Doch noch Jahresendrally?

Thomas Spinnler

Stand: 20.12.2011, 19:41 Uhr

Mit einem grandiosen Plus ist der Dax am Dienstag aus dem Handel gegangen. Das Tagesthema war Vertrauen: Gleich zwei deutsche Klimaindizes fielen besser aus als gedacht. Bei so viel Optimismus wollten die Anleger wohl nicht nachstehen - dennoch ist Vorsicht geboten.

Der Dax übersprang gleich zwei runde Marken und schloss bei 5.847,03 Zählern mit einem Aufschlag von 3,1 Prozent. Beinahe punktgenau der Tageshöchststand - ein gutes Omen für den morgigen Handelstag. "Aus charttechnischer Sicht sollte der Bereich um 5850 überwunden werden, um den Weg Richtung 6.000 frei machen zu können", kommentierte IG-Markets-Experte Johannes Bollongino. Der Late Dax legte 3,2 Prozent auf 5.852,31 Punkte zu.

"Mit Blick auf die anstehenden Feiertage rechnen wir mit einem sukzessive abnehmenden Handelsvolumen", schrieben die Experten von Union Investment in ihrem Wochenausblick. Und in der Tat: Die Umsätze waren am Dienstag relativ niedrig und betrugen deutlich weniger als die Hälfte der Umsätze vom vergangenen Freitag. Somit hätten bereits kleine Orderaufträge das Potenzial, größere Kursausschläge zu verursachen: "Die Volatilität sollte daher unvermindert hoch bleiben", warnen die Fachleute.

Auch der Dow Jones legte in den USA deutlich zu und lag am Abend mit einem Aufschlag von mehr als zwei Prozent deutlich über 12.000 Punkten. Der Euro Stoxx 50 schloss 2,7 Prozent fester, der CAC 40 in Paris kletterte ebenfalls um 2,7 Prozent, der britische FTSE 100 gewann dagegen nur ein Prozent. Unerwartet gute Konjunkturdaten hätten die Kurse dies- und jenseits des Atlantiks angetrieben, begründeten Händler den erstaunlichen starken Kaufdrang. Außerdem hätte der Markt goutiert, dass eine spanische Anleiheauktion besser gelaufen sei als gedacht.

Die Stimmung stimmt
Bereits der Start in den Tag glückte: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte im Dezember den ersten Anstieg der Konjunkturerwartungen der Verbraucher seit fünf Monaten vermeldet. Insgesamt trat der Konsumklimaindex bei 5,6 Punkten auf der Stelle. Einen weiteren Schub erhielt der Dax vom Ifo-Geschäftsklimaindex, der für Experten unerwartet von 106,6 Punkten im Vormonat auf 107,2 Punkte stieg. Eine frohe Botschaft, fanden Fachleute: Für HSBC-Analyst Thomas Amend signalisieren die aktuellen Ifo-Daten, dass keine ausufernde Rezession in Deutschland zu befürchten ist.
Ein Händler wollte die Daten allerdings nicht überbewerten und wies darauf hin, dass die Vergangenheit zeige, dass es auch in einer wirtschaftlichen Abschwungphase immer wieder zu Ausschlägen des Ifo nach oben komme.

Es wird mehr gebaut
Nachschub an guten Nachrichten brachten schließlich Konjunkturdaten aus den USA. Dort stiegen die Baubeginne und Baugenehmigungen stärker als Experten prognostiziert hatten. Die Fachleute der Postbank erhalten sich ihren kritischen Blick: Zwar wurde der Eindruck untermauert, dass die US-Wohnungsbauinvestitionen ihren Tiefpunkt durchschritten hätten, schreiben sie. Dies könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Niveau immer noch "sehr, sehr niedrig" und der US-Wohnungsbau "weit von einer Normalisierung entfernt" sei, lautet ihre Einschätzung.

Harter Schlag für die Telekom
Alle Dax-Titel legten zu, lediglich die Papiere der Telekom blieben unbeliebt. Der Konzern hatte am Abend mitgeteilt, dass der Verkauf seiner Tochter T-Mobile USA an AT&T geplatzt ist. AT&T muss nun an die Telekom drei Milliarden Dollar zahlen. Hinzu kommt nach Telekom-Angaben eine mehrjährige Vereinbarung über Roaming-Leistungen sowie ein Paket an Mobilfunk-Frequenzen zugunsten von T-Mobile USA, deren Wert Analysten bei weiteren drei Milliarden Dollar sehen.

