Krise weiter in den Bankbilanzen.

Neuer Abschreibungsreigen

Das bewiesen am Mittwoch gleich zwei US-Banken. Die Bank of America warnte vor einem Gewinneinbruch im vierten Quartal: "Es ist sicherlich anzunehmen, dass die Ergebnisse erneut ziemlich enttäuschend ausfallen werden", erklärte Konzernchef Ken Lewis. Lewis verwies dabei auf schwache Geschäftsaktivitäten und erwartete Abschreibungen. Kursverluste verzeichnete auch die Aktie von Wachovia. Die viertgrößte US-Bank rechnet im vierten Quartal mit etwa doppelt so hohen Rückstellungen für Kreditausfälle. Diese lägen voraussichtlich bei einer Milliarde Dollar.

Am deutschen Makrt bewegten auch Analystenstimmen die Kurse. Die Bayer-Aktie profitierte von einer Empfehlung der Analysten von JP Morgan, die das Kursziel für den Pharmatitel auf 75 Euro erhöhten. Die Aktie von SAP litt zeitweise unter einer Herabstufung durch Credit Suisse.

Infineon-Ausblick enttäuscht
Die Infineon-Aktie schaffte nach einem schwächeren Tag doch noch fast eine Punktlandung. Die Anleger hatten sich zunächst enttäuscht von dem Umsatzausblick des Halbleiterkonzerns für das Geschäftsjahr 2007/08 gezeigt. Die Erlöse sollen ohne die Tochter Qimonda bestenfalls zweistellig wachsen. 2006/07 hatte der Umsatz ohne Qimonda bei 4,07 Milliarden Euro gelegen.

Neue Fantasie für die Norddeutsche Affi
Stärkster MDax-Titel war die Aktie der Norddeutschen Affinerie, die um 16,1 Prozent nach oben schoss. NA-Großaktionär Mirko Kovats hatte angekündigt, seine rund 14-prozentige Beteiligung auf etwa 20 Prozent aufstocken zu wollen. Zudem solle die 25-Prozent-Beteiligung an Cumerio der NA zu 30 Euro pro Aktie angeboten werden, wenn das europäische Kartellamt der NA die Zustimmung gibt.

Drei Neuigkeiten von Arcandor
Kurzzeitig legte die Arcandor-Aktie zu. Der Handelskonzern einigte sich über den Verkauf seiner restlichen Immobilien. Mit der Deutsche-Bank-Tochter RREEF, der Mailänder Pirelli Real Estate und der Borletti Group sei eine Absichtserklärung über den Kauf des Arcandor-Anteils am Immobilien-Joint-Venture Highstreet erzielt worden, teilte der MDax-Konzern am Nachmittag mit. Die Essener erwarten daraus einen Betrag in Höhe von 800 Millionen Euro. Arcandor will die Immobilien zurückmieten.

Zudem gehe die 51-Prozent-Mehrheit am Versender neckermann.de ohne Kaufpreis an den US-Finanzinvestor Sun Capital Partners, teilte der Konzern weiter mit. Arcandor behalte 49 Prozent der Anteile und damit die Aussicht auf einen Erlös zwischen 170 Millionen Euro und deutlich mehr als 300 Millionen Euro nach einem Verkauf oder Börsengang von neckermann.de.

Der Handelskonzern kündigte zudem eine Überkreuzbeteiligung mit den Luxuswarenhausketten La Rinascente in Italien und Printemps in Frankreich an. Damit erhielten die Karstadt Premiumhäuser einen besseren Zugang zu Luxusmarken, teile Arcandor mit.

K+S hat seine liebe Not mit dem Dollar
Der Düngemittelhersteller K+S hat seine Dollar-Absicherung umgestellt und schließt für das laufende Jahr beim unbereinigten Konzernergebnis nach Steuern einen Nettoverlust nicht aus. Die Dividendenausschüttung sei davon aber nicht betroffen, teilte die Gesellschaft mit. Sie orientiere sich wie bisher am bereinigten Konzernergebnis nach Steuern. Dies dürfte deutlich positiv ausfallen. Auch für das kommende Jahr zeigte sich der Kasseler Konzern weiter zuversichtlich.

Tognum will 2008 über drei Milliarden umsetzen
Der Dieselmotorenhersteller Tognum schlägt für sein erstes Geschäftsjahr an der Börse die Zahlung einer Dividende von 60 Cent je Aktie vor. Das laufende Jahr werde der Konzern mit einem Umsatzanstieg von mehr als zehn Prozent auf 2,8 Milliarden Euro abschließen, kündigte Tognum an. 2008 wird ein Anstieg von zwölf Prozent erwartet. Die Rendite soll dann zwischen 13 und 15 Prozent liegen.

Neuer Schock von Conergy
Conergy aus dem TecDax hat da ganz andere Probleme. Der angeschlagene Hamburger Solaranlagenbauer korrigierte seine Geschäftsprognosen für das laufende Jahr erneut nach unten. Vor Zinsen und Steuern erwarte der Vorstand nun einen Verlust zwischen 150 und 200 Millionen Euro. Der Umsatz von einer Milliarde Euro werde voraussichtlich nicht erreicht. Mit einem umfassenden Konzernumbau und Stellenstreichungen will Conergy aus der Krise kommen. Die Aktie war am Morgen um bis zu 22,3 Prozent eingebrochen.

Carl Zeiss Meditec erhöht Dividende kräftig
Zunächst stand Carl Zeiss Meditec auf der Gewinnerseite im TecDax, konnte sich aber nicht im Plus halten. Der Medizintechnikanbieter konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 sein Ergebnis um 80 Prozent auf 47,8 Millionen Euro steigern. Der Umsatz kletterte um rund 46 Prozent auf 569,7 Millionen Euro. Um auch die Eigentümer an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen, soll die Dividende kräftig steigen, auf 43 Cent gegenüber 16 Cent im Vorjahr. Vorstandssprecher Ulrich Krauss prophezeite ein anhaltend kräftiges Wachstum, das auch durch Zukäufe ergänzt werden könnte.

Comdirect und Interhyp kooperieren
Die Commerzbank-Tochter Comdirect und der Baufinanzierungsvermittler Interhyp arbeiten künftig in der privaten Baufinanzierung zusammen. Die Kooperation der beiden SDax-Unternehmen solle im ersten Quartal 2008 starten, teilte Interhyp am Mittwoch mit. Das Unternehmen werde Comdirect ein Baufinanzierungscenter auf deren Internetseite zur Verfügung stellen. Comdirect hatte bereits vor einigen Monaten angekündigt, im nächsten Jahr in die Baufinanzierung einzusteigen. Bisher ist der Broker auf die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen und auf Tagesgeld- und Girokonten spezialisiert.

Demag zahlt mehr an Aktionäre
Nach einem kräftigen Gewinnanstieg will Demag Cranes seinen Aktionären für das Geschäftsjahr 2006/07 eine um zehn Cent auf 1,10 Euro angehobene Dividende zahlen. Der Düsseldorfer Kranhersteller teilte mit, der Überschuss im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende September) sei um rund 48 Prozent auf 32,8 Millionen Euro gestiegen. Den Umsatz steigerte das SDax-Unternehmen um 9,5 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro.

Chinesische Reederei mit fulminantem Börsendebüt
Der Börsenhype in China ist indessen ungebrochen. Die weltweit drittgrößte Reederei China Shipping Container Lines (CSCL) legte am Mittwoch ein fulminantes Börsendebüt hin. Der Wert ihrer Aktien kletterte am ersten Handelstag in Schanghai zeitweise um 68 Prozent. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung auf 17 Milliarden US-Dollar.

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