Daimler rangiert weit oben...
Ein Bericht über die Suche Daimlers nach einem Großaktionär in China hat den Titeln Auftrieb gegeben, die um mehr als fünf Prozent fester schlossen. Die Aktien des Autobauers setzten sich mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 32,16 Euro am Mittag an die Dax-Spitze. Das "Manager Magazin" hatte berichtet, dass Daimler nach Interessenten für eine Beteiligung in Höhe von fünf bis zehn Prozent an dem Stuttgarter Konzern Ausschau halte. Daimler wollte sich dazu nicht äußern. "Die Aktie profitiert von der Hoffnung, dass die Suche auch erfolgreich ist", sagte ein Händler.

...ThyssenKrupp liegt ebenfalls vorn
Auch die Titel von ThyssenKrupp gingen überdurchschnittlich fest aus dem Handel. Der Konzern prüft erneut Schadenersatzforderungen gegen Ex-Vorstandschef Ekkehard Schulz und weitere Vorstände wegen des Milliarden-Debakels um den Stahlwerkbau in Brasilien. Insgesamt sieht die Lage indes nicht so rosig aus: Im November stieg die globale Produktion im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 1,1 Prozent auf 115,5 Millionen Tonnen, wie der Weltstahlverband mitteilte. In den ersten elf Monaten dieses Jahres zusammen lag der Zuwachs noch bei 7,4 Prozent.

Metro profitiert von guter Stimmung
Das überraschend gute Geschäfts- und Konsumklima in Deutschland hat Titeln der Einzelhandelsbranche Auftrieb gegeben. Metro-Aktien waren mit einem Plus von mehr drei Prozent weit vorn. "Es sieht zudem charttechnisch so aus, als hätten die Metro-Aktien ihren Tiefpunkt erreicht", sagte ein Händler. In Paris rückten Carrefour-Papiere vor.

Süss Microtec stürzt ab
Um mehr als zehn Prozent bricht die Aktie von Süss Microtec ein. Das TecDax-Unternehmen erwartet einen niedrigeren Auftragseingang im vierten Quartal. Statt 30 bis 40 Millionen Euro dürften es nun nur 20 bis 25 Millionen werden. Damit werde auch die Gewinnmarge nur am unteren Rand der Erwartungen liegen, teilte das Unternehmen am Morgen mit.

Nordex bekräftigt Prognose...
... aber es hilft nicht: Die Aktie schloss etwas leichter. Nordex-Vorstandschef Thomas Richterich sagte dem "Handelsblatt", er sei zuversichtlich, dass Nordex es schaffe, "im kommenden Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen". Die ersten neun Monate hatte Nordex mit einem Konzernverlust von 600.000 Euro abgeschlossen. Für das Gesamtjahr erwartet die Firma einen operativen Verlust von rund zehn Millionen Euro.

SGL Group Schlusslicht im MDax
Im MDax lag der Karbonspezialist SGL Group ganz hinten. sein Eigenkapital weiter gestärkt. Inhaber von SGL-Wandelanleihen hätten von ihrem Wandlungsrecht Gebrauch gemacht, wodurch 3,3 Millionen neue Aktien geschaffen worden seien, teilte das Unternehmen mit. Das Eigenkapital erhöhe sich um 98 Millionen Euro. Gleichzeitig sinke die Verschuldung um 107,4 Millionen Euro.

AstraZeneca dämpft Gewinnerwartungen
Der zweitgrößte britische Pharmakonzern AstraZeneca muss wegen negativer Studienergebnisse seine Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr dämpfen. Wie der Konzern am Dienstag mitteilte, werden durch die Einstellung verschiedener Testreihen Abschreibungen in Höhe von mehr als 380 Millionen Dollar fällig. Die Summe wird der Konzern eigenen Angaben zufolge im vierten Quartal verbuchen. Dadurch dürfte der Gewinn je Aktie im Gesamtjahr zwar noch weiterhin in der Spanne von 7,20 bis 7,40 Dollar ausfallen, aber vermutlich eher am unteren Ende.

Immofinanz und der starke Euro
Das österreichische Immobilienunternehmen Immofinanz hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 seinen Reingewinn auf 237 Millionen Euro gesteigert. Das entspricht einem Plus von 740 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. Grund sind Wechselkursgewinne und ein höheres Bewertungsergebnis der Immobilien bei gleichzeitig niedrigeren Abschreibungen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
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Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